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SAW: Spiral (2021) – Filmkritik

Mit SAW: SPIRAL erscheint mittlerweile der neunte Film aus dem bekannten Franchise und so viel sei bereits verraten, es ist mit Abstand der bisher Schwächste. Umso mehr verwundert das Ergebnis, wenn man sieht, dass ein Großteil der Verantwortlichen hinter der Kamera seit Beginn zur Stammbesetzung der Reihe gehören. Eine der wenigen Änderungen betraf die Drehbuchautoren, die seit JIGSAW (2017) Josh Stolberg und Pete Goldfinger heißen. Beide wurden engagiert, um neue Ideen sowie eine Wiederbelebung innerhalb des SAW-Universums zu bewerkstelligen. Während in JIGSAW noch immer vieles an die legendären Vorläufer erinnerte, ebenso wie ein kurzer Auftritt vom Star der Reihe Tobin Bell, wurde vereinbart, dass SPIRAL ein komplett anderes Konzept bekommen sollte. Unter anderem auch wegen seinem bekannten Hauptdarsteller Chris Rock, doch dazu später mehr. Ein Hinweis noch am Rande: SPIRAL beinhaltet keinen Kommentar zu den Todesfällen von Breonna Taylor und George Floyd in den USA. Der Film war vor diesen unsäglichen Vorfällen bereits fertiggestellt. Aufgrund der COVID-19-Pandemie wanderte sein Kinostart vom Mai 2020 jedoch auf den Mai 2021.

© Studiocanal

Handlung

Der Einzelgänger Detective Ezekiel „Zeke“ Banks (Chris Rock) bekommt mit William Schenk (Max Minghella) einen unerfahrenen Partner an die Seite gestellt. Ihr erster Fall führt sie zu einer zerfetzten Leiche in einem U-Bahn-Tunnel. Doch es kommen weitere Tote hinzu, und immer wieder sind es Polizisten, die auf mysteriöse Weise an die grausame Vergangenheit der Stadt erinnern. Unterstützt werden die beiden Detectives von Marcus Banks (Samuel L. Jackson), einem angesehenen Polizeiveteranen und Vater von Zeke. Ohne es zu ahnen, wird Zeke immer tiefer in das mörderische Geheimnis hineingezogen und findet sich plötzlich im Zentrum des morbiden Spiels eines unbekannten Killers wieder.

© Studiocanal

HELLRAISER lässt grüßen

Das Gebot der Stunde bei Lionsgate und Twisted Pictures ist deutlich: Die Kuh melken, solange sie noch Milch gibt. Zwar hat der Geldregen mit JIGSAW bereits merklich nachgelassen, doch er ist noch immer attraktiv genug, um weitere sinnlose Fortsetzungen auf den Markt zu werfen. In seinen Glanzzeiten hatte das Franchise den Mantel des anrüchigen Horrorgenres abgestreift und rangierte mitten unter den strahlenden Mainstream-Produktionen in den Kinos. Genau in jenen bevorzugten Gefilden, in denen die Studios den größten Gewinn generieren konnten, vor Corona. Im Zuge dieses Vorhabens macht die Verpflichtung von Chris Rock wie auch Samuel L. Jackson einen Sinn, die als Zugpferde für dieses Klientel aufgeboten wurden.

Was mit JIGSAW seinen unrühmlichen Anfang nimmt, erinnert auffallend an das Trauerspiel, das seinerzeit dem Hellraiser-Franchise wiederfuhr und bis heute andauert. Das Ende der Fahnenstange war spätestens mit Teil 4 erreicht, dessen Geschichte einen eigenen Artikel wert ist. Aber die Verantwortlichen konnten zum einen nicht genug bekommen, zum anderen waren sie in der Pflicht, jedes Jahr einen neuen Film zu produzieren. Wenn nicht, hätten sie ihre Rechte am Hellraiser-Franchise und seinen Charakteren verloren. Dazu kamen immer wieder Beschränkungen, Budgetkürzungen und Ränkespiele in allen Ebenen. So folgte in den kommenden Jahren Schritt für Schritt der bittere Niedergang einer einstmals außergewöhnlichen Idee in die Belanglosigkeit. Verpackt in Storys, die ursprünglich nichts mit den eigentlichen Motiven und Themen am Hut hatten, lediglich der Titel erinnerte noch an den einstigen Glanz vergangener Tage. Eine verblüffende Ähnlichkeit zeigt sich nun beim SAW-Franchise mit dem neusten Werk, dass sich auf einem ähnlichen Pfad bewegt.

© Studiocanal

Die Verantwortlichen werden nicht müde zu erklären, dass das Franchise ihnen wichtig ist und das sie mit SPIRAL die längst ausgetretenen Pfade verlassen wollen. Eine neue Ausrichtung war bereits in JIGSAW spürbar. Weg von all dem Splatter und Gore, der in den berüchtigten Filmen SAW II – SAW VII fast schon inflationär in Serie produziert wurde. Das Ziel wurde nach JIGSAW klar benannt: Zurück zu den Wurzeln eines SAW (2004) und verstärkt die Thriller-Elemente in Kombination mit einer starken Story in den Vordergrund rücken.

So erhaben dieser Vorsatz auch sein mag, der Mut, diesen radikalen Schritt zu vollführen, hatte letztendlich niemand, und sie begnügten sich erneut mit halb garen Ideen und Versatzstücken bekannter Themen. Was in JIGSAW noch teilweise funktionierte, wirkt in SPIRAL über weite Strecken wie ein langweiliges Cop-Drama, dem jegliche Dynamik und Präzision fehlt. Um den Bezug zum SAW-Universum herzustellen, wurde lieblos ein Jigsaw-Jünger hineingepresst, der sich korrupte Polizisten zum Ziel genommen hat. Das unausgegorene Skript kann zu keiner Zeit überzeugen und die seltenen Momente, in denen der Killer sein Unwesen treibt, wirken wie ein Klotz am Bein der Handlung, allerdings nicht der einzige. Der finale Twist ist letztendlich nichts anderes als eine Kapitulation vor der Kreativität und den Möglichkeiten einer echten Veränderung.

© Studiocanal

Bevor Chris Rock als Hauptdarsteller involviert wurde, existierte der ursprüngliche Plan eines SAW-Films, der sich überwiegend mit John Kramer befassen sollte. Das Drehbuch war bereits fertig, doch dann stolperte durch Zufall eben jener Chris Rock dazwischen. Innerhalb kürzester Zeit wurde alles über den Haufen geworfen und den Wünschen des neuen Stars angepasst. Apropos Chris Rock: Wenn es eine Fehlbesetzung für einen Darsteller gibt, dann diese. Nur weil jemand angibt, er sei ein großer Fan, so ist es noch lange keine Garantie dafür, dass er auch in solch einen Film hineinpasst. Wie auch immer: Rock versucht sich in SPIRAL in eine Aura zu Hüllen, die ihm eindeutig ein paar Nummern zu groß ist. Er bewegt sich, als hätte er die Figur eines Arnold Schwarzenegger und trägt einen Gesichtsausdruck durch den gesamten Film, als hätte er in einen Korb voller verfaulter Zitronen gebissen. Es entsteht gar der Eindruck, dass sich die ganze Produktion nur auf ihren „Star“ konzentriere und ihm alle Freiheiten zugesteht.

Oder wie es Benjamin Lee vom „The Guardian“ beschreibt: „Für Rock mag es ein Wunschprojekt gewesen sein, doch seine Leistung ist so peinlich misslungen, dass es ein Wunder wäre, wenn er jemals wieder eine dramatische Rolle übernehmen würde.“ Jedes weitere Wort wäre an dieser Stelle pure Zeitverschwendung: Game Over!

© Stefan F.

Titel, Cast und CrewSaw: Spiral (2021)
OT: Spiral: From the Book of SAW
Poster
RegieDarren Lynn Bousman
ReleaseKinostart: 16.09.2021
ab dem 27.01.2022 auf UHD, Blu-Ray und DVD

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Trailer
BesetzungChris Rock (Detective Zeke Banks)
Max Minghella (Detective William Schenk)
Samuel L. Jackson (Marcus Banks)
Marisol Nichols (Captain Angie Garza)
Dan Petronijevic (Detective Marv ‚Boz‘ Boswick)
Richard Zeppieri (Detective Fitch
Zoie Palmer (Kara Boswick)
DrehbuchJosh Stolberg
Pete Goldfinger
FilmmusikCharlie Clouser
KameraJordan Oram
SchnittDev Singh
Filmlänge93 Minuten
FSKAb 18 Jahren

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