Jason und die Argonauten (1963) – Filmkritik

Die griechische Mythologie hätte gut ein Cinematic Universe abgegeben. In den 1960ern bis in die 1970er gab es dank des Spezialeffekte-Künstlers Ray Harryhausen eine wahre Renaissance der sagenumwobenen Geschichten auf der großen Leinwand. Aber in dieser Zeit waren Marketing und Filmfranchise noch Worte der Zukunft. JASON UND DIE ARGONAUTEN hätte der perfekte Startschuss für eine zusammenhängende Filmreihe bedeuten können. Action, Romantik, Helden und Monster werden in diesem Abenteuerfilm im Minutentakt geboten. Vor allem Todd Armstrong als titelgebender Protagonist ist sympathisch und leinwandpräsent zugleich.

© Koch Films

Handlung

Pelias (Douglas Wilmer) traut eher dem Wahrsager als seinen Soldaten. Somit lässt er sich auf die Interpretation aus einem Häuflein schwarzer Kohle ein und tötet zahlreiche Verwandte von König Aristo, dessen Thron über Thessalien er eben erobert hat. Seine Gnadenlosigkeit bleibt von der Göttin Hera (Honor Blackman) nicht unbemerkt, die Jason, den Neffen und rechtmäßigen Erben des Throns, von nun an beschützen wird. Als Jason (Todd Armstrong) erwachsen ist, rettet er einen Mann aus dem Wasser. Er weiß nicht, dass es sich um Pelias handelt, der seine ganze Familie umgebracht hat. Jason ist erbost über Pelias Eitelkeit und schwört, das Goldene Vlies zu finden, um die Herrschaft über Iolkos zu erlangen. Er stellt eine Seemannschaft aus den besten Athleten Griechenlands zusammen und beginnt mit der Suche nach dem machtvollen Relikt. Auch wenn Hera ihm verspricht fünf Wünsche zu erfüllen, haben Jason und seine Argonauten eine gefährliche Reise vor sich, voller Ungeheuer und gefährlicher Meerespassagen.

© Koch Films

Mord und Aberglaube

Die Menschen der Antike scheinen ihren Fähigkeiten nicht zu trauen, legen ihr Schicksal in die Hände der Götter und hören auf Wahrsager. Das Deuten eines Sieges durch ein Orakel mit rußigen Händen ist wichtiger als die eigene Kampfstrategie. Potenzielle Thronfolger gelten als hellseherische Bedrohung, daher tötet Pelias lieber alle Frauen und Kinder des vorherigen Königs. Die Götter mischen sich bei dieser gnadenlosen Tat nicht ein. Zu weit schweben sie in ihrem Himmelpalast über allem und spielen mit ihren Helden wie an einem Brettspiel. Da ist eine kleine Wette um das Gelingen von Jasons Reise zwischen Zeus und Hera nicht abwegig, auch wenn es den Tod für einige Gottesgläubige bedeutet.

© Koch Films

Richtig ernst ist JASON UND DIE ARGONAUTEN jedoch nie, zu fröhlich ist der Trupp auf dem Schiff, selbst wenn ihnen nach fünf Tagen bereits das Wasser ausgeht. Der Fantasyfilm will nie Drama sein, sondern Effekte-Feuerwerk. Mit geschickten Überblendungen und aufwändigen Stop-and-Motion-Sequenzen, wird der Film zu keiner Minute langweilig. Riesen kämpfen gegen Menschen oder Erdbeben lassen hohe Klippen einstürzen. Gleich nach Aufbruch muss die Mannschaft gegen den eisernen Titanen Talos kämpfen, weil sie zu gierig war. Die Schlachten und Effekte tragen den Film von einer schweren Prüfung zur nächsten. Das geht ein bisschen auf Kosten der Charakterentwicklung und einer durchdringenden Handlung, aber dafür geht es Monstern wie fliegenden Harpyien, einer siebenköpfigen Hydra und vielen lebendig gewordenen Skeletten an den Kragen. Zwischendurch gibt es immer wieder Diskussionen mit der Crew – eine Befehlskette scheint es nicht zu geben – und kurz vorm letzten Akt darf endlich eine Schönheit dem Titelhelden die Augen verdrehen: Medea (Nancy Kovack).

© Koch Films

Wer heute JASON UND DIE ARGONAUTEN sieht, dem kommen einige Szenen zu kurz und manche zu lang vor. Die Kämpfe sind eher Show und weisen kaum Dramaturgie auf. Einem so langsamen Titan geht auch jede Art für Geschwindigkeit abhanden. Dann sind wiederum aufwändig eingeführte Nebenfiguren wie der clevere Hylas (John Cairney) und der starke Hercules (Nigel Green) schneller weg als man es mitbekommt. Regisseur Don Chaffey lässt das Tempo stets im oberen Bereich und somit wird die Verfilmung zu einem kurzweiligen und unterhaltsamen Vergnügen. Jedoch sollte man den Film nicht als Lehrstoff zu Rate ziehen, denn zum Beispiel wird Talos in der griechischen Mythologie nicht von Jason, sondern von Medea besiegt.

© Koch Films

JASON UND DIE ARGONAUTEN in HD

Das Blu-ray-Cover

Endlich geht es bei Koch Films mit der Ray-Harryhausen-Effects-Collection weiter, die schon Filme wie SINDBADS GEFÄHRLICHE ABENTEUER oder DIE GEHEIMNISVOLLE INSEL auf Blu-ray beinhaltet. Die erste Auflage von JASON UND DIE ARGONAUTEN gibt es wieder mit schickem Pappschuber. Das Bild ist ausgewogen auf HD angehoben. Manchmal ist eine enorme Schärfe zu erkennen, aber ab uns zu kommt es zu einigen wenigen unscharfen Szenen, was den künstlichen „Nachtszenen“ zu verdanken ist. Der Ton liegt in Deutsch 2.0 und Englisch 5.1 vor. Neben zwei Audiokommentaren gibt es knapp zwei Stunden Extras, wie zum Beispiel die Harryhausen Chronicles, Hinter den Kulissen und ein Making-of. Empfehlenswert ist der knapp 30-minütige Beitrag zur Filmmusik von Bernard Herrmann (PSYCHO, TAXI DRIVER), der diese cineastische Reise zu einem Genuss werden lässt.

© Koch Films

Fazit

Von den vielen Spektakelverfilmungen der Sagen und Mythen mit Effekten von Ray Harryhausen ist JASON UND DIE ARGONAUTEN bei Filmfans die beliebteste. Auch wenn dem Film die Liebe für seine Nebenfiguren völlig abhandenkommt, geht es von einem Kampf zum nächsten. Man wünscht sich noch mehr von den angekündigten Abenteuern zu sehen. Leider schafft es der Held nicht einmal auf seinen Thron, aber immerhin in die Arme seiner Liebsten.

© Christoph Müller

Gesehen im Zuge meiner Filmchallenge #FLUXScorseseMasterclass.

Titel, Cast und CrewJason und die Argonauten (1963)
OT: Jason and the Argonauts
Poster
RegisseurDon Chaffey
ReleaseSeit dem 03.12.2020 auf Blu-ray

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Trailer

Englisch
BesetzungTodd Armstrong (Jason)
Nancy Kovack (Medea)
Gary Raymond (Acastus)
Laurence Naismith (Argos)
Niall MacGinnis (Zeus)
Michael Gwynn (Hermes / Priester)
Douglas Wilmer (Pelias)
Jack Gwillim (König Aeetes)
Honor Blackman (Hera)
John Cairney (Hylas)
Patrick Troughton (Phineas)
Andrew Faulds (Phalerus)
Nigel Green (Hercules)
DrehbuchJan Read
Beverley Cross
KameraWilkie Cooper
FilmmusikBernard Herrmann
SchnittMaurice Rootes
Filmlänge104 Minuten
FSKab 12 Jahren

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