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WarHunt – Hexenjäger (2022) | Filmkritik

Das Horrorgenre ist reich an unterschiedlichsten Themen, Variationen und zum Teil absurdester Konzepte. Dabei gehört die Naziploitation [1] zu einem Zweig, dessen Spuren sich weit bis in die Vergangenheit des Films verfolgen lassen. Wie so viele Genres ist auch die Naziploitation in all den Jahren nie richtig von der Bildfläche verschwunden. Auf Zeiten, in denen der Markt gierig alles in sich aufsog, folgte unweigerlich eine Phase der Auflösung, nur um später wie Phönix aus der Asche mit neuen, noch verrückteren Ideen auf der großen Bühne zu erscheinen. Für den geneigten Filmfreund gibt es dabei zwei unterschiedliche Pfade zu erkunden: Auf einer Seite finden wir große Portionen Sadismus und Sex (ILSA: SHE WOLF OF THE SS, 1975), auf der anderen tummeln sich allerhand Zombies und gelegentlich der ein oder andere Mad Scientist (FRANKENSTEIN‘S ARMY, 2013). WARHUNT reiht sich anstandslos auf dem Horrorpfad ein, auch wenn er keinerlei Zombies anzubieten hat, stattdessen begegnen unsere Akteure einigen Hexen und allerlei Okkultismus. Das erinnert uns an einen der ersten Naziploitation-Streifen aus dem Jahre 1943: Steve Sekelys  REVENGE OF THE ZOMBIES mit John Carradine in der Hauptrolle. Doch schauen wir uns erst einmal an, um was es sich überhaupt in Mauro Borrellis neustem Film dreht.

© Capelight Pictures

Handlung

Deutschland 1945: Ein US-Militärflugzeug stürzt mitten im Schwarzwald ab. Postwendend sendet Major Johnson (Mickey Rourke) einen Trupp Elitesoldaten in das Zielgebiet, um geheimes Material aus dem Wrack zu bergen. Angeführt von Sergeant Brewer (Robert Knepper) und dem seltsamen Walsh (Jackson Rathbone) entdeckt die Gruppe auf dem Weg dorthin mehrere erhängte Nazisoldaten, denen magische Symbole in den Körper geritzt worden sind. Nun beginnt ein blutiger Alptraum für die Männer, statt feindlicher Soldaten stehen sie einer dunklen Macht und gefährlichen Hexen gegenüber, die ein uraltes Geheimnis hüten.

© Capelight Pictures

Es war einmal …

Rotkäppchen und den bösen Wolf treffen die US-Soldaten in diesem Wald nicht an, stattdessen laufen ihnen viel bösartigere Wesen über den Weg. Wobei die deutschen Soldaten dabei noch das kleinere Übel verkörpern. Zwar befanden sich die Drehorte nicht in Deutschland, sondern in Lettland (Riga, Pokaini und Ligatne), trotzdem schwelgen sie in schauerlich-schönen Waldlandschaften, in denen die angedeuteten Märchen und Sagen wahrhaftig zum Leben erwachen. Doch bevor wir diesen dunklen Pfad beschreiten müssen wir das Einführungsritual der harten Typen hinter uns bringen. Wie aus dem Inhalt ersichtlich wird, treffen wir auf eine erfahrene Gruppe von Elitesoldaten, die es sich erst einmal verbal so richtig besorgen, ordentlich Testosteron versprühen und dabei ihre Grenzen abstecken. Ganz besonders der Neue, Walsh, gerät dabei ins Kreuzfeuer dieses eingeschworenen Haufens. Als Bonus gibt es bekannte Klischees, die zu solch einem Film einfach dazugehören. „Political Correctness“ ist hier unbekannt und wird zu keiner Zeit vermisst. Ein Hauch der guten alten 1970er und 1980er-Jahre weht dabei über den Bildschirm und entlockt dem Rezipienten ein zufriedenes Seufzen. Keine genderspezifischen Besetzungen, keine weichgespülten Worthülsen oder inhaltslose Attitüden, nur um irgendwelchen an den Haaren herbei gezogenen neuartigen Konventionen gerecht zu werden.

© Capelight Pictures

Der Score des erfahrenen chinesischen Komponisten Tao Liu begleitet unsere kleine Gruppe auf ihrer stürmischen Reise. Er dröhnt zwischen finsteren Wäldern und schwerem MG-Salven „Dramatisch-spektakulär-mysteriös“ aus den Boxen, wie es sich für eine Produktion mit heroischen US-Soldaten im Kampf gegen dunkle Mächte eben gehört.

Einige wenige Abstriche gibt es bei den CGI-Effekten, die nicht in allen Belangen überzeugen können. Dagegen können Robert Knepper und sein Co-Star Jackson Rathbone überzeugen. Der US-Amerikaner Knepper, bekannt aus PRISON BREAK (2005 – 2017), schlüpft in die Rolle des Sergeant Brewer und führt „seinen Haufen“ mit harter Hand durch den Krieg. Rathbone, bekannt aus der TWILIGHT-Saga (2008 – 2012) und geboren in Singapur, spielt „den Neuen“ in der Einheit. Er muss sich erst noch beweisen, ehe ihm alle restlos ihr Vertrauen schenken. Auch wenn die psychologische Seite in WARHUNT relativ simpel und einfach dargestellt wird, hat die Auseinandersetzung zwischen den beiden vermeintlichen Anführern durchaus ihren Reiz.

© Capelight Pictures

Ein wenig verwundert hat mich hingegen, was aus dem einst gefeierten Star Mickey Rourke (ANGEL HEART, 1987; SIN CITY 2: A DAME TO KILL FOR, 2014) geworden ist, und da beziehe ich mich ganz besonders auf sein Äußeres. Die Ähnlichkeit mit der Maske eines Arnold Schwarzenegger in der bekannten „Augen-Szene“ im Hotel aus TERMINATOR (1984) ist verblüffend (siehe Bild).

 

Rourkes Auftritt in WARHUNT würde ich eher als Bescheiden gelangweilt beschreiben. Dass der italienische Regisseur Mauro Borrelli einen starken visuellen Hintergrund hat, bemerkt man besonders in den Filmen, in denen er selbst Regie führte wie THE GHOSTMAKER (2012) und ganz besonders in seinem neusten Werk WARHUNT. Seine bekanntesten Arbeiten bis dahin dürften die Konzeptzeichnungen zu den großen Hollywood-Produktionen wie dem PIRATES OF THE CARIBBEAN-Franchise oder bei CAPTAIN AMERICA: THE FIRST AVENGER (2011) sein. Deutlich sichtbar in seinen eigenen Werken ist der Einfluss eines Tim Burton (MARS ATTACKS!, 1996; SLEEPY HOLLOW, 1999) mit dem Borrelli viele Jahre zusammen arbeitete.

Germanisch-Nordische-Mythologie

Ein näherer Blick auf WARHUNT offenbart uns, dass Mauro Borrelli und seine Mitautoren sich ausführlich mit germanischer und nordischer Mythologie beschäftigt haben. Seit jeher war der Wald der Deutschen von Gedichten, Märchen, Sagen und fantastischen Wesen erfüllt [2]. Einst lebten darin die Götter der Germanen, später verbannte das Christentum dorthin Hexen und Dämonen. Dass der deutsche Wald es in sich hat, stellten seinerzeit schon die Römer fest und beendeten umgehend jedwede Eroberungsfantasie Germaniens. So verwundert es auch nicht weiter, wenn wir in WARHUNT deutliche Hinweise und Motive aus eben jenen Geschichten und Legenden wiederfinden. Beispielsweise die Nornen [3], die der nordischen Mythologie entstammen, auch als Schicksalsfrauen bekannt: Urd (Schicksal), Verdandi (das Werdende) und Skuld (Schuld), die bei Regisseur Borrelli Pate für seine drei bösartigen Hexen gestanden haben. Die drei Nornen bestimmten das Schicksal eines jeden Menschen, von der Geburt bis zum Tode, daher kommt auch der Begriff der Schicksalsspinnerin. In frühsten Zeiten hatten die drei Frauen keine Namen, die erst in jüngster Zeit auftauchten.

© Capelight Pictures

Dann wäre da noch der „Baum des Lebens“ in Borrellis Film. Er könnte eine Metapher für den Weltenbaum (oder auch Weltesche) Yggdrasil [4] sein, der, wie schon die Nornen, ebenfalls der nordischen Mythologie entstammt (der Glaube der Nordvölker hatte großen Einfluss auf die damaligen Germanen und ihrer Weltanschauung). Er symbolisiert die bekannte Welt mit all ihren unterschiedlichen Ebenen und Dimensionen und den ihnen angestammten Orten der verschiedensten Wesen, Menschen und Götter. Zu Füßen von Yggdrasil leben die Nornen und versorgen die Wurzeln des Baumes mit Wasser, womit wir wieder bei WARHUNT gelandet sind. Die Hexen des Films beschützen und umsorgen ihren „Baum des Lebens“ ebenso.

© Capelight Pictures

Fazit

Regisseur Mauro Borrelli präsentiert uns mit WARHUNT einen überraschend unterhaltsamen und sehr kurzweiligen Film, der mit einigen interessanten Ansätzen überzeugen kann. Dass wir uns nicht falsch verstehen, WARHUNT ist beileibe kein Meisterwerk und bleibt eine billige Produktion ohne jeglichen Anspruch, der einige markante Schwächen aufweist. Doch wer darüber hinwegsehen kann, findet hier gute Unterhaltung in einem Mix aus Kriegsszenario, Okkultismus und nordischer Mystik, der durchaus Spaß macht.

© Stefan F.

Quellen: 

 

Titel, Cast und CrewWarHunt - Hexenjäger (2022)
Poster
Releaseseit dem 29.04.2022 als Ultra-HD Blu-ray, Blu-ray und DVD erhältlich.

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RegisseurMauro Borrelli
Trailer
BesetzungMickey Rourke (Major Johnson)
Jackson Rathbone (Walsh)
Robert Knepper (Sergeant Brewer)
Anna Paliga (Stria)
Frederik Wagner (Rucker)
Lou Stassen (Hexe)
DrehbuchMauro Borrelli
Reggie Keyohara III
Scott Svatos
KameraEric Gustavo Petersen
Denis Sorogin
MusikTao Liu
SchnittEd Marx
Filmlänge92 Minuten
FSKab 16 Jahren

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