Stigmata Mediabook Capelight

Stigmata – Filmkritik & Review zum Mediabook

Wir schreiben das Jahr 1999. Die Menschen sind nervös, was passieren wird, wenn sich die erste Zahl unserer Zeitrechnung in eine 2 ändert. Gerüchte gehen um, dass die Computer auf diesen Wechsel nicht vorbereitet sind, auf 1900 umspringen werden und die Welt ins Chaos stürzen wird. Ende des 2. Jahrtausends waren bereits viele Prozesse digitalisiert worden. Um die Informationstechnologie geht es im Film „Stigmata“ aber nicht. Dieses Gefühl der Unsicherheit aus jenem Jahr mit einem Fuß in der von den Medien aufgebauschten Apokalypse zu stehen, hatte jedoch starken Einfluss auf die kreative Arbeit an diesem Film, der in seiner Geschichte die Wissenschaft gegen die Religion abwägt.


© capelight pictures

Inhalt „Stigmata“

Andrew Kiernan (Gabriel Byrne) ist keine normaler Priester der katholischen Kirche. Er hat eine wissenschaftliche Ausbildung und untersucht, im Auftrag für den Vatikan, mysteriöse Fälle mit religiösem Kontext. Sogenannte Wunder, wie blutige Tränen einer Madonnen-Statur und andere paranormale Ereignisse, schätzt die katholische Kirche gar nicht gern. Die anormalen Ereignisse könnten wieder Raum für neue Auslegungen des Glaubens schaffen oder sogar zu religiösen Abspaltungen führen. Wenn mysteriöse und unerklärliche Dinge passieren, bringt dies nur die Schafherde in Aufruhr und das möchte die Kirche auf keinen Fall. Vater Kiernan kommt mit seiner Wissenschaft bei der jungen Frankie Paige (Patricia Arquette) jedoch an seine Grenzen. Sie lebt das ungezwungene Leben in den 90er-Jahren, ist nicht gläubig und bekommt auf einmal sogenannte Stigmata. Das sind die Wunden Jesus Christus, als er ans Kreuz genagelt wurde. Diese Verletzungen erhalten aber nur tiefreligiöse Menschen und keine lebensfrohe Friseuse aus Pittsburgh. Die Anfälle von Frankie werden immer stärker und mit jeder weiteren Wunde für ihre Gesundheit immer gefährlicher. Kiernan sieht sich in der zweifelnden Handlung zwischen wissenschaftlicher Erklärung und religiöser Interpretation.


© capelight pictures

Musikvideo trifft auf Kinoleinwand

Regisseur Rupert Wainwright drehte in den 90er-Jahren vor allem Musikvideos (Michael Jacksons Promovideo „HIStory“) und Werbevideos (Honda mit Anthony Hopkins). Diesen unverwechselbaren Stil, der die 90er geprägt hatte, schnelle Schnitte, unscharfe Handkameraführung und düstere Farben sind die kreative Stärke von „Stigmata“. Die Effekte wirken manchmal etwas zu sehr wie eine Bühnenshow, aber dafür sind die dunklen, verregneten Gassen von Pittsburgh, ebenfalls Hauptdrehort von „The Dark Knight Rises“, bestens eingefangen. Der im Film vertretene Dauerregen ist auch eine schöne Parallele zu „Sieben“ (1995), wo es ebenfalls permanent regnet und erst zum finalen Akt aufklart. „Stigmata“ wurden die Farben stark entzogen und vor allem das Weiß und Schwarz betont. Dies galt nicht für die Farbe Rot, wodurch die Wunden von Frankie noch intensiver zur Geltung kommen. Die Geschichte hat wirklich viel Potential, jedoch sind die beiden Hauptpersonen viel zu passiv und lassen alles nur über sich ergehen. Vor allem die interessante Hauptfigur Andrew Kiernan nimmt kaum Einfluss auf den Verlauf der Geschichte. Was den Film aber zu einem außergewöhnlichen Vertreter seiner Zeit macht, ist der Soundtrack. Smashing Pumpkins-Frontman Billy Corgan und der tschechische Filmkomponist Elia Cmiral lassen sakrale Musik auf elektronische Keyboards prallen. Aber auch die im Film verwendeten Songs wie, „Inertia Creeps“ von Massiv Attack, „The Pretty Things Are Going to Hell“ von David Bowie, „All is Full of Love“ von Björk und dem Intro-Song „Identify“, gesungen von Natalie Imbruglia, machen „Stigmata“ zu einer Zeitkapsel seiner Entstehung.

Das Mediabook von Capelight

Die 2-Disc Limited Collector’s Edition enthält den Film auf Blu-ray und DVD. Das Bonusmaterial ist ausreichend und hat, neben einem Audiokommentar des Regisseurs, entfallene Szenen und ein 30-minütiges Video zur Entstehung des Films mit jeder Menge Hintergrundberichten zu Stigmatas dabei. Besonders interessant ist das alternative Ende, welches wirklich noch einmal für Gesprächsstoff sorgen wird und mir persönlich besser gefallen hat. Bild und Ton sind wie immer erste Sahne von Capelight („Oldboy“, „Heaven’s Gate“). Die deutsche Synchro springt vielleicht ab und zu etwas in der Dynamik, aber dies bewegt sich alles im Toleranzbereich für die 5.1 Abmischung. Der Umband des Mediabooks hat eine schöne stabile, biblische Struktur und das 24-seitige Booklet von Christoph N. Kellerbach macht den Film noch einmal wesentlich interessanter.

Cover Mediabook capelight
Cover Mediabook 2-Disc Limited Collector’s Edition © capelight pictures

Fazit

Wer Filme mit religiöser Thematik im 90er-Jahre-Format wie „End of Days“ (1999) und „Im Auftrag des Teufels“ (1997) mag, macht mit „Stigmata“ nichts falsch. Das Mediabook ist seinen schmalen Preis bedenkenlos wert, obwohl ich gern noch fünf Euro für den fantastischen Soundtrack draufgelegt hätte. Aber der Lizenzkampf und mein Musikgeschmack werden hier keine Risse im Zeitkontinuum verursachen.

Titel

Stigmata (1999)

Regisseur

Rupert Wainwright

Poster

Stigmata Kinoposter

Veröffentlichung

2-Disc Limited Collector's Edition Mediabook und DVD von capelight pictures - bei Amazon kaufen

Schauspieler

Patricia Arquette (Frankie Page)
Gabriel Byrne (Vater Andrew Kiernan)
Jonathan Pryce (Kardinal Daniel Houseman)
Nia Long (Donna Chadway)
Thomas Kopache (Vater Durning)

Trailer

Drehbuch

Tom Lazarus
Rick Ramage

Kamera

Jeffrey L. Kimball

Musik

Elia Cmiral
Billy Corgan

Schnitt

Michael J. Duthie
Michael R. Miller

Technische Daten der Blu-ray

Ton: DTS-HD Master Audio 5.1 Deutsch und Englisch
Bild: 2,35:1 (1080p)
Untertitel: Deutsch
Laufzeit: 102 min
Typ: BD 50
Regionalcode: B
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Chefredakteur

Kann bei ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT mitsprechen / Liebt das Kino, aber nicht die Gäste / Hat seinen moralischen Kompass von Jean-Luc Picard erhalten / Soundtracks auf Vinyl-Sammler / Stellt sich gern die Regale mit Filmen voll und rahmt nur noch seine Filmposter

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