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The Sadness (2021) – Filmkritik

Für kaum einen anderen Horrorfilm wurde in den letzten Monaten so heftig die Werbetrommel gerührt wie für THE SADNESS. Ein Übersehen der neusten asiatischen Schlachtplatte war für den Film- und Horrorfreund schier unmöglich. Ob der Rezipient solcherart Filme nun bevorzugt oder nicht, er dürfte bei den meisten auf der monatlichen To-do-Liste stehen. Nun ist es so weit und wir können uns persönlich vom groß angekündigten Titel überzeugen, der in brillantem Bild und Ton vorliegt. Die Story ist schnell erzählt und passt bequem auf einen Bierdeckel: Ort der Handlung ist Taiwans Hauptstadt Taipeh. Das frisch verliebte Pärchen Jim (Berant Zhu) und Kat (Regina Lei) verlieren sich zu Beginn einer heimtückischen Seuche aus den Augen und versuchen im weiteren Verlauf der Handlung ihren Kopf aus der Schlinge zu ziehen und gleichzeitig ihren geliebten Partner wiederzufinden. Dabei müssen sie wie üblich, allerhand Hindernisse überwinden.

© Capelight Pictures

Ein offenkundiges Handlungsmuster, das aus einem Dutzend bekannter Katastrophenfilme dem Filmfreund vertraut sein dürfte und auch hier keine weiteren Überraschungen im Köcher hat. Wer zudem ausgefallene Charterstudien und tiefschürfende Dialoge erwartet, hat sich den falschen Film ausgesucht. Den nachhaltigsten Eindruck unter den nichtssagenden Charakteren dürfte noch der Amok laufende Geschäftsmann (Wang Tzu-Chiang) hinterlassen, der seiner heimlichen Liebe Kat auf sehr unkonventionelle Art an die Wäsche will.

© Capelight Pictures

Von falschen Zombies …

Die Idee zu THE SADNESS stammt vom Kanadier Rob Jabbaz, der schon über 14 Jahren in Taiwan lebt und arbeitet. Das Herr Jabbaz seine ganz eigenen Ansichten zu seinem Werk hat, darüber kann sich der geneigte Filmfreund im Booklet der Mediabookausgabe überzeugen. Wer einen sinnigen Sub-Plot oder gar eine Botschaft im vorliegenden Film sucht, ist zum einen falsch abgebogen, zum anderen muss er hier sehr tief graben. Mit viel Wohlwollen können wir an der ein oder anderen Stelle das Problem der Isoliertheit und Anonymität in Großstädten aufschnappen, unter dem immer mehr Menschen weltweit leiden. Der schon erwähnte Geschäftsmann ist das beste Beispiel dafür. Möchte der Zuschauer etwas Sinnvolles aus dem „Alvin-Virus“ destillieren, könnte darauf hingewiesen werden, dass er die dunkelsten Neigungen, Triebe und vor allem Aggressionen der Menschen an die Oberfläche bringt. Nach erfolgreicher Infektion leben diese Personen umgehend diese unterdrückten Triebe aus, ohne Rücksicht auf Konsequenzen und Mitmenschen, was sich dementsprechend äußerst blutig präsentiert.

© Capelight Pictures

Eines sollten wir noch klarstellen: In THE SADNESS tauchen die bekannten George A. Romero Zombies genauso oft auf wie in der SESAMSTRASSE auf, nämlich niemals. Doch der kanadische Regisseur Jabbaz hat da seine ganz eigene Definition, wie er in einem Interview verrät (siehe Booklet-Text des Mediabooks). Der hier erwähnte „Alvin-Virus“ stammt vom bekannten Tollwut-Virus ab und rückt THE SADNESS somit deutlich näher an 28 DAYS LATER (2002), bei dem ebenfalls ein Tollwut-Virus im Spiel war, als an jenen „echten“ Zombie. Somit ist die martialische Schlagzeile „Der wohl brutalste Zombiefilm aller Zeiten“ in zweifacher Hinsicht kompletter Blödsinn. Einzig und allein die Tatsache, dass seit den 2010er-Jahren nur noch weichgespülte Langeweile sowie „Political Correctness“ in der Filmwelt vorherrscht, verschafft THE SADNESS die aktuelle Sonderstellung.

© Capelight Pictures

Werfen wir dagegen einen Blick zurück in die legendären 1980er und 1990er Jahre finden wir die bekannte CAT-III-(Category-III) Reihe aus Asien. Wer sich an diese ungewöhnlichen und zum Teil schockierenden Filme erinnert, erkennt sehr schnell, dass es weitaus brutalere und deutlich intensivere Werke zu bestaunen gibt als THE SADNESS. Wobei die dargestellte Gewalt eine Frage der filmischen Erfahrung und des Empfindens selbiger ist, und von Person zu Person unterschiedlich wahrgenommen wird. Zudem stellt die Schlagzeile „der brutalste Film aller Zeiten“ nicht gerade ein Gütesiegel oder eine lohnende Auszeichnung dar, sondern ist lediglich der Werbung geschuldet.

© Capelight Pictures

… und extremen Blutduschen

Das THE SADNESS einige heftige Szenen präsentiert, ist unbestritten, aber mehr auch nicht. Selbst mit dieser knackigen Werbung im Rücken gibt es in Rob Jabbaz neustem Film Momente, in denen die Kamera voller Schamgefühl wegsieht. Was der Cumshot für den Pornofilm ist, ist der Blutspritzer im Horrorfilm und der darf in einer asiatischen Produktion einfach nicht fehlen. Sobald das Gemetzel beginnt, gibt es für die Protagonisten und dem Zuschauer, extrem viel vom roten Lebenssaft zu bestaunen. Und das asiatische Kino ist beim Thema Blut bekanntlich nicht zimperlich.

© Capelight Pictures

Was ebenfalls sehr augenfällig an THE SADNESS ist, dürfte die extrem sadistische Komponente der Infizierten sein. Denn die sind nicht nur darauf erpicht, ihren Mitmenschen möglichst blutig das Lebenslicht auszublasen. Sie machen sich ohne Ausnahmen einen Spaß daraus zu foltern und zu vergewaltigen. Auch wenn Regisseur Jabbaz nicht lange fackelt und nach gut 15 Minuten zur Sache kommt, geht dem Gemetzel jedoch schnell die Luft aus und hat phasenweise mit Ermüdungserscheinungen zu kämpfen. Egal wie ausgefallen und gelungen die dargestellten Gewaltorgien auch sein mögen, im Verlauf des Films gewöhnt sich der Rezipient sehr schnell daran und stumpft merklich ab. Das mag zum einen daran liegen, dass einfach keine richtige Spannung oder Atmosphäre aufkommt, zum anderen, dass einem das Schicksal der Charakter schlichtweg egal ist. Regisseur Jabbaz hat überdeutlich seinen Fokus einzig und allein auf die sehenswerten Effekte gelegt und dabei alles andere in den Hintergrund verbannt. Fast bin ich geneigt, den Film als Fingerübung oder Machbarkeitsstudie zu bezeichnen.

© Capelight Pictures

Fazit

Und für welches Klientel ist nun der Film geeignet? Für alle, deren Fokus auf möglichst ausgefallene Tötungen und Unmengen an Blut liegt, dürfte THE SADNESS einer der wenigen Filme der Neuzeit sein, der genau diesen Trieb befriedigen möchte. Alle anderen dürfen auch einen Blick riskieren, sollten aber die Erwartungen dämpfen und einiges vertragen können. Handwerklich ist Rob Jabbaz Film nichts vorzuwerfen; wir haben eine gelungene Inszenierung, fantastische Effekte, ein glasklares, fast schon steriles Bild und einen hervorragenden Ton, selbst in der deutschen Synchro. Wir haben aber auch austauschbare Charaktere und eine sehr dünne Story, die allzu bekannt ist und nichts Neues anbieten kann. Lediglich die ausufernden Gewaltexzesse dürften bis zum nächsten Gemetzel im Gedächtnis haften bleiben.

© Stefan F.

Titel, Cast und CrewThe Sadness (2021)
OT: Ku Bei
Poster
Releaseseit dem 15.04.2022 im Mediabook (UHD+Blu-ray) und Steelbook (UHD+Blu-ray) erhältlich.

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RegisseurRob Jabbaz
Trailer
BesetzungRegina Lei (Kat)
Berant Zhu (Jim)
Tzu-Chiang Wang (Geschäftsmann)
Ying-Ru Chen (-)
Ralf Chiu (-)
Wei-Hua Lan (-)
DrehbuchRob Jabbaz
KameraBai Jie-Li
MusikTZECHAR
SchnittRob Jabbaz
Filmlänge100 Minuten (uncut)
FSKFSK-ungeprüft und somit ab 18 Jahren

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