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SAW (2004) – Jetzt auf 4K-UHD-Disc

„Wessen Blut wird fließen?“

Im Zuge der Veröffentlichung von SAW: SPIRAL (SPIRAL: FROM THE BOOK OF SAW, 2021), dem neunten Film des SAW-Franchise, brachte STUDIOCANAL parallel den ersten Teil, SAW (2004), restauriert in einem schicken Steelbook und in 4K auf den deutschen Markt. Daneben erschien außerdem eine Gesamtedition der SAW-Reihe mit allen 9 Filmen auf Blu-ray, plus einer Bonusdisc. Doch Vorsicht, in einigen Filmforen wird schon heftig darüber geschimpft, dass diese Edition nur die stark geschnittenen Fassungen für Deutschland enthält.

Über den Inhalt, die Story und die Figuren von SAW müssen wir uns hoffentlich nicht erneut unterhalten, denn das wurde bereits in unserem Best-of der 2000er erledigt. Ebenfalls sprachen wir dort über den Begriff des „Torture Porn“ und seine Herkunft. In diesem Zusammenhang finde ich die Meinung unseres deutschen Filmwissenschaftlers Marcus Stiglegger interessant, der dieses plakative Etikett mit folgender Erklärung zurückwies: „…Dieser sei letztlich ein „weltweit kolportierte[r] und nie wirklich definierte[r] Kampfbegriff einer konservativen Presse“, der alle Filme diskriminieren solle, „die sich – mal ernster, mal trivialer – mit dem (bürgerlichen) Menschen als Bestie auseinandersetzen“. Stattdessen solle man diese Filme als „Reflexion gesellschaftlicher Wirklichkeit“ betrachten. In seiner Monografie zum Thema wählte er stattdessen den Begriff „Terrorfilme“. [1]

© Studiocanal

Der griffigere Begriff des Terrorfilms wird den blutigen Produktionen der 2000er um Längen gerechter als das martialische US-Label. Doch gerade bei SAW verwundert es immer wieder, wie er zu seinem schlechten Ruf gekommen ist. Denn im ersten Teil ist fast nichts von Splatter und Gore zu finden. Ein wenig Blut, einige Andeutungen außerhalb der Kamera, das war es schon. Die berüchtigte Blutspur nahm erst so richtig mit der Fortsetzung SAW 2 (2005) ihren Anfang. Doch damals ahnte niemand, welche gigantische Splatter-Welle in den folgenden Jahren noch folgen sollte. Ein großes Plus des Franchise war schon immer seine Western-Moral, die sich John Kramer zu eigen macht und die auch sehr gut beim Publikum ankommt. Ein wenig erinnert sie an die Bibel, genauer gesagt an das zweite Buch Moses, wo es heißt: „Ist weiterer Schaden entstanden, dann musst du geben: Leben für Leben, Auge für Auge, Zahn für Zahn, Hand für Hand, Fuß für Fuß, Brandmal für Brandmal, Wunde für Wunde, Strieme für Strieme.“ (2. Mose 21,24). Ja, da sehe ich ganz deutlich Jigsaw vor mir, wie er in unbändiger Freude seinen legendären Satz rezitiert: „Ich möchte ein Spiel spielen.“

© Studiocanal

DVD, Blu-ray oder doch lieber 4K?

Jetzt ist es doch passiert und ich habe weiter ausgeholt, als ich wollte. Kommen wir nun endlich zu der erwähnten 4K-Version. Wer jedoch glaubt, ich würde jeden einzelnen Frame mit der Blu-ray und der DVD vergleichen, den muss ich leider enttäuschen. Für mich als Rezipient ist es entscheidender, wie der Gesamteindruck des kompletten Films ist und ob sich seine Wirkung mit dem frisierten Bild womöglich verändert hat. Bestes Beispiel im negativen Sinne dazu ist JOHN CARPENTERS VAMPIRE (VAMPIRE, 1998), der mit seiner Neuveröffentlichung ein gänzlich anderes Farbschema präsentierte.

© Studiocanal

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Als ich den Artikel zum Film SAW: SPIRAL schrieb, hatte ich mir zuvor alle Beiträge des Franchise erneut angesehen, und zwar auf DVD. Und ich muss gestehen, dass die Wiedergabe auf diesem veralteten Medium immer noch hervorragend ist. Wüste ich nicht, dass es sich um eine DVD handelt, wäre ich nie darauf gekommen. Lediglich der Ton mit Dolby Digital 5.1 hat nicht mehr die Durchschlagskraft wie Dolby Atmos oder DTS-HD Master Audio. Aber das ist letztendlich immer noch jammern auf hohem Niveau. Die 4K Version von SAW hat ein deutlich kontrastreicheres Bild, ebenfalls wurde die Farbpalette etwas intensiviert. Vor allem in den dunkleren Szenen fällt es besonders auf. Dazu kommt, dass bei der ganzen Optimierung das leichte Rauschen größtenteils erhalten blieb, was viel zum bekannten SAW-Look beiträgt. Hervorstechendstes Merkmal dürfte jedoch die DTS-HD 7.1 Tonspur sein. In allen Höhen und Tiefen zu jeder Zeit optimal ausbalanciert, erfreut sie das Ohr des Rezipienten mit seinem glasklaren Klang. Alles in allem würde ich die Neuveröffentlichung als gelungen bezeichnen, ob sie jedoch den höheren Preis rechtfertigt, mag ich nicht zu beantworten.

© Studiocanal

Viele Fans und Sammler stellen immer wieder die Frage, ob es sich „lohnt“ auf diese oder jene optimierte Neuveröffentlichung umzusteigen. Das ist jedoch nicht so leicht zu beantworten und hängt meiner Meinung nach an vielen Faktoren. Ein ganz entscheidender Punkt ist das Equipment vor Ort und dessen optimale Justierung. Ich sehe immer wieder, dass viele Filmfreunde verdammt teure Endgeräte wie Fernseher und AV-Receiver besitzen, die jedoch unzureichend konfiguriert sind. Das dann am Ende der Spaß am neusten Film negativ ausfällt, ist vorprogrammiert. Je hochwertiger und umfangreicher die Geräte werden, desto dringender ist diese Arbeit. Denn die Voreinstellungen der Hersteller sind alles andere als optimal. Deshalb die eindringliche Bitte, sich mit der entsprechenden Literatur zu bewaffnen und alle Endgeräte auf ein qualitativ ansprechendes Niveau zu bringen. Einen guten Einstieg in die Materie findet der interessierte Leser auf der Burosch Homepage. [2]

Fazit

Für alle, die SAW bereits als Blu-ray besitzen, lohnt sich der Kauf der neuen 4K-Version nicht unbedingt, Sammler und Komplettisten ausgenommen. Allen anderen, mit geeigneter Hardware ausgestattet, ist das Update zu empfehlen. Allerdings ist auch der Kaufpreis ein Argument, den letztendlich jeder für sich selbst verhandeln muss.

© Stefan F.

Quellen:

  • [1] Marcus Stiglegger, Terrorkino: Angst/Lust und Körperhorror, Bertz und Fischer, 2010 (Amazon-Treibstoff-Link)
  • [2] https://www.burosch.de/

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