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Yakuza Princess (2021) – Filmkritik

Graphic-Novel-Vorlage, Schwertkämpfe, Yakuza, blutige Fontänen und ein unverbrauchtes Setting. All das bietet YAKUZA PRINCESS und lässt Fans des schnittigen Actiongenres neugierig aufhorchen. Zwar bewegt sich Vicente Amorims Spielfilm auf altbekannten Handlungspfaden, versucht aber dennoch ein paar neue visuelle Reize zu setzen. Leider geht es zwischenzeitlich immer wieder in langatmige Szenen über, worüber die tolle Besetzung versucht hinwegzuspielen. Für kurzweilige, anspruchslose Unterhaltung also genau das Richtige.

© Capelight Pictures

Handlung

Die größte japanische Gemeinschaft außerhalb Japans befindet sich in Sao Paolo. Hier lebt Akemi (MASUMI). Sie trauert dem Tod ihres Großvaters nach, trainiert Kendo mit Sensei Chiba (Toshiji Takeshima) und jobbt in einem blinkenden Krimskramsladen. Eines Tages taucht ein Fremder (Jonathan Rhys Meyers) auf. Sein Gesicht ist von frischen Narben zerschnitten. In seinen Händen hält er ein altes Katana. Er kann sich jedoch nicht mehr daran erinnern, wer er ist und was er in Brasilien will. Zu seiner Überraschung kann er sogar Japanisch. Die Yakuza hat aber auch Interesse an der 21-Jährigen. Sie entsenden Takeshi (Tsuyoshi Ihara) der in irgendeinen Zusammenhang mit dem Tod von Akemis Großvater in Osaka steht. Eine blutige Schneise zieht ihren Weg durch Brasiliens Metropole und sucht nach Antworten.

© Capelight Pictures

Neue Umgebung

Der größte Pluspunkt für YAKUZA PRINCESS ist die frische Handlungsumgebung. Der Film sprengt geradezu die bekannten Klischees von Sao Paolo und wird zu einer in düsteres und kaltes Licht getauchten Schattenwelt. Die Akteure schießen, schneiden und bewegen sich durch ein Paralleluniversum Japans. Allen Figuren haftet der Hauch des Ausgestoßenseins an, die im Exil leben müssen. Das kommt vor allem in der Szene auf dem Friedhof zum Vorschein und passt zur Legende des Schwertes. Eine sogenannte Muramasa-Klinge ist verflucht und sammelt die Seelen der Menschen, die sie ins Reich der Toten geschickt hat. Vielleicht hätte spätestens im Mittelteil die Geschichte etwas mehr in die fiktionale Fantasy oder Mystery gehen können, aber es sollte realitätsnah bleiben. Zumindest ist die Optik verspielt. In Zeiten der digitalen Kameras, die viele Ebenen scharf abbilden, wird hier versucht mit unscharfen Objekten vor der Linse und Lichtreflexionen den Look cineastisch zu halten. Es gibt auch in den Kämpfen ein paar frische Ideen, wo überall eine Kamera hingestellt werden und wie beweglich sie sein kann. Jedoch zerstört der äußerst ruppig Schnitt die Orientierung von uns Zuschauerinnen und Zuschauern im Geschehen. Die digitale Auffrischung mit Blutspritzern, Pistolenkugeln und Einschusslöchern ist leider gang und gäbe im aktuellen Produktionsprozess. Wer genau hinschaut wird sich daran stören. Ein knackiger Sound kann meist mehr bewirken als pixelige Maskerade.

© Capelight Pictures

Fragen, Fragen und schnelle Antworten

Klar ist YAKUZA PRINCESS ein visuelles und kämpferisches Erlebnis, aber bei knapp zwei Stunden Laufzeit sollte auch die Geschichte fesseln und nicht nur von ihrem unverbrauchten Handlungsort leben. Die beiden Hauptfiguren sind unwissend, der Fremde hat sein Gedächtnis verloren und Akemi scheint eine unbekannte Vergangenheit zu haben. Beides keine unbekannten Handwerksgriffe des Actiondrehbuchs, sie sollten allerdings spannend erzählt werden. Eine packende Geschichte entfaltet sich scheibchenweise und nicht in dem Moment, wenn sich jemand eine Kugel aus der blutigen Wade pult. Ein paar kleine Hinweise und Fakten, die ein großes Ganzes zusammenfügen wären belebend für vielen Szenen im Mittelteil gewesen, in dem wenig bis gar nichts geschieht. Hier wird leider zum guten alten Zeitsprung gegriffen, der uns jede Menge Wissen vermittelt und später, wie ein großer Twist lauwarm aufgetischt wird.

© Capelight Pictures

Der Cast

Der irische Darsteller Jonathan Rhys Meyers macht eine gute Figur – manchmal zeigt er auch alles was er hat – und mimt den Unwissenden, der immer wieder von seinen Talenten überrascht wird. Die Musikerin MASUMI stiehlt ihm aber mit ihrem Spielfilmdebüt die Show. Sie ist als Japanerin in den USA aufgewachsen und bringt die Seite der Heimatlosen mit wenigen Gesten natürlich rüber. Die Kämpfe steht sie tapfer und felsenfest durch, aber für die Verwandlung von der Unschuldigen zur Rachekämpferin fehlt ihr einfach die Erfahrung. Das Drehbuch hilft ihr leider auch nicht dabei.

© Capelight Pictures

Was besonders gefällt, ist, dass die Kämpfe bewusst grob und unsauber geführt werden. Stolpern, einstecken, austeilen, zustechen und danebenschlagen, wenn die Kamera noch etwas konzentrierter bei der Sache bleiben würde, könnten einige Sequenzen doch noch im Gedächtnis verharren.

Mediabook

Wer sich gern YAKUZA PRINCESS für die Filmsammlung zulegen möchte, dem sei ein Blick auf das Mediabook mit Ultra-HD Blu-ray und Blu-ray empfohlen. Neben einem Making-of im Bonusmaterial gibt es ein 32-seitiges Booklet mit Texten zur Crew, kleinem Interview mit der Produzentin und einen Einblick in die Graphic-Novel-Vorlage.

Fazit

Japanische Mafiaangelegenheiten, die in den Nächten von Sao Paolo geregelt werden, hört sich gut an und bringt frischen Wind ins Genre. Leider fehlt beim Erzählen und Inszenieren der Fokus auf eine effiziente Dramatik und einen stabilen Stil. Die handfesten Schwertkämpfe und präsenten Schauspieler holen sich aber immer wieder unsere Aufmerksamkeit zurück. Kann mitgeschnitten werden.

© Christoph Müller

Titel, Cast und CrewYakuza Princess (2021)
Poster
Releaseseit dem 15.04.2022 im Mediabook (Ultra-HD Blu-ray + Blu-ray), Einzel-Blu-ray und -DVD erhältlich.

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RegisseurVicente Amorim
Trailer
BesetzungMASUMI (Akemi)
Jonathan Rhys Meyers (Shiro)
Tsuyoshi Ihara (Takeshi)
Eijiro Ozaki (Kojiro)
Kenny Leu (Taxista)
Toshiji Takeshima (Chiba)
Mariko Takai (Mrs. Tsugahara)
DrehbuchFernando Toste
Kimi Lee
Tubaldini Shelling
Vicente Amorim
VorlageBasiert auf der Graphic Novel "Shiro" von Danilo Beyruth
KameraGustavo Hadba
MusikFabiano Krieger
Lucas Marcier
SchnittDanilo Lemos
Filmlänge111 Minuten
FSKab 18 Jahren

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