VFW (2019) – Filmkritik

„Anschlag auf die Veteranenkneipe“

Für manche ist die Stammkneipe das einzige Zuhause. Bei ein paar Bieren und Schnäpsen schwelgen sie in längst vergangenen Zeiten und erzählen sich so manchen Witz zum wiederholten Male. In den USA gibt es eine besondere Art von Bar, die nur Mitgliedern der VFW Eintritt gewährt. V.F.W. steht für Veterans of Foreign Wars: Veteranen, die in Kriegen für die USA gekämpft haben. Die Organisation hatte im Jahr 2019 knapp 1,2 Millionen Mitglieder. In ihren Kneipen findet eine ganz besondere Art von Kriegstraumata-Bekämpfung statt, die schon so manchen Alkoholiker hervorgebracht hat. Dieser dunkle Ort ist Dreh- und Angelpunkt des blutigen Actionstreifens VFW von Joe Begos. Nicht nur die Protagonisten schwelgen in Nostalgie, sondern auch das ganze Filmkonzept wie auch die Optik zollt den blutigen Streifen der 80er-Jahre seinen Tribut. Das klappt leider nur bedingt gut, denn eine simple Kopie ohne Herz für eine packende Story oder starke Gegenspieler sucht man hier vergebens. Aber erst einmal an den Tresen:

© Capelight Pictures

Handlung

In einer nahen Zukunft der USA, Posten 2494, Texas: Fred (Stephen Lang) betreibt den Posten in Form einer Bar, zu der nur Kriegsveteranen Einlass gewährt wird. Hier schenkt er am späten Nachmittag bis tief in die Nacht aus. An seinem Tresen sitzen nicht nur Stammkunden, es sind zum größten Teil Soldaten, die mit ihm im Vietnamkrieg gekämpft haben. Das heute sein Geburtstag ist, will er nicht hören. Fred will, dass der Tag schnell vorbei ist. Doch seine Freunde wollen ihm noch ein besonderes Geschenk machen und in eine Striptease-Bar weiterziehen. An Freds Tresen sitzen: Walter (William Sadler), Abe (Fred Williamson), Lou (Martin Kove), Doug (David Patrick Kelly), Thomas (George Wendt) und der eben aus dem Irak zurückgekehrte Shawn (Tom Williamson). Doch das Schicksal hat anderes mit den Männern vor. Die junge Lizard (Sierra McCormick) flieht in die Kneipe mit einem Rucksack voll der neusten Superdroge. Die verwandelt jeden in einen von Sucht getriebenen Zombie. Doch Gangster-Boss Boz (Travis Hammer) will seinen Besitz zurück, egal ob er dafür ein paar Kriegsveteranen umlegen muss. Fred und seine Kumpels schalten sofort auf Kriegsmodus.

© Capelight Pictures

Retro-Style

Retrofans werden bei der Geschichte und dem Trailer gleich John Carpenters ASSAULT – ANSCHLAG BEI NACHT (ASSAULT ON PRECINCT 13, 1976) im Sinn haben. Dort wird eine Polizeiwache von einer Streetgang auseinandergenommen. In VFW verteidigen Ex-Soldaten ihren letzten Rückzugsort gegen eine Meute Drogenabhängiger und das auf äußerst handgreifliche Weise. Mit ausschließlich handgemachten Effekten wird der Streifen im Lichte der schummrigen Neonbeleuchtung zu einem wahren Gore-Fest mit Punkrockattitüde. Nachdem die Junkie-Eindringlinge einen der ihren niedergestreckt haben, gehen die Veteranen kaltblütig gegen die Angreifer vor. Wenn die Truppe sich in der Bar beginnt zu verbarrikadieren, kommen Gedanken ans A-TEAM und RAMBO: LAST BLOOD (2019) auf. Jedoch gelingt es Regisseur Joe Begos und seinen Drehbuchautoren nicht spannende Dramaturgie in das Gemetzel einfließen zu lassen. Es wirkt wie ein wirres Handgemenge mit literweise Kunstblut. Auch der Filmlook will 1980er-Jahre sein, ist aber dann doch nur digitales Material mit schlechtem Filmkornfilter aus dem Rechner. Ein paar gekonnte Lichtsetzungen und ein kräftiger Soundtrack hätten bestimmt geholfen. Aber der größte Anteil des Budgets wird an die Stärke von VFW draufgegangen sein, den Altherren-Cast.

© Capelight Pictures

Besetzung

In der Hauptrolle weiß Stephen Lang (AVATAR, DON’T BREATHE) gewohnt zu überzeugen. Den ehemaligen Armee-Gruppenführer kauft man ihm ab wie auch den gebrochenen Soldaten, der in seinem Heimatland nicht mehr weiß, was er zu tun hat. Da kommt ihm die Verteidigung seines Außenpostens genau recht. Stephen Lang ist schon seit vielen Jahren im Geschäft und spielt vor allem in den letzten Jahren den durchtrainierten betuchten Herren oder auch mal den Vater von Jason Momoa in BRAVEN (2018).

© Capelight Pictures

Der Rest der Bande hat ordentlich in den 1970er– bis 1990er-Jahren ausgeteilt: Fred Williamson in BOSS NIGGER (1974) oder THE INGLORIOUS BASTARDS (1978); William Sadler in DIE VERURTEILTEN (1994) und STIRB LANGSAM 2 (1990); Martin Kove in KARATE KID (1984) und RAMBO 2 (1985); David Patrick Kelly TWIN PEAKS (1990-1991) und THE WARRIORS (1979). Allesamt markante Nebendarsteller, deren Gesicht im Gedächtnis bleibt. Das gilt leider nicht für die junge Besetzung in VFW. Sierra McCormick hat als Lizard nur die Aufgabe die Veteranen in diese Situation zu bringen, sonst verbleibt sie als Schaufensterfigur mit Wollmütze. Richtig ärgerlich ist es, wenn in so einem FSK-18-Streifen der Bösewicht keinerlei Macht und Bedrohung ausstrahlt. Travis Hammer steht mit freier Hühnerbrust, Nieten-Lederjacke und schmierigem Seitenscheitel nur steif im Bild. Jedem wird schnell klar, dass dieser Bubi hier nicht gewinnen wird.

© Capelight Pictures

Das Mediabook

Das Mediabook (UHD+Blu-ray)

VFW ist als Blu-ray oder im 4K-UHD-Mediabook erhältlich. Capelight Pictures hat beim Mediabook wieder eine schöne Verpackung gezaubert und Vorder- wie auch Rückseite sind stilvoll designt. Das 24-seitige Booklet bietet ein Interview mit dem Regisseur Joe Begos, was immer wieder durch Szenenbilder aufgelockert wird. Als Extras gibt es neben Audiokommentaren noch ein Making-of und zwei Featurettes zu den Darstellern und SFX-Effekten. Ein schönes Paket wie immer von Capelight, aber bei der oben genannten Bildqualität würde die normale Blu-ray ausreichen.

© Capelight Pictures

Fazit

Seine Hausaufgaben in Filmgeschichte hat VFW auf jeden Fall gemacht. Auch in der Besetzung der Veteranen beweist der Film ein gutes Händchen. Die alten Herren haben immer noch ein paar lockere Sprüche auf den Lippen und die Chemie ihrer Saufgemeinschaft stimmt einfach. Jedoch wirkt die Action zu keiner Zeit packend, auch wenn am Ende alle knöcheltief in Leichen stehen. Mit Freunden und ein paar Bier auf der Couch behält man VFW dennoch in gut unterhaltener Erinnerung.

© Christoph Müller

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.