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Rubikon (2022) – Filmkritik

In zunehmendem Maß bemüht sich der Science-Fiction-Film, besonders außerhalb der USA, den Dunstkreis millionenschwerer Hochglanz-Space-Operas den Rücken zu kehren, die in den letzten Jahrzehnten mit langweiligen Fließbandproduktionen in Dauerschleife den Markt verstopften. Zwischen zahllosen Prequels, Sequels, Remakes und sich immer wiederholenden Serienadaptionen finden vermehrt Autoren wie auch Regisseure den Weg zurück zum Ursprung und zu Themen, die das Genre einst aus der „Nerd-Ecke“ in das öffentliche Bewusstsein transportierten. Eine erste und nachhaltige wie beeindruckende Hochphase gab es in den 1970ern und 1980ern mit Themen, die bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren: Umweltzerstörung, Katastrophen, technischer Fortschritt, die psychische wie auch physische Evolution des Menschen, die Dystopie sowie die Ausbeutung des Planeten Erde. Besonders der deutschsprachige Raum konnte in den letzten Jahrzehnten nach langer Abstinenz deutliche Fortschritte für sich verbuchen. Zwar kamen diese Impulse hauptsächlich dem Horrorgenre zugute, doch auch der Science-Fiction-Film konnte an der ein oder anderen Stelle davon profitieren. Man denke nur an den schweizerischen CARGO – DA DRAUSSEN BIST DU ALLEIN (2009), PANDORUM (2009) oder S.U.M. 1 (2017). Nun reiht sich auch Österreich in diese Liste ein und präsentiert uns seinen neusten Beitrag RUBIKON. Ob er hält, was er verspricht, schauen wir uns nun etwas näher an.

© Plaion Pictures

Handlung

Wir schreiben das Jahr 2056: Mächtige Konzerne haben die Weltregierungen abgesetzt und regieren mit harter Hand. Die Ressourcen der Erde sind aufgebraucht, die Weltbevölkerung wächst unaufhörlich. Auf der Raumstation Rubikon wird an einem Algenprojekt geforscht, das die Menschheit mit Sauerstoff und Nahrung versorgen könnte. Die Soldatin Hannah (Julia Franz Richter) und die Wissenschaftler Gavin (George Blagden) und Dimitri (Mark Ivanir) halten auf der Station die Stellung. Als die Erde von einem mysteriösen, toxischen Nebel umhüllt wird, verlieren sie jeglichen Kontakt. Angetrieben von unterschiedlichen Moralvorstellungen und Auftraggebern müssen sie eine Entscheidung treffen: Sollen sie die sichere Station verlassen und ihr Leben riskieren?

© Plaion Pictures

Gleichberechtigung und Umweltzerstörung

Im Zuge der alles zersetzenden „forced diversity“ änderte sich das Erscheinungsbild aktueller Kinofilme radikal. Plötzlich wurde es zum neuen Standard, dass nur eine Frau die missratene männliche Welt retten könnte. Egal welche Rolle auch immer gesucht wurde, ob es nun einen Sinn ergab oder nicht, sie wurden immer mit dem neuen, strahlenden Prototypen, der unabhängigen und willensstarken Amazone besetzt. Denn nur Sie war letztendlich in der Lage, diesen Job vernünftig zu erledigen. Nachdem die Männer so zahlreich daran gescheitert waren, wurden sie kurzerhand zu kleinen, dummen und unfähigen Mitläufern degradiert. Doch was bringt uns dieser neue Zustand, außer einer Umkehrung vergangener Verhältnisse, als Frauen pausenlos in Ohnmacht fielen und hilflos durch die Filme stolperten? Absolut nichts. Im Gegenteil, denn das Ganze hat rein gar nichts mit der geforderten Gleichberechtigung am Hut, es ist nur eine neue Form der Diskriminierung. Und so verwundert es nicht weiter, dass dieser neue Sachverhalt in Magdalena Lauritschs neustem Werk RUBIKON ebenso präsent ist.

© Plaion Pictures

Unser Weg führt zum Untergang der Zivilisation, predigt Regisseurin Lauritsch: Entweder vergehen wir im strahlenden Atombombenfeuer oder wir zerstören die Natur dahingehend, dass es für niemanden eine Rettung gibt. Unsere Heldin ist selbstredend eine Frau (Julia Franz Richter), die uns endlich einen Ausweg aus diesem tödlichen Labyrinth zeigt. Der Mann taugt nur noch als Bettpartner und zur Fortpflanzung. Doch das ist nur ein kleiner Teil zahlreicher Botschaften und Warnungen, die uns RUBIKON geradezu verschwenderisch vor die Füße wirft. Um eines klarzustellen: Es spricht nichts gegen Frauen in Hauptrollen. Ganz im Gegenteil, denn es gibt zahlreiche gelungene Beispiele, lange bevor diese unsägliche Diskussion begonnen hat, wie zum Beispiel DER KOMET (NIGHT OF THE COMET, 1984), DEAD ANGEL (UNA GOTA DE SANGRE PARA MORIR AMANDO, 1973) oder FUTUREWORLD (1976).

Was bleibt …

Die Effekte wie auch die Ausstattung sind für eine europäische Produktion hervorragend umgesetzt. Weniger gut hingegen ist das langatmige wie langweilige Drehbuch, das es zu keiner Zeit schafft, auch nur einen Hauch von Spannung zu erzeugen. Stattdessen wird pausenlos mit erhobenem Zeigefinger lamentiert, um den Zuschauer über seine Mitschuld am Untergang der Welt zu belehren. Filme Leben vor allem durch die Glaubwürdigkeit ihrer Story und eindrücklicher Charaktere. Hilfreich dabei können eine mitreisende Atmosphäre sowie intensive Soundtracks sein. All das wurde bei RUBIKON vorsätzlich auf dem Altar verblendeter Aktivisten geopfert.

© Plaion Pictures

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Warnungen über die Misswirtschaft menschlicher Gier auf dem Planeten Erde gibt es schon länger und sind keine neuen Erkenntnisse heutiger „Klimaaktivisten“, was immer wieder gerne unterschlagen wird. Gerade die Kombination Umwelt und Science-Fiction erblickte bereits Anfang der 1970er Jahre mit beeindruckenden Werken das Licht der Kinowelt. Beste Beispiele wären etwa COLOSSUS (COLOSSUS: THE FORBIN PROJECT, 1970), DER OMEGA-MANN (THE OMEGA MAN, 1971), LAUTLOS IM WELTRAUM (SILENT RUNNING, 1972), …JAHR 2022… DIE ÜBERLEBEN WOLLEN… (SOYLENT GREEN, 1973), WESTWORLD (1973), FLUCHT INS 23. JAHRHUNDERT (LOGAN’S RUN, 1976) oder DAS ARCHE NOAH PRINZIP (1984), allesamt zeitlose Klassiker, die uns schon damals den Spiegel vorhielten und unsere Fehler und Probleme deutlich formulierten. Möglicherweise hätte Regisseurin Lauritsch einen genaueren Blick darauf werfen sollen, was ihrem eigenen Film durchaus hätte helfen können.

Fazit

Was bleibt, ist ein langweiliger Ausflug ins Weltall, der mit schwachsinnigen Diskussionen und Aktionen den Zuschauer mit aller Macht über seine Fehler aufklären möchte. Darüber hinaus gibt es einen nicht vorhandenen Spannungsbogen und eine Story, die uns nichts Neues erzählt, aber durchaus Potenzial hätte. Die Kirsche auf der Torte sind Darsteller, die den Eindruck erwecken, sich für einen lustigen Betriebsausflug auf der RUBIKON versammelt zu haben.

© Stefan F.

Titel, Cast und CrewRubikon (2022)
Poster
RegieMagdalena Lauritsch
Releaseab dem 26.01.2023 auf Blu-ray und DVD erhältlich.

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Trailer
BesetzungJulia Franz Richter (Hannah Wagner)
George Blagden (Gavin Abbott)
Mark Ivanir (Dimitri Krylow)
Nicholas Monu (Philipp Jenson)
Daniela Kong (Tracy Sato)
DrehbuchMagdalena Lauritsch
Jessica Lind
Elisabeth Schmied
MusikDaniel Helmer
Wolf-Maximilian Liebich
KameraXiaosu Han
Andreas Thalhammer
SchnittAnna Heuss
Christoph Loidl
Filmlänge110 Minuten
FSKAb 12 Jahren

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