The Player Tim Robbins Blu-ray Review

The Player – Filmkritik

„Hollywood und seine Probleme“

Im Zuge meiner Challenge #FluxScorseseMasterclass habe ich mich für den Anfang einem noch recht zeitnahen Film gewidmet: THE PLAYER (1992) von Robert Altman ist wohl einer der jüngsten in der Liste der 85 Filme, die Martin Scorsese in seinem Filmschaffen beeinflusst haben.

Bei den ersten paar Minuten wurde mir auch gleich klar, warum er von diesem Film begeistert ist. Eine minutenlange Kamerafahrt führt uns in das Leben des Produzenten Griffin Mill, gespielt von Tim Robbins, der auf dem Studiogelände seiner Arbeit nachgeht. Eine Drehbuchvorstellung folgt der nächsten. Die Autoren müssen es schaffen, ihn in wenigen Sätzen eine unglaubliche Idee zu verkaufen, die bei einem Kauf durch sein Studio bis zur einer Million Dollar wert ist. Der Kameraausschnitt schwebt durch die Gebäude, blickt durch Fenster und begleitet Personen auf dem Gelände. Zwischendurch unterhält sich Walter Stuckel (Fred Ward) mit einem Studiomitarbeiter, welche großartige lange Kamerafahrt bei IM ZEICHEN DES BÖSEN zu Filmbeginn gezeigt wurde. Und da sind wir auch schon beim Herzstück von THE PLAYER. Es ist eine Geschichte über Hollywood, die alles so macht, wie es sich ein Filmproduzent vorstellt. Dummerweise ist er jedoch selbst diesem inszenierten und wirtschaftlich orientierten Handlungsverlauf ausgeliefert.


© New Line Cinema

Inhalt

Diese eben beschrieben Anfangsszene hat nicht nur einen interessanten Zeitverlauf – in den paar Minuten vergeht die erste Tageshälfte von Mills – sondern stellt auch das rege Treiben im Showbusiness vor. Da muss die Assistentin noch schnell die Post holen und Gerüchte über personelle Veränderungen werden schneller zu Realität als geahnt. Griffin wird aus seinem geschäftigen Arbeitslauf gerissen, als er zum wiederholten Male eine seltsame Postkarte mit Drohungen und Beleidigungen in seiner Post findet. Er nimmt sie nicht sonderlich ernst, aber die Zustellung ohne Poststempel verunsichert ihn doch zu sehr, so dass er sich mit einer Liste von verprellten Autoren auseinandersetzen muss, um herauszufinden wer es sein könnte. Es kommt natürlich alles anders als er denkt, jedoch für uns Zuschauer auf so bekannten Wegen, dass der Gedanke aufkommt, er lebe einen Film, den er selbst auch verfilmen lassen würde: Verrat, Spannung, Mord, Sex und große Gefühle, alles ist dabei.


© New Line Cinema

Zeitliche Einordnung

Robert Altman zählt – wie auch Martin Scorsese –  zu den New Hollywood-Regisseuren, hat es aber geschafft, sich in eine ganz andere Richtung als die seiner Kollegen Polański, Coppola oder Friedkin zu entwickeln. Altmans Filme waren nicht so erfolgreich, aber dafür schaffte er es mit seinen stark an das Autorenkino angelegten Arbeiten, fast jedes Jahr einen Film zu veröffentlichen. Die Hollywood-Satire THE PLAYER brachte ihm 1992 nicht nur eine Oscar-Nominierung, sondern auch sehr gute Umsätze an der Kinokasse. Das liegt sicherlich auch an der Menge von Schauspielstars, die in kleinen Nebenrollen auftauchen und meist sich selbst spielen. So sieht man u. a. Harry Belafonte, Cher, John Cusack, Jeff Goldblum, Anjelica Huston, Jack Lemmon, Andie MacDowell, Nick Nolte, Burt Reynolds, Julia Roberts, Susan Sarandon, Patrick Swayze, und Bruce Willis.
Das gibt dem Film nicht nur viel Authentizität, sondern bringt auch Spaß, weil immer wieder unerwartet ein bekannter Schauspieler auftaucht.


© New Line Cinema

Film im Film

THE PLAYER macht sich nicht nur über seine eigene Branche lustig, sondern eröffnet auch jede Menge Meta-Ebenen und entwickelt sich zum Ende in ein übertriebenes Finale, wie es Hollywood gern sieht. Dadurch gelingt die Kritik am System Hollywood mit ihren Remakes, Zuschauerbefragungen und inszenierten Happy-ends perfekt. Ich frage mich, was Robert Altman, wenn er noch leben würde, zum aktuellen Kinoprogramm sagen würde. THE PLAYER sollte man nicht zu ernst nehmen, dann machen die Szenen voller Filmzitate jede Menge Spaß. Viele Hinweise zu solchen Anspielungen werden auch im Hintergrund über Filmplakate oder Schilder gegeben, es lohnt sich immer auch einen Blick auf die Szenenhintergründe zu werfen. Wenn Tim Robbins sich mit seinem schnurlosen Telefon vor dem Haus seiner Gesprächspartnerin unbemerkt von einem Fenster zum nächsten schleicht, denken wir an alte Kriminalfilme, in denen der Mörder unbemerkt sein Opfer studiert. Wenn das Liebespaar endlich auch körperlich zusammenfindet, bekommen wir Zuschauer nur ihre schwitzenden stöhnenden Gesichter in Großaufnahme zu sehen ohne dass Erotik entsteht. Das Ganze wirkt eher zum Lachen komisch. Spätestens jetzt zeigt Altman: Hollywood-Filme werden nie das wahre Leben abbilden und bei Erotik im Film haben sich amerikanische Produktionen seit 1992 noch in viel prüdere Bahnen entwickelt.

The Player KSM Klassiker Blu-ray Limited Edition Cover
Das Blu-ray-Cover der Limited Edition © KSM

„The Player“ auf Blu-ray von KSM

Ich habe den Film auf Blu-ray in der schönen Limited Edition aus der KSM Klassiker-Reihe gesehen. Die Blu-ray ist im Papp-Schuber und präsentiert den Film in einer guten HD-Qualität. Der deutsche Ton ist etwas schwierig, was sicherlich an der herausfordernden Synchronisation der Dialoge liegt, da permanent alle durcheinanderreden. Die Filme von Robert Altman haben einen schweren Stand bei Blu-ray-Releases in Deutschland, obwohl es international die HD-Master bereits gibt. Da freut es mich umso mehr, dass KSM sich diesem Film angenommen hat. Mit NASHVILLE, GOSFORD PARK, SHORT CUTS oder bei M*A*S*H gibt es in Deutschland noch viel Blu-ray-Aufholpotential.

Fazit

Gut gelungene Satire über Hollywood Anfang der 90er-Jahre. Leider erschloss sich bei mir nicht ganz die Aussage des Films, was nicht am Verständnis und Handwerk des Films lag, sondern am etwas traurigen aktuellen Stand der Hollywood-Produktionen. Selbst diese überspitzte Version der Filmproduktionsauswahl in THE PLAYER wäre immer noch besser als die aktuellen Programme im Superhelden-Dauerfeuer.

 

Chefredakteur

Kann bei ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT mitsprechen / Liebt das Kino, aber nicht die Gäste / Hat seinen moralischen Kompass von Jean-Luc Picard erhalten / Soundtracks auf Vinyl-Sammler / Stellt sich gern die Regale mit Filmen voll und rahmt nur noch seine Filmposter

Keinen Beitrag verpassen
20

2 Gedanken zu “The Player – Filmkritik

  1. GOSFORD PARK, mein Favorit von Altman, kommt übrigens im September endlich auf Blu-ray heraus. Laut studiocanal-webseite mit haufenweise Bonusmaterial.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.