Star Force Soldier 1998 Filmkritik

Star Force Soldier (1998) – Filmkritik

Regisseur Paul W. S. Anderson hat schon eine interessante Filmografie, auch wenn es sich größtenteils nur um kostenintensive 08/15-Mainstream-Projekte handelt. Für mich stechen zwei außergewöhnliche Filme besonders darin hervor. Zum einen EVENT HORIZON – AM RANDE DES UNIVERSUMS (1997), der im Science-Fiction-Horror neue Maßstäbe setzte und zum anderen, die hier vorliegende Neuveröffentlichung aus dem Jahre 1998 von STAR FORCE SOLDIER (SOLDIER). Dieser zynische und Menschen verachtende Film erinnert an den ein Jahr zuvor veröffentlichten STARSHIP TROOPERS von Paul Verhoeven, der in dasselbe Horn bläst: Menschen, die zu gnadenlosen Killern gedrillt werden und bedingungslos jeden Befehl ihrer Vorgesetzten befolgen.

Star Force Soldier 1998 Filmkritik

© Koch Films

Inhalt

Seit seiner Geburt wird Todd 3465 (Kurt Russell) zusammen mit vielen anderen besonderen Kindern vom Militär erzogen und ausgebildet. Ziel dieses Trainings und der jahrelangen Gehirnwäsche ist es, physisch wie auch psychisch die perfekte menschliche Kampfmaschine zu erschaffen. Nach 40 Jahren Krieg auf diversen Schlachtfeldern sollen Sgt. Todd und seine Kameraden gegen ein besseres Modell ausgetauscht werden. Colonel Mekum (Jason Isaacs) besucht den Stützpunkt der Truppe und bringt die neue Generation genetisch optimierter Soldaten für eine Vorführung gleich mit. Bei der Demonstration sollen Todd und zwei weitere Soldaten gegen seinen Nachfolger Caine 607 (Jason Scott Lee) kämpfen. Alle drei Veteranen sterben dabei. Wie Müll werden sie auf einem der vielen Planeten im Universum entsorgt. Doch Todd 3465 ist nicht tot, nur schwer verletzt. Als er auf Arcadia 234 erwacht, wird er von den dort lebenden Menschen gepflegt. Schon nach kurzer Zeit ist er wieder auf den Beinen, doch die Menschen trauen ihm nicht und halten ihn für gefährlich. Für Todd, der nie sozialen Kontakt außerhalb des Militärs hatte, ist das alles neu und er kann sich nicht in diese Gemeinschaft integrieren. Kurzerhand wird er verstoßen und muss sich alleine durchschlagen. Plötzlich tauchen Colonel Mekum und seine Soldaten auf, die auf einer Routinemission sind, um den Planeten Arcadia 234 von dort illegal lebenden Menschen zu säubern. Es kommt zu einem letzten Kampf zwischen dem ausgemusterten Kriegsveteranen und den Soldaten der Zukunft.

Star Force Soldier 1998 Filmkritik

© Koch Films

„Never Change a Winning Team“

Das übergeordnete Thema dieses Science-Fiction-Filmes ist klar: Die Entmenschlichung des Soldaten, hin zu einem anonymen Gebrauchsgegenstand, der – wenn er nicht so funktioniert wie er soll – einfach entsorgt und durch ein besseres Modell ersetzt wird. Der Soldat wird zu einem Terminator, der durch keinerlei Gefühle behindert wird, ein schweigsamer und supereffizienter Killer der Zukunft. Erinnerungen an die Nazis werden hier geweckt und deren Versuche, den perfekten Soldaten zu erschaffen. Die Figur des sadistischen Colonel Mekum und sein zynischer Umgang mit seinen Soldaten erinnert ebenfalls an jene dunkle Zeit. Aber nicht nur im dritten Reich gab es diese Bestrebung nach einem loyalen, gewissenlosen Soldaten, sondern viele Regierungen zu jener Zeit versuchten den perfekten Soldaten zu erschaffen. Diese Bestrebung wurde niemals aufgehoben, auch heute nicht. Es ist immer noch das gleiche System, aus dem unsere Wirtschaft ihre Profite zieht, wo der „normale“ Arbeiter nur das Mittel zum Zweck ist und jederzeit austauschbar (noch radikaler in John Carpenters Science-Fiction-Klassiker SIE LEBEN (THEY LIVE, 1988) zu sehen). Das Thema ist somit immer noch aktuell und macht diesen Film besonders.

Star Force Soldier 1998 Filmkritik

© Koch Films

Die Hauptrolle

Kurt Russell, in der Rolle des Todd 3465, ist der schweigsame Soldat, der seine Befehle befolgt. Er hat keinerlei Erfahrung im sozialem Umgang und den daraus resultierenden Verhaltensmustern, geschweige denn mit der menschlichen Art der Kommunikation. Eine beeindruckende Rolle, wie ich finde, die jedoch bei vielen Kritikern nur negative Reaktionen hervorrief, wie auch STAR FORCE SOLDIER als Film selbst. Viele der damaligen Kritiker warfen Regisseur Anderson vor, eine „Hymne auf den Militarismus und Krieg“ in Szene gesetzt zu haben. Meiner Meinung nach hat Anderson genau das Gegenteil geschafft: Eine massive Kritik an den kalten, gefühllosen Militärs und ihrer Gier nach immer besseren und leistungsfähigeren Waffen. Kaum einer der Kritiker hat all die kleinen Feinheiten in Russells Darstellung des stummen Killers bemerkt, die seine Rolle so besonders macht: Das Entsetzen als er bei den Zivilisten aufwacht, weit weg von seiner Truppe (Familie), das Aufbrechen von unbekannten Gefühlen, die Verwirrung bei seinem ersten körperlichen Kontakt ohne kämpfen zu müssen. Er lernt, wie man eine Pflanze in die Erde setzt, mit Händen, die bisher nur zum Töten da waren und die Trauer, als man ihn dann doch aus seiner neuen Gemeinschaft ausstoßen muss. All das bringt Kurt Russell mit einer auf ein Minimum reduzierten Mimik grandios zum Ausdruck, eine fantastische Leistung.

Star Force Soldier 1998 Filmkritik

© Koch Films

Was ich jedoch absolut überflüssig finde, sind die Verweise von Drehbuchschreiber David Web Peoples (er arbeitete mit Ridley Scott am Drehbuch zu BLADE RUNNER) auf den BLADE RUNNER (1982), wie ein Spinner-Car oder die Bezeichnung „Tannhäuser Tor“. Im Original „Tannhauser Gate“, welches aber niemals im Original-Roman von Philip K. Dick erwähnt wurde, ist nur eine Erfindung von Peoples. Wenn wir schon bei BLADE RUNNER sind, da stellt sich mir gleich die Frage: Warum soll man Menschen mühsam genetisch verändern, wenn man stattdessen eine ganze Armee mit Replikanten erschaffen kann? Diese Idee, STAR FORCE SOLDIER im BLADE-RUNNER-UNIVERSUM zu verorten, finde ich unsinnig und absolut überflüssig. Auch die Hinweise auf Kurt Russels vorherige Filme sind für mich nur ein Ausdruck von mangelnder Fantasie beim Drehbuchschreiber.

 

Die Veröffentlichung von Koch Films

Star Force Soldier 1998 Filmkritik

Das Cover A vom Mediabook © Koch Films

Die Tonspur auf der DVD (ja genau, von Koch Films gab es „nur“ eine DVD als Presseexemplar, mehr dazu weiter unten) ist an einigen Stellen etwas leise und es fällt  schwer, den Dialogen zu folgen. Die Tricks sind auf der Höhe der Zeit von 1998, aber mit heute nicht mehr zu vergleichen. Die Farbpalette ist perfekt, die Sättigung ist kräftig und der Kontrast genau richtig. Das Set-Design des Müll-Planeten Arcadia ist wunderbar zu erkennen und wird in atmosphärisch dichten Bilder von diesem rauen und lebensfeindlichen Wüsten-Planeten festgehalten. Das Booklet, geschrieben von meinem Kollegen Stefan Jung, ist informativ und spannend und hielt auch für mich als alten STAR-FORCE-SOLDIER-Fan noch einige Überraschungen parat.

Leider können wir die Mediabooks von Koch Films nie in ihrem vollen Umfang vorstellen und unter die Lupe nehmen. Koch Films versendet lediglich die Pressescheiben und in diesem Fall sogar nur die DVD an uns. Andere Labels treten hier wesentlich selbstbewusster mit ihren schönen Editionen an Filmblogs und Review-Kanäle heran. Somit bleibt uns bedauerlicherweise nur diese reine Filmkritik und wir können keine Aussage zum anstehenden Release machen.

Fazit

Nach so langer Zeit erscheint der Film endlich ungeschnitten in seiner ganzen Pracht. STAR FORCE SOLDIER ist sehenswert und mehr als nur ein einfacher Actionfilm mit düsterer Zukunft. Ob das Mediabook und die Blu-ray bei solch cineastischer Qualität mithalten kann, können wir nicht verraten und warten mit euch gemeinsam auf eine hoffentlich gelungene Veröffentlichung.

© Stefan F.

Titel, Cast und CrewStar Force Soldier (1998)
OT: Soldier
PosterStar Force Soldier 1998 Filmkritik

Release
ab dem 28.03.2019 im Mediabook (2 Cover) erhältlich
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RegisseurPaul W. S. Anderson
Trailer
DarstellerKurt Russell (Todd 3465)
Jason Scott Lee (Caine 607)
Jason Isaacs (Colonel Mekum)
Connie Nielsen (Sandra)
Sean Pertwee (Mace)
Gary Busey (Curch)
DrehbuchDavid Webb Peoples
MusikJoel McNeely
KameraDavid Tattersall
SchnittMichael Tronick
Filmlänge99 Minuten
FSKab 18 Jahren

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