Vier himmlische Freunde (1993) – Filmkritik

Das Schöne an Nostalgie ist es, in seine Jugendzeit zurückzukehren, die für die meisten eine großartige Zeit gewesen ist. Für mich war sie es, denn jetzt über meine Lieblingsfilme aus der Kindheit schreiben zu können, ist nur mit einer dicken Portion solcher Nostalgie möglich. VIER HIMMLISCHE FREUNDE aus dem Jahr 1993 ist zwar damals an mir vorbeigegangen, schenkte mir nun aber Jahrzehnte später dieses besondere Feel-Good-Filmerlebnis, an einem sonnigen Tag lieber vor der Glotze zu sitzen, Eistee zu trinken und sich das Leben zu versüßen. Moment Mal, ist das nicht Robert Downey Jr.?

VIER HIMMLISCHE FREUNDE (1993)
© justbridge entertainment

Handlung

San Francisco Ende der 1950er Jahre, vier Menschen fahren aus unterschiedlichen Gründen mit dem Linienbus. Weil der Fahrer eher ein Auge auf die langen Beine der Dame im Auto neben sich wirft als auf die Straße, baut er einen Unfall und stürzt den Bus über eine Brücke. Die vier Seelen der Passagiere fliegen aber nicht wie dies Busfahrers gen Himmel, sondern werden an die eines Jungen gebunden, der gerade im Moment des Unfalls geboren wird. Für Penny (Alfre Woodard), Julia (Kyra Sedgwick), Harrison (Charles Grodin) und Milo (Tom Sizemore) bedeutet dies, als Geist weiter auf Erden, an der Seite des jungen Thomas zu wandeln. 30 Jahre vergehen, Thomas (Robert Downey Jr.) hat seine „imaginären“ Freunde hinter sich gelassen, jedoch werden die vier Seelen nun endlich vom Himmelspersonal eingesammelt und haben jetzt nur noch einen Tag Zeit mit ihrem vorherigen Leben ins Reine zu kommen. Das geht aber nur mit der Hilfe von Thomas, der Einfluss auf die Realität hat. Nun gilt es: Briefmarken klauen, vor Publikum singen, verlorene Kinder finden und die alte Liebe besuchen.

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Hollywood und der Glanz der 50er

Filme aus der Traumfabrik lieben es, sich der schönen Vergangenheit Amerikas zu bedienen. Na ja, sagen wir mal der Vergangenheit, die die Medien geschaffen haben: das Idyll der Filme aus den 1950er Jahren. Ob damals alle Menschen so freundlich und gutherzig waren, wie unsere vier Engel es sind, ist unwahrscheinlich, aber immerhin hat das Drehbuch einen herzhaften demografischen Schnitt durch die amerikanische Bevölkerung gewagt. Filmkritiker James Berardinelli schrieb 1993 zu HEARTS AND SOULS, so der Originaltitel, man könne sich mit den Figuren nicht identifizieren. Dann sage ich mit meiner Nostalgie-Brille auf den Augen: Warum soll ich es auch? Ich liebe die Filmwelt der 50er, es ist eine Utopie – wie das Meisterwerk PLEASANTVILLE (1998) so schön portraitiert.

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Es handelt sich hier aber um einen Unterhaltungsfilm, nach dem man beschwingt den Abspann genießt ohne Zweifel an der eigenen Existenz heraufzubeschwören. VIER HIMMLISCHE FREUNDE ist Sonntagnachmittag-Filmware, die den Charme der 50er-Filmwelt in die 1990er transferiert und nebenbei aus dem „Finanzhai“ Robert Downey Jr., der keine Beziehung mit der liebreizenden Anne (Elisabeth Shue) eingehen möchte, zu einem besseren Menschen werden lässt. Und das Beste ist, man bekommt hier nicht nur ein Happy End, sondern gleich vier Happy Ends plus eins als Bonus. Vielleicht rollen jetzt die Dramatiker vor lauter Klischeeblaupause mit den Augen, aber wenn man bei VIER HIMMLISCHE FREUNDE nicht den Zollstock der filmgeschichtlichen Relevanz anlegt, kann man schöne 99 Filmminuten verbringen.

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Zugegeben, es braucht etwas Zeit bis der Film, genauer gesagt der Bus, ins Rollen kommt. Erst wenn die Aufgaben für die vier Geister feststehen, wird ein kleines Roadmovie daraus. Schönste Szene ist, wenn Robert Downey Jr. die Nationalhymne singt, Captain America wäre stolz auf ihn, und locker lässig im Hintergrund B.B. King die Gitarrenseiten zum Schwingen bringt. Der funkenschlagende Linienbus fährt auch noch auf die Bühne. Apropos Effekte, die sind zwar Zeuge ihrer Zeit, aber so geschickt und praktisch eingearbeitet, dass sie nie störend wirken. Die Innenszenen wurden im großen Studio gedreht und stören mit ihren Plastikpflanzen und hellen Scheinwerfen wesentlich mehr.

VIER HIMMLISCHE FREUNDE (1993)
© justbridge entertainment

Mediabook

Das Mediabook

Justbridge Entertainment hat schon bewiesen, dass es sich in den unbekannten Gängen der Videotheken von damals gut auskennt. Hier macht es immer Spaß dem Filmgeschmack des Labels bei alten Filmen zu folgen. Das Bild ist perfekt restauriert und der Ton sauber abgemischt. Leider gibt es keinerlei Extras auf der Scheibe. Ein Booklet von Justbridge-Stammschreiber Christoph N. Kellerbach, was über die Produktion und Regisseur Ron Underwood (TREMORS, CITY SLICKERS) umfangreiche Informationen liefert, füllt das Mediabook mit Inhalt. Das Cover und Design bringt das schräge Marketing-Konzept von 1993 noch einmal zur vollen Pracht. Muss man nicht mögen, passt hier aber.

VIER HIMMLISCHE FREUNDE (1993)
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Fazit

VIER HIMMLISCHE FREUNDE bleibt von Anfang bis Ende locker leicht. Swingend schlendert man über die Straßen von San Francisco mit „Walk Like a Man“ von The Four Seasons auf den Ohren, leicht schrulligen Darbietungen von Robert Downey Jr. und einem Bus, dem keiner entkommen kann. Mit diesem Film im Player stellt sich der Kalender automatisch auf Sonntagnachmittag.

© Christoph Müller

Titel, Cast und CrewVier Himmlische Freunde (1993)
OT: Heart and Souls
Poster
RegisseurRon Underwood
Releaseab dem 02.10.2020 im Mediabook (Blu-ray und DVD)

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Trailer
BesetzungRobert Downey Jr. (Thomas Reilly)
Charles Grodin (Harrison Winslow)
Alfre Woodard (Penny Washington)
Kyra Sedgwick (Julia)
Tom Sizemore (Milo Peck)
David Paymer (Hal, der Busfahrer)
Elisabeth Shue (Anne)
DrehbuchBrent Maddock
S.S. Wilson
Gregory Hansen
Erik Hansen
KameraMichael W. Watkins
FilmmusikMarc Shaiman
SchnittO. Nicholas Brown
Filmlänge108 Minuten
FSKab 6 Jahren

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