Star Wars Episode 8 - Die letzten Jedi Filmkritik

Star Wars Episode VIII – Die letzten Jedi #SPOILERZONE – Filmkritik

Die Warnung sei hiermit ausgesprochen: Es werden Szenen und Wendungen im Film besprochen, die für alle, die den Film noch nicht gesehen haben, viel vorwegnehmen werden. Also, wer „Star Wars VIII – The Last Jedi“ unbedingt sehen möchte, ab ins Kino und danach diese Kritik lesen.

Sternenkriege ohne Emotionen

Disney hat sich selbst mit „Marvel“ und „Star Wars“ ein Filmimperium geschaffen, dem ca. 20 % des Kinoumsatzes in diesem Jahr (Quelle) gehören wird. Vom Merchandise und den Lizenzverkäufen reden wir mal lieber gar nicht. Das bedeutet jedoch nicht, dass sich dieses Studio den 1. Platz mit Ideenreichtum und kreativer Qualität erkämpft hat („Thor 3“). Nein, Disney „wirtschaftet“ einfach gut. Selbst bin ich kein Star Wars-Fanboy, persönlich kann ich mit dem „Star Trek-Universum“ mehr anfangen, aber ich muss zugeben, dass mich die Welten und märchenhaften Geschichten immer gut unterhalten haben. Außerdem mag ich die Fanwelt drumherum, wenn sich Menschen einer Filmobsession hingeben, bin ich immer gleich davon mitgerissen. Als bekannt wurde, dass Rian Johnson bei „Episode VIII“ neuen Schwung ins Franchise bringe sollte, habe ich mich auf den Blockbuster zum Jahresende gefreut. „Looper“ und „Brick“ sind zwei bemerkenswerte Arbeiten von ihm. Aber wie würde er künstlerisch in der Milliarden-Maschine von Mickey Mouse klarkommen? Leider gar nicht …

Guter Start mit Aussetzern

Die einführende Schlacht zu Filmbeginn hat mich gut in die Star Wars-Welt gezogen. Es herrscht Krieg im Universum, First Order gegen Rebellen, wobei es um Taktik und die größeren Waffen geht. Oscar Isaac als Poe Dameron hatte in Episode VII schon ausreichend Sympathiepunkte von mir bekommen und ich freute mich darüber, wie er im Alleingang fast ein ganzes Schlachtschiff ausschaltet. Dann kamen Bomber und störten nicht nur physikalische Gesetzmäßigkeiten, sondern auch der erste von insgesamt vier (!) Märtyrern biss ins Weltraumgras. Okay, dann ist Star Wars eben im Kriegsgenre angekommen, damit kann ich seit „Rogue One“ (2015) auch leben. Danach kommen ein paar Jokes der flachen Sorte, die leider kaum auf die Filmhandlung Bezug nehmen. Sie wirken wie von einer K.I. ins Drehbuch gestreut, wobei vielleicht doch noch Zuschauer unter 12 Jahren im Kinosaal lachen werden. Selbst die Pinguin-Hamster auf der Jedi-Insel um den gescheiterten Skywalker müssen für einen flachen Vegetarier-Witz auf Kosten von Chewie herhalten. Außerdem gab es einen wirklich seltsamen „Rick und Morty“-Moment: Stichwort „Grüne Milch“. Das sind Fehler, die einen sofort wieder in die Realität versetzen, so dass man darüber nachdenkt, sich ein drittes Mal „Blade Runner 2049“ im IMAX anzusehen.

Kaputter Spannungsbogen

Als Instrument für den zeitlichen Countdown musste die optisch langsamste Verfolgungsjagd im Weltraum herhalten, welche wie ein Schildkröten-Wettrennen wirkte: „Sie sind kleiner und damit schneller im Weltraum, wir können nichts anderes tun, als hinterher fliegen und warten bis ihnen der Sprit ausgeht“. Nur um in diesem sinnlosen Handlungsstrang eine Meuterei zu inszenieren, die dann wieder keine war, um am Ende noch mehr Rebellen sterben zu lassen, damit der Rest in den Millenium-Falken passt.

Rey lernt vom gescheiterten Luke kaum etwas außer, dass sie auf sich selbst gestellt ist. Die Dialog-Szenen zwischen ihr und dem wieder großartig spielenden Adam Driver hat genau die Ruhe und den Fokus, der leider im Rest des Films fehlt. Und als Rey runde Steine am Ende schweben lässt, ist das ein bisschen wie in alten Trickfilmen, wenn man schon sieht, welche Dinge sich bewegen werden, weil sie nicht zur Hintergrundzeichnung gehören.

Vor einem Bruch mit dem Star Wars-Universum (Review Solo: Astar Wars Story) durch Leias Raumflug wird auch nicht zurückgeschreckt und Supreme Leader Snoke stirbt in seinem 90er-Jahre-Musikvideo-Partyraum so vorausschaubar, dass selbst die gut choreographierten Kämpfe mit dessen Leibgarde nicht darüber hinwegtäuschen. Captain Phasma fällt ins digitale Feuer, was bereits im Trailer angedeutet wurde, um vielleicht noch einmal wiederzukehren. Beim Endkampf vor den Toren der „wirklich letzten“ Rebellenbasis kommt nur noch die Spannung auf, ob sich Finn als letzten Märtyrer des Films einreihen wird.

Leider nur ein Übergang

Zwischendurch tauchen aber auch anspruchsvolle Themen auf wie Klassengesellschaft und Waffenhandel, leiten jedoch ohne drehbuchrelevante Bedeutung in die filmische Sackgasse. Die guten Effekte und talentreiche Schauspielbesetzung täuschen nicht über einen Film hinweg, der ins Unbedeutende treibt. Er soll als Übergang zum Trilogie-Finale herhalten und da sind die kreativen Möglichkeiten von Rian Johnson limitiert. John Williams als Komponist hat die kreativen Musikthemen in Episode VIII ebenfalls bereits aufgegeben. Man spürt förmlich wie er von einem bekannten Filmthema zum nächsten eilt, weil der Film auch von einer Person zur nächsten hetzt ohne auch nur einen Hintergrund zu verraten (Supreme Leader Snoke und Benicio Del Toros „DJ“). Wahrscheinlich nur, um die Figuren in weiteren Spin-offs und Prequels anzudeuten. Highlight des Films ist die Optik beim Laura-Dern-Hyperraumsprung und die sehr sympathische Rose, gespielt von Kelly Marie Tran.

Die Verbindung zum Zuschauer verloren

Das Grundproblem des Films ist, dass kein einziges Mal etwas gezeigt wird, wofür diese Rebellion überhaupt steht. Weder die Liebe, der Kampf für Schwächere oder Welten, die es zu retten gilt, werden vorgestellt. Somit konnte „Star Wars Episode 8“ mich kein einziges Mal emotional an sich binden, außer in dem Moment, als mir gesagt wurde, dass ich wohl die witzigste Szene im Film (Bügeleisen) wegen einer Toilettenpause verpasst habe. Aber diese hätte den flachen Humor des Films auch nicht gerettet. Okay, bei der Stummfilmkomik der verschwindenden Schubkarre musste ich wirklich sehr herzlich lachen.

„Star Wars VIII – The Last Jedi“ ist wie ein Essen bei McDonalds: Am Anfang hat man extrem Lust darauf, aber nach dem Besuch bleibt nur ein Sättigungsgefühl zurück, ohne es wirklich genossen zu haben.

 

Cast und Crew

Star Wars: Die letzten Jedi (2017)
OT: Star Wars: VIII - The Last Jedi

Poster

Star Wars die letzten Jedi IMAX Poster

Kinostart/
Veröffentlichung

14.12.2017
bei Amazon kaufen

Regisseur

Rian Johnson

Schauspieler

Daisy Ridley (Rey)
Adam Driver (Kylo Ren)
Mark Hamill (Luke Skywalker)
Carrie Fisher (Leia Organa)
John Boyega (Finn)
Kelly Marie Tran (Rose Tico)
Oscar Issac (Poe Dameron)
Benicio Del Toro (DJ)
Laura Dern (Vice Admiral Holdo)

Trailer

Drehbuch

Rian Johnson

Kamera

Steve Yedlin

Musik

John Williams

Schnitt

Bob Ducsay

Chefredakteur

Kann bei ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT mitsprechen / Liebt das Kino, aber nicht die Gäste / Hat seinen moralischen Kompass von Jean-Luc Picard erhalten / Soundtracks auf Vinyl-Sammler / Stellt sich gern die Regale mit Filmen voll und rahmt nur noch seine Filmposter

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