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The Untouchables – Die Unbestechlichen (1987) | Filmkritik

„Unantastbarer Klassiker“

Gut gegen Böse, die Quintessenz jeder spannenden Geschichte. Held gegen Schurken, Polizist gegen Gangster, das ist der Stoff aus dem nachhaltige Filmerlebnisse entstehen. In den letzten Jahren wird aktiv an dieser Grenze gearbeitet, sie verschoben und unterwandert (SICARIO, AMERICAN GANGSTER). Schlimmes kann passieren, wenn man Gutes will und auch Kriminelle können moralisch gute Absichten haben. THE UNTOUCHABLES ist vielleicht der letzte Film, der die Grenzen zwischen Recht und Unrecht so messerscharf zieht, dass man vollkommen mit den vier Titelhelden mitfiebert. Brian De Palmas Krimiepos, was auf wahren Begebenheiten beruht, feiert sein 35-jähriges Jubiläum. Ein guter Grund zum ersten oder wiederholten Male mit dem Film in die Zeit der amerikanischen Prohibition zu reisen.

© Paramount Pictures

Handlung

Alkohol ist in den Zeiten der großen Depression in den USA verboten. Dennoch lässt sich mit dem Rauschmittel lukrative Geschäfte machen, wenn man es mit dem Gesetz nicht so genau nimmt. Das organisierte Verbrechen sorgt für Nachschub aus illegalen Destillen oder über die Grenzen Kanadas. Als selbsternannter König der Mafia sitzt Al Capone (Robert De Niro) auf seinem Tron in der Gangsterhauptstadt Chicago. Das wird sich mit einer neuen Einheit bei der Polizei ändern. Eliot Ness (Kevin Costner) soll in der Stadt aufräumen und mit dem Kopf von Capone will er beginnen. Doch leider sind viele Polizeiabteilungen so korrupt, dass jeder Einsatz vorher verraten wird. Ness stellt eine kleine, agile und loyale Truppe zusammen, die ohne Zögern gegen den Alkoholhandel vorgeht: Der ehrenwerte Straßenpolizist Jim Malone (Sean Connery), der Schreibtisch-Hengst Oscar Wallace (Charles Martin Smith) und der Jungspund von der Polizeischule George Stone (Andy Garcia). Die vier werden zu den „Untouchables“.

© Paramount Pictures

Filmschule

THE UNTOUCHABLES ist vor allem eine Liebeserklärung an seine Besetzung: Robert De Niro gibt den arroganten, leicht zu provozierenden Al Capone, der seinen Untergebenen gern Lehrstunden im Baseball als Teamsport gibt. Kevin Costner zeigt den gesetzestreuen Ehemann, der naiv in diese Aufgabe schreitet, niemals von seiner Mission abweicht und später doch das Gesetz bricht. Malone, verkörpert von Sean Connery, ist ein nicht käuflicher Cop und mit den Aufgaben eines Straßenpolizisten abgestellt. Malone ist auch in der Hinsicht interessant, weil seine irischen Vorfahren in der Tradition der Polizeimarke stehen. Andy Garcia ist ein italienischer Einwanderer, wild entschlossen und mit dem Revolver absolut tödlich. Malone und Ness holen ihn direkt von der Polizeischule, bevor er zum „faulen Apfel“ wird.

© Paramount Pictures

Aber auch der kleine Oscar, gespielt von Charles Martin Smith, der die Gruppe überhaupt auf die Idee bringt, Capone wegen Steuerhinterziehung dranzukriegen. Smith spielt den Pfeife rauchenden Buchhalter lebendig und sicher im Umgang mit der Schrotflinte. Diese fünf Schauspieler machen THE UNTOUCHABLES zu zwei Lehrstunden, wie es gelingen kann, hervorragende Schauspieler gleichwertig in einem Film unterzubringen. Heute, wenn man auf diesen Film zurückblickt, sind vor allem die jungen Gesichter von Costner und Garcia am Anfang ihrer Karriere etwas, was man nicht missen möchte.

© Paramount Pictures

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Dank Regisseur Brian De Palma und seinem Drehbuchautor David Mamet (Autor von „Die Kunst der Filmregie“, Pflichtliteratur für jeden Filminteressierten) ist THE UNTOUCHABLES ein Musterbeispiel wie gut eine Geschichte durch ihre Bilder und Szenen erzählt werden kann, ohne sämtliche Informationen aus dem Dialog zu transportieren. Deswegen bleiben so viele ikonische Szenen im Gedächtnis: Die erste Razzia im Postgebäude gegenüber vom Polizeirevier, der berittene Schusswechsel an der Grenze Kanadas und die wohl am häufigsten zitierte Szene auf der Bahnhofstreppe mit dem Kinderwagen (übrigens selbst eine Referenz auf die Treppenszene in Odessa aus PANZERKREUZER POTEMKIN von Sergei Eisenstein aus dem Jahre 1925). De Palma ist aber vor allem ein Student der Hitchcock-Schule. Das Bombenattentat zu Beginn mit dem Kind in einer Bar erinnert an Hitchcocks SABOTAGE (1936). Dennoch, insgesamt inszeniert De Palma THE UNTOUCHABLES viel mehr als Western mit blutigen Schießereien als im naheliegenden Film-noir-Genre.

© Paramount Pictures

Figurenwandlung

Neben den einprägsamen Bildern – allein schon das erste Bild aus der Vogelperspektive auf Capone als Businessman mit Maniküre, Schuhe putzen, Rasieren und Interview geben zur gleichen Zeit – und der einprägsamen Filmmusik von Ennio Morricone steht im Mittelpunkt die Figur von Eliot Ness. Dieser beginnt seine Aufgabe naiv, blauäugig und gesetzestreu. Unter der Ausbildung des erfahrenen Malone wird er immer wieder hinterfragt, wie weit er gehen würde. Die Polizeiarbeit nach Handbuch bringt ihn nicht bis zu Capone, ein erbarmungsloses Vorgehen aber schon. Ness verändert sich vom liebenden Vater, der jedem erzählt wie schön es ist, verheiratet zu sein, zu einem Workaholic. Das Familienglück rückt in den Hintergrund, wird zum Ende nur noch am Telefonat erwähnt. Ness‘ Wandlung seiner Einstellung wirklich alles zu tun, um Chicago sicherer zu machen, gipfelt in der Selbstjustiz, wenn er den Killer Nitti (Billy Drago) vom Dach des Gerichts wirft. Vielleicht ist dann doch nicht alles so streng in gut und schlecht unterteilt, wie zu Beginn geglaubt.

© Paramount Pictures

Fazit

In jungen Jahren liebt man THE UNTOUCHABLES aufgrund der geradlinigen Geschichte Gut gegen Böse und den Figuren, die man zweifelsfrei als Archetypen akzeptiert. Heute kann THE UNTOUCHABLES zusätzlich als packender Unterricht in Filmgeschichte genossen werden, quer durch die Genres und cineastischen Handwerke. Der Film beweist, wie ein umfangreiches Epos in unter zwei Stunden effizient erzählt wird. Immer noch, nach über 35 Jahren, ein unantastbares Filmerlebnis.

© Christoph Müller

Titel, Cast und CrewThe Untouchables - Die Unbestechlichen (1987)
OT: The Untouchables
Poster
RegisseurBrian De Palma
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Trailer
BesetzungKevin Costner (Eliot Ness)
Sean Connery (Jim Malone)
Charles Martin Smith (Oscar Wallace)
Andy Garcia (George Stone)
Robert De Niro (Al Capone)
Richard Bradford (Mike)
Jack Kehoe (Payne)
Brad Sullivan (George)
Billy Drago (Nitti)
Patricia Clarkson (Ness' Frau)
DrehbuchDavid Mamet
FilmmusikEnnio Morricone
KameraStephen H. Burum
SchnittGerald B. Greenberg
Bill Pankow
Filmlänge119 Minuten
FSKAb 16 Jahren

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