Star Wars Episode 8 - Die letzten Jedi Filmkritik

Star Wars Episode VIII (2017) – Die letzten Jedi | Filmkritik

Die Warnung sei hiermit ausgesprochen: Es werden Szenen und Wendungen im Film besprochen, die für alle, die den Film noch nicht gesehen haben, viel vorwegnehmen werden. Also, wer „Star Wars VIII – The Last Jedi“ unbedingt sehen möchte, ab ins Kino und danach diese Kritik lesen.

Sternenkriege ohne Emotionen

Disney hat sich selbst mit Marvel und Star Wars ein Filmimperium geschaffen, dem ca. 20 % des Kinoumsatzes in diesem Jahr (Quelle) gehören wird. Vom Merchandise und den Lizenzverkäufen reden wir mal lieber gar nicht. Das bedeutet jedoch nicht, dass sich dieses Studio den 1. Platz mit Ideenreichtum und kreativer Qualität erkämpft hat (THOR 3). Nein, Disney „wirtschaftet“ einfach gut. Selbst bin ich kein STAR-WARS-Fanboy, persönlich kann ich mit dem  STAR-TREK-Universum mehr anfangen, aber ich muss zugeben, dass mich die Welten und märchenhaften Geschichten immer gut unterhalten haben. Außerdem mag ich die Fanwelt drumherum, wenn sich Menschen einer Filmobsession hingeben, bin ich immer gleich davon mitgerissen. Als bekannt wurde, dass Rian Johnson bei Episode VIII neuen Schwung ins Franchise bringe sollte, habe ich mich auf den Blockbuster zum Jahresende gefreut. LOOPER und BRICK sind zwei bemerkenswerte Arbeiten von ihm. Aber wie würde er künstlerisch in der Milliarden-Maschine von Mickey Mouse klarkommen? Leider gar nicht …

© 2017 Disney & Industrial Light & Magic

Guter Start mit Aussetzern

Die einführende Schlacht zu Filmbeginn hat mich gut in die Star Wars-Welt gezogen. Es herrscht Krieg im Universum, First Order gegen Rebellen, wobei es um Taktik und die größeren Waffen geht. Oscar Isaac als Poe Dameron hatte in Episode VII schon ausreichend Sympathiepunkte von mir bekommen und ich freute mich darüber, wie er im Alleingang fast ein ganzes Schlachtschiff ausschaltet. Dann kamen Bomber und störten nicht nur physikalische Gesetzmäßigkeiten, sondern auch der erste von insgesamt vier (!) Märtyrern biss ins Weltraumgras. Okay, dann ist Star Wars eben im Kriegsgenre angekommen, damit kann ich seit ROGUE ONE (2015) auch leben. Danach kommen ein paar Jokes der flachen Sorte, die leider kaum auf die Filmhandlung Bezug nehmen. Sie wirken wie von einer K.I. ins Drehbuch gestreut, wobei vielleicht doch noch Zuschauer unter 12 Jahren im Kinosaal lachen werden. Selbst die Pinguin-Hamster auf der Jedi-Insel um den gescheiterten Skywalker müssen für einen flachen Vegetarier-Witz auf Kosten von Chewie herhalten. Außerdem gab es einen wirklich seltsamen RICK-UND-MORTY-Moment: Stichwort „Grüne Milch“. Das sind Fehler, die einen sofort wieder in die Realität versetzen, so dass man darüber nachdenkt, sich ein drittes Mal BLADE RUNNER 2049 im IMAX anzusehen.

© 2017 Disney & Industrial Light & Magic

Kaputter Spannungsbogen

Als Instrument für den zeitlichen Countdown musste die optisch langsamste Verfolgungsjagd im Weltraum herhalten, welche wie ein Schildkröten-Wettrennen wirkte: „Sie sind kleiner und damit schneller im Weltraum, wir können nichts anderes tun, als hinterher fliegen und warten bis ihnen der Sprit ausgeht“. Nur um in diesem sinnlosen Handlungsstrang eine Meuterei zu inszenieren, die dann wieder keine war, um am Ende noch mehr Rebellen sterben zu lassen, damit der Rest in den Millenium-Falken passt.

© 2017 Disney & Industrial Light & Magic

Rey lernt vom gescheiterten Luke kaum etwas außer, dass sie auf sich selbst gestellt ist. Die Dialog-Szenen zwischen ihr und dem wieder großartig spielenden Adam Driver hat genau die Ruhe und den Fokus, der leider im Rest des Films fehlt. Und als Rey runde Steine am Ende schweben lässt, ist das ein bisschen wie in alten Trickfilmen, wenn man schon sieht, welche Dinge sich bewegen werden, weil sie nicht zur Hintergrundzeichnung gehören.

© 2017 Disney & Industrial Light & Magic

Vor einem Bruch mit dem Star Wars-Universum durch Leias Raumflug wird auch nicht zurückgeschreckt und Supreme Leader Snoke stirbt in seinem 90er-Jahre-Musikvideo-Partyraum so vorausschaubar, dass selbst die gut choreographierten Kämpfe mit dessen Leibgarde nicht darüber hinwegtäuschen. Captain Phasma fällt ins digitale Feuer, was bereits im Trailer angedeutet wurde, um vielleicht noch einmal wiederzukehren. Beim Endkampf vor den Toren der „wirklich letzten“ Rebellenbasis kommt nur noch die Spannung auf, ob sich Finn als letzten Märtyrer des Films einreihen wird.

© 2017 Disney & Industrial Light & Magic

Leider nur ein Übergang

Zwischendurch tauchen aber auch anspruchsvolle Themen auf wie Klassengesellschaft und Waffenhandel, leiten jedoch ohne drehbuchrelevante Bedeutung in die filmische Sackgasse. Die guten Effekte und talentreiche Schauspielbesetzung täuschen nicht über einen Film hinweg, der ins Unbedeutende treibt. Er soll als Übergang zum Trilogie-Finale herhalten und da sind die kreativen Möglichkeiten von Rian Johnson limitiert. John Williams als Komponist hat die kreativen Musikthemen in Episode VIII ebenfalls bereits aufgegeben. Man spürt förmlich wie er von einem bekannten Filmthema zum nächsten eilt, weil der Film auch von einer Person zur nächsten hetzt ohne auch nur einen Hintergrund zu verraten (Supreme Leader Snoke und Benicio Del Toros „DJ“). Wahrscheinlich nur, um die Figuren in weiteren Spin-offs und Prequels anzudeuten. Highlight des Films ist die Optik, wie beim Laura-Dern-Hyperraumsprung und die sehr sympathische Rose, gespielt von Kelly Marie Tran.

© 2017 Disney & Industrial Light & Magic

Die Verbindung zum Zuschauer verloren

Das Grundproblem des Films ist, dass kein einziges Mal etwas gezeigt wird, wofür diese Rebellion überhaupt steht. Weder die Liebe, der Kampf für Schwächere oder Welten, die es zu retten gilt, werden vorgestellt. Somit konnte STAR WARS EPISODE 8 mich kein einziges Mal emotional an sich binden, außer in dem Moment, als mir gesagt wurde, dass ich wohl die witzigste Szene im Film (Bügeleisen) wegen einer Toilettenpause verpasst habe. Aber diese hätte den flachen Humor des Films auch nicht gerettet. Okay, bei der Stummfilmkomik der verschwindenden Schubkarre musste ich wirklich sehr herzlich lachen.

STAR WARS – Episode VIII: DIE LETZTEN JEDI ist wie ein Essen bei McDonalds: Am Anfang hat man extrem Lust darauf, aber nach dem Besuch bleibt nur ein Sättigungsgefühl zurück, ohne es wirklich genossen zu haben.

© Christoph Müller

Titel, Cast und CrewStar Wars: Die letzten Jedi (2017)
OT: Star Wars: VIII - The Last Jedi
PosterStar Wars die letzten Jedi IMAX Poster
Releaseab dem 14.12.2017 im Kino
Ab dem 26.04.2018 auf UHD, Blu-ray und DVD
Bei Amazon kaufen:
RegisseurRian Johnson
SchauspielerDaisy Ridley (Rey)
Adam Driver (Kylo Ren)
Mark Hamill (Luke Skywalker)
Carrie Fisher (Leia Organa)
John Boyega (Finn)
Kelly Marie Tran (Rose Tico)
Oscar Issac (Poe Dameron)
Benicio Del Toro (DJ)
Laura Dern (Vice Admiral Holdo)

Trailer
DrehbuchRian Johnson
KameraSteve Yedlin
MusikJohn Williams
SchnittBob Ducsay

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