Sicario 2 Day Of The Soldado Josh Brolin Benicio Del Toro

Sicario 2 – Filmkritik

„Weiterführung geglückt“

Als Denis Villeneuve 2015 ein Actiondrama, welches im mexikanischen Kartellnetzwerk spielt in die Kinos brachte, hatte keiner mit dem visuell und inhaltlich packenden Geniestreich SICARIO gerechnet. Für Regisseur Villeneuve (ARRIVAL, BLADE RUNNER 2049) war es der letzte große Schritt zu internationalem Ansehen und Drehbuchautor Taylor Sheridan (WIND RIVER) rückte ebenfalls  in den Fokus der Filmproduzenten. SICARIO schaffte es nicht nur ehrlich und vielschichtig die Zusammenhänge der USA mit ihrem ungeliebten Nachbarn Mexiko zu verdeutlichen, sondern hatte einen überraschenden Twist am Ende zu bieten, sowie eine starke weibliche Hauptrolle (Emily Blunt), die völlig machtlos gegen das organisierte Verbrechen kämpfte. Der Erfolg des Films war bei den Zuschauern und Kritikern enorm. Taylor Sheridan als Drehbuchautor scheute sich nicht davor, die Geschichte der Sicario  –  die Bezeichnung für einen mexikanischen Auftragskiller  –  als Trilogie zu erzählen. Villeneuve übergab den Regiestuhl zu SICARIO 2, auf Grund der Dreharbeiten von BLADE RUNNER 2049, an den Italiener Stefano Sollima (Serie GOMORRAH, SUBURRA). Sollima kennt sich mit der Thematik des organisierten Verbrechens aus, Benicio del Toro und Josh Brolin sind wieder in den Hauptrollen zu sehen und Sheridan setzt die Geschichte fort. Da kann eigentlich nichts schiefgehen.


© Studiocanal

Inhalt „Sicario 2“

In einem Supermarkt in den USA sprengen sich mehrere Terroristen in die Luft und vierzehn amerikanische Bürger sterben bei diesem Anschlag. Da kurz vorher bei einer Festnahme an der Grenze zu Mexiko sich ebenfalls jemand mit der gleichen Technik in die Luft sprengte, vermutet das Verteidigungsministerium einen Zusammenhang. Matt Graver, gespielt von der aktuellen Dauerkinopräsenz Josh Brolin (AVENGERS: INFINITY WAR; DEADPOOL 2 und NO WAY OUT), wird beauftragt mit allen Mitteln die mexikanischen Komplizen aus dem Weg zu räumen, die dafür gesorgt haben, dass die Terroristen ins Land gelangen konnten. Nebenbei erklärt der Verteidigungsminister, die mexikanischen Kartelle zu Terrorzellen und schon ist der rechtliche wie ressourcenstellende Teil erledigt. Graver entwickelt zusammen mit Alejandro (Benicio Del Toro) den Plan, die Tochter des stärksten Kartellbosses zu kidnappen und es so aussehen zu lassen, als ob es die Konkurrenz des Drogenbosses war, um einen Kartellkrieg heraufzubeschwören. Trotz des amerikanischen Profisoldaten Graver der alle Mittel und Genehmigungen auf seiner Seite hat, und seinem Sicario-Zögling Alejandro, klappt nicht alles wie geplant. Mexiko ist launisch und gut vernetzt.

Soldaten mit allen Befugnissen

Im englischen Original heißt der Film SICARIO: DAY OF THE SOLDADO was andeutet, dass es hier nicht mehr um Profikiller gehen wird, sondern um Soldaten für Spezialaufträge. SICARIO 2 beweist, welch dünne Trennlinie zwischen diesen beiden moralisch fragwürdigen Berufen steht. Josh Brolin zeigt wieder einmal, welche Qualität er trotz seines vollen Terminkalenders als Schauspieler besitzt. Als selbstgefälliger Berater des Verteidigungsministeriums Matt Graver, ist er effektiv und lässt sich von Gefühlen nicht von einem Auftrag abhalten. Er ist keiner, der im Hintergrund die Fäden zieht, sondern immer im direkten Einsatz dabei. Brolin schafft es jedoch, in die Figur etwas Sympathie zu bringen und selbst mit ein paar Blicken die Bedenken Gravers wiederzugeben. Benicio del Toro spielt den emotional abgestorbenen Alejandro, der jedem Kartell eine blutige Rache geschworen hat. Aber seine Figur bekommt ebenfalls ein Ereignis zur persönlichen Veränderung: Die entführte Isabel Reyes. In ihr erkennt er das Schicksal seiner Tochter. Del Toro hat wieder eine ungeheure Leinwandpräsenz und schafft es selbst in Szenen, in denen jede Menge Waffen auf ihn gerichtet sind, pure Gefahr auszustrahlen. Isabel wird von der jungen Isabela Moner, die man eventuell aus TRANSFORMERS: THE LAST KNIGHT kennt, gespielt. In SICARIO 2 entfaltet sie ihr Talent komplett und spielt überzeugend die verzogene Tochter eines Kartellbosses, die zum ersten Mal wirklich Angst kennenlernt. Lediglich Eliah Rodriguez als Miguel Hernandez fehlt es charakterlicher Tiefe. Seine Motivation nur des Geldes wegen zum Verbrecher zu werden, ist schwer nachzuvollziehen, aber das ist wohl eher dem Drehbuch zuzuschreiben.


© Studiocanal

Veränderungen sind unumgänglich

Abgesehen vom Regiewechsel zu Stefano Sollima, der seine Aufgabe blendend erfüllt, bewegt sich der Film auf den bekannten Bahnen seines Vorgängers. Nach dem Tod des Komponisten Jóhann Jóhannsson (VOR UNS DAS MEER, ARRIVAL) übernahm seine langjährige Kollegin Hildur Guðnadóttir die Rolle der Filmkomponistin. Dies gelingt ihr mit bedrohlichen und spannenden Klängen, aber auch das bekannte „The Beast“ aus dem ersten Teil von Jóhannsson ist ansatzweise zu hören. Sie schafft es in einer der schönsten Szenen des Films, wenn Alejandro auf eine arme Farmerfamilie trifft und in Gebärdensprache kommuniziert, die Herzen der Zuschauer für kurze Zeit zu beschwichtigen. Gern hören wir in Zukunft mehr von der Komponistin.
SICARIO 2 fehlt vielleicht etwas die kompromisslose Inszenierung Villeneuves, aber dafür macht der Film auch viele Aspekte interessanter. So wird mit dem Schleppergewerbe über die mexikanische Grenze eine neue Rolle des Verbrechens dargestellt und gibt ebenfalls einen kräftigen Nebengeschmack auf die aktuelle Flüchtlingssituation in Europa. Die USA als politisch motivierte Auftraggeber, perfekt personifiziert von Catherine Keener (CAPOTE), die das Ganze erst heraufbeschwören, sind am Ende noch viel seelenloser und kälter als die Soldaten. Das selbsternannte Land der Freiheit bekommt hier das Verhalten eines kopflosen trotzigen Kindes, welches immer auf der Welle der medialen Meinung schwimmt und trifft auch hier politisch aktuelle Fakten.

Fazit

Im Schatten des SICARIO Meisterwerks zu bestehen ist sicherlich eine Herausforderung für den zweiten Teil der hoffentlich kommenden SICARIO-Trilogie. Auch wenn in diesem gehaltvollen Drama ohne Hoffnungsschimmer die ungewöhnliche Erzählweise des Erstlings fehlt, schafft der Film es dennoch sehr viele neue Aspekte in dieser verhängnisvollen Nachbarschaft von Mexiko und den USA auszuloten. Die Spannung auf das Finale der Trilogie ist nur noch höher bei dem Gedanken, ob vielleicht im nächsten Jahr unserer Realität eine riesige Mauer in  beide voneinander trennen soll. Der Autor Taylor Sheridan wird erzählerisch sicher auch diese Blockade niederreißen.

 

Ihr seid vom Film noch nicht überzeugt? Dann schaut doch mal bei der Review von SICARIO 2 bei „Die Nacht der lebenden Texte“ vorbei.

Titel, Cast und Crew

Sicario 2 (2018)
OT: Sicario: Day of the Soldado

Poster

Sicario 2 Filmplakat

Kinostart

19.07.18

Regisseur

Stefano Sollima

Trailer

Besetzung

Benicio del Toro (Alejandro)
Josh Brolin (Matt Graver)
Isabela Moner (Isabel Reyes)
Jeffrey Donovan (Steve Forsing)
Cathrine Keener (Cynthia Foards)
Manuel Garcia-Rulfo (Gallo)
Matthew Modine (James Riley)

Drehbuch

Taylor Sheridan

Kamera

Dariusz Wolski

Musik

Hildur Guðnadóttir

Schnitt

Matthew Newman

Filmlänge

122 Minuten

FSK

ab 18 Jahren

Chefredakteur

Kann bei ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT mitsprechen / Liebt das Kino, aber nicht die Gäste / Hat seinen moralischen Kompass von Jean-Luc Picard erhalten / Soundtracks auf Vinyl-Sammler / Stellt sich gern die Regale mit Filmen voll und rahmt nur noch seine Filmposter

Keinen Beitrag verpassen
20

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.