Wild Zero (1999) – Filmkritik

Du bist ein Teenager in den 1990er-Jahren: Dein Musikgeschmack definiert maßgeblich deine Persönlichkeit. Was du hörst, bestimmt deine gesellschaftliche Einstellung, deinen Kleidungsstil und dein öffentliches Auftreten. Dein Style kommt vor dem was du zu sagen hast. Frisur, Sonnenbrille oder Schmuck bringen dich geradewegs in die Schublade, wo du hinmöchtest: Punk, Rock, Heavy Metal, Hip-Hop oder Techno. Es war in dieser Zeit auch noch nie so leicht sich einen Stil anzueignen, dank der Musiksender wie MTV. In der 24-Stunden-Dauerschleife konnte Musik nicht nur gehört, sondern auch gesehen werden. Das bedeutet, man muss es einem ansehen, welche Musik man hört. In dieser Zeit der jugendlichen Orientierung, mit einem Fuß im neuen Jahrtausend, entstand WILD ZERO. Die japanische Produktion ist eine irre Mischung aus Rock’n’Roll- und Zombie-Streifen auf günstigem Niveau, die in Thailand gedreht wurde. Ach ja, Außerirdische gibt auch noch. Definitiv kein Hochglanzkino, aber genau richtig für die Mitternachtsvorstellungen, wenn das Hirn auf Durchzug steht und die Wahl der Rauschmittel hervorragend in den Blutbanen zirkuliert.

© Rapid Eye Movies

Handlung

Rockmusik ist das wichtigste für Ace (Masashi Endô), mindestens genauso wichtig wie die gekämmte Haardolle und die Lederjacke. Er geht zu einem Konzert seiner absoluten Lieblingsband: Guitar Wolf. Durch Zufall rettet er der übermenschlichen Band das Leben und geht eine Blutsbruderschaft mit den drei Rockern ein: Guitar Wolf, Drum Wolf und Bass Wolf ein. Er bekommt eine kleine Pfeife in die er nur hineinpusten muss und Guitar Wolf kommen zu seiner Rettung geeilt. Die Rockband zischt aber erstmal ab, denn der Captain (Makoto Inamiya) will seinen abgeschossenen Finger rächen.

Währenddessen geht die Welt unter. Zombies breiten sich rasant im japanischen Norden aus und Untertassen fliegen direkt auf die Erde zu. In dieser pre-apokalyptischen Stimmung der Untoten trifft Ace auf die schöne Tobio (Kwancharu Shitichai), rettet sie aus einer brenzligen Situation und ist sofort hemmungslos in sie verleibt. Der Weltuntergang läuft übrigens immer noch.

© Rapid Eye Movies

Ganz unten im Videotheken-Regal

Wenn es heute Videotheken immer noch geben würde und selbst wenn ihnen unbegrenzte Flächen für ihr Angebot zur Verfügung stehen würden, müsste man WILD ZERO aus dem Keller fischen. Oder am Tresen dem Videothekenangestellten mit enzyklopischen Filmwissen folgende drei Worte sagen: Trash, Rockmusik und Japan. Es ist schon irre, wenn man überlegt, wie sich manche Filme über die Jahre hinweg gerade durch ihre Unzulänglichkeiten einen gewissen Ruf in der Nerdgemeinde „erarbeitet“ haben. Dabei lief WILD ZERO in der Zeit seiner Kinoauswertung bereits ganz okay. Mit dem Motto „So etwas hast du noch nicht gesehen!“ lockte der filmische Irrsinn die Zuschauer in die Nachtvorstellungen und bei Filmfestivals, wie zum Beispiel dem TIFF im Jahr 2000, konnte man sich bei der Zigarettenpause ein paar verrückte Szenen aus WILD ZERO an die Birne hauen.

© Rapid Eye Movies

Der Grundriss

Die Dramaturgie scheint irgendwo verloren gegangen, Dialoge beschränken sich auf das Rufen eines Namens (Tobio, Tobio, Tobio, Tobio, Tobio, Tobio, Tobioooooo) und eine logische Handlung hat Platzverweis bei dieser absurden Nummer. Hinzukommt, dass das japanische Over- und Underacting zum kruden Storykonstrukt passt wie der Tweet-Bodysuit mit Pelz der schlagfertigen Bad-Ass-Nebendarstellerin. Dem Streifen muss man die Effekte, die auf ein benzingetränktes Finale zusteuern, zugutehalten, bei dem die Produktion noch die letzten Yen durch die Nachtluft ballert. Bis dahin gibt es einen erstaunlich gut gealterten Mischmasch aus praktischen und digitalen Effekten, die einige Köpfe explodieren lassen oder die Hauptfiguren anatomisch auf die Suche nach irgendwelchen goldenen Kugeln im Inneren von Zombies gehen lässt. Vater des Ganzen ist unverkennbar ZOMBIE (DAWN OF THE DEAD, 1978). Es wird sogar im Eifer des Handlungsgefechts über George A. Romeros Meisterstück gesprochen, ob man den denn gesehen habe, dann wüsste man mit den Zombies schon Bescheid.

Fazit

Mehr Worte braucht man gar nicht über WILD ZERO zu verwenden. Wer auf japanophilen Trash steht, von Hochglanzfilmen nur noch angenervt ist und gern etwas Bizarres auf seiner Watchlist braucht, ist hier genau richtig. Frei nach dem Kommentar eines Bandmitglieds zu der Zermatschung eines Zombiekopfs: „Viel Nachdenken muss er jetzt nicht mehr.“ Rock`n`Roll!

© Christoph Müller

Titel, Cast und CrewWild Zero (1999)
Poster
RegisseurTetsuro Takeuchi
ReleaseAb dem 28.05.2021 auf Blu-ray

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Trailer
BesetzungMasashi Endô (Ace)
Guitar Wolf
Drum Wolf
Bass Wolf
Kwancharu Shitichai (Tobio)
Makoto Inamiya (Captain)
Haruka Nakajo (Yamazaki)
Shirô Namiki (Kondo)
Taneko (Hanako)
Yoshiyuki Morishita (Toshi)
DrehbuchSatoshi Takagi
Tetsuro Takeuchi
FilmmusikGuitar Wolf
KameraMotoki Kobayashi
SchnittTomoe Kubota
Filmlänge98 Minuten
FSKAb 18 Jahren

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