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The Innocents (2021) – Filmkritik

Kinder sind geheimnisvolle Wesen. Selten geben sie ihre vollständigen Gedanken preis oder verraten alles, was sie erlebt haben. Können es vielleicht auch gar nicht, weil ihnen die richtigen Worte fehlen oder wollen es einfach nicht. THE INNOCENTS zeigt uns das geheimnisvolle Leben von vier Kindern, die in einem durchschnittlichen Plattenhauskomplex aufwachsen und dort ihre Sommerferien verbringen. Ihre Welt ist eine andere, voller Mysterien, seltsamer Kräfte und nicht kontrollierbarer Emotionen. Lernen wir Erwachsene aus dem skandinavischen Horrorthriller etwas über Kinder oder ist es nur eine typische Story, die sich den Genrekonventionen beugt und nichts Neues zu erzählen weiß?

© capelight pictures / Mer Film

Handlung

Eine fremde Welt: das kleine Mädchen Ida (Rakel Lenora Fløttum) und ihre Schwester Anna (Alva Brynsmo Ramstad) beziehen mit ihren Eltern eine Wohnung in einem ländlichen mehrgeschossigen Mietkomplex. Anna ist Autistin und braucht viel Aufmerksamkeit der Eltern. Für Ida ist die Schwester ein fremdes Wesen, mit dem sie sich nicht verständigen kann. Nicht einmal Schmerzen scheint sie zu fühlen, wenn Ida ihrer Schwester in den Oberschenkel kneift. Das neue Zuhause scheint verlassen, denn es sind Sommerferien und fast alle Nachbarn sind verreist. Neue Freunde zu finden ist nicht leicht. Ida begegnet zwei gleichaltrigen Nachbarskindern: Der Junge Ben (Sam Ashraf) kann Gegenstände nur mit seinem Willen bewegen und das Mädchen Aisha (Mina Yasmin Bremseth Asheim) hat eine besondere Verbindung zu Schwester Anna aufgebaut. Aisha kann die Gedanken von Anna lesen und mit ihr kommunizieren. Die vier Kinder erleben eine Welt der punktuellen, übersinnlichen Fähigkeiten, die aber nicht von Harmonie geprägt ist.

© capelight pictures / Mer Film

Kinderwesen

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THE INNOCENTS beginnt mit dem liebevollen Blick auf die schlafende Ida. Das blonde Mädchen scheint in jeder Weise unschuldig. Doch sie hat eine dunkle, zornige Seite ins sich, tritt auf Regenwürmer und kneift ihre Schwester. Spielen will sie schon lange nicht mehr mit ihr. Das ist zu viel Verantwortung. THE INNOCENTS bleibt auf Augenhöhe mit Ida, die ihre sterile neue Heimat kennenlernt. Eine saubere Mieterwelt, die selbst in ihren Kellerzellen klinisch wirkt. Die Eltern kümmern sich mehr um Anna, sprechen aber mit viel Verständnis zu Ida. Erzieherisch gibt es hier keinen negativen Einfluss, der kommt durch Ben, der auch mal ohne Empathie Katzen quält. Sein Zuhause ist nicht von Liebe geprägt, die alleinerziehende Mutter lässt ihren Frust an ihm aus. Das potenziert sich in seinem Verhalten. Aisha ist hingegen sehr mitfühlend, freut sich über ihre neue Freundin Anna und schafft es sogar, sie wieder mit ihren Eltern sprechen zu lassen. Es sind vier Kinder, alle außer Ida haben übernatürliche Fähigkeiten  und lernen diese zu entdecken. Doch Ben beginnt seine Kräfte für Rache und soziopathisches Verhalten zu nutzen. Mitgefühl kennt er nicht und so entsteht ein Kampf zwischen ihm und Aisha bzw. Anna. Ida hat sich noch nicht für eine Seite entschieden.

© capelight pictures / Mer Film

Die kindliche Gefühlswelt entsteht spielerisch unter der Regie von Eskil Vogt (Drehbuch für DER SCHLIMMSTE MENSCH DER WELT und THELMA). In jedem Blick und jeder Geste glauben wir zu erkennen, was die jungen Protagonisten denken oder in ihnen vorgeht. Dennoch schleift sich THE INNOCENTS vor allem zum Ende hin zu sehr auf erwachsene Filmgenreregeln ein. Ein Kampf Gut gegen Böse ist zu simpel, Kinder würden so etwas vielleicht auf eine andere Art und Weise lösen. Oder will uns der Regisseur und Drehbuchautor damit vermitteln, dass Kinder bereits wie Erwachsene handeln, wissen was richtig und falsch ist und sogar vor Selbstjustiz nicht zurückschrecken? Hier kann THE INNOCENTS auch zur Diskussion nach dem Film anregen.

© capelight pictures / Mer Film

Inszenierung

Auch wenn das kreative Gedankenspiel vor allem zum Ende hin etwas nachlässt, ist die Inszenierung punktgenau. Mit minimalen Effekten und ganz simplen physischen Reaktionen wird die Welt der Superkräfte erklärt. Hinzukommt die wunderbare Kameraarbeit vom Norweger Sturla Brandth Grøvlen (VICTORIA, DER RAUSCH). Grøvlen ist einer der talentiertesten visuellen Erzähler der Gegenwart. Meist mit natürlichem Licht zaubert er Poesie in die Bilder. Seine Schärfeverlagerungen leiten unser Auge geschickt durch seine gefühlvoll aufgebauten Fotografien. Die Handkamera stört nie und wenn die Linse einmal stillsteht, erleben wir wunderschöne Kompositionen. Allein schon wegen seiner Dienste an den Bildern, ist THE INNOCENTS einen aufmerksamen Blick wert.

© capelight pictures / Mer Film

Fazit

Hartgesottenen Fantasy-Horror-Fans wird THE INNOCENTS zu bieder und naiv sein. Für die anderen ist es ein unangenehmer, aber stets clever gefilmter Kommentar zur Welt unserer Kinder, die wir nie vollständig verstehen werden. Leider fährt der Film zum Ende zu sehr an den typischen Konventionen entlang, aber allein die Bilder sorgen dafür, dass THE INNOCENTS noch länger nachwirkt als die Genrekollegen.

© Christoph Müller

Titel, Cast und CrewThe Innocents (2021)
OT: De uskyldige
Poster
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RegisseurEskil Vogt
Trailer
BesetzungRakel Lenora Fløttum (Ida)
Alva Brynsmo Ramstad (Anna)
Sam Ashraf (Ben)
Mina Yasmin Bremseth Asheim (Aisha)
Ellen Dorrit Petersen (Ida und Annas Mutter)
Morten Svartveit (Ida und Annas Vater)
Kadra Yusu (Aishas Mutter)
Lisa Tønne (Bens Mutter)
DrehbuchEskil Vogt
KameraSturla Brandth Grøvlen
MusikPessi Levanto
SchnittJens Christian Fodstad
Filmlänge117 Minuten
FSKab 16 Jahren

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