Suspicious Minds – Das Geheimnis um Elfi | Buchkritik

„Hawkins Crime“

Auch mich packte diesen Sommer wieder das STRANGER-THINGS-Fieber. Die dritte Staffel habe ich, wie sicherlich viele andere, förmlich inhaliert. Ähnlich bei den vorangegangenen Staffeln, wurde ich geradezu in das Storyline-Dimensionsloch der Serie gesogen und wie im Schleudergang der Waschmaschine durcheinandergewirbelt. Schließlich spuckte mich das Dimensionsloch wieder auf meinem Sofa aus und ließ mich mit weit aufgerissenen Augen und verkrampften Schultern vorm TV-Gerät sitzen.
Es dauerte einige Tage, bis ich das Gesehene verarbeitet hatte. Um den Prozess zu beschleunigen und um zugegebenermaßen noch etwas länger im STRANGER-THINGS-Kosmos zu verweilen, nahm ich mir Gwenda Bonds Werk SUSPICIOUS MINDS – DAS GEHEIMNIS UM ELFI zur Hand.

Inhalt

Die Geschichte beginnt im Jahr 1969. Große Ereignisse bewegen Amerika: die Mondlandung der Apollo 11 (welche eben an dem Tag, an dem ich zu lesen begann, 50-jähriges Jubiläum feierte), der Vietnamkrieg, welcher keine unbedeutende Rolle im Buch spielt, und Woodstock sind einige davon. In dieser Zeit treffen wir auf die junge Studentin Terry Ives, die den Platz ihrer Freundin Stacey in einer von der Uni ausgeschriebenen Studie einnimmt. Von der versprochenen Prämie und ihrem Drang, mysteriösen Dingen auf den Grund zu gehen, angezogen, begibt sich Terry zum Ort des Geschehens.

Dort trifft sie auf drei Mitstreiter: Ken, ein junger Mann mit hellseherischen Fähigkeiten, Gloria, die afroamerikanische Powerfrau und Alice, die unkonventionelle, androgyne Automechanikerin. Schnell wird klar, dass die Zusammenstellung dieser Gruppe alles andere als zufällig ist. Alle vier sind überdurchschnittlich intelligent und verbünden sich bereits nach ihrem ersten Zusammentreffen. Die Versuchsreihe beginnt recht einfach mit Hypnose und Stück für Stück lernen die Probanden unter dem Einfluss von LSD in tiefere Schichten des eigenen Bewusstseins vorzudringen. Dies erfolgt unter Anleitung eines Teams um Dr. Martin Brenner im Hawkins National Laboratory. Terry wird, wie sollte es anders sein, von Brenner persönlich betreut und beide hegen wenig Sympathie für einander. Als Brenner beginnt, das Leben der vier Probanden zu infiltrieren und Terry auf ein kleines Mädchen namens Kali trifft, welches im Labor lebt, nimmt die Geschichte ihren Lauf.

Kritik

Die Quintessenz der Geschichte ist keine Überraschung. Doch trotzdem schafft es Gwenda Bond, den Zusammenhang zwischen Terry, Elfi und Brenner ganz subtil herauszuarbeiten ohne gleich mit der Tür ins Haus zu fallen. Vorsichtig wird Puzzleteil an Puzzleteil gesetzt und das Gesamtbild der STRANGER-THINGS-Story entsteht vorm inneren Auge. Besonders die Charakteristik Brenners ist wohlüberlegt und passend ins Figurengefüge eingearbeitet. Der Rezipient erfährt einiges über dessen Gedankenwelt, seinen genialen Geist und seine Skrupellosigkeit. Ich war gleichzeitig fasziniert als auch abgestoßen von seinen Entscheidungen und Aktionen in der Geschichte. Er stellt damit den perfekten Bösewicht dar und ist Projektionsfläche für die negativen Emotionen des Lesers.

Auch die anderen Figuren kommen nicht zu kurz. Wobei das nicht grundlegend positiv zu bewerten ist. Mir erschließt sich nicht, weswegen fast jede Person aus Terrys Freundeskreis oder beispielsweise Glorias Familie eine so detailreiche Beschreibung benötigt. Gwenda Bond nimmt leider viel vorweg und schränkt den Leser damit in seiner Fantasie ein. Eine gute Entscheidung für diejenigen, die es mögen, beim Lesen an die Hand genommen zu werden und so durch die Geschichte geführt zu werden. Mir persönlich war das jedoch etwas zu viel des Guten. Das Buch liest sich dank der Ausführlichkeit der Beschreibungen in einem Rutsch weg, obwohl sich der Spannungsbogen in der Mitte etwas abflacht. Es geht in diesem Zusammenhang viel um Terrys Gefühle und ihre ewige Grübelei bezüglich Brenner.

STRANGER THINGS – SUSPICIOUS MINDS von Gwenda Bond

Der Erzählstil und die gewählte Sprache sind einfach gehalten. Damit spricht die Geschichte ein breites Altersspektrum an und legt sich nicht auf „Jugendbuch“ oder „Erwachsenenbuch“ fest. Für meinen Geschmack hätte es jedoch ruhig sprachlich etwas ausgefeilter sein dürfen. Einerseits gefällt es mir, dass sich das Buch nicht in eine Schublade stecken lässt. Andererseits sind es zu viel Aspekte, die zur Sprache gebracht werden. In der Geschichte wird Bezug auf die anfangs genannten politischen Ereignisse genommen und Gwenda Bond übt Kritik an den staatlichen Entscheidungen zum Vietnamkrieg. Zusätzlich wird der Rassismus gegenüber Afroamerikanern durch Gloria personifiziert. Ken ist wiederum homosexuell und gekifft wird natürlich auch, während in rebellischer Manier die Beatles gehört werden. Alice fällt in ihrer Art und ihrem frauenuntypischen Beruf zu dieser Zeit völlig aus dem Rahmen und die übernatürlichen Fähigkeiten der vier Probanden wollen auch noch irgendwie untergebracht werden. An dieser Stelle frage ich mich: „Was möchte das Buch nun eigentlich sein?“ Politische Gesellschaftskritik oder Teenieromanze zur Selbstfindung? Und ging es nicht eigentlich um die Vorgeschichte eines kleinen Mädchens mit telekinetischen Fähigkeiten und einem schiefgegangenen Experiment? Gut, man möge es mir nachsehen, vielleicht bin ich in diesem Zusammenhang auch zu geschichtsfremd um zu erkennen, dass Gwenda Bond das Ethos der 1969er-Bewegung mit diesem Konglomerat abzubilden versuchte.

Fazit

SUSPICIOUS MINDS ist eine wunderbare Ergänzung zur Serie STRANGER THINGS. Besonders Dr. Brenner wird detailliert charakterisiert und das Gesamtbild der Story wird durch fein gestreute Hintergrundinformationen erweitert. Für alle, die auf der Suche nach einem locker geschriebenen, unterhaltsamen Buch sind und sich nicht daran stören, dass viele Dinge gleichzeitig angesprochen werden, ist dieses genau das richtige.

Das Buch ist im Übrigen in Zusammenarbeit mit Netflix und den Machern der Serie entstanden.

© Paula

  • SUSPICIOUS MINDS – STRANGER THINGS
  • Übersetzt von Melike Karamustafa
  • Paperback , Klappenbroschur
  • 432 Seiten, 13,5 x 20,6 cm
  • ISBN: 978-3-328-10464-3
  • Erschienen am 18. Februar 2019
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