Reporter des Satans (1951) – Filmkritik

„Druckerschwärze in den Venen“

Zugegeben, der deutsche Filmtitel ist ganz schön reißerisch. ACE IN THE HOLE, so der Originaltitel, was mit der Redewendung, „die Nase vorn“ oder „noch ein Ass im Ärmel“ übersetzt werden kann, ist weder ein Horrorfilm noch hat es einen satanistischen Hintergrund. Es ist der erste Film von Billy Wilder, der auch von ihm produziert wurde. REPORTER DES SATANS fiel beim Publikum, sowie der damaligen Presse gnadenlos durch. Die Kritik am Medienrummel, die Macht der Zeitungsverlage und der Journalist ohne Moral war 1951 einfach zu viel für die Zuschauer. Es brauchte eine ganze Generation, um die Qualität dieses beklemmenden Schwarzweiß-Films zu erkennen.

© 1951 Paramount Pictures

Inhalt

Manchmal ist eine neue Stadt wie ein neues Leben. Diesen Gedanken hatte Charles Tatum (Kirk Douglas) schon öfter. Die Verlagsmetropolen der Ostküste hat der Reporter mit vielerlei Querelen schon abgearbeitet, jetzt landet er in New Mexico, genauer gesagt Albuquerque. Der exzentrische Draufgänger wirkt in der ruhigen Stadt extrem aufgekratzt, jedoch gibt ihm der Chefredakteur der Sun-Bulletin Jacob Q. Boot (Porter Hall) einen Schreibtisch. Nach einem guten Jahr in der Redaktion ist Tatum wie ein Tiger im Käfig. Er will endlich wieder eine richtige Story, eine Sensation. Jetzt soll er aber erstmal über die lokale Klapperschlangenjagd berichten. Zusammen mit dem Jungspund-Fotografen Herbie Cook (Robert Arthur) rollt er über die Landstraße. Als sie an einer Tankstelle mit Diner anhalten, erfahren sie, dass Leo Minosa (Richard Benedict) auf der Suche nach indianischen Kunststücken in einer Höhle eingeschlossen ist. Tatum wittert eine Sensationsstory, die jedoch etwas seiner „Führung“ bedarf. Und der Zirkus beginnt.

© 1951 Paramount Pictures

Nihilistische Medienparabel

Zu Beginn fühlt man sich noch wie in einer Komödie von Billy Wilder. Charles Tatum kommt lässig zeitungslesend in einem abgeschleppten Wagen in die Stadt und wickelt in metaphorischen Monologen seine neue Lokalredaktion um den Finger. Danach müssen wir erkennen, dass Kirk Douglas nicht der Held ist, den man zu kennen glaubt. Dem Alkohol abgeschworen, ist er wie ein Junkie auf der Suche nach der einen Sensation, an der nur er die Exklusivrechte hat. Dann werden die großen Zeitungen schon noch zu ihm zurückgekrochen kommen, vor allem die von New York.

Aber um dorthin zurückzukehren, bedarf es schon etwas Nachhilfe, um aus dem eingeschlossenen Trottel Leo Minosa eine landesweite Schlagzeile zu machen. Tatum wusste genau welche Geschichte es werden soll, egal wen er dabei auf der Strecke zurück lässt oder ausnutzen muss. Seinen journalistischen Ehrenkodex hat er schon lange abgelegt, aber die naive Bevölkerung folgt ihm treu und zahlt sogar Eintritt dafür. Man muss bedenken, dass Wilder mit dieser Geschichte seiner Zeit weit voraus war. 1951 hatten die Medien noch keinen so großen Einfluss, wie später das Radio, das Fernsehen und nun das Internet, aber dennoch eine extrem hohe Glaubwürdigkeit bei ihren Lesern.

© 1951 Paramount Pictures

Die Produktion

Mit Kirk Douglas hatte Billy Wilder einen zukünftigen Superstar in der Hauptrolle. Douglas Erscheinung ist wie aus Stahl gegossen und zeigt dennoch einen heißblütigen Journalisten, der trotz aller Engstirnigkeit auch ein Gewissen besitzt. Diese Zerrissenheit bringt Douglas überzeugend auf die Leinwand. Als Tatum nicht das gewünschte Happyend bekommt, verliert er sein letztes bisschen Zurückhaltung und versucht sogar, die in ihn verliebte Lorraine Minosa (Jan Sterlin) zu erwürgen. Das Schicksal wird ihn abstrafen.

© 1951 Paramount Pictures

Billy Wilder hatte ein Jahr zuvor mit BOULEVARD DER DÄMMERUNG nicht nur einen Oscar für das beste Drehbuch gewonnen, sondern dem Film Noir einen der wichtigsten Vertreter gegeben. Durch diesen Publikumserfolg sah er sich bei REPORTER DES SATANS beflügelt und produzierte seinen ersten eigenen Film. Paramount zahlte ihm für die Dreifachrolle – Autor, Regisseur und Produzent – 250.000 US-Dollar, was die Produktionskosten auf 1.821.052 US-Dollar wachsen ließ. Nach Inflation umgerechnet sind das heute 17 Millionen US-Dollar für ein Filmbudget. Das sieht man dem Film immer noch an.

Zu jener Zeit wurde das größte Außenfilmset aller Zeiten in der Nähe von Gallup, New Mexico errichtet. Mit 72 Metern Höhe, 370 Metern Breite und 490 m Tiefe errichtete man „Den Fels der sieben Geier“ (Mountain of the Seven Vultures). Mit 400 Autos und über 1.000 Statisten zog Wilder die Schraube im Medienzirkus immer weiter zum Filmende an. Vom Fahrgeschäfts-Rummel und dem Hit zur Schlagzeile: „We’re Coming, Leo.“ (von Jay Livingston und Ray Evans geschrieben) ist man kaum noch verwundert. Ironischerweise kann das verlassene Set auch heute noch besucht werden, wenn man auf der Route 66 durch die USA unterwegs ist, natürlich gegen ein paar Dollar Eintritt.

© 1951 Paramount Pictures

Hintergründe

Billy Wilder sagte einmal in einem Interview mit Cameron Crowe, dass er verstand, warum der Film beim damaligen Kinopublikum auf Ablehnung stieß. Er war einfach zu düster. Die Leute wollten für ihre zwei Dollar unterhalten und nicht zum Nachdenken gezwungen werden. Als Paramount merkte, dass der Film drohte beim Publikum durchzufallen, veränderte sie den Titel in THE BIG CARNIVAL. Wer den Film jetzt sieht, erkennt was für eine dumme Idee dies war, weil die Zuschauer in noch entferntere Erwartungen versetzt wurden. Der deutsche Titel REPORTER DES SATANS ist jedoch in Übertreibung kaum besser und deswegen sollte man versuchen beim Originaltitel zu bleiben: ACE IN THE HOLE.

Wilder griff als Inspiration für die Geschichte auf eine wahre Begebenheit von 1925 zurück, bei der Floyd Collins in einer Höhle eingeschlossen wurde und nach wochenlangem Medienrummel verstarb.

© 1951 Paramount Pictures

Eine kleine Anekdote: Der kernigste feminine Spruch aus dem Mund von Lorraine Minosa stammt von Ehefrau Audrey Wilder. Chuck Tatum: „Es ist Sonntag, gehen Sie nicht in die Kirche?“, Lorraine Minosa: „Ich gehe nie in die Kirche, Beten beult meine Nylons aus“. Es ist leider auch der einzige starke Satz einer Frau, denn REPORTER DES SATANS gibt Damen keinerlei Privilegien, schon gar nicht den untreuen.

Fazit

Ein intensives Filmerlebnis, was wegen seines Alters so gar nicht zu erwarten war. Selbst nach über einem halben Jahrhundert sieht der Film immer noch exzellent produziert aus. Für jeden Journalisten hoffentlich Pflichtstoff und für Cineasten zu einem geradlinigen Meisterwerk gewachsen. Wenn Kirk Douglas zum Finale das Ende des Rummels verkündet und angewidert auf die Schaulustigen, die er angelockt hat, herabblickt, bekommt man Filmgeschichte geboten, die man nie wieder vergisst.

Gesehen im Zuge meiner Filmchallenge.

© Christoph Müller

Titel, Cast und CrewReporter des Satans (1951)
OT: Ace in the Hole
Poster
Releaseab dem 20.04.2018 auf DVD (Deutsch)
von Eureka auf Blu-ray in einer 3-Disc-Edition (Englisch)

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RegisseurBilly Wilder
Trailer
BesetzungKirk Douglas (Chuck Tatum)
Jan Sterling (Lorraine Minosa)
Robert Arthur (Herbie Cook)
Porter Hall (Jacob Q. Boot)
Frank Cady (Al Federber)
Richard Benedict (Leo Minosa)
Ray Teal (Sheriff Gus Kretzer)
DrehbuchBilly Wilder
Lesser Samuels
Walter Newman
MusikHugo Friedhofer
KameraWilliam H. Clothier
SchnittArthur P. Schmidt
Filmlänge111 Minuten
FSKab 16 Jahren

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