These Final Hours (2013) – Filmkritik

Es bleiben nur noch zwölf Stunden bevor dein Leben und das der ganzen Erde für immer endet. Was machst du mit deinen letzten Momenten? Wie verbringst du die restliche Zeit und mit wem? Genau diese Fragen hat sich der Australier Zak Hilditch gestellt und heraus gekommen ist ein Weltuntergangsszenario, das unter die Haut geht. In beeindruckenden Bildern und in aller Stille wird uns hier die Apokalypse in Form eines simplen, alles vernichtenden Meteoriteneinschlags präsentiert. Unaufhaltsam und gnadenlos, egal ob Reich oder Arm, Jung oder Alt, jeden wird es erwischen. Hilditch reduziert seine Story auf ein Minimum und rückt die normalen Menschen im Angesicht des nahenden Todes in den Fokus, ihre Ängste und Sehnsüchte, Wünsche und Hoffnungen. Durch das Herunterbrechen auf das Wesentliche und dem Schicksal einer Handvoll Personen erhält THESE FINAL HOURS eine Wucht, die ihn weit über bekannte Hollywood-Produktionen hinauskatapultiert. Die kommen zwar sehr viel bildgewaltiger daher, sind aber am Ende vollkommen sinn- und leider auch belanglos. Nun also, 34 Jahre nach dem Auftauchen von Mel „The Road Warrior“ Gibson in MAD MAX, der uns den harten Untergang der Zivilisation bescherte, liefert Australien eine weitere Dystopie direkt ins Haus. Nicht mehr und nicht weniger als ein Meisterwerk.

These Final Hours (2013)
© Weltkino Filmverleih

Inhalt

Ein Meteorit schlägt im Nordatlantik ein, der eine Feuerwalze auslöst, die unaufhaltsam über unseren Planeten rollt und alles verschlingt. James (Nathan Phillips) und Zoe (Jessica De Gouw) leben in Perth, Australien. Gemeinsam versuchen sie, die letzten Stunden ihres Lebens mit Sex zu füllen. Trotz der überraschenden Nachricht das Zoe schwanger ist, entschließt sich James, auf eine letzte Party zu gehen, allein. Mit dem Auto macht er sich auf den Weg, begleitet nur von der Stimme des Moderators im Radio, der ihm mitteilt, dass soeben Westeuropa und Nordamerika ausradiert wurden. Ihnen bleiben nur noch zehn Stunden, bis Australien für immer verschwindet. James durchfährt ein Tal des Todes, eine Landschaft gezeichnet von menschlichen Katastrophen und Wahnsinn. Überall herrscht Chaos, Plünderungen und Schießereien.

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Auch James wird überfallen und muss seinen Wagen zurücklassen. Zu Fuß macht er sich auf den weiteren Weg und beobachtet dabei wie zwei Männer ein kleines Mädchen in ein Haus zerren. James ergreift die Chance und schnappt sich kurzerhand den Van der Pädophilen, doch da ist ja noch das Mädchen, das unentwegt um Hilfe ruft. Nur mit einem Hammer bewaffnet stürzt James schließlich ins Haus. Es kommt zu einem kurzen Kampf, bei dem er die Entführer töten muss. Er befreit die Kleine, die sich als Rose (Angourie Rice) vorstellt und auf der Suche nach ihrem Vater ist. Das ungleiche Pärchen macht sich nun gemeinsam auf den Weg durch die Hölle, auf der Suche nach dem letzten Rest von Zivilisation und Menschlichkeit im Angesicht des globalen Unterganges. Aber auch auf einer Suche nach sich selbst.

© Weltkino Filmverleih

Weltuntergang im Film: „Wir sind doch schon alle tot!“

Wie hat der Supercomputer Ultron in AVENGERS: AGE OF ULTRON (2015) gesagt: „…Wenn die Welt beginnt sich zu beruhigen, wirft Gott einen Stein auf sie.“ Meteoritenschlag, ein Thema, das immer Millionen ins Kino lockt. Filme wie METEOR (1979) oder DEEP IMPACT (1998) deuten jedoch nur an und bleiben oberflächlich, konzentrieren sich mehr auf die eigentliche Katastrophe. ARMAGEDDON – DAS JÜNGSTE GERICHT (ARMAGEDDON, 1998) beeindruckt zwar mit bombastischen Bildern, Effekten und einem fetten Score, verliert sich aber letztendlich im Helden-Einheitsbrei.

Schon 1985 präsentierten uns Australiens Nachbarn Neuseeland eine beeindruckende Dystopie, die aus den US-Produktionen Hollywoods deutlich hervorsticht: THE QUIET EARTH – DAS LETZTE EXPERIMENT (1985). Eine Anklage an alle Wissenschaftler, die unkontrolliert und zügellos alles aufs Spiel setzten und keine Konsequenzen scheuen. Trotz der globalen Vernichtung der Menschheit, die das zentrale Motiv des Filmes ist, wird nicht der Einzelne aus den Augen verloren. In eindrucksvollen Bildern wandern wir über einen leeren, einen stillen Planeten.

Seit Menschengedenken beschäftigen wir uns mit unserem kollektiven Ende. Egal ob die Apokalypse nun aus Religionen gespeist wird, Meteoriten, Außerirdische in allen Formen und Größen, dem Atomkrieg oder gar in Form einer Horde Zombies an der Tür klopft, sie haben alle das gleiche Ziel. Erst kürzlich durfte sogar die Comic-Figur Thanos zuschlagen, der nicht nur die Erde, sondern gleich das ganze Universum, zwar nur zur Hälfte, aber immerhin, in die Hölle schickte.

Das Kino hat uns schon in vielen bunten und spektakulären Bildern immer und immer wieder dieses letzte Ende erleben und auch überleben lassen. Denn stets gab es eine aller letzte Rettung, die der Menschheit doch wieder das Überleben ermöglichte. Schon bei den Klassikern DER JÜNGSTE TAG (WHEN WORLDS COLLIDE, 1951) oder KAMPF DER WELTEN (THE WAR OF THE WORLDS, 1953) war das der Fall. 1955 setzte Roger Corman seine Apokalypse sehr spannend in DIE LETZTEN SIEBEN (DAY THE WORLD ENDED, 1955) um, verpackt in ein ähnliches Szenario wie THE QUIETH EARTH.

Im Jahre 1984 folgte dann DER KOMET (NIGHT OF THE COMET) in dem zwei Teenie-Girls den Weltuntergang überleben, den Verlust von Familie, Freunden sowie der ganzen Menschheit, relativ entspannt zur Kenntnis nehmen. Stattdessen sind die beiden mehr daran interessiert, wo ihr nächster Shoping-Ausflug stattfindet. Die Neuzeit präsentierte uns den Untergang dann in Hochglanzoptik wie THE DAY AFTER TOMORROW (2004), MUTANT CHRONICLES (2008) oder aber der Außergewöhnliche THE HAPPENING (2008) von M. Night Shyamalan. Ein interessanter deutscher Beitrag ist HELL (2011) oder der im Hollywood-Look präsentierte 2012 – DAS ENDE DER WELT (2012) von Roland Emmerich. Ganz anders nähern sich thematisch die Engländer im Jahr 1961 mit ihrer ganz eigenen Weltuntergangs-Fantasie, in dem Meisterwerk DER TAG, AN DEM DIE ERDE FEUER FING (THE DAY THE EARTH CAUGHT FIRE). Darin begleiten wir zwei Reporter, die die Katastrophe nur moderieren können, da sie meilenweit vom Geschehen entfernt sind und lediglich die Auswirkungen bekommen sie hautnah zu spüren.

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Eine letzte Odyssee

Der globale, unaufhaltsame Weltuntergang ist hier nur die Kulisse, vor der das eigentliche Drama spielt. In THESE FINAL HOURS geht um die letzten Stunden weniger Personen auf diesem, unserem Planeten. Ein Film, der berührt und bewegt, er hinterlässt Spuren beim Rezipienten, tiefe Spuren, wenn er wirklich bereit ist, sich auf die Reise von James und Rose einzulassen. Abseits jeglicher Klischees und zahlloser Action-Helden reduziert sich der Film auf das, was am Ende für jedem von uns noch übrigbleibt: Für uns selbst und unsere Liebsten müssen wir eine allerletzte Entscheidung treffen, was für uns persönlich am wichtigsten ist. Die Kameraarbeit von Bonnie Elliott ist im Stile einer Dokumentation angelegt. Sie beobachtet in neutralen Bildern das Geschehen um das ungleiche Paar und schafft einen passenden Ausgleich zur emotionalen Story.

These Final Hours (2013)
THESE FINAL HOURS (2013) // © Weltkino Filmverleih

Dazu erklingt der sparsame Score von Cornel Wilczek, der aber zu jedem Moment genau die passenden Töne findet. Sehr eindringlich ist auch die Stimme des Radio-Moderators in der deutschen Synchro geworden. Die Darsteller Nathan Phillips, Jessica De Gouw und auch die junge Angourie Rice begeistern in jeder Minute auf der Leinwand. Alle, auch die vielen Nebendarsteller, bringen eine gewaltige Intensität und Leidenschaft mit, die ich so schon lange nicht mehr erlebt habe. Man fiebert vom ersten Augenblick mit und kann die unbeschreibliche Last, die auf allen liegt, förmlich spüren. Mit jeder Minute, die vergeht, wissen wir instinktiv, dass der Feuerball näher und näher kommt. Dazu bedarf es keiner spektakulären Aufnahmen oder Effekte. Der gigantische Reset für den Planeten Erde, welcher alles auf null stellt, endet dann auch konsequent mit einem puren, einem unschuldigen weißen Bild.

These Final Hours (2013)
© Weltkino Filmverleih

Was würdest du machen?

Wenn James durch die Stadt fährt sehen wir, was Menschen im Angesicht des nahenden Todes bereit sind zu unternehmen. Dann, wenn die dünne Hülle der Zivilisation abgestreift wird und das Tier dahinter zum Vorschein kommt. Die einen begehen Selbstmord, andere betteln ihre Götter an, einige drehen komplett durch und wieder andere töten und vergewaltigen wahllos ihre Mitmenschen. Es gibt keine Helden oder Supermänner, die in letzter Sekunde vorbeikommen, um den Rest der Menschheit vor der Katastrophe zu retten. Keine Kavallerie und auch keine Raumschiffe, die in der australischen Einöde im Geheimen gebaut werden. Nichts von all dem was uns Hollywood immer wieder in Hochglanzbildern präsentiert. Nur ein paar Menschen, die im Bewusstsein ihrer Sterblichkeit, eine letzte Zuflucht, ein letztes Vergessen in Alkohol und Drogen suchen. Noch eine fette Party bevor man endgültig abtritt, noch einmal so richtig krass die Sau rauslassen. James und seine Freundin Zoe sind solche normalen Menschen von nebenan, doch sie begegnen dem Ende unterschiedlich.

THESE FINAL HOURS (2013) // © Weltkino Filmverleih

James, der aus Angst vor dem Ende und dem Schmerz des Feuers der Verdammnis, seine Freundin und ihr ungeborenes Kind zurücklässt. Zoe hingegen will dem Armageddon vom ersten Moment an in sein brennendes, tödliches Herz blicken. Doch James findet nicht sein erhofftes letztes Vergessen auf der Party, sondern nur die kleine Rose. Eine sehr sonderbare Heldenreise beginnt, in den Ruinen einer sterbenden Welt. Über Umwege findet James durch Rose seinen Weg zurück zu sich selbst. Sie berührt etwas tief in ihm, dass er mit dem Meteoriteneinschlag bereits tief in sich begraben hatte. In ihrer kurzen, aber wilden Reise zeigt Rose ihrem Beschützer auf Zeit, wo sein eigentlicher Platz ist.

Dieses wunderbare Hin und Her zwischen den beiden ist fantastisch in Szene gesetzt, die Harmonie zwischen den Schauspielern passt einfach. Zu Beginn gibt sich das ungleiche Pärchen noch zurückhaltend und unsicher. James sieht Rose erst als Belastung an. Er will ja nur so schnell wie möglich zur Party seines Freundes Freddy (Daniel Henshall). James bringt es dann aber nicht über sich, Rose einfach zurückzulassen, sein Beschützerinstinkt ist erwacht. Rose hingegen weiß noch nicht, ob sie diesem seltsamen Typen wirklich trauen kann, aber sie weiß auch, dass sie es allein niemals schafft, ihren Vater zu finden. Nach und nach nähern sich beide an, finden zueinander, behutsam, aufmerksam, ehrlich und ohne jeden Hintergedanken.

© Weltkino Filmverleih

Fazit

Wer genug hat vom endlosen CGI-Effekte-Gewitter aus Hollywood, stereotype Heldenmuster und dünne, langweilige Storys, der ist hier genau richtig. Eine spannende Geschichte und fesselnde Charaktere, gespielt von großartigen Darstellern, erwarten den geneigten Zuschauer. Trotz des sehr schmalen Budgets von nur 2,5 Million hat THESE FINAL HOURS alles was nötig ist. Schon jetzt ein Klassiker, für die Ewigkeit.

© Stefan F.

Titel, Cast und CrewThese Final Hours (2013)
Poster
Releaseab dem 29.09.2017 auf Blu-ray

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RegisseurZak Hilditch
Trailer
BesetzungNathan Phillips (James)
Jessica De Gouw (Zoe)
David Field (Radiosprecher)
Angourie Rice (Rose)
Lynette Curran (James Mutter)
Kathryn Beck (Vicky)
Daniel Henshall (Freddy)
DrehbuchZak Hilditch
MusikCornel Wilczek
KameraBonnie Elliott
SchnittNick Meyers
Filmlänge97 Minuten
FSKab 16 Jahren

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