Was der Himmel erlaubt (1955) – Filmkritik

Wo die Liebe hinfällt, weiß bekanntlich keiner. Das ist das Spannende an Liebe, dass sie sogar unterschiedlichste Menschen zusammenbringen kann. 1955 war man noch nicht bereit eine gleichgeschlechtliche Beziehung oder Verliebte mit unterschiedlicher Hautfarbe auf der großen Kinoleinwand zu bebildern. WAS DER HIMMEL ERLAUBT bringt zwei Verliebte zueinander, die über ihren sozialen Status hinwegsteigen müssen. Zu erkennen was wichtig ist, ist hier die Herausforderung, weder die Selbstdarstellung noch der Tratsch der Nachbarn oder sogar das unterschiedliche Alter ist von Bedeutung. Für uns heute sind solche „Probleme“ kaum noch der Rede wert oder gar eine ausreichend dramatische Grundlage für ein interessantes Drehbuch. WAS DER HIMMEL ERLAUBT gelingt es dennoch, dass man sich über 60 Jahre später immer noch aufregt, wie herablassend die Oberschicht sein kann. Auch wenn diesem Filmklassiker die zeitlose Gewichtung für seine Hindernisse völlig abhandenkommt, gibt es viele andere Aspekte, die man im heutigen gesellschaftlichen Wandel wiederentdecken kann.

Was der Himmel erlaubt (1955)

© Turbine Medien

Handlung

Die Witwe Cary Scott (Jane Wyman) hat nach ihrer Trauerzeit ordentlich zu tun, sich jeglicher Art von Verehrern und den Kuppelversuchen ihrer Freundin Sara (Agnes Moorehead) zu widersetzen. Innerhalb der ersten 25 Minuten von WAS DER HIMMEL ERLAUBT erhält Cary einen Heiratsantrag von der gesellschaftlich guten Partie Harvey (Conrad Nagel), einen schmierigen Kuss vom verheirateten Howard (Donald Curtis) und ein zärtliches Liebesgeständnis in einer verlassenen Mühle von Ron Kirby (Rock Hudson). Letzterer sieht gut aus, ist fröhlich, aufrichtig und ein Talent in seiner Berufung. Cary kann sich seinem Charme und seiner Lebensweise nicht entziehen. Jedoch ist Ron ein paar Jahre jünger als sie, schneidet Bäume und wohnt in seiner Baumschule. Für Carys „Freunde“ und Bekannte kommt eine Beziehung zu Ron einem gesellschaftlichen Klippensprung gleich. Er ist viel zu jung und außerdem würde sie quasi ihren Angestellten, den Gärtner heiraten. Die Kinder Kay (Gloria Talbott) und Ned (William Reynolds) haben auch einige Probleme mit ihrem potentiellen neuen Vater.

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Gesellschaftlicher Druck

Die Probleme in dieser Liebe werden ganz gezielt von der Außenwelt heraufbeschworen und inszenatorisch sehr künstlich herbeigeführt. Es fehlen die komplexen Zwischentöne in solch einer sich entwickelnden Beziehung. Aber für das damalige Publikum ist so etwas zu viel und das Hollywood von früher unterschätzt noch regelmäßig sein Publikum. Die bereits erwachsenen Kinder erzählen ihrer Mutter, wen sie zu heiraten hat, mit ihrem Country-Club-Bekanntenkreis scheint Cary nichts gemeinsam zu haben und immer wieder gibt es Missdeutungen in Rons Umgang mit anderen Damen. Das sind alles Dinge, die heute schwer nachvollziehbar sind, aber einen als Zuschauer dennoch wütend machen.

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Die Oberschicht wird so deutlich überzeichnet, dass einem frühzeitig der Martini vor lauter Geschwafel im Halse stecken bleibt. Aber das soll so sein, damit man Cary in diesem luxuriösen Leben auch die Veränderung herbeiwünscht. Sie verkommt zum Spielball der anderen in ihrem Witwendasein: „Sie kann doch nicht ewig allein sein.“ „Ich stelle dir Mr. Brown vor.“ und vom Getratsche der gelangweilten anderen Ehefrauen wollen wir gar nicht erst beginnen. Umso schöner ist es, wenn Cary ihre Cocktailparty-Einladung ausschlägt und zu einer Feier von Rons Freundeskreis mitkommt.

Was der Himmel erlaubt (1955)

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Zurück zur Natur

Jetzt entstaubt förmlich die Welt der Herrenhäuser hinter weiß lackierten Gartenzäunen und es geht zu Alida (Virginia Grey) und Mick Anderson (Charles Drake), die eine Party geben. In der gemütlichen Wohnung über einer Gärtnerei kocht das Abendessen bereits über dem Kamin und in der vom Oberlicht durchfluteten Küche lernt Cary bodenständige Menschen kennen. Hier geht es nicht darum die Juwelen zu präsentieren oder den neusten Klatsch zu erfahren. Es wird getrunken, weil es Spaß macht und nicht um das Geschwafel der anderen zu ertragen. Sicher übertreibt WAS DER HIMMEL ERLAUBT mit Bienenzüchter-Opa, Ornithologen-Tante und der Hummerfischer-Familie ein bisschen zu sehr, aber endlich ist etwas los und die Cocktailpartys der steifen Anzugträger in Stoningham sind längst vergessen. Das Buch, welches diese Gemeinschaft als Bibel ansieht ist WALDEN (LEBEN IN WÄLDERN) von Henry David Thoreau aus dem Jahr 1854. Ein Aussteigerbuch eines Schriftstellers, der sich in eine Blockhütte in die Wälder von Massachusetts zurückgezogen hat. Das Buch erfreut sich heute immer noch großer Beliebtheit und wird im Zuge von alternativen Lebensstilen im Einklang mit der Natur stets weiterempfohlen.

Was der Himmel erlaubt (1955)

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Drama, jetzt

Streng nach Hollywood-Etikette muss sich dann doch das Drama in die junge Liebe drängen und das tut es in Form von zwei Kindern, denen man am liebsten die Ohren langziehen möchte. Sie haben Angst um ihren sozialen Status, wenn Mutter einen „Wilden“ heiratet, der übrigens im Anzug auch gut aussieht. Filmmagie gibt es in der einseitigen Dramablaupause dann doch noch: Nach der abgesagten Hochzeit mit Ron schenken die verzogenen Gören ihrer Mutter einen Fernseher und der Verkäufer rollt ihn mit folgenden Worten neben den Weihnachtsbaum:

„Sie brauchen nur an der Skala zu drehen und sie haben so viel Gesellschaft wie sie wollen. […] Ein Fingerdruck und das ganze Leben gehört ihnen.“

Cary wird von der Kamera in der Spiegelung des Röhrenfernsehers eingefangen und somit ist die Mutter auch visuell ruhiggestellt, isoliert, gefangen in einer Scheinwelt. Die Kinder suchen bestimmt schon einen Platz im Altenheim für ihre Mutter aus.

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Die Protagonistin Cary wird immer wieder in Spiegelungen von der Kamera eingefangen. Sie ist ein Abbild. Will sie das sein, was die anderen in ihr sehen oder traut sie ihrem Herzen? Natürlich zieht es sie zum schmusigen Naturburschen im Baumwollhemd, aber bis dahin ist es noch ein erkenntnisreicher Weg. Heute stört etwas, dass ihr zur richtigen Entscheidung von allen Seiten zugeredet werden muss. Die große erleuchtende Ansprache bekommt sie von ihrem Hausarzt, der meint, dass ihre Kopfschmerzen nur weggehen, wenn sie sich ihre Liebe zu Ron eingesteht. Na ja, die Frauen durften 1955 auch gerade mal seit 35 Jahren wählen, schön zu sehen, dass sie in WAS DER HIMMEL ERLAUBT immerhin einen Führerschein haben und selbstständig von A nach B fahren können.

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Filmgeschichte

Wenn man sich heute mit der zuckerglasierten Liebesgeschichte und den Hindernissen, die keine mehr sind, nicht anfreunden kann, kann man es auf jeden Fall mit der Fotografie in WAS DER HIMMEL ERLAUBT. Damals mit keinerlei Auszeichnungen bedacht, entwickelt sich die Arbeit von Regisseur Douglas Sirk über die Jahre hinweg zu mehr als nur dem von Kritikern vorgeworfenen Kitsch. Bewusst überzeichnet zeigt er eine Gesellschaft, die absurden Regeln unterliegt und wirft mit mehr als einem Augenzwinkern auch einen Kitschvorwurf an Hollywood, wenn am Ende sogar noch der Damhirsch durch das Fenster der Verliebten schaut. Das stark gesättigte Technicolor dreht die emotionale Überzeichnung noch weiter nach oben. Der Film erfreut sich zwei bekannter Remakes: ANGST ESSEN SEELE AUF (1974) von Rainer Werner Fassbinder und DEM HIMMEL SO FERN (2002) von Todd Haynes.

Was der Himmel erlaubt (1955)

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Fazit

In den amerikanischen 1950er-Jahren erkämpft sich eine von gesellschaftlichen Zwängen eingemauerte Witwe ihr Recht auf Liebe. Wer sich gern an einem trüben Tag mit einer Decke vor dem Fernseher zurückziehen möchte und eine Schwäche für nostalgisch süße Romanzen hat, kann gern bei WAS DER HIMMEL ERLAUBT reinschauen. Und als Bonus gibt es farbprächtige Technicolor-Bilder als das Kino kurz davor war, einen großen Teil seiner Zuschauer an den Fernseher zu verlieren.

© Christoph Müller

Gesehen im Zuge meiner Filmchallenge #FLUXScorseseMasterclass.

Titel, Cast und CrewWas der Himmel erlaubt (1955)
OT: All That Heaven Allows
Poster
RegisseurDouglas Sirk
Releaseseit dem 06.04.2018 auf Blu-ray und DVD

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Trailer

Englisch
BesetzungJane Wyman (Cary Scott)
Rock Hudson (Ron Kirby)
Agnes Moorehead (Sara Warren)
Conrad Nagel (Harvey)
Virginia Grey (Alida Anderson)
Gloria Talbott (Kay Scott)
William Reynolds (Ned Scott)
Charles Drake (Mick Anderson)
Hayden Rorke (Dr. Dan Hennessy)
Jacqueline deWit (Mona Plash)
Leigh Snowden (Jo-Ann Grisby)
Donald Curtis (Howard Hoffer)
Alex Gerry (George Warren)
Nestor Paiva (Manuel)
Forrest Lewis (Mr. Weeks)
DrehbuchPeggy Thompson
FilmmusikFrank Skinner
KameraRussell Metty
SchnittFrank Gross
Filmlänge117 Minuten
FSKab 12 Jahren

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