stanley kubrick photographs through a different lens Ansicht TASCHEN

Stanley Kubrick Photographs. Through a Different Lens – Buchvorstellung

Stanley Kubrick hat nicht besonders viele Spielfilme gedreht, um genau zu sein dreizehn, aber dafür hatte er sich ein weitreichendes Genre-Portfolio zugelegt. Vom Grusel-Psychotrip THE SHINING über den Historienfilm SPARTACUS bis hin zur Science-Fiction-Philosophie 2001: ODYSSEE IM WELTRAUM. Seine Produktionen verschlangen sehr viel Zeit, aber das wollte der Perfektionist auch nicht anders und arbeitete alle Filmdetails akribisch aus. Kurz nach Fertigstellung seines letzten Films EYES WIDE SHUT (1999) verstarb Kubrick mit nur 70 Lebensjahren. Man kann sein gutes Dutzend Filme nun hoch und runter sehen und ich bin mir sicher, dass man immer wieder neue Aspekte entdecken wird, aber neue Filme von ihm zu sehen und zu erleben bleibt uns leider nicht vergönnt. Zum Glück gibt es Luc Sante, Donald Albrecht und Sean Corcoran, die sich seiner Geschichten zwischen 1945 – 1950 angenommen haben. Kubrick war hier gerade einmal 17 Jahre alt und der jüngste Fotojournalist des LOOK Magazins. Jetzt erscheint bei TASCHEN die Sammlung seiner Fotografien und auch jene, die es nicht in die Ausgaben einer der populärsten Zeitschriften der damaligen Zeit geschafft haben. Soviel sei verraten, sie zeigen nicht nur die aufkeimende Expertise Kubricks, sondern sind eine wunderschöne Zeitreise in das New York Ende der 40er Jahre. Eine Zeit wie Luc Sante im abschließenden Text des Buches so treffend sagt: „(…) – kurz nach dem Krieg und kurz bevor alle Menschen einen Fernseher hatten – (…)“


©SK Film Archives/Museum of the City of New York

Viel mehr als ein Grundlagenstudium

Es gab ein Foto, welches Kubrick die Tür zum LOOK Magazin öffnete: Ein Besitzer eines Zeitschriftenkiosks, der betrübt neben der Schlagzeile, dass Roosevelt gestorben sei, dreinschaut. Kubrick gab später zu, den Mann auf dem Bild motiviert zu haben traurig zu schauen. Was damals bei Fotojournalisten üblich war und heute recht verpönt ist, gibt auch einen Hinweis auf seine inszenatorische Zukunft als Regisseur. Das Buch THROUGH A DIFFERENT LENS: STANLEY KUBRICK PHOTOGRAPHS lädt auf jeden Fall dazu ein, Szenen aus Kubricks Filmen in den abgebildeten Fotografien wiederzuerkennen. Es gibt mindestens zwei Bilder, auf denen man den zukünftigen Dr. Strangelove erkennen wird, aber auch Kubricks unverkennbare Art und Weise Menschen zu präsentieren keimten hier bereits auf. Seine Kameraperspektiven haben manchmal etwas Voyeuristisches, wenn er zum Beispiel sich küssende Pärchen in der U-Bahn fotografiert oder Menschen in ihrem Alltag zeigt, wie einen Boxer beim Frühstück oder eine Schauspielerin bei der Selbstinszenierung in der Öffentlichkeit. In diesen jungen Jahren als Fotograf weisen seine Bilder bereits eine enorme Stärke für den Bildausschnitt und die Perspektive auf. Kubrick sagte selbst, dass er in den Jahren als Fotoreporter die Stadt New York und ihre Menschen genau kennengelernt hat. Für ein Talent und einen Künstler wie ihn, der weiß was er will, war es die sicherlich bessere Wahl als ein Filmstudium. Zum Film kam er in seiner Freizeit als Fotograf, wenn er eine Kinovorstellung nach der anderen besuchte und die Filmtheoriebücher seines technischen Leiters beim LOOK Magazin Arthur Rothstein, eine Ikone des Fotojournalismus der damaligen Zeit, Stück für Stück verschlang.


© TASCHEN

Gestaltung & Inhalt

Neben den interessanten Einblicken in das frühe Talent eines der berühmtesten Filmregisseure des 20. Jahrhunderts ist STANLEY KUBRICK PHOTOGRAPHS perfekt aufgebaut. In chronologischer Reihenfolge werden seine Berufsjahre beim LOOK Magazin eingeteilt. Von 1946–1950 werden seine Fotoreportagen, die zum Ende seiner dortigen Karriere immer aufwändiger und prominenter werden, kapitelweise dargestellt. Die Originalseiten des Magazins werden abgebildet, was ebenfalls noch einen interessanten Blick in die damaligen Werbeanzeigen und Layouts wirft. Die veröffentlichten Bilder werden aber noch einmal in hoher Qualität ganzseitig abgebildet. Hier zeigt sich der hohe Standard, den Benedikt Taschen bei der Gründung seines Verlages 1980 angestrebt hatte. Selten gehen Bilder über eine Doppelseite, so dass man die ganze Qualität der Fotografien ungebrochen genießen kann. Weiterhin wurden noch Bilder aus den Archiven in die Kapitel aufgenommen. Das ist nicht nur interessant wegen des Entscheidungsprozesses für bestimmte Motive, sondern bildet noch einmal eine ganz neue Perspektive auf die Reportage und setzt noch einiges an Stimmung und Zeitreise-Feeling frei. Bei diesem Aufbau und umfassenden Komplettpaket bleiben keine Wünsche übrig. Die Bildtexte sind in englischer Sprache. Die umfassenden Texte der Kuratoren Sean Corcoran und Donald Albrecht und des Autoren Luc Sante von dieser in Papier gebannten Fotoausstellung sind in Englsich, Deutsch und Französisch abgedruckt: Ein europäisches Multitalent von einem Fotoband.

Fazit

Für mich eine der Entdeckungen des Jahres im Medium Buch. Nicht nur wegen der Möglichkeit in die künstlerische Jugend von Stanley Kubrick zu reisen, sondern auch in die Stadt New York Ende der 40er Jahre. Somit ist THROUGH A DIFFERENT LENS: STANLEY KUBRICK PHOTOGRAPHS nicht nur ein Instantkauf für Kubrick-Fans, sondern auch für alle Liebhaber von Straßenfotografie und Fotoreportern der monochromen Geschichte unserer Gesellschaft.

stanley kubrick photographs through a different lens Cover TASCHEN

Stanley Kubrick Photographs. Through a Different Lens

Luc Sante, Sean Corcoran, Donald Albrecht

Hardcover, 26,7 x 33 cm, 328 Seiten
ISBN 978-3-8365-7232-3
Mehrsprachige Ausgabe: Deutsch, Englisch, Französisch
TASCHEN

Zum Autor

Der renommierte Schriftsteller und Kritiker Luc Sante schrieb über Fotografie, Film und Musik für Zeitschriften wie The New York Review of Books, Interview und Harper’s und verfasste zudem Beiträge zu TASCHENs THE ROLLING STONES.

Die Koautoren

Sean Corcoran ist Kurator für Druckgrafik und Fotografie am Museum der Stadt New York, zuvor arbeitete er als Hilfskurator für Fotografien im George-Eastman-Haus.

Donald Albrecht ist Kurator für Architektur und Design am Museum der Stadt New York.

www,taschen.com

Gewinnspiel (Leider vorbei)

Wir verlosen mit freundlicher Unterstützung von TASCHEN ein Exemplar von “Stanley Kubrick Photographs. Through a Different Lens”.

Was müsst ihr tun, um am Gewinnspiel teilzunehmen?

Verratet uns, welcher Film von Stanley Kubrick euch visuell am meisten beeindruckt hat. 

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Der Gewinner wird per Zufall gezogen.
Das Gewinnspiel endet am 24.06.18 um 23:59. Mit eurer Teilnahme akzeptiert ihr die Teilnahmebedingungen.

 

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Chefredakteur

Kann bei ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT mitsprechen / Liebt das Kino, aber nicht die Gäste / Hat seinen moralischen Kompass von Jean-Luc Picard erhalten / Soundtracks auf Vinyl-Sammler / Stellt sich gern die Regale mit Filmen voll und rahmt nur noch seine Filmposter

29 Gedanken zu “Stanley Kubrick Photographs. Through a Different Lens – Buchvorstellung

  1. So langweilig es klingt, ist “2001” visuell so stark, dass es nicht nur mehrere Generationen von Regisseuren geprägt hat, sondern auch die Art, wie ich die visuelle Kunst wahrnehme. Es gibt von Kubrick glaube ich keinen Film, der so wunderschön aussieht wie dieser! Nicht nur in seinem Bildaufbau sondern auch in der Farbpracht 🙂 Das ist mein Favorit !

  2. Visuell ist Kubrick unheimlich spannend, da hat jeder Film eigene charmante Details zu bieten; sei es nun das Spiel mit Licht und Schatten sowie der Positionierung der Akteure im Bild bei THE KILLING, die klaustrophobischen Aufnahmen aus den Schützengräben in PATHS OF GLORY oder die genialen Aufnahmen bei Kerzenlicht in BARRY LYNDON. Mein Favorit ist allerdings SPARTACUS mit seinen grandiosen Massen-Szenen, einfach überwältigend.

  3. Eindeutig 2001: Odyssee im Weltraum. Unglaublich, wie weit Kubrick seiner Zeit besonders mit diesem Film voraus war.

    Seit ich im “Stanley Kubrick Archive” (ebenfalls von TASCHEN) zum ersten Mal von seinen Fotocrafien gelesen hab, wollte ich die genauer unter die Lupe nehmen. Dass die nun in so einem aufwändigen Band erschienen sind,ist einfach der Wahnsinn. Richtig schönes Gewinnspiel.

  4. Definitiv der Klassiker schlechthin…. Uhrwerk Orange. Ich liebe diesen Fipm seit dem ersten mal als ich ihn gesehen habe.

    Da ich selber auch fotografiere wäre diesesBuch eine passende Ergänzug zu meiner Film und Fotografiesammlung.

  5. 2001: Odyssee im Weltraum ist mein Lieblings- Film von Stanley Kubrick. Die filmische Umsetzung ist toll und richtig super 🙂 gelungen
    Er hat nichts von seiner Faszination verloren!!!!

  6. Ich denke jeder seiner Filme ist visuell grandios. “2001” geradezu bahnbrechend für seine Zeit und das Jahrzehnt danach. “Uhrwerk Orange” mit seinem übertrieben comichaften Style ist zeitlos und war seiner Zeit voraus – mein Favorit ist allerdings “Shining”… kein anderer Film, den ich kenne erzeugt mit seinen Bildern eine solch unterschwellig bedrohliche, gruselige Atmosphäre.

  7. Okay. Alle setzen wahrscheinlich auf 2001. Ist natürlich auch gerechtfertigt. Aber für mich persönlich ist EYES WIDE SHUT visuell (auf eine andere Art u. Weise) ganz weit vorne. Bei mir haben die Bildkompositionen eine grosse Sogwirkung und Faszination ausgelöst.

  8. Es ist wirklich schwer, sich da festzulegen. Für mich ist es neben “2001” aber auch “The Shining”. Und “Clockwork Orange”. Wobei “Dr. Strangelove” auch nicht vergessen werden darf. Hmm. Ich bleibe bei “The Shining”. Oder…

  9. Visuell sind Kubricks Filme natürlich umwerfend, aber seine zeitdehnende Erzählweise hemmt für mich in den meisten Fällen den Filmgenuss. Nichtsdesto trotz finde ich “2001 – Odyssee im Weltraum” einer seiner besten Filme. Wegen seiner Bildsprache und vor allem wegen seiner Aussage.

  10. Mit seiner meist erdrückenden “Bildgewalt” ist es schwierig einen Favoriten herauszupicken. Dennoch ist “Shinning” der Film welcher mich persönlich visuell am meisten beeindruckt hat.

  11. “Barry Lyndon”… ich finde den ziemlich unterbewertet. Er ist jetzt nicht das grösste Meisterwerk, aber die Ästhetik ist atemberaubend.

  12. Visuell sehr ansprechend fand ich auf jeden Fall “A Clockwork Orange”. Ein Film, der nicht nur visuell beeindruckt und den Zuschauer prägt.

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