The Producers (1967) – Filmkritik

„50 Jahre Schabernack“

Als der Film THE PRODUCERS (FRÜHLING FÜR HITLER) 1967 in die Kinos kommt, erntet er nur mäßigen Erfolg und wird von Zuschauern und Kritikern durchwachsen bewertet. Der äußerst eigenwillige Humor des Regisseurs und Autors Mel Brooks (SPACEBALLS, DIE VERRRÜCKTE GESCHICHTE DER WELT) findet nur wenig Anklang. Besonders die Art und Weise wie sich mit dem deutschen Nationalsozialismus auseinandergesetzt wird, stößt so manchem übel auf. Die Begeisterung für die raffinierte und humorvolle Satire über das Film- und Theatergeschäft kommt daher schleichend. 1968 wird das Drehbuch von Mel Brooks mit einem Academy Award belohnt und mittlerweile gilt der Film als 11. lustigster Film aller Zeiten. Die Leistung der beiden Hauptdarsteller Zero Mostel und dem leider erst kürzlich verstobenden Gene Wilder machen THE PRODUCERS zu einem Klassiker. Zum 50. Geburtstag hat ARTHAUS eine frisch in 4K restaurierte Version erstellt und somit neuen Anreiz geschaffen, sich dieses Werk wieder einmal anzusehen.

THE PRODUCERS – Frühling für Hitler © ARTHAUS/STUDIOCANAL

Inhalt

Für den Produzenten Max Bialystock (Zero Mostel) sind die goldenen Jahre längst vorbei. Gerade so kann er sich durch das Verführen alter Damen finanziell über Wasser halten. Auch sein letztes Theaterstück ist ein einziges Desaster. Und dann soll auch noch der junge und leicht hysterische Buchhalter Leo Bloom (Gene Wilder), die Finanzen des letzten Werks von Max durchsehen. Dabei fällt ihm ein Fehler auf. 2.000 Dollar sind in den Büchern von Max, die dort gar nicht sein dürften. Der verschlagene und manipulative Max kann Leo davon überzeugen, das überschüssige Geld in den Bilanzen verschwinden zu lassen und so kommt Leo auf eine kuriose Theorie: Ein Produzent könnte mit diesem Trick noch viel mehr Geld machen, niemand interessiert sich wirklich für die Bücher eines Flops. Was wäre also, wenn man Geld für ein Stück sammelt, was von vornherein ein Misserfolg ist. Ein Plan ist geboren und nach etwas Überredungskunst, kann Max den unschuldigen Leo mit an Bord holen.

THE PRODUCERS – Frühling für Hitler © ARTHAUS/STUDIOCANAL

Zeitlose Satire

Aus Müll ein Vermögen machen, das ist wohl der Traum eines jeden Produzenten. Betrachtet man so manch eine Hollywood-Produktion, könnte man den Eindruck bekommen hier läuft eine ähnliche Gaunerei ab. Auch nach 50 Jahren fühlt sich THE PRODUCERS aktueller denje an. Besonders Zero Mostel verkörpert das allgemeine Bild des geldgierigen und verschwenderischen Produzenten wunderbar übertrieben. Mit Blick auf die Weinstein-Skandale und dem generellen Umbruch in Hollywood, finden sich unangenehm viele Parallelen. Aber auch andere Figuren wie der exzentrische Regisseur Roger De Bris (Christopher Hewett) oder Lorenzo St. DuBois (Dick Shawn) als durchgeknallter Schauspieler tragen maßgeblich dazu bei, dass die verrückte Parallelwelt des Showbusiness perfekt wird. Mel Brooks schafft es in seinem Werk Situationen zu erschaffen, die überspitzt und lächerlich wirken. Im Gegensatz zu manch aktueller Komödie, wirkt THE PRODUCERS aber nie unglaubwürdig oder zu übertrieben als dass es nicht doch möglich wäre. Diese Balance zwischen Realismus und Fantasie schaffen nur die Wenigsten. Hinzu kommt der zeitlose Wortwitz. Dieser sorgt immer wieder ganz beiläufig für Lacher. Etwas unter geht hingegen der talentierte Gene Wilder (CHARLIE UND DIE SCHOKOLADENFABRIK, FRANKENSTEIN JUNIOR). Als schüchterner Leo Bloom hat er ungewöhnlich wenig Präsenz. In den Dialogen zwischen Max und Leo bemerkt man aber das Talent Wilders, der den Wahnsinn mit Leichtigkeit spielt.


© ARTHAUS/STUDIOCANAL

Remastered Version

Die von ARTHAUS produzierte neue Blu-Ray wurde wie bereits erwähnt in 4K restauriert. Natürlich ist es schwer, aus einem Film von 1967 dieselbe Qualität zu gewinnen, die heutige Filmproduktionen haben. Gerade deswegen überrascht die Remastered-Version mit ungewöhnlich klaren Bildern. Besonders Nahaufnahmen wirken sehr klar und hochauflösend, andere Szenen hingegen etwas schwammig. Der Sound wird über Mono-Tonspuren in Deutsch, Englisch und Französisch mitgeliefert, hinzu kommt eine gelungene 5.1 Tonspur in Englischer Sprache. Selbstverständlich sind die üblichen Untertitel in deutsch und für Hörgeschädigte mit dabei. Für ein paar Extras ist ebenfalls Platz auf der Disc. So können sich Interessierte über eine Q&A mit Mel Brooks von 2018, einen Gastauftritt von Zero Mostel in der Show „Tempo“ von 1966 , eine geschnittene Szene , eine Fotogalerie, ein Making Of, einen Liebesbrief von Peter Seller an die THE PRODUCERS und einen exklusiven 50 Jahre-Geburtstags-Trailer freuen.

THE PRODUCERS – Frühling für Hitler © ARTHAUS/STUDIOCANAL

Fazit

Auch wenn man den eigenwilligen Humor von Mel Brooks nicht unbedingt mag, hat er mit seiner Arbeit die Komik in der Film- und Theaterwelt bedeutend mitgestaltet. Nicht nur für Nostalgiker ist THE PRODUCERS einen Blick wert. Mel Brooks’ Regiedebüt ist eine zeitlose Parodie auf die Unterhaltungsindustrie und auch nach Jahrzehnten passend getroffen. Mit der 50 Jahre Remastered Version bekommt man nun die Chance, diese Filmkomödie in neuster Qualität nachzuholen.

Titel, Cast und Crew

(2018) Frühling für Hitler
OT: The Producers (Amazon Affiliate)

Poster

Film Poster

Kinostart/
Veröffentlichung

19.03.1967

Regisseur

Mel Brooks

Besetzung

Gene Wilder (Leo Bloom)
Zero Mostel (Max Bialystock)
Dick Shawn ( Lorenzo St. DuBois)
Christopher Hewett (Roger De Bris)
Kenneth Mars (Fanz Liebkind)
Lee Meredith (Ulla)

Drehbuch

Mel Brooks

Kamera

Joseph F. Coffey

Musik

John Morris

Schnitt

Ralph Rosenblum

Filmlänge

88 Minuten

FSK

ab 12 Jahren
Keinen Beitrag verpassen
20

Fragt sich, ob DIE NACKTE KANONE noch eine Chance auf einen Oscar hat / kann Käsekuchen nicht widerstehen / sollte ohne Korrekturlesen nichtmal ‘ne SMS schreiben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.