The Banishing – Im Bann des Dämons (2020) | Filmkritik

Das Geister- oder auch Haunted-House, hatte seine ersten Auftritte in der Literatur der sogenannten „Schwarzen Romantik“, die sich Anfang des 18. Jahrhunderts in Deutschland etablierte, ehe sie über Europa ihren weltweiten Siegeszug antrat. Als Hauptvertreter dieser Stilrichtung gilt E.T.A. Hoffmann (1776-1822). In der Regel findet der Leser dort alte Schlösser, die ein dunkles Geheimnis vor den Augen der Welt verbergen. Das Geisterhausmotiv, so wie wir es heute kennen, feierte seine ersten großen Auftritte ebenfalls in der Literatur, allerdings erst im 19. Jahrhundert, ehe es schlussendlich seinen Weg als wiederkehrendes Sujet in vielen Drehbüchern Verwendung fand.

Wenn es ein Land gibt, das mit düsteren Gebäuden, verlassenen Schlössern und den obligatorischen Geistern am ehesten in Verbindung steht, dann ist es ganz sicher England. Umso weniger verwundert es, dass dieses zutiefst klassische Horror-Motiv erneut von einem Briten aufgegriffen wird. Die Rede ist von Christopher Smith, der in seinem neusten Film THE BANISHING zwar kein Schloss, aber ein sehr unheimliches Gebäude in den Mittelpunkt seiner Story setzt. Bekannt wurde der Regisseur und Drehbuchautor vor allem durch seine frühen Horrorwerke CREEP (2004), SEVERANCE – EIN BLUTIGER BETRIEBSAUSFLUG (2006), TRIANGLE – DIE ANGST KOMMT IN WELLEN (2009) und BLACK DEATH (2010). Nach zehn Jahren Pause kehrt der 1970 in Bristol geborene Engländer endlich zu seinem Lieblingsgenre zurück.

THE BANISHING – Im Bann des Dämons (2020)

© Koch Films

Handlung

1938: Der Vikar Linus (John Heffernan) zieht in ein herrschaftliches Anwesen, um an seinem neuen Arbeitsplatz eine funktionierende Gemeinde aufzubauen. Kurz nach seiner Ankunft folgen ihm seine Frau Marianne (Jessica Brown Findlay) und deren Tochter Adelaide (Anya McKenna-Bruce). Keiner von Ihnen ahnt, was mit den Vorbesitzern des unheimlichen Gebäudes passierte. Linus Vorgesetzter Bishop Malachi (John Lynch) hüllt sich in Schweigen oder präsentiert nur belanglose Lügen. Doch nach und nach enthüllt sich die abgründige Geschichte des Gebäudes, dass auf den Ruinen einer alten Abtei errichtet wurde, in der psychopathische Mönche unschuldige Menschen folterten. Doch erst der Dorfbewohner Harry Reed (Sean Harris) bringt Licht ins Dunkel und warnt vor einem Dämon, der nicht nur das Haus, sondern auch die Menschen darin kontrolliert.

Lügen, Geister…

Das Motiv dieses Sub-Genres zielt auf die scheinbare Sicherheit des Publikums in den eigenen vier Wänden und der entstehenden Verunsicherung beim Eindringen von etwas Bösem, nicht greifbaren, ab. Die Wahrnehmung der Realität soll infrage gestellt werden und in letzter Konsequenz entsteht eine Angst vor allem bekannten, was sich innerhalb des Gebäudes befindet. Beste Beispiele für die perfekte Umsetzung dieser Angst sind die Klassiker des Genres wie etwa SPUK IM SCHLOSS (THE CAT AND THE CANARY, 1927), DAS ALTE FINSTERE HAUS (THE OLD DARK HOUSE, 1932), SCHLOSS DES SCHRECKENS (THE INNOCENTS, 1961), BIS DAS BLUT GEFRIERT (THE HAUNTING, 1963), DIE TOTEN AUGEN DES DR. DRACULA (OPERAZIONE PAURA, 1966), LANDHAUS DER TOTEN SEELEN (BURNT OFFERINGS, 1976), AMITYVILLE HORROR (THE AMITYVILLE HORROR, 1979) oder SHINING (THE SHINING, 1980).

THE BANISHING – Im Bann des Dämons (2020)

© Koch Films

Und genau diese Zweifel an der eigenen Wahrnehmung greift Smith in THE BANISHING geschickt auf. Der Opener hat die richtige Mischung aus dunklem Geheimnis, Mysterium und Wahnsinn, um die Zuschauer entsprechend auf das kommende einzustimmen. Im weiteren Verlauf gelingt es Regisseur Christopher Smith klassische Motive, Gothic-Horror und Geister so ganz ohne jegliches unnützes Brimborium, wie einem Jump-Scare, bedrohlich in Szene zu setzen. In einem Interview erklärte Smith dazu, dass er diese Art Effekte bewusst ablehnt. Diese mittlerweile inflationäre Flut an Filmen, die genau auf diesen einfallslosen wie langweiligen Schockeffekt nicht mehr verzichten können, hat in den letzten Jahren das Genre förmlich überrannt. Der ungeliebte Zögling hat sich wie ein Virus unbemerkt und gedankenlos über Storys und Figuren hinweggesetzt, vom Hilfsmittel zum angeblichen Allheilmittel, direkt bis an die Spitze des Films. Er blendet seine Bewunderer mit seiner angeblichen Kunst, doch am Ende entpuppt sich alles nur als heiße Luft. Das Grauen, dass er so vollmundig anpreist, ist nichts anderes als eine vorzeitige Demaskierung der Ideenlosigkeit seiner Macher. Dort, wo der Jump-Scare „die Hosen herunterlässt“, dort beginnt erst das wahre Grauen.

Die Handlung von THE BANISHING verläuft sehr geradlinig und konsequent und führt seine Zuschauer immer tiefer in die Dunkelheit hinein. Leider bekommen wir schon sehr früh über Adelaides Puppen einen Großteil des zu erwartenden Grauens „en miniature“ vorgeführt. Ein weiterer kleiner Minuspunkt in der Handlung ist die viel zu frühe Entdeckung des Spiegels, der uns die nötige Verbindung mit der Geisterwelt ermöglicht. Daneben erwarten uns einige ungewöhnliche Kamera- und Perspektivwechsel sowie kleinere Zeitsprünge, die das Unheilvolle unterstreichen und verfestigen. Dazu kommt ein düsterer Score, John Carpenter würde es als Musik- oder Klangteppich bezeichnen, der sich größtenteils im Hintergrund hält und viel zur dichten Atmosphäre beiträgt.

© Koch Films

… und Dämonen der Kirche

Auf der Seite der Darsteller gibt es reichlich bekannte Gesichter zu entdecken. Vor allem TV- und Serienjunkies dürften schnell fündig werden im hervorragenden Cast von THE BANISHING. Allen voran sehen wir die bezaubernde Jessica Brown Findlay (DOWNTON ABBEY 2010 – 2015) in der Rolle der Marianne, die sie eindrucksvoll darbietet. Daneben glänzen John Heffernan (RIPPER STREET, 2012-2016), der den psychisch überforderten Vikar darstellt, sowie John Lynch (DIE MEDICI: HERRSCHER VON FLORENZ, 2016-2019), TIN STAR, 2017-2020) als bedrohlicher Bishop Malachi. Doch auch die Nebenrollen können überzeugen mit Adam Hugill (1917, 2012) und Sean Harris (MISSION: IMPOSSIBLE – FALLOUT, 2018; PROMETHEUS, 2012), der den verschrobenen Geisterkenner mimt.

Sehr spannend ist ein Interview mit Regisseur Smith, das ebenfalls seinen Weg auf die Blu-ray gefunden hat. Darin offenbart er uns unter anderem, dass THE BANISHING auch einen Kommentar zum aktuellen politischen Zustand von Großbritannien beinhaltet. Zudem finden sich im Film selbst überaus kritische Äußerungen in Richtung Kirche, die nicht zu überhören sind. Ihr arrogantes und ignorantes Verhalten, mit dem sich die Mitglieder jener Kirche vom Rest der Welt abgrenzen, dass Scheinheilige und überaus Ambivalente in allem was sie sagen und schlussendlich tun. Man denke nur an die zahlreichen Missbrauchsfälle der letzten Jahre und dessen Umgang mit seinen Opfern und Tätern.

THE BANISHING – Im Bann des Dämons (2020)

© Koch Films

Fazit

Christopher Smith präsentiert uns mit THE BANISHING soliden Haunted-House-Horror, der es schafft, klassische Motive mit einer dichten und bedrohlichen Atmosphäre zu verbinden, die uns das ein oder andere Mal sogar zu überraschen vermag. Trotz der kleineren Mängel im Plot ist er weitaus spannender und gruseliger als viele andere Produktionen, die nur aus einer Aneinanderreihung trivialer Jump-Scares bestehen. Auch wenn sich THE BANISHING etwas zu früh enthüllt, hat er durchaus seine Qualitäten.

© Stefan F.

Titel, Cast und CrewThe Banishing – Im Bann des Dämons (2020)
Poster
RegisseurChristopher Smith
ReleaseAb dem 24.06.2021 auf Blu-ray & DVD, sowie im Mediabook

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Trailer

Englisch
BesetzungJessica Brown Findlay (Marianne Forster)
John Heffernan (Linus Forster)
Anya McKenna-Bruce (Adelaide Forster)
Sean Harris (Harry Reed)
Adam Hugill (Frank Peerless)
Jean St. Clair (Betsy)
John Lynch (Bishop Malachi)
DrehbuchDavid Beton
Ray Bogdanovich
Dean Lines
FilmmusikGeorge S. Clinton
KameraSarah Cunningham
SchnittRichard Smither
Filmlänge96 Minuten
FSKAb 16 Jahren

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