Tank Girl (1995) – Filmkritik

„Alles was ein Mann kann, schafft auch eine Frau, nur eben viel witziger“, dürfte das Motto des Filmes, wie auch der Comic-Vorlage von Autor Alan Martin und dem Zeichner Jamie C. Hewlett, sein. Rebecca Buck (Tank Girl), die wild gewordene Schwester von Max Rockatansky, ist aber auch das Kind der relativ unbekannten Regisseurin Rachel Talalay. Wem der Name nichts sagen sollte, hier eine kleine Zusammenfassung über die sehr umtriebige US-Regisseurin:

Geboren 1958 in Chicago, war sie schon in vielen Funktionen im Filmgeschäft tätig. Als Produktionsassistentin machte sie ihre ersten Schritte in POLYESTER (1981). Für den Film NIGHTMARE II – DIE RACHE (A NIGHTMARE ON ELM STREET, PART 2: FREDDY‘S REVENGE, 1985) war sie Produktionsmanagerin, für den Nachfolger NIGHTMARE III – FREDDY KRUEGER LEBT (A NIGHTMARE ON ELM STREET 3: DREAM WARRIORS, 1987) als Line Producer um dann schließlich für FREDDY‘S FINALE – NIGHTMARE ON ELM STREET 6 (FREDDY‘S DEAD: THE FINAL NIGHTMARE, 1991) selber die Regie zu übernehmen, zusätzlich durfte sie auch das Drehbuch verfassen. Es folgten bekannte TV-Serien, bei der sie für einige Folgen Regie führte, unter anderem WHITOUT A TRACE – SPURLOS VERSCHWUNDEN (2002-2009), ALLY MCBEAL (1997-2002), SUPERNATURAL (seit 2005) oder auch DOCTOR WHO (1963-1989, Neustart seit 2005). Neben der Regie arbeitet sie auch immer wieder als Produzentin und Drehbuchautorin.

© Metro-Goldwyn-Mayer Studios Inc.

Handlung

Die Welt im Jahre 2033: Nach einem verehrenden Meteoriteneinschlag, hat sich die Welt, wie wir sie kennen, in eine große, leblose Wüste verwandelt. Wasser ist das neue Gold und die letzten Überlebenden führen einen gnadenlosen Kampf um jeden Tropfen. Auf der einen Seite der Konzern „Water & Power“ der von Kesslee (Malcolm McDowell) mit harter Hand geführt wird. Auf der anderen Seite eine Handvoll Menschen die verstreut in kleinen Siedlungen in der Wüste leben. Eines Tages wird die Siedlung von Rebecca (Lori Petty) überfallen, Kesslees Soldaten töten alle bis auf die kleine Sam (Stacy Linn Ramsower) und Rebecca. Kesslee ist von der rebellischen Rebecca angetan und fordert sie auf, für ihn zu arbeiten. Als Rebecca ablehnt, steckt sie Kesslee in ein Arbeitslager, um ihren widerspenstigen Willen zu brechen. Doch Rebecca – Tank Girl denkt nur an ihre Flucht, möglichst mit einem Kampfpanzer (in Englisch: Tank).

© Metro-Goldwyn-Mayer Studios Inc.

Ein wilder Mix

Schon der Vorspann macht überdeutlich klar, auf was wir uns in den nächsten 100 Minuten einstellen können. Coole Popsongs mit schrillen Comicbildern sind direkt aus der Vorlage entlehnt und zeigen vollkommen überzeichnete Charaktere mit Frauenpower in allen Lebenslagen. Die Sprache ist ebenso schrill und überdreht wie die einzelnen Figuren und unterstreichen den satirisch-comicartigen Stil des Filmes. Die Fronten sind hier ganz klar abgegrenzt, Platz ist lediglich für Schwarz und Weiß, ein grau wäre ein absoluter Fremdkörper für den Film. Die Bösen nennen sich „Water & Power“ mit ihrem Anführer Kesslee (Malcolm McDowell), der wie ein auf Speed wirkender Baron Vladimir Harkonnen, aus David Lynch‘s Science-Fiction-Epos DUNE – DER WÜSTENPLANET (1984), wirkt. TANK GIRL lässt in so einigen Momenten Reminiszenzen an eine stark überdrehte Version von DUNE aufkommen.

© Metro-Goldwyn-Mayer Studios Inc.

Daneben finden wir natürlich die beiden Überfilme des Post-Apokalyptischen-Action-Films MAD MAX 2 – DER VOLLSTRECKER (1981) und MAD MAX – JENSEITS DER DONNERKUPPEL (MAD MAX BEYOND THUNDERDOME, 1985) von George Miller wieder. Aber auch die italienischen Ableger sind anwesend, stellvertretend sei hier lediglich THE EXECUTOR – DER VOLLSTRECKER (IL GIUSTIZIERE DELLA STRADA, 1983) von Giuliano Carnimeo und FIREFLASH: DER TAG NACH DEM ENDE (2019-DOPO LA CADUTA DI NEW YORK, 1983) von Sergio Martino, erwähnt. Dazu gibt es noch einen Schuss KRIEG DER STERNE (STAR WARS, 1977) und um diesen wilden Mix noch zu toppen, verschafft uns TANK GIRL zur Filmmitte noch eine müde Musicaleinlage, die mich sofort an den Mel Brooks Klassiker MEL BROOKS – DIE VERRÜCKTE GESCHICHTE DER WELT (HISTORY OF THE WORLD: PART I, 1981) erinnern ließ, nur nicht so witzig.

© Metro-Goldwyn-Mayer Studios Inc.

Der heimliche Star: Malcolm McDowell

Effekte wie auch die Raumschiffmodelle sind nicht mehr ganz „up to date“, das wurde schon deutlich besser Mitte der 1990er Jahre präsentiert. Dafür machen die Masken der Ripper (die Känguru-Menschen) einen umso besseren Eindruck. Vermutlich ist das meiste der geschätzten 25.000.000 $ Budget in die Entwicklung dieser Mutanten gewandert, eine Kreuzung zwischen Soldaten und Kängurus. Gut vier Stunden mussten die Darsteller der Ripper vor Drehbeginn in der Maske verbringen. Positiv stechen auch die großen Sets und die interessanten Kostüme hervor. Größtenteils wurden die Außenaufnahmen in einem stillgelegten Tagebau gedreht. Das ursprüngliche Drehbuch sah wesentlich drastischere Szene vor, wie auch explizite Sex-Szenen, gerade zwischen Rebecca Buck und ihrem Ripper-Freund. Angeblich soll es ca. 60 Minuten an fertigem Filmmaterial gewesen sein, das auf Druck von MGM nach mehreren Testvorführungen entfernt wurde, trotz heftigster Einsprüche von Regisseurin Rachel Talalay wie auch vonseiten der Comic-Schöpfer Alan Martin und Jamie C. Hewlett. Ebenso erging es mehreren Dialogen, die für die MGM-Verantwortlichen wohl zu heftig waren. Trotz des enormen Budgets war der Film weltweit ein Reinfall und spielte lediglich geschätzte 6,6 Millionen Dollar ein.

© Metro-Goldwyn-Mayer Studios Inc.

Einen Schauspieler muss ich noch ganz besonders hervorheben: Malcolm McDowell. Unvergessen in seiner grandiosen Rolle als Alex in Stanley Kubricks UHRWERK ORANGE (A CLOCKWORK ORANGE, 1971), als H. G. Wells in FLUCHT IN DIE ZUKUNFT (TIME AFTER TIME, 1979), in DAS FLIEGENDE AUGE (BLUE THUNDER, 1983) oder auch in dem fantastischen Mystery-Thriller THE CALLER (1987). Seine Performance als durchgeknallter Tyrann Kesslee ist eindeutig der Höhepunkt des Films. Die unglaubliche Kraft und Dynamik seiner Auftritte sind beeindruckend, aber auch das abgrundtief Böse seines Charakters und der Wahnsinn in seinen Augen überzeugen zu jeder Sekunde. Eher blass und eindimensional erscheinen die restlichen Charaktere, angefangen bei Rebecca Buck alias Tank Girl bis hin zu den Känguru-Menschen. Trotz der illustren Riege an namhaften Schauspielern (in den Nebenrollen spielen Naomi Watts, Iggy Pop und Ice-T), die sich hier versammelt haben, etwas mehr Tiefgang hätte an dieser Stelle ganz sicher nicht geschadet.

© Metro-Goldwyn-Mayer Studios Inc.

Das Mediabook

Beide Cover-Versionen des Mediabooks kommen im poppig bunten Filmlook daher, außergewöhnlich ja, aber auch nicht jedermanns Sache. Das Mediabook selbst hat die gewohnt gute Qualität der Koch-Films-Produkte. Dazu gibt es noch ein ausführliches Booklet und einige Extras: Trailer, einen Audiokommentar, Interviews mit den Darstellern, ein Making of sowie eine Bildergalerie. Der Film liegt wie gewohnt als DVD und Blu-ray Version dem Ganzen bei.

© Metro-Goldwyn-Mayer Studios Inc.

Fazit

Rachel Talalay schafft es die Comicvorlage weitestgehend adäquat auf die große Leinwand zu transportieren. Allerdings ohne jegliche ausufernden Gewaltdarstellungen, die in der Vorlage nun mal zuhauf vorhanden sind. Letztendlich erscheint der Film zu überladen und zu unausgeglichen, gerade auch wegen der übertriebenen Vorsicht vonseiten der MGM. Wir können nur darüber spekulieren, wie TANK GIRL wohl geworden wäre, wenn MGM etwas mehr Mut bewiesen hätte. Vielleicht wäre Rebecca Buck sogar ein Vorläufer für Tim Millers DEADPOOL (2016) geworden, wer weiß.
Die australische Schauspielerin und Filmproduzentin Margot Robbie sicherte sich 2019 die Rechte für eine Neuverfilmung von TANK GIRL. Möglich das uns bald eine aktuelle Version dieses verrückten Comics ins Haus flattert.

© Stefan F.

Titel, Cast und CrewTank Girl (1995)
Poster
Releaseab dem 27.02.2020 auf Blu-ray (Mediabook mit 2 Varianten)

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RegisseurRachel Talalay
Trailer
BesetzungLori Petty (Rebecca Buck / Tank Girl)
Ice-T (T-Saint)
Naomi Watts (Jet Girl)
Don Harvey (Sergant Small)
Jeff Kober (Booga)
Malcolm McDowell (Kesslee)
Iggy Pop (Rat Face)
Ann Cusack (Sub Girl)
Stacy Linn Ramsower (Sam)
DrehbuchTedi Sarafian
KameraGale Tattersall
FilmmusikGraeme Revell
SchnittSandra Adair
Filmlänge102 Minuten
FSKab 16 Jahren

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