Wenn er in die Hölle will, laß ihn gehen (1982) – Filmkritik

„Am Anfang war das Filmplakat“

Schmerzerfüllt schreit uns ein Mann seine Qualen entgegen. Sein Kopf ist bis zum Kinn in steiniges Geröll eingegraben. Die Haut in seinem Gesicht ist von der sengenden Sonne verbrannt und aufgeplatzt. Mit diesem verstörenden Motiv und dem reißerischen Titel WENN ER IN DIE HÖLLE WILL, LASS IHN GEHEN ruft uns das original deutsche Filmplakat auf, das nächste Kino aufzusuchen und zu erleben, was sich hinter dem Bild und einem der abenteuerlichsten, deutschen Titel gegenüber dem englischen Original (THE CHALLENGE, also DIE HERAUSFORDERUNG) verbirgt.

Solche und ähnlich drastische Bilder prangen Anfang der 80er überall von den Litfaßsäulen deutscher Großstädte. Es ist eine Zeit, in der das Wort Zensur kaum Auswirkungen im öffentlichen Raum zu haben scheint. Von Plakaten winken uns rückkehrende Zombies ihre blutigen Extremitäten entgegen (DIE RÜCKKEHR DER ZOMBIES, 1981), in schmuddeligen Bahnhofskinos geben sich eindeutige Plakate von Kung-Fu- und Pornofilmen die verklebten Klinken in die Hand, in Videotheken werden im Schaufenster, ohne Rücksicht auf vorbeigehende Kinder, die von Gedärmen triefenden Rückseiten der neuesten Kannibalen Video 2000 Kassetten (ANTHROPPHAGUS, 1980) ausgestellt und in der aktuellen Cinema präsentiert uns Valerie Kabriesky voll frontal, als Zugabe zu ihren nackten Brüsten, wie selbstverständlich auch ihren stattlichen Busch (DIE ÖFFENTLICHE FRAU, 1984) an jedem frei zugänglichen Kiosk. Es ist eine Zeit, in der kleine Jungs ihre vorpubertierenden Nasen an die Kinoschaukästen mit den neuesten Filmfotos der Werke pressen, die sie offiziell frühestens in sechs bis acht Jahren sehen dürfen.

Hinter diesen magischen Scheiben sehen sie auch, wie sich ein Käfer an die Zunge des eingegrabenen Mannes verirrt hat, der wohl offenbar da angekommen ist, wo er laut deutschem Filmtitel hinwollte. Mehr war ihnen zwar offiziell nicht erlaubt, dennoch arbeiteten solche Bilder sehr nachhaltig in ihnen, was neben nächtlichen Träumen auch ihre Kreativität in nachmittäglichen Abenteuerspielen beflügelte. So ließen sie sich abwechselnd, zum Leidwesen ihrer Mütter, in die Sandkästen der umliegenden Spielplätze eingraben und tote Insekten in den Mund legen. Das Ganze nur um diesem Typen, der es ihnen durch sein Martyrium hinter den geheimnisvollen Vitrinengläsern irgendwie angetan hatte, anders nah sein zu können als in einem verboten abgeranzten Kinosessel.

Nun schickt Koch Films mit seiner nostalgischen Blu-ray-Veröffentlichung von WENN ER IN DIE HÖLLE WILL, LASS IHN GEHEN (THE CHALLENGE, 1982) von John Frankenheimer (RONIN) all jene zurückgewiesenen Jungs von damals zurück in diese verklärende Zeit verbotener Filmabenteuer und lässt sie endlich in verschwitzt stickigen Schuhkarton-Kinos Platz nehmen. Licht aus, Film ab.

© Koch Films

Die Handlung

Nach einer sehr stimmungsvollen, fast shintomeditativen Titelsequenz beginnt der Film in Japan im Jahr 1945. Bei einer nächtlichen, traditionellen Tempelzeremonie werden vor zahlreichen Teilnehmern zwei Samuraischwerter von einem alten Meister in die Hände eines kleinen Jungen gegeben, der diese dann seinem neuen, rechtmäßigen Besitzer überreichen soll. Da stürmt plötzlich einer der Anwesenden hervor, entreißt dem Jungen die Schwerter, um dann auf den alten Meister loszugehen. Dabei zerfetzt er dem Jungen unbeabsichtigt die Wirbelsäule.

Szenenwechsel: Los Angeles in der Gegenwart von 1982.

Rick Murphy (Scott Glenn, SILVERADO, DAS SCHWEIGEN DER LÄMMER) ist Sparringspartner mit Nehmerqualitäten in einem heruntergekommenen Boxclub. Gleich zu Anfang beweist er seinen individuellen Charakter, indem er ein hoffnungsvolles, asiatischstämmiges Boxtalent statt in zukünftige Championssphären auf die abgerockten Ringbretter schickt. Durch dieses unangepasste Manöver zieht er zufällig das Interesse eines im Rollstuhl sitzenden Japaners und dessen Schwester auf sich. Sie bieten ihm ein ungewöhnliches Geschäft an. Er soll ein seltenes Samuraischwert aus den USA nach Japan schmuggeln. Doch vor Ort wird er umgehend entführt und dadurch zu einem unfreiwilligen Spielball in einer blutigen Fehde zwischen zwei in tiefem Hass verfeindeten Brüdern. Der eine ist Hideo (Atsuo Nakamura, DIE REBELLEN VON LIANG SHAN PO), Konzernchef eines modernen Wirtschaftsimperiums à la SONY. Der andere ist Toru (Toshiro Mifune, DIE SIEBEN SAMURAI, RIVALEN UNTER ROTER SONNE), ein traditioneller Martial-Arts-Meister und Vater des anfänglichen Auftraggeber-Duos, welches nun ebenfalls unter Beschuss gerät. Beide Brüder waren als junge Männer vor rund 35 Jahren Teil der blutig entgleisenden Zeremonie in dem Tempel, der nun von Toru als Oberhaupt weitergeführt wird. Nachdem Murphy von beiden Lagern jeweils für weitere Geheimeinsätze rekrutiert wird, entschließt er sich schließlich für eine Seite. Nach etlichen Kämpfen und traditionellen Selbstfindungsriten kommt es schließlich zu einem äußerst blutigen Finale zwischen den beiden ungleichen Brüdern, bei dem Murphy zum alles entscheidenden Matchwinner für seine gewählte Seite werden kann.

© Koch Films

Der amerikanische Held

Auf den ersten Blick ist WENN ER IN DIE HÖLLE WILL, LASS IHN GEHEN ein solider, streckenweise etwas langatmiger, aber immer angenehm handgemachter Actionfilm vor exotischem Hintergrund. Dabei kommt dem westlichen Protagonisten jedoch die aus heutiger Sicht eher fragwürdige Rolle des konfliktentscheidenden Überhelden zu. Durch sein aufrechtes und gutes Herz überspringt er wie selbstverständlich Jahrzehnte notwendigen Trainings und wird mal eben so zu einem wahren Aikido- und Schwertkampfmeister, um einer jahrhundertealten, fremden Kultur zu ihrem Recht zu verhelfen. Dabei lernt er zwar selbst eine gewisse Demut gegenüber fremdartig anmutenden Traditionen, ist aber zu guter Letzt doch nur der gute Amerikaner, der den ohne ihn kopflos agierenden Japanern den Frieden bringt. Er wirft am Ende zwar keine Atombomben, dennoch müssen seinetwegen etliche treu für seinen Gegner agierende Fußsoldaten ihr Leben geben. Obendrein gewinnt er natürlich noch den tiefen Respekt des Meisters und das Herz dessen Tochter.

Die durchweg sehenswerten und sehr authentisch choreographierten Kampfszenen wurden übrigens von einem gewissen Steven Seagal (ALARMSTUFE ROT 2) geleitet. Das entbehrt nicht einer zusätzlichen Ironie, da somit auch hinter den Kulissen unterstrichen wurde, dass Amerikaner sogar in der asiatischen Kampfkunst die überlegenen Lenker zu sein scheinen. Tatsächlich ähnelt Murphys Geschichte in diesem Film, der des echten Seagal. Der ging in den 70er Jahren allein nach Japan, um es in einer der ureigensten Kampfkünste des Landes, dem Aikido, zu wahrer Meisterschaft zu bringen. Als erster Nichtjapaner eröffnete er dort eine Meisterschule, um dann später für diesen Film die Stunt-Koordination übertragen zu bekommen. Mehr Demütigung kann man sich gegenüber Japan kaum noch vorstellen.

© Koch Films

Der japanische Konflikt

Und doch hat dieser Film eine kluge Grundstruktur, die dem missionarischen American Way of Life nicht unkritisch die aufrechte Stirn eines Samurais bietet.

Nicht umsonst startet der Film mit seinem Ausgangskonflikt im Jahr 1945, also dem offiziellen Ende des Zweiten Weltkriegs. Das traditionelle Japan ist besiegt. Die siegreichen Amerikaner haben mit ihrer modernen Kriegsführung nicht nur den Kampf beendet, sondern das Land auch tief gespalten. Die Alten sind in ihren Grundfesten erschüttert und klammern sich nur noch verzweifelter an ihre Traditionen, weil alles Neue (aus dem Westen) nur Tod und Vernichtung über ihr Volk gebracht hat. Für die Jungen ist gerade diese hilflose Umklammerung an aus ihrer Sicht ausgedienten Traditionen der Hauptgrund für das Scheitern im Krieg. Sie sehen gerade im Übernehmen dieser neuen Werte ihre Chance, sich an den Siegern für die Schmach des totalen Scheiterns in einem neuen Krieg zu rächen: den um Rang 1 in der Weltwirtschaft. Anfang der 1980er-Jahre haben sie für ihr Land die USA bereits an Macht und Einfluss auf diesem Schlachtfeld schlagen können.

So stehen die beiden Brüder durch ihren Kampf, um ein verlorenes Samuraischwert, dem Symbol für ein ehrenvoll ritterliches Japan vor dem verlorenen Weltkrieg, stellvertretend für diese beiden konträren Strömungen. Für den einen bedeutet die Erlangung eine Chance auf Zurückerhaltung alter Würde, für den Bruder eine endgültige Assimilierung der alten Welt in ein neues Japan.

© Koch Films

Die filmische Umsetzung

Genau diesen spannenden Grundkonflikt, gespiegelt in einem klassischen Bruderkampf, muss man bei WENN ER IN DIE HÖLLE WILL, LASS IHN GEHEN tatsächlich mit viel Eigenleistung selbst herauslesen. Das mag, um es positiv zu bewerten, der Qualität einer, aus unserer westlichen Sicht schwer zugänglichen, japanischen Teezeremonie entsprechen, die in ihrer edlen Strenge ebenfalls mehr zeigt, als zu erklären. Das Gezeigte entspricht jedoch einer besonderen Ästhetik, die sich in ähnlicher Form auch in den souverän fotografierten Bildern, also der äußeren Form des Films wiederfindet.

Die Bilder

In der Wahl des japanischen Kameramanns Okazaki Kōzō, der sonst weitestgehend nur für Produktionen seines Landes tätig war, bewies Regisseur John Frankenheimer erneut sein sehr kluges Gespür für die Wahl der richtigen Leute an seiner Seite. Durch ihn bekommen wir einen direkten Blick, wie Japaner ihr eigenes Land durch die Linse einer Kamera betrachtet haben wollen. In vielen kunstvoll komponierten, aber nie aufdringlichen Bildern atmen wir ein wenig die zedernholzdurchtränkte Luft eines abgeschiedenen, asiatischen Klosterlebens, sowie das hektisch, moderne Leben in den Straßen Kyotos.

© Koch Films

Das Drehbuch

Doch diese gekonnte, bildliche Umsetzung traditioneller und alltäglich moderner Schönheit bleibt weitestgehend ohne Bindung zur eigentlich spannend skizzierten Geschichte. Viele Szenen stehen weitestgehend für sich, ohne durch ein wirklich eindeutig thematisierendes Drehbuch belebt zu werden. So entsteht eine Menge ungenutzter Leerlauf für einen mit 108 Minuten doch recht langen Film. Mit keinem Wort geht einer der Brüder darauf ein, warum sie zu so verfeindeten Kontrahenten werden mussten. Vor allem der moderne Hideo lässt kein einziges Mal verlauten, warum er mehr Anspruch auf beide Schwerter habe, als der offensichtlich ältere Bruder Toru. Dafür, dass ein Mann wie John Sayles (LONE STAR, PASSION FISH) mit für das Drehbuch verantwortlich war, sind gerade die „reflektierenden“ Dialogszenen erschreckend flach und ungelenk. Man muss sich fast seinen eigenen Film dazu denken, um das was man sieht, irgendwie interessiert weiter verfolgen zu wollen. Denn viel mehr als das immerwährende Jagen nach dem Schwert hat die Handlung am Ende nicht wirklich anzubieten.

© Koch Films

Die Figuren und ihre Darsteller

Dem sonst so häufig souverän agierende Scott Glenn merkt man in einigen Szenen eine gewisse Hilflosigkeit überdeutlich an. Er ist sichtlich bemüht seine eher grob skizzierte Figur mit inspirierten Subtexten zu beleben. Seiner körperlich beeindruckenden Form kann er nur zum Teil einen wirklich greifbaren Charakter hinzufügen. Teilweise meint man ihn sogar denken zu hören: „Was genau mache ich hier eigentlich?“ Sinnigerweise passt das irgendwie auch wieder zu seiner Figur im Film. Dass sein Murphy dennoch, trotz eigenwilliger Pilzkopffrisur, zu keiner Witzfigur verkommt, ist sicher in erster Linie Glenns stoischem Grundcharakter zu verdanken.

Wäre da mit Toshirô Mifune nicht auch noch ein wahrer Schauspielgigant des japanischen Kinos an Bord, der durch seine bloße Präsenz und winzige Gesten einen spannenden Charakter zum Leben erwecken kann, man würde noch schneller das Interesse an den Figuren und ihren Beweggründen verlieren. In seinem Toru erkennen wir große Auftritte in Filmen wie YOJIMBO (Akira Kurosawa, 1961) oder DIE HÖLLE SIND WIR (John Boorman, 1968) wieder und bauen uns so unseren eigenen, aufrecht kämpfenden und über das Leben sinnierenden Samurai in stimmiger umgesetzten Filmen.

© Koch Films

Denn die übrigen Figuren müssen sich trotz ihres Renommees und Talents weitestgehend blass und stereotyp bis zum allerdings wirklich sehenswerten Finale oder ihrem vorzeitigen Dahinscheiden durch den löchrigen und sich immer wiederholenden Handlungsparcours manövrieren. All das, muss man einem leider viel zu sehr an der Oberfläche kratzenden Drehbuch anlasten, was viele hoch interessante Gräben unerforscht ignoriert. Inwieweit dies im Nachgang jedoch dem Studio anzulasten ist, welches sich vielleicht bewusst nicht aus der Deckung eines bewusst produzierten B-Movies heraus traute, kann man nur vermuten. Ganz unwahrscheinlich wirkt es in Anbetracht der vielen hochtalentierten Mitwirkenden an diesem Film allerdings nicht.

© Koch Films

Die Regie

Dass wir als Zuschauer nie völlig das Interesse verlieren, liegt zu großen Teilen an Regisseur John Frankenheimer. Er war einer der ganz großen und innovativen Handwerker, der leider nie die allererste Garde seiner nicht immer besseren Regiekollegen wie Stanley Kramer, Arthur Penn oder Don Siegel betreten durfte. Nach wirklich wichtigen Werken wie BOTSCHAFTER DER ANGST (THE MANCHURIAN CANDIDATE,1962) DER GEFANGENE VON ALCATRAZ (BIRDMAN OF ALCATRAZ, 1962) oder auch DER ZUG (THE TRAN, 1964) wurde er in den 1970ern bis in die 1990er immer mehr zu einem Spezialisten für qualitativ hochwertige Thriller- und Action Filme. Das vielleicht prägendste Beispiel seiner oft unterschätzten Filmographie ist die nicht minder beeindruckende Fortsetzung des genreprägenden Cop-Film-Meisterwerks BRENNPUNKT BROOKLYN (THE FRENCH CONNECTION, 1971) von William Friedkin. Dieser erhielt für seinen harten Street-Poetry-Stil zwar völlig verdient einen Oscar als bester Regisseur, doch war es Frankenheimer, der dem unbequemen Charakter des Popeye Doyle (Gene Hackmann) in THE FRENCH CONNECTION II (1975) mehr Akzente und menschliche Tiefe verleihen konnte, ohne dabei dem wahnwitzigen Actionrealismus seines Vorgängers auch nur eine Sekunde hinterherzuhinken. Für eine mindestens ebenbürtige Leistung als Regisseur erhielt Frankenheimer noch nicht einmal eine Nominierung für den damals noch für hohe Qualität stehenden, wichtigsten Filmpreis Hollywoods. So machte er sich dann eher durch Auftragsarbeiten mit unterschiedlichen Qualitätsansprüchen einen Namen, sehenswert ist etwa noch sein zynisch-stylischer Thriller 52-PICK UP (1986) mit Roy Scheider und Ann-Margret.

Was man jedoch auch in THE CHALLENGE immer wieder erkennt, ist der hohe Anspruch Frankenheimers an realistische Schauplätze mit nachvollziehbaren, sehr körperlichen Actionszenen. Ebenso sollte man nicht sein souveränes Händchen bei der Wahl seiner Mitstreiter bei Projekten unterschätzen. Neben der aus westlicher Sicht eher ungewöhnlichen Wahl eines hoch angesehenen Japaners hinter der Kamera, sticht auch hier sein besonderes Gespür für den richtigen Filmkomponisten hervor. Nach SIEBEN TAGE IM MAI (SEVEN DAYS IN MAY, 1964) und DER MANN, DER ZWEIMAL LEBTE (SECONDS, 1966) arbeitete er hier erneut mit einem der allergrößten seines Fachs zusammen: Jerry Goldsmith (STAR TREK, POLTERGEIST, RAMBO). In seiner unnachahmlichen Art verwebte Goldsmith hier erneut, wie selbstverständlich die musikalischen Stilmerkmale eines Landes, ein melodisches Hauptthema und prägnant hämmernde Actioncues zu einem homogenen Gesamtteppich aufs Parquet dieser Produktion. So erhält der Film zumindest auf der musikalischen Ebene eine Tiefe, die ihm das Drehbuch weitestgehend verweigert.

© Koch Films

Auch für Frankenheimer ist WENN ER IN DIE HÖLLE WILL… eher ein untergeordnetes Auftragswerk seiner noch bis in die späten 1990er reichenden Filmkarriere. Gerade spätere Genreschätzchen wie 52 PICK-UP oder sein vielleicht populärster Film nach THE FRENCH CONNECTION II, die mitreißende Action-Oper RONIN (1998), zeigten was für ein souveränes Geschick er für mitreißend erzähltes Genrekino entfalten konnte. Gerade die epische real gefilmte Autoverfolgungsjagd an Originalschauplätzen in Paris gehört zu den spektakulärsten ihrer Art überhaupt. Ein solches szenisches Highlight findet sich in …LASST IHN GEHEN zwar nicht, dennoch zeigt er gerade beim Finale in einem echten Hochhaus sein sicheres Gespür für stimmungsvolle Bildkompositionen, die nötige, fast körperlich spürbare Gewalt und den richtigen Schnitt um die Spannung auf ihr alles erlösendes Ende hin aufzulösen. Nicht umsonst benennt John McTiernan gerade ihn als großen Einfluss auf seinen Hochhausthriller DIE HARD, einen der richtungsweisenden Actionfilme der späten 1980er und für das darauffolgende Jahrzehnt.

© Koch Films

Fazit

Am Ende sehen die neugierigen Jungs in ihrem Zeitkapsel-Kino-Schuhkarton einen etwas zu langen, aber im großen Ganzen einen doch unterhaltsamen Martial-Arts-Actionfilm, der mit einigen Einzelleistungen und für sich stehenden Schauwerten überzeugen kann. So geht die Gesamtsumme der einzelnen Pluspunkte final zwar nicht ganz auf, diese sind für sich genommen aber immer noch stark genug, diese Zeitreise als nostalgischen Erfolg verbuchen zu können. So haben das anfängliche Filmplakat und die Fotos hinter den Schaukästen am Ende zwar mehr versprochen als sie halten konnten, aber ihre jung gebliebenen Zuschauer dennoch für eine gewisse Zeit einen leicht verklärenden Blick zurück gewähren können, der Lust auf mehr macht. Das nächste Mal vielleicht auf blutige Zombies, noch mehr gespaltene Köpfe und doch mal wieder eine nackte Hauptdarstellerin. Wer übrigens den anfangs erwähnten Käfer an der Zunge von Scott Glenn nicht verpassen möchte, der sollte schon sehr genau hinschauen und nicht zu lange blinzeln. Es lebe das freie, bei weitem nicht perfekte, leicht schmuddelige, aber handwerklich immer ehrlich gemachte Kino unserer Kindheit!

Die Blu-ray

Die Blu-ray von Koch Films

ACHTUNG: Für alle die keinen wirklich hochwertigen HD-Fernseher ihr Eigen nennen dürfen und meinen, HD-Ready sei absolut ausreichend, der sollte sich bei diesem Film auf ganz viel Schnee in jeder etwas dunkleren Szene gefasst machen.

Alle anderen bleiben von grieseliger VHS-Kopie-Romantik zwar verschont, dennoch waren die Erwartungen an einen Film, der an verschiedenen Stellen von einer neuen Master-Abtastung spricht, deutlich höher. Aber nicht von ganz ungefähr spiegelt genau das auch den Geist der kleinen Kinokojen der 1970er und 1980er wider, auf denen tausendfach abgespulte Filmkopien ihr Leben gaben. Wenn man sich an das nicht immer lupenrein scharfe Bild gewöhnt hat und den ein oder anderen Bildkratzer im Negativ verkraftet, kann man einen ordentlichen HD-Transfer ausmachen, der einem einen Film näherbringt, den man fast schon wieder vergessen hatte. Neben einem Trailer kann man sich ganz auf den Hauptfilm konzentrieren.

© Andreas Ullrich

Titel, Cast und CrewWenn er in die Hölle will, laß ihn gehen (1982)
OT: The Challenge
Poster
Releaseab dem 09.05.2019 auf Blu-ray
Bei Amazon bestellen:
RegisseurJohn Frankenheimer
Trailer
BesetzungScott Glenn (Rick)
Toshirô Mifune (Yoshida)
Calvin Jung (Ando)
Clyde Kusatsu (Go)
Sab Shimono (Toshio)
DrehbuchRichard Maxwell
John Sayles
KameraKôzô Okazaki
MusikJerry Goldsmith
SchnittJohn W. Wheeler
Filmlänge113 Minuten
FSKab 16 Jahren

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.