Tales From The Loop (2020) – Serienreview

„Für einen Wimpernschlag“

Die experimentelle Physik ist ein Kaleidoskop für Geschichten. Nicht nur für alle mit einem Hochschulabschluss, sondern auch für diejenigen, die sich für Science-Fiction interessieren. TALES FROM THE LOOP ist eindeutig eine Sci-Fi-Serie, aber eine geistig wie auch emotional nahrhafte. Hier gibt es keine Spektakel-Effekte oder Animationsfeuerwerke auf dem Rücken einer dünnen Geschichte. Es ist eher die Suche nach dem Sinn des Lebens was anhand physikalischer Besonderheiten hinterfragt und wertgeschätzt wird. Diese acht Folgen der ersten Staffel sind trotz des langsamen Erzähltempos aufgeregt, komplex und tief berührend. Jede Folge nimmt sich Zeit für ihre Akteure, stellt Beziehung her ohne Klischees zu folgen und verhandelt mit Gedankenexperimenten das eigene Dasein. Zeitreisen, Paralleluniversen, künstliche Intelligenz und der Sinn eines Mech-Roboters im Vorgarten werden von vielen Blickwinkeln beleuchtet, ohne sich von den Hauptfiguren zu distanzieren. In unserer Zeit, in der Technik zu einer Art Black Box geworden ist, wir alle nur noch Nutzer sind, aber kaum Erfinder oder Ingenieure, trifft diese Amazon-Serie das eigene Bewusstsein wie ein Laserstrahl. TALES FROM THE LOOP ist eine der besten Serien, welche die Streaming-Revolution erschaffen hat. Man sollte sie auf keinen Fall verpassen, das Leben ist zu kurz.

TALES FROM THE LOOP
© 8Films & Amazon Studios / Photo by Jan Thijs

Das Handlungs-Grundgerüst

Die Serie spielt in den 1980er-Jahren in einem amerikanischen Vorort namens Mercer im Bundesstaat Ohio. Jedoch ist der Ort optisch schwer auf ein Jahrzehnt festzulegen, was wir später auf der visuellen Ebene noch einmal genauer betrachten werden.

TALES FROM THE LOOP Beginn
© 8Films & Amazon Studios / Photo by Jan Thijs

Jede Folge erzählt eine eigene abgeschlossene Geschichte, die meist mit einer physikalischen Anomalie zu tun hat. Jedoch sollte man unbedingt die Reihenfolge wahren, da die Hintergründe zu den Figuren wichtig sind. Im Mittelpunkt steht der sogenannte Loop, eine Einrichtung für physikalische Experimente. Als Gebäude des MCEP (Mercer Center for Experimental Physics) befindet sich der Loop untertage, was an den Aufbau eines Teilchenbeschleunigers erinnert, aber die Textur eines Luftschutzbunkers hat. Die Einrichtung wurde von Russ (Jonathan Pryce) gegründet. Der Loop hat paranormale Auswirkungen auf seine Umgebung und die Bewohner. So werden wir in eine fremde Welt teleportiert, die in der Vergangenheit spielt, aber zukunftweisende Techniken besitzt. Ein wahres Wunderland für Science-Fiction-Fans.

TALES FROM THE LOOP Der Loop
© 8Films & Amazon Studios / Photo by Jan Thijs

Um die Welt in der kleinen amerikanischen Gemeinschaft Mercer besser zu verstehen, werden wir uns jede Folge genauer ansehen. Es gibt einfach zu viel zu entdecken. Wer die Serie gern unbefangen sehen möchte, sollte hier vor Spoilern gewarnt sein.

Die Folgen

Folge 1: Loop (Der Loop)

Der Beginn ist bereits ein komplexer zeitlicher Kreislauf. Es ist Winter und die kleine Loretta (Abby Ryder Fortson) lebt allein mit ihrer Mutter Alma (Elektra Kilbey) in einem Holzhaus abseits des Orts. Alma arbeitet im Loop und führt abends eigene Experimente im Haus weiter. Als Loretta von der Schule heimkehrt, ist ihr Zuhause mitsamt der Mutter verschwunden und nur ein dunkler, glänzender Stein bleibt zurück. Zusammen mit dem Jungen Cole (Duncan Joiner) versucht sie eine Antwort auf das Phänomen und ihre Mutter zu finden. Sie beginnen ihre Suche bei Coles Mutter (Rebecca Hall).

TALES FROM THE LOOP Folge 1
© 8Films & Amazon Studios / Photo by Jan Thijs

Mit einer äußerst dunklen, aber gefühlvollen ersten Folge bekommen wir einen Blick in diese Welt. Die selbstständige Loretta führt uns durch dieses Ereignis und löst die Frage nach ihrer eigenen Existenz. So begegnet sie ihrem erwachsenen Ich. Stück für Stück bekommen wir kleine Hinweise wie alles zusammenhängen könnte und was geschehen ist. Als Zuschauer stellt man sich die Frage, wie würde man wohl seinem kindlichen Ich begegnen? Was würde man erzählen? Was hat man sich aus dieser Zeit bewahrt? Welches Erlebnis hat sich wie auf die eigene Persönlichkeit ausgewirkt und was gibt man davon an seine Kinder weiter?

Loretta (Rebecca Hall)
Loretta (Rebecca Hall) // © 8Films & Amazon Studios / Photo by Jan Thijs

Folge 2: Transpose (Ich und Du)

Jacob (Daniel Zolghadri) und Danny (Tyler Bernhardt) sind Schulfreunde, die nicht unterschiedlicher sein könnten. Jacob ein kreativer Zeichner, dem der Unterricht leichtfällt, der unsportlich ist und sich nicht traut Mädchen anzusprechen. Danny ist groß, sieht gut aus, ist sportlich und kann bedenkenlos mit Mädchen flirten. Beide kommen aus unterschiedlichen Familien: Jacob hat ein gepflegtes Zuhause, seine Eltern arbeiten im Loop, wo auch er nach seinem Schulabschluss arbeiten soll. Danny möchte lieber den Ort verlassen, hat keine Lust auf die anstehende Karriere im Steinbruch seines Onkels und seine Eltern haben schon lange den Draht zueinander verloren. Jeder hat seine Schwächen und Stärken, die der andere aufwiegt. Sie finden im Wald eine große stählerne Kugel mit deren Hilfe sie ihre Körper tauschen können, eigentlich nur für einen Tag, um die Vorteile des anderen zu erleben, aber Danny will nicht in seinen Körper zurück.

Jacob (Daniel Zolghadri)
Jacob (Daniel Zolghadri) // © 8Films & Amazon Studios / Photo by Jan Thijs

Eine gruselige Vorstellung, den Körper mit jemandem zu tauschen, aber die beiden Jungen scheinen einander zu trauen und gehen das Experiment sorglos ein. TRANSPOSE zählt zu den beeindruckendsten Gedankenexperimenten. Jeder hatte bestimmt einen Freund in der Schulzeit, der verschieden zu den eigenen Stärken und Schwächen war. Die Handlung spielt auch gekonnt mit dem Erlebnis einen Einblick in eine fremde Familie zu bekommen. Viel mehr verhandelt der Körpertausch die Frage in welche Berufung man durch sein häusliches Umfeld hineingeboren wird. Haben akademische Eltern überdurchschnittlich gebildete Kinder? Was ist, wenn man lieber Künstler sein möchte und auf finanzielle Versorgung verzichten will? In klug geschriebenen Szenen blicken wir hinein wie schwer es ist, seiner eigenen familiären Klasse zu entfliehen. Selbst ein Körpertausch bringt hier keine Lösung.

TALES FROM THE LOOP
© 8Films & Amazon Studios / Photo by Jan Thijs

Folge 3: Stasis (Für immer und ewig)

Es ist Sommer in Mercer. May (Nicole Law) findet eine Art Thermoskanne beim Angeln mit ihrem Vater. Nachdem es ihr gelingt, dieses technische Gerät zu reparieren, entdeckt sie dessen Nutzung: Mit dem Einschalten wird die Zeit angehalten und nur mit Hilfe eines angelegten Armreifs kann man sich vor dem Stillstand schützen und durch die erstarrte Welt wandeln. Für ein junges Mädchen eine Welt der Entdeckung. Zusammen mit ihrem Freund Ethan (Danny Kang) genießt sie die Freiheit des Moments.

May (Nicole Law
May (Nicole Law) // © 8Films & Amazon Studios / Photo by Jan Thijs

Die beiden Armringe als Symbol für Eheringe lassen May und Ethan ein eigenständiges Leben führen. Nach ersten Teenager-Verrücktheiten, entdecken beide ihre Schwächen. In dieser Geschichte kann man den Verlauf einer Beziehung bzw. Ehe sehen, die am Festhalten eigener Verhaltensmuster zerbricht. Ein bisschen schade, dass zwei junge Menschen so früh aufgeben, aber allen Bewohnern von Mercer scheint sowieso eine alte Seele innezuwohnen.

May (Nicole Law) und Ethan (Danny Kang)
May (Nicole Law) und Ethan (Danny Kang) // © 8Films & Amazon Studios / Photo by Jan Thijs

Folge 4: Echo Sphere (Echolot)

Hier treffen wir auf den Gründer des Loops, Großvater Russ (Jonathan Pryce) und seinen Enkel Cole (Duncan Joiner). Cole verbringt immer wieder gern Zeit bei seinem Opa, der ihm eine Welt der Wunder zeigt, vor der man keine Angst zu haben braucht. Russ ist aber schwer krank und eine Trennung ist nah.

Russ (Jonathan Pryce) und Enkel Cole (Duncan Joiner)
Russ (Jonathan Pryce) und Enkel Cole (Duncan Joiner) // © 8Films & Amazon Studios / Photo by Jan Thijs

Eine so emotionale Folge hätte man bei Russ, dem Erfinder hinter dem Phänomen des Loops, nicht erwartet. Das einzig Abnormale ist eine große rostige Stahlkugel auf dem Spaziergang der beiden. Wenn man hineinruft, ertönt ein Echo der eigenen Stimme, die immer älter wird. Je häufiger das Echo erscheint, desto länger wird das Leben noch dauern. Ein Ruf in die eigene Zukunft und die Erkenntnis eines Kindes, dass es seinen Großvater verlieren wird. Die Geschichte wird jeden zurück in die eigene Kindheit transferieren, sofern man eine schöne Zeit bei den Großeltern verbringen konnte: Die vielen Freiheiten, die man hatte und die Magie mit der Großeltern als erfahrene Gelehrte einem die Welt erklärten.

Russ (Jonathan Pryce)
Russ (Jonathan Pryce) // © 8Films & Amazon Studios / Photo by Jan Thijs

ECHO SPHERE ist aber auch der Beweis, dass selbst einem Mann, der sein ganzes Leben für seine Arbeit hergab, es nur für die Menschen und die Liebe selbst getan hat. Die Zeit eines jeden ist irgendwann vorbei, selbst die eines Erfinders, der die Gesetze der Physik aus der Verankerung lösen konnte.

Folge 5: Control (Kontrolle)

Die Familie Jansson hat ein schwieriges Leben. Sohn Danny liegt im Koma, die Tochter ist taubstumm und das Haus benötigt ein paar Renovierungen. Vater Ed (Dan Bakkedahl) spürt den Druck als Alleinverdiener auf seinen Schultern. Er ist der Beschützer der Familie und läuft Gefahr, diese Position zu verlieren, meint er. Als Sicherheitsersatz kauft er von einem Vorschuss einen fünf Meter großen Mech-Roboter, den er mit einem Handschuh und Rucksack steuern kann. Mit ihm schiebt er Wache, um das Haus vor potenziellen Verbrechern zu schützen. Für solch ein Werkzeug trägt man aber auch eine hohe Verantwortung.

TALES FROM THE LOOP
© 8Films & Amazon Studios / Photo by Jan Thijs

Eine Folge, die die Rolle des Mannes in der Familie hinterfragt. Einen vollkommenen Schutz kann er nicht gewährleisten und greift zur Waffe. Es ist ein Statement zum Waffenbesitz und dass so etwas eher Leid stiftet als zu schützen. Es wird aber auch deutlich, dass sich hier zwei Ehepartner verloren haben. Jeder denkt, er müsse allein die Verantwortung tragen. Die Folge wird zu einem gutgemeinten Rat, dass man lieber bei seinen Fähigkeiten bleiben soll, selbst diese können Wunder bewirken.

TALES FROM THE LOOP
© 8Films & Amazon Studios / Photo by Jan Thijs

Folge 6: Parallel (Gaddis)

Gaddis (Ato Essandoh) ist der Pförtner des Loops. Er liebt seine Schallplattensammlung, ist ein leidenschaftlicher Vogelbeobachter und homosexuell. In einem kleinen Ort wie Mercer gibt es für den Beziehungssuchenden keine große Auswahl und so verliebt er sich in einen gutaussehenden Klavierspieler auf einem Foto, welches er in einer Erntemaschine gefunden hat. Als es ihm gelingt, diese zu reparieren, wird er in ein Paralleluniversum versetzt und trifft auf sich selbst. In dieser Welt ist er mit dem Klavierspieler Alex vom Foto (Jon Kortajarena) zusammen. Das perfekte Leben entfaltet sich auf einmal vor seinen Augen, aber er ist nicht Teil davon, sondern ein Außenseiter.

Gaddis (Ato Essandoh)
Gaddis (Ato Essandoh) // © 8Films & Amazon Studios / Photo by Jan Thijs

Im Herzen ist es eine Liebesgeschichte, aber auch eine gute Gelegenheit sich der Frage zu stellen: Wie gut würde man mit sich selbst klarkommen? Vielleicht sogar Freunde werden, weil man dieselben Interessen hat? Und welchen Einfluss hat eine Beziehung auf die eigene Persönlichkeit? Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass nichts perfekt ist, Beziehungen schon gar nicht und man Gemeinsamkeiten finden kann, wenn man lang genug danach sucht. So wird man auch in einem Paralleluniversum glücklich.

© 8Films & Amazon Studios / Photo by Jan Thijs

Folge 7: Enemies (George)

Kinder können bekanntlich sehr grausam sein. Der junge George (Emjay Anthony) wird von seinen Freunden auf einer unbewohnten Insel als Streich für einen Tag zurückgelassen. Auf der Insel soll ein seltsames Monster leben. George wird dort von einer giftigen Wasserschlange gebissen und im Wald scheint doch noch jemand zu leben.

TALES FROM THE LOOP
© 8Films & Amazon Studios / Photo by Jan Thijs

Für diese Folge braucht man starke Nerven. Ein Hinweis sich in die Sphären des Gruselfilms zu begeben, bekommt man bereits mit den Jungs im Kino zu Beginn. Sie schauen DIE STUNDE WENN DRACULA KOMMT (LA MASCHERA DEL DEMONIO, 1960, Platz 8 in unserer Liste der besten Horrorfilme der 1960er-Jahre).

© 8Films & Amazon Studios / Photo by Jan Thijs

Nach der gruseligen Geschichte und der Entdeckung von Frankensteins Monster (Russ‘ erstem Roboter), bekommt die Folge gekonnt die Wendung zu einem  Lebenshinweis: Dass man sich seinen Dämonen aus der Kindheit stellen sollte, was in der symbolischen Geste der Übergabe Georges kybernetischen Arms an seinen „Halbbruder“ geschieht. Eine spannende Perle für Gruselfilmfans und die Behandlung des Problems von Vorurteilen gegenüber allem Fremden.

TALES FROM THE LOOP
© 8Films & Amazon Studios / Photo by Jan Thijs

Folge 8: Home (Als wäre es gestern gewesen)

Wer hätte gedacht, dass nach so vielen verschiedenen Geschichten, es der Serie gelingen wird, ein dermaßen emotionales Finale zu schaffen.

Cole (Duncan Joiner)
Cole (Duncan Joiner) // © 8Films & Amazon Studios / Photo by Jan Thijs

Cole (Duncan Joiner) erfährt von seinem neuen Bruder Jacob, dass er eigentlich Danny ist und Jacob in den Körper eines Roboters transferiert wurde. Cole findet seinen mechanischen Bruder wieder und streift mit ihm durch die Wälder. Sie überschreiten einen gefrorenen Bach, obwohl Sommer ist und werden so unbewusst durch die Zeit reisen.

Cole (Duncan Joiner) und Roboterbruder
Cole (Duncan Joiner) // © 8Films & Amazon Studios / Photo by Jan Thijs

HOME erzählt so vieles, dass man sich einen ganzen Abend nach der Folge mit jemandem darüber unterhalten möchte: Ein Blick zurück auf die eigene Kindheit, wie man aufgewachsen ist und dennoch das Bedauern darin wie die Eltern und Großeltern älter werden und sterben müssen. Ein Leben ist unglaublich vielfältig, aber in der Erinnerung ist alles zu schnell vorüber. Es steckt auch der kindliche Wunsch dahinter, den Cole offen ausspricht:

„Warum kann nicht alles so bleiben wie es ist?“

Selbst wenn man sich wenig ändert, wie unser Zeitreisender Cole in dieser Geschichte, verändert sich dennoch die Welt und die Menschen um einen herum. Viele Jahre können in ein paar kurzen, schönen wie traurigen Momenten dargestellt werden. Ein emotional tief berührendes Ende, was zeigt wie schnell ein Menschenleben vergeht. All das mit der beeindruckenden Regieführung von Jodie Foster.

Regisseurin Jodie Foster
Foto vom Dreh, Anweisungen von Regisseurin Jodie Foster // © 8Films & Amazon Studios / Photo by Jan Thijs

Das Universum

TALES FROM THE LOOP wird äußerst behutsam inszeniert. Die Welt bleibt mysteriös und geheimnisvoll. Seltsame Techniken und Roboter tauchen im Hintergrund auf, riesige Antennen schälen sich aus Scheunendächern. Man hat das Gefühl trotz nostalgischer Fahrzeuge, Möbelstücke oder Kleidung in der Zukunft zu sein. Technische Errungenschaften liegen wie Artefakte verstreut in der Umgebung. Riesige Aggregate stehen in Vorgärten, enorme Schlauchsysteme winden sich um Häuser. Deswegen kann man auch nie genau sagen, dass die Haupthandlung in den 80ern spielt. Hinzu kommt, trotz eines konstanten Zeitverlaufs nach Jahreszeiten (Winter bis in den Spätsommer), den man der Natur ansehen kann, gibt es paradoxe Naturschauspiele. Die Bäume trage wenige Blätter, der angrenzende See scheint oft zugefroren zu sein und die Vegetation scheint immer in einer Art Winterschlaf zu liegen. Die ländlichen Architekturen sind immer etwas aus der Zeit gefallen, wie auch Mercer mit seinen Ziegelstein- und Holzhäusern. Warum neu bauen, wenn das alte noch seinen Zweck erfüllt und neu gestrichen werden kann? Entwicklungen entstehen in Ballungsräumen viel schneller. Erst in der letzten Folge, als Cole den Wald verlässt, bekommt man einen Blick auf die Sci-Fi-Großstadt.

TALES FROM THE LOOP
© 8Films & Amazon Studios / Photo by Jan Thijs

Der Erfinder

Die Serie basiert auf den Bildern des schwedischen Künstlers Simon Stålenhag. In ländlicher schwedischer Umgebung sind Gebäude und Gegenstände mit Science-Fiction-Charakteristik darauf zu erkennen. Seine am Computer erzeugten Zeichnungen zeigen eine Struktur von Ölgemälden. Diese neofuturistischen Kunstwerke wurden zu erzählerischen Kunstbüchern zusammengefasst (TALES FROM THE LOOP und THINGS FROM THE FLOOD). 2016 entstand zu TALES FROM THE LOOP ein Pen-&-Paper-Rollenspiel mit der Hilfe einer Kickstarter-Kampagne. Fox 21 Television Studios, Indio Studio und 6th & Idaho produzierten für den Amazon-Video-Streaminganbieter exklusiv die erste Staffel mit diesen acht Folgen, bei denen ausschließlich Nathaniel Halpern (LEGION, OUTCAST) die Drehbücher schrieb. Stålenhag unterzeichnete bereits eine weitere Zusammenarbeit mit Fox 21 und wir können uns hoffentlich auf eine zweite Staffel aus dem Universum freuen. Unbeantwortete Fragen gibt es noch einige.

TALES FROM THE LOOP
© 8Films & Amazon Studios / Photo by Jan Thijs

Musikalische und optische Rafinessen

Für die Serienproduktionen unserer Gegenwart ist TALES FROM THE LOOP sehr langsam erzählt wie auch inszeniert. Dadurch hat man Zeit die Figuren kennenzulernen und sich in sie hineinzufühlen. Wie würde man sich selbst in so einer Situation verhalten? Um diese Brücke zu erleichtern, hilft die fantastische Musik von Philip Glass (THE HOURS, LEVIATHAN) und Paul Leonard-Morgan (OHNE LIMIT, DREDD). Mit viel Fingerspitzengefühlen fahren beide Komponisten klassische Instrumente auf, wobei das Klavier als melodischer roter Faden dient. Die perfekte Musik, um gedankenverloren aus dem Fenster zu schauen (hier könnt ihr euch von Paul Leonard-Morgan das Hauptthema auf YouTube vorspielen lassen).

Lehrerin (Stefanie Estes) // © 8FLiX

Apropos Fenster, die tauchen im Verlauf der Serie immer wieder im Blickfeld der Kamera auf. Sie wirken wie Gemälde an den Wänden der Bewohner von Mercer, bilden die Weite der Landschaft ab und bezeugen die Sehnsüchte der Einwohner. Sie sind aber auch Verweis auf die Bilder von Simon Stålenhag, den kreativen Ursprung der Serie.

Fazit

Diese Erzählungen fordern einen wachen Zuschauer, der nicht auf die nächste Actionszene lauert oder einen mehrere Folgen umfassenden Spannungsbogen benötigt. TALES FROM THE LOOP ist eine Science-Fiction-Serie in ihrem elementarsten Zustand. Denn hier werden keine neuen Techniken oder Entwicklungen gefeiert, sondern gefühlvoll aufgezeigt, was mit Menschen passiert, die physikalisch Abnormalem gegenüberstehen. In der Zukunft leben wir bereits jetzt, wir wissen nur nicht damit umzugehen. TALES FROM THE LOOP wird zu einem Sci-Fi-Märchenbuch für diejenigen, denen eine emotionale Entdeckung der Zukunft immer wichtiger war als eine technische.

© Christoph Müller

Titel, Cast und CrewTales From The Loop (2020-)
Poster
Releaseseit dem 03.04.2020 im Stream auf Amazon Video

Staffel 1
RegisseureJodie Foster
So Yong Kim
Charlie McDowell
Tim Mielants
Mark Romanek
Andrew Stanton
Dearbhla Walsh
Ti West
Trailer
BesetzungRebecca Hall (Loretta)
Paul Schneider (George)
Duncan Joiner (Cole)
Daniel Zolghadri (Jakob)
Jonathan Pryce (Russ)
Nicole Law (May)
Ato Essandoh (Gaddis)
Lauren Weedman (Kate)
Dan Bakkedahl (Ed)
Dominic Rains (Lucas)
Jane Alexander (Klara)
Tyler Barnhardt (Danny Jansson)
Stefanie Estes (Sarah, die Lehrerin)
Tatiana Latreille (Lauren)
Christin Park (Stacey)
Alessandra de Sa Pereira (Beth)
Abby Ryder Fortson (Schwester von Danny)
Danny Kang (Ethan)
Emjay Anthony (junge George)
BuchvorlageNach den Bildern und Fotoroman TALES FROM THE LOOP von Simon Stalenhag

Ihr wollt das Buch bei Amazon kaufen?
Dann geht über unseren Treibstoff-Link:
DrehbuchNathaniel Halpern
KameraOle Bratt Birkeland (4 Episoden)
Luc Montpellier (2 Episoden)
Jeff Cronenweth (1 Episode)
Craig Wrobleski (1 Episode)
FilmmusikPhilip Glass
Paul Leonard-Morgan
SchnittTodd Desrosiers
Chris Figler
Curtis Thurber
Leslie Jones
Tyler Nelson
FilmlängeGesamt Staffel 1: 429 Minuten (8 Folgen)
FSKab 12 Jahren

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.