Slasher – Solstice: Staffel 3 | Serienkritik

Das Sub-Genre des Slashers ist in den letzten Jahren in Bewegung gekommen. Frische Ideen bringen neuen Schwung in das angestaubte Genre wie ein HELL FEST (2018), HE‘S OUT THERE (2018), PITCHFORK (2016) oder THE WINDMILL MASSACRE (2016). Dabei hervorgetan hat sich unter anderem auch die kanadische SLASHER-Reihe. Drehbuchautor und Produzent Aaron Martin ist der geistige Vater dieser Anthologie-Serie, die ganz nach dem Konzept des großen amerikanischen Vorbildes AMERICAN HORROR STORY (AHS) abläuft. In der aktuellen neunten Staffel von AHS geht es ebenfalls um den Slasher. Bisher gab es zwei Staffeln der SLASHER-Reihe, die eher durchschnittlich ausfielen, aber erfolgreich genug, dass eine dritte Staffel an den Start ging. Das Konzept ist unverändert: Eine in sich geschlossene Handlung und eine Handvoll Schauspieler, die in unterschiedliche Rollen schlüpfen, um einen Wiedererkennungswert beim Zuschauer zu generieren.

Ein kurzer Blick zurück

Staffel 1 (2016)

Sarah Bennet kehrt mit ihrem Mann Dylan zurück in die Stadt, in der ihre Eltern 1988 am Halloween-Abend brutal abgeschlachtet wurden. Kurz nach ihrer Ankunft ereignen sich neue Morde und der Killer trägt die identische Verkleidung wie der Mörder ihrer Eltern, der schon seit Jahren im Gefängnis sitzt. Jeder Bewohner der kleinen Stadt ist verdächtig und die Polizei tappt im Dunkeln.

Der Mord am Halloween-Abend provoziert einen Vergleich mit dem Klassiker HALLOWEEN von John Carpenter aus dem Jahre 1978, doch das ist nicht alles. Es gibt hier jede Menge weiterer Motive aus diversen Filmen und Serien zu entdecken. In der deutschen Synchro wird der Killer als „Der Vollstrecker“ bezeichnet, das hört sich zwar irgendwie nach einem Edgar-Wallace-Film an, ist aber soweit richtig, denn im Original heißt er „The Exekutor“. Die Charaktere des Films spielen dagegen eher in der B-Liga, ebenso die Dialoge, die stellenweise sehr naiv und einfältig ausfallen. Echte Spannung will nicht so richtig aufkommen. Das Ganze gestaltet sich wie das bekannte „Whodunit“ aus Krimis und Thrillern. Dagegen sind die Momente, wenn der Vollstrecker auf der Bildfläche erscheint, die stärksten der Staffel. Ebenso trifft das auf die Todesarten zu, die zum einen sehr ausgefallen und zum anderen überaus deftig sind. Allerdings, allzu viel gibt es von diesen Szenen nicht zu sehen, doch das Highlight, die Kreissäge, gibt es in voller Länge zu bewundern.

Staffel 2: Guilty Party (2017)

Diesmal geht es ab in den Schnee und in einen dunklen Wald, natürlich abseits jeder Zivilisation. Vor fünf Jahren beging eine Gruppe junger Leute in einem Sommercamp einen Mord. Im Winter kehren sie an den Ort des Verbrechens zurück, um die letzten Beweise verschwinden zu lassen. Mittlerweile hat sich in der einsamen Berghütte eine spirituelle Gruppe eingerichtet. Kurz nach der Ankunft der Jugendlichen sind die ersten Toten zu beklagen. Einer der Anwesenden ist zum Rächer und gnadenlosen Killer mutiert.

Der erste Mord ist gleich ein dickes Brett und reist den Zuschauer aus seiner Lethargie. Ansonsten laufen wir hier dem bekannten Horrorfilm ICH WEISS, WAS DU LETZTEN SOMMER GETAN HAST (1997) von Jim Gillespie hinterher. Ebenso Produktionen wie COLD PREY – EISKALTER TOD (2006), DEAD SNOW (2009) oder DER EISIGE TOD (WIND CHILL, 2007) grüßen den Betrachter beim Vorbeimarsch. Wie in der ersten Staffel läuft alles nach Schema F ab. Unsympathische, arrogante Jugendliche, die nach und nach von einem unbekannten Killer dezimiert werden. Im Gegensatz zum Vorgänger ist der Splatter-Anteil deutlich höher. Darsteller, die Story, dass Setting und der Spannungsbogen haben sich spürbar gesteigert. Allerdings wurden auch hier all die bekannten Genre-Themen bemüht, die schon in unzähligen Slasher auf ihre Funktionalität geprüft wurden. Neues ist hier nicht zu erwarten.

© justbridge entertainment GmbH

Staffel 3: Solstice (2019)

Die Anthologie-Serie geht in die nächste Runde, ebenso die Hoffnung auf neue Impulse für das Genre. Zumindest die Location, der Apartmentkomplex, bietet eine kleine Neuerung. Alle anderen typischen Slasher-Muster wurden hier strikt unterlaufen, stattdessen wurde vermehrt auf aktuelle Themen gesetzt.

Handlung

Vor einem Jahr, an der Sonnenwende, wurde Kit Jennings (Robert Cormier) von einem maskierten Killer, genannt „Der Druide“, vor seinem Wohnkomplex ermordet. Keiner der Nachbarn griff während der Tat ein, alle sahen mehr oder weniger nur zu. Mit einem erneuten Mord an dem zwielichtigen Frank Dixon (Paulino Nunes) auf offener Straße meldet sich „Der Druide“ zurück. Auf den Tag genau und seine Opfer sind nun die schaulustigen Nachbarn von damals. Die Angst geht im Apartmenthaus um. Wer steckt hinter der Maske und wer wird das nächste Opfer sein?

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Review

Gleich bei der ersten Folge von SOLSTICE wird jedem klar: Das 18er-Rating hat er sich verdient. Der Härtegrad nimmt noch einmal deutlich zu, ebenso der Body-Count. Der Killer, hier als „Der Druide“ bezeichnet, geht äußerst sadistisch und brutal vor. Besonders sticht bei allen Hinrichtungen hervor, dass sie immer einen persönlich wichtigen Teil des Opfers widerspiegeln. Das erinnert sofort an SAW (2004), bei dem ebenfalls ein Teil der Persönlichkeit jedes Opfers, oder dessen Taten, sich in den Bestrafungen widerspiegelte. Zum Ende treiben wir dann etwas zu sehr in Richtung „Torture Porn“ und SAW, was unweigerlich fehl am Platz wirkt. Bis auf diesen kleinen Ausrutscher sind die restlichen Morde jedoch eindrucksvoll inszeniert. Brachial, brutal, ungewöhnlich oder sadistisch, die richtige Mischung für einen modernen Slasher. Das Design, wie auch das Auftreten des Killers, erinnert an die großen Klassiker. Ruhig, konzentriert, und mit „Hingabe“ geht der Druide bei seinem blutigen Handwerk vor. Übrigens, die Druiden gehörten der keltischen Gesellschaft an, in der sie eine enorm wichtige Bedeutung hatten. Sie stellten die geistige Elite aus Religion und Philosophie dar und gehörten überwiegend der Adelsschicht an. Das genaue Gegenteil unseres Druiden.

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… und sonst?

Als Regisseur wurde dieses Mal der 1977 in Montréal, Québec, geborene Kanadier Adam MacDonald, angeheuert. Dass er genau der richtige für diesen Job ist, demonstriert er in SOLSTICE sogleich eindrucksvoll. Ein großes Plus bei MacDonald‘s Verpflichtung dürfte sicher gewesen sein, dass er selbst ausreichend Erfahrung als Schauspieler gesammelt hat. Vor SLASHER – SOLSTICE übernahm er sowohl Regie wie das Drehbuch bei seinen beiden Horrorfilmen BACKCOUNTRY (2014) und PYEWACKET: TÖDLICHER FLUCH (2017). Zwar ist MacDonald noch immer als Schauspieler in einigen TV-Serien unterwegs, doch das Hauptaugenmerk gilt zur Zeit seiner Karriere als Regisseur und Drehbuchautor.

Erwähnenswert sind diesmal die Ausleuchtung einzelner Szenen, der gezielte Einsatz von Farbakzenten, spannende Kamerafahrten, sowie eine gelungene Schnittfrequenz, die zur Spannung beitragen. Hervorheben möchte ich auch die ansprechenden Leistungen der Darsteller, die einen guten Job gemacht haben. Alle schaffen es mit ihren Charakteren zu überzeugen und die Zeit, die ihnen dort gewährt wird, positiv zu nutzen.

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Da wäre noch etwas …

Als unbequem empfindet der Betrachter sicherlich nach einigen Folgen die Unmengen an brisanten Themen, die hier zur Sprache kommen. Nicht falsch verstehen, aber die Menge macht das Gift. Jedes Thema, welches die Medien in den letzten Jahren zum Gegenstand einer öffentlichen Diskussion machte, ist in diesem Schmelztiegel präsent. Verdichtet zu einer Gemeinschaft des Hasses. An vorderster Stelle wäre das isolierte und anonyme Leben in der Großstadt zu nennen. Ein weiteres wichtiges Thema sind die Schaulustigen, die nur darauf aus sind, den nächsten blutigen Clip auf Facebook und Co. hochzuladen, anstatt zu helfen. Wo wir gerade bei Schaulustigen sind: Regisseur Adam MacDonald schafft es, den geneigten Zuschauer gleich mit auf die Anklagebank zu setzen. Denn im gewissen Sinne sind auch wir Schaulustige des Grauens und des Blutes.

Weiter geht es mit Smartphones und deren Nutzungssucht mit Followern, Influencern und Likes, Facebook, Twitter, Instagram, Homosexuelle, Muslime und der IS, Rassismus und Terrorismus, soziale Ausgrenzung, Vorurteile, Egoismus, Alkoholiker, Geisteskranke, Nymphomanen und Bisexuelle. Alles was Rang und Namen in den medialen Diskussionen hat, ist hier zu finden. Hinter jeder Tür des Wohnkomplexes lauert ein anderer Konflikt auf den Besucher. Es ist ein Gang durch ein großes Minenfeld, eine Hitparade von Streitfragen und Probleme unserer Tage. Sie sind der Funke für das Feuer, das alles in den Abgrund reist und für die Katharsis der Überlebenden notwendig. Doch diese Unmengen an Themen irritieren auf Dauer, da die Konzentration auf das Wesentliche schwerfällt.

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Fazit

Während Staffel eins noch relativ zahm und zahnlos daherkam, war eine Steigerung in der zweiten Staffel deutlich erkennbar. Umso schöner zu sehen, dass sich Schöpfer und Produzent Aaron Martin und sein Team erneut ein Herz gefasst haben und noch eine Schippe draufgelegt wurde. SOLSTICE ist der bisherige Höhepunkt der SLASHER-Reihe mit einem überzeugenden Killer, drastischen Morden und einer spannenden Story. Ich bin gespannt, was als nächstes kommt. Denn eines ist so sicher wie das Amen in der Kirche: Der Killer kommt garantiert zurück, egal in welcher Verkleidung.

© Stefan F.

Titel, Cast und CrewSlasher (2016 - 2019)
ReleaseStaffel 1: seit dem 27.10.2017 auf Blu-ray und DVD
Staffel 2: seit dem 12.10.2018 auf Blu-ray und DVD
Staffel 3: seit dem 27.03.2020 auf Blu-ray und DVD

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RegisseurAdam MacDonald
Trailer




BesetzungDean McDermott (Dan Olenski)
Baraka Rahmani (Saadia Jalalzai)
Mercedes Morris (Jen Rijkers)
Lisa Berry (Detektiv Roberta Hanson)
Gabriel Darku (Connor Rijkers)
Salvatore Antonino (Angel Lopez)
Paula Brancati (Violet Lickers)
Ishan Davé (Detektiv Pujit Singh)
Robert Cormier (Kit Jennings)
Joanne Vannicola (Amber Ciotti)
Erin Karpluk (Kaili Greenberg)
DrehbuchAaron Martin
Ian Carpenter
Lucie Pagé
KameraNick Haight
FilmmusikShawn Pierce
SchnittJason PJ Deschamps
Joel Varickanickal
FilmlängeStaffel 1: 380 Minuten (8 Folgen)
Staffel 2: 378 Minuten (8 Folgen)
Staffel 3: 380 Minuten (8 Folgen)
FSKab 18 Jahren

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