Scanners Michael Ironside

Scanners-Trilogie – Filmkritik & Review zum Mediabook

„Sinneserweiterung“

Cronenbergs Original

David Cronenbergs SCANNERS – IHRE GEDANKEN KÖNNEN TÖTEN (SCANNERS, Kanada 1981) gilt als Kultfilm. Unverwechselbar gestaltete der Regisseur seine beängstigende Vision um Randsubjekte der Gesellschaft in stark unterkühlten Bildern. Die Scanners, sie waren mit Beginn der Achtziger bereits so etwas wie die weit tragischere Version der X-Men: Mutanten, denen wiederholt ihre psychische, telekinetische Energie außer Kontrolle gerät und in höchst destruktiven Ausmaßen anschwillt. Wenn ein Scanner durch Einflüsse unterschiedlicher Natur zu stark gereizt wird, dann kippt seine gesamte Präsenz zu einer tödlichen Waffe, welche Personen und Gegenstände in direkter Nähe in fatale Mitleidenschaft zieht.

Scanners Michael Ironside
Darryl Revok (Michael Ironside) in SCANNERS (1981) // © CFDC & Filmplan International

Weltberühmt ist der „Money shot“ aus Cronenbergs originalem SCANNERS, der auch Grundlage für das Cover-Design dieses neuen Mediabooks war. Ein menschlicher Kopf explodiert spektakulär – extreme Strömungsreize der Scanner-Strahlen sind zu viel für die schützende und enorm belastbare Schädeldecke. Von innen heraus bricht der menschliche Geist metaphorisch nach außen, materialisiert sich, zerstäubt. Natürlich war das gerade für den damals „Baron of Blood“ titulierten Cronenberg eine neue Stufe des Körperhorrors. Die Pulverisierung des Gehirnschmalzes, verbunden mit üppiger Masse tiefroten Blutes, Silikonmasse und künstlicher Knochensubstanz, das war im wahrsten Sinne des Wortes ein Knaller.

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Cameron Vale (Stephen Lack) in SCANNERS (1981) // © CFDC & Filmplan International

Neben den wohldosierten, garstigen Effekten ist SCANNERS jedoch weniger Body Horror als vielmehr beklemmender Psychothriller. Dessen Dramatik wird ummantelt von steril-kalten Bildern in Grau- und Blautönen. Die zunehmend postmoderne Architektur Montreals (die spätestens ab den 1990ern eine neue Epoche definierte) dient hier bereits als Modellierung von Künstlichkeit, Unnahbarkeit und Entfremdung. Relativ untypisch in Bezug auf Cronenbergs übrige Arbeit bewegt sich SCANNERS tatsächlich auch innerhalb von „standardisierte[n] Schablonen des Action-Films“ (Thomas J. Dreiboth, 1998), was weiterführend Aussagen hervorbrachte, die dramaturgischen Anschlüsse des Films seien „überaus konventionell gestrickt“ (Manfred Riepe, 2002). Fest steht, dass der Regisseur mit SCANNERS den zuvor ausgeprägt persönlichen Tonfall seiner Filme wie SHIVERS, RABID und besonders DIE BRUT zugunsten einer stärker um sich greifenden, existenziellen Story reduzierte.

Scanners Michael Ironside
Darryl Revok (Michael Ironside) in SCANNERS (1981) // © CFDC & Filmplan International

Die Fortsetzungen

Bis die erste Fortsetzung SCANNERS II: THE NEW ORDER (1991) erschien, dauerte es ganze zehn Jahre. (Der dritte Part, SCANNERS III: THE TAKEOVER, folgte nur ein Jahr später.) Die beiden von Christian Duguay inszenierten Folgeteile, die das SCANNERS-Universum recht flott zur Trilogie ausweiteten, sind beide eher durchschnittliche Direct-to-Video-Produktionen. Doch muss man nicht pauschal abtrünnig über die Sequels sprechen, auch sie besitzen ihre ganz eigenen Qualitäten. Hinsichtlich darstellerischer Leistung (Hauptrolle: David Hewlett) und visueller Gestaltung ist für mich die erste Fortsetzung definitiv nicht ohne Reiz. SCANNERS II rekapituliert in abgewandelter Form die Grundbausteine des Originals und lässt die destruktive Kraft der Scanners mittels pyrotechnischer Effekte deutlich spürbarer werden. Auch hier spielt die Stadt, der urbane Lebensraum in seiner ganzen Ausprägung eine wichtige gestalterische Rolle.

Scanners 2 David Hewlett
David Kellum (David Hewlett) // © Allegro Films

SCANNERS III reduziert die Essenz des Telekinese-Horrors im Gegenzug wieder auf ein einziges Gedankenduell, wenn auch nicht ohne Effekte. Böse Zungen formulierten, der Titel habe mit Cronenbergs Original lediglich das Wort vor der „III“ gemeinsam und sonst nichts. Naja, ganz so einfach geht es aber auch nicht. Zweifellos ist der dritte Teil der schwächste der Reihe, dem das entscheidende Maß an gestalterischer Sorgfalt oder gar dramaturgischer Tiefe abgeht. Doch steht er durchaus im direkten Zusammenhang des kreativen Schöpfungsprozesses des SCANNERS-Universums, lässt also die Trilogie als homogene, wenn auch in der Folge abgeschwächte Einheit funktionieren.

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Helena Monet (Liliana Komorowska) und Elton Monet (Colin Fox) // © Filmtech & Image Organization & Lance Entertainment

Grund genug, der Kult-Trilogie wieder einmal erhöhte Aufmerksam im Ganzen zu schenken und hierfür bietet sich die neue Collector’s (Ultimate) Edition via Wicked-Vision Media im 3-Disc-Mediabook bestens an.

Inhalt und Qualität 3-Disc-Collector’s Edition (Release: 05.10.2018)

Cover Scanners Trilogy Wicked Vision
Scanners-Trilogy im Mediabook © Wicked Vision

Veröffentlichungen, auch der ungekürzten Trilogie, gibt es bereits in HD. Doch ist dieses Package, nicht nur für die, die noch gar keine Fassung zuhause haben, das Nonplusultra. Zunächst möchte ich die drei Scheiben definieren, denn nicht jeder Film kommt auf separater Blu-ray. Der Aufbau ist wie folgt: SCANNERS (1981) in 2K-Remaster auf einer Blu-ray (50GB), anschließend wurden SCANNERS II (1991) und SCANNERS III (1992) auf einer Double-Layer-Disc zusammengefasst, jeder Teil entspricht also dem Volumen einer Single-Layer Blu-ray. Auch SCANNERS II und SCANNERS III wurden erneut überarbeitet, hier wurde vor allem der Ton noch einmal sauber restauriert (unkomprimierte Original-Stereospur/DTS HD Master 2.0). Zumal kommt jeder der drei Teile sowohl in Audio als auch Untertitel in Deutsch und Englisch – und natürlich sind alle Filme ungekürzt. Diese wären hierbei allesamt FSK freigegeben (16/18/16), das Mediabook selbst ist aber ungeprüft und demnach ausschließlich in Online-Shops per Altersnachweis erhältlich.
Disc 3 besteht dann aus dem hypnotischen Original-Soundtrack zum ersten Teil, komponiert von Howard Shore, Cronenbergs Haus- und Hofkomponist seit DIE BRUT (1979). Die CD ist vollgepackt mit 38 (!) Tracks und insgesamt über 80 Minuten Laufzeit.
Zwischen den Trays ist ein 28-seitiges Booklet mit einem sehr informativen Text von David Renske über die SCANNERS-Trilogie enthalten. Ebenfalls abgedruckt: ein Interview mit David Cronenberg aus 2004. Die Seiten des Booklets sind nicht nur reich an Text, sondern auch an Bildern: markante Szenenfotos, seltenere Plakate und Motive, das ganze Design passt. Umhüllt wird das Mediabook von einer wattierten, also gepolsterten Außenhaut samt dezenter Kunstlederoptik. Farbton, Schriftgestaltung und Motiv wie auch die schlichte Rückseite sind als absolut vorzeigbar und überzeugend zu bewerten.

Auf das Duplizieren/Komprimieren der Filmdatenmenge auf DVDs wird bei dieser Veröffentlichung verzichtet. Betrachtet man das 2K-Remaster von Cronenbergs Original, entspricht es der sehr hohen Qualität der Criterion Collection-VÖ aus 2014, die nun erstmals hierzulande erhältlich ist. Dabei bleibt der natürliche filmische Look des nunmehr schon fast 40-jährigen Films erhalten, ein feines Filmkorn durchzieht das Bild, die Farbgebung entspricht der vom Regisseur intendierten. Disc 1 (der originale SCANNERS) birst nur so über vor Bonusmaterial: isolierter Audiotrack, 3 verschiedene Audiokommentare (2x deutsch, 1x englisch), „Inside-Scan: SCANNERS“ – hier auch auf Disc 2 für SCANNERS II und SCANNERS III enthalten – als Featurette, „The Emphenol Diaries“: Interview mit Stephen Lack, ein Vintage-Interview mit David Cronenberg und Howard Shore, brandneue Interviews mit Chris Walas, Howard Shore, Mark Irwin, Michael Ironside und Pierre David, Trailer, Teaser, TV- und Radiospots, Bildergalerie.

Mondo Artwort Scanners
Artwork von Sam Wolfe Connelly & Jay Shaw © MONDO

Fazit

Während manche Edition zusätzlich mit Sonderformat bei der Verpackung und/oder Gimmicks punkten möchten, kommt diese Edition augenscheinlich schlicht daher und flüstert dem Besitzer entgegen: auf den Inhalt kommt es an. Wem dieser beeindruckend genug ist, dem wird zuletzt der stolze Preis von UVP 59,99 Euro entgegengehalten. Über den Kauf entscheidet letztlich jeder selbst, für den gesamten Inhalt, die ganze Verarbeitung und Qualität möchten wir an dieser Stelle eine absolute Empfehlung aussprechen. Zusammen mit der Einzel-Veröffentlichung des ersten SCANNERS via Criterion Collection ist dies die beste Heimkinofassung zum Film weltweit und lässt alle vormaligen Editionen mit einem überdeutlichen Knall verblassen.

Literatur (Auswahl)

William Beard: The Artist as Monster – The Cinema of David Cronenberg. University of Toronto Press, Toronto/Buffalo/London 2006.
Thomas J. Dreibrodt: Lang lebe das Fleisch – Die Filme von David Cronenberg. Paragon-Verlag Steingaß & Zöllner, Bochum 1998.
Manfred Riepe: Bildgeschwüre – Körper und Fremdkörper im Kino David Cronenbergs. Transcript Verlag, Bielefeld 2002.
Marcus Stiglegger (Hrsg.): David Cronenberg. Bertz+Fischer Verlag, Berlin 2009.

Bisherige Editionen (Auswahl)

SCANNERS-Trilogie. 3-Disc-Limited Collector’s Edition #20. Ultimate Edition von Wicked-Vision Media inkl. 2K-Remaster des ersten Films, mit exklusivem Bonusmaterial und Soundtrack-CD zu SCANNERS (1981) [diese Edition].
SCANNERS (1981). Special-Edition, Blu-ray inkl. 2K-Remaster. The Criterion Collection, 2014.
SCANNERS-Trilogie. 3 Blu-rays (Single-Layer). Explosive Media, 2013.
SCANNERS (1981). Special-Edition, Blu-ray + DVD. Media Target/Subkultur Entertainment, 2012.

 

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Liebt Filme und die Bücher dazu / Liest, erzählt und schreibt gern / Schaltet oft sein Handy aus, nicht nur im Kino / Träumt vom neuen Wohnzimmer / Und davon, mal am Meer zu wohnen

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