Spider-Man: Into the Spider-Verse – Filmkritik

Neues Universum, neuer Spider-Man

Ob nun Tobey Maguire, Andrew Garfield oder aktuell Tom Holland, eins war doch immer für den Zuschauer klar: Spider-Man ist Peter Parker und Peter Parker ist Spider-Man. Auch nach sechs Filmen mit zwei Reboots, war dies eine Konstante in der ansonsten sehr durcheinander geratenen Geschichte des Spider-Man-Franchise. Mit SPIDER-MAN: INTO THE SPIDER-VERSE wird jetzt noch eine Schippe draufgelegt. Jedenfalls für diejenigen, die die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft bisher nur auf der Kinoleinwand verfolgt haben. Im neuen Sony-Marvel-Projekt, bei dem gleich drei Regisseure Hand angelegt haben, spielt nämlich Miles Morales die Hauptfigur. Miles Morales ist Spider-Man? Wie viele gibt es jetzt von der Sorte? Eine Menge. Wer jetzt verwirrt ist, sollte sich ab dem 13.12.2018 ins Kino begeben und selbst herausfinden wohin das führt.

Inhalt

Eine neue Schule und es gibt große Erwartungen von Seiten der Lehrer und Eltern. Der Druck der auf Miles Morales liegt, wiegt schwer. Das er erst kurz vorher von einer radioaktiven Spinne gebissen wurde und somit unglaubliche Fähigkeiten erlangt hat, hilft dabei auch nicht gerade. Zu allem Überfluss experimentiert der Bösewicht Kingpin heimlich unterhalb der Stadt New York mit einem Dimensions-Portal. Dass so etwas zu nichts Gutem führt, sollte wohl allen klar sein. Ausschließlich Miles hat die Fähigkeit ihn aufzuhalten, aber wie soll er das allein schaffen? Er ist nur ein Junge aus Brooklyn und nicht der glänzende Superheld Spider-Man, den alle kennen und lieben.

Spider-Man:Into the Spider-Verse Szene 7 ©SonyPictures

Auch was für Neueinsteiger

SPIDER-MAN: INTO THE SPIDER-VERSE basiert auf der Ultimate Spider-Man-Comicreihe und ist damit eine parallele Welt zum bisher bekannten Spider-Man-Universum. Das Marvel-Multiversum ist für Comic-Begeisterte kein neuer Schuh, alle anderen werden hier jedoch etwas unsanft ins kalte Wasser geworfen. INTO THE SPIDER-VERSE versteht es zum Glück gut dem Zuschauer dieses über Jahrzehnte aufgebaute Multiversum zu erklären, so können auch Neueinsteiger der Handlung rund um Miles gut folgen. Das solltet ihr auch unbedingt machen, denn der neue Spider-Man ist etwas, was man so noch nicht auf der großen Leinwand gesehen hat.

Ganz eigener Stil

Der Film ist ein zum Leben erwecktes Comicheft und damit eine erfrischende Abwechslung zu den üblichen Marvel- und DC-Helden-Blockbuster. Dabei wird ein ganz eigener Animation-Stil kreiert. Der Comic-Ursprung wird immer wieder über Sprechblasen, ausgeschriebene Geräusche und Schattierungen auf den Figuren deutlich. Dazu gibt es einzelne Szenen, die in einem Comic-Panel eingebettet sind, um kurz darauf wieder aus dem Rahmen auszubrechen. Dabei wirkt der Film keineswegs kindisch oder niedlich, wie z. Bsp. bei Pixar. Zwischen diesen stilistischen Mitteln schafft es der Film zusätzlich den Zuschauer mit realistischen und beeindruckend Bildern zu verzaubern. Wenn Spider-Man kopfüber in die New-Yorker-Nacht springt sieht das einfach atemberaubend und enorm cool aus.


© SonyPictures

Action, Spaß und Drama

Etwas gewöhnungsbedürftig ist diese Aufmachung in den vielen Actionsequenzen. Hier muss sich das Auge erst an die schnellen Bildwechsel und die bunten Farben gewöhnen. Hat man das geschafft, ist es einfach nur noch schön anzusehen. Dass der Film bereits ab 6 Jahren freigegeben ist, vermutet man in diesen rasanten Sequenzen nicht, vielmehr überrascht die Härte mit der hier teilweise gekämpft wird. Auch abseits der Action ist SPIDER-MAN: INTO THE SPIDER-VERSE nicht der übliche Kinderfilm. Ohne zu viel zu verraten, nicht alle Figuren werden das Abenteuer unbeschadet überstehen. Obendrein beschäftigt sich der Film mit ernsten Themen: Nimmt man einmal das Superheldenkostüm weg, versteckt sich hierbei eine typische Coming-of-Age-Geschichte: Versagensängste, Leistungsdruck und Isolation sind auch mit Superkräften Probleme, mit denen man sich als Jugendlicher auseinandersetzen muss. Erfreulicherweise schafft es der Film dem jungen Publikum klaren Mut zu zu sprechen. Jeder kennt solche Ängste und selbst erwachsene Superhelden sind nicht davor gefeilt. Wir alle scheitern einmal, wichtig ist das man danach wieder aufsteht.

Spider-Man: Into the Spider-Verse // © SonyPictures

Richtig was aufs Ohr

Obwohl INTO THE SPIDER-VERSE diese wichtigen und dramatischen Momente hat, gibt es auch genügend humorvolle Szenen. Ähnlich wie sein Filmkollege Deadpool hat auch Spider-Man oft genug einen coolen Spruch auf den Lippen. Hinzu kommen Slapstick-Einlagen, Meta-Witze und pop-kulturelle Anekdoten, die die düstere Geschichte immer wieder auflockern. Dazu gibt es unzählige winzige Details, die man nebenbei entdecken kann. Alles umrahmt von einem phantastischen Soundtrack. Der urbane Sound von Musikern wie Post Malone oder Drake, sowie der abwechslungsreiche Score von Daniel Pemberton (CODENAME U.N.C.L.E., KING ARTHUR) fangen das Lebensgefühl Brooklyns wunderbar ein.

Nicht gerade kurz

Dafür ist INTO THE SPIDER-VERSE aber auch ein ganz schönes Brett für die jungen Kinozuschauer. Mit 117 Minuten Spielzeit braucht es schon einiges an Sitzfleisch bis man das Ende von Miles erstem Spider-Man Abenteuer zu Gesicht bekommt. Der Film lässt sich sehr viel Zeit um seine Geschichte und besonders um den Charakter von Miles auszubauen. Hinzu kommen die zahlreichen Nebenfiguren, die auch mal mehr, mal weniger mit Hintergrundinformationen ausgestattet werden. Von Marry Jane, Tante May, Dr. Otto Oktavius bis Gwen Stacy, finden viele bekannte Figuren ihren Auftritt. Bis dann alles erst einmal ins Rollen kommt, dauert es eine Weile. Danach ist die Geschichte trotzdem nicht gehetzt und so werden besonders die kleinen Zuschauer mit ihrer Aufmerksamkeit auf die Probe gestellt. Eine halbe Stunde weniger, hätte der Geschichte nicht geschadet und etwas knackiger erzählt. Das ist aber Kritik auf hohem Niveau, da man als Zuschauer zu keinem Zeitpunkt gelangweilt wird.

 

Spider-Man: Into the Spider-Verse // © SonyPictures

Fazit

SPIDER-MAN: INTO THE SPIDER-VERSE ist noch einmal kurz vor der Weihnachtszeit ein echter Kino-Knaller. Comic-Fans werden hier absolut ihren Spaß haben, aber auch Marvel-Fans sollten sich den Streifen ruhig gönnen. Obwohl der Comic-Look und der junge Held die Intension eines Kinderfilms weckt, kann man auch als Erwachsener hierbei richtig Spaß haben. Es gibt wenig am Film und seiner Geschichte auszusetzen. Solche frischen und neuen Ideen kann es ruhig öfter im Superhelden-Film-Gewerbe geben.

Titel, Cast und CrewSpider-Man: A New Universe (2018)
OT: Spider-Man: Into the Spider-Verse
PosterFilm Poster
ReleaseKinostart 13.12.2018
ab dem 18.04.19 auf Blu-ray
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RegisseurBob Persichetti
Peter Ramsey
Rodney Rothman
Trailer
BesetzungShameik Moore (Miles Morales)
Jake Johnson (Peter B. Parker)
Hailee Steinfeld (Gewn Stacy)
Mahershala Ali (Uncle Aaron)
Brian Tyree Henry (Jefferson Davis)
Lily Tomblin (Aunt May)
DrehbuchPhil Lord
ComicvorlageBrian Michael Bendis
Sara Pichelli
Steve Ditko
Stan Lee
MusikDaniel Pemberton
SchnittRobert Fisher Jr.
Filmlänge117 Minuten
FSKab 6 Jahren

 

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