Ready or Not (2019) – Filmkritik

Einstieg in den #Schocktober

Der Oktober rückt immer näher und damit auch die schaurig schöne Zeit des Grusels. Anlässlich zum Halloween-Fest, ist in dieser Jahreszeit das Interesse fürs Horrorgenre besonders groß. Um gemächlich in die richtige Gruselstimmung zu kommen, bietet sich neben MIDSOMMAR, der ebenfalls ab dem 26. September im Kino startet, ein kleiner, unterhaltsamer Horror-Streifen namens READY OR NOT an. Inszeniert vom Regie-Duo Matt Bettinelli-Olpin & Tyler Gillett, das bereits mit V/H/S – EINE MÖRDERISCHE SAMMLUNG ein Gespür für originelle Horrorgeschichten bewiesen hat, besticht auch READY OR NOT durch eine simple und gute Idee sowie die charmante Hauptdarstellerin Samara Weaving (THREE BILLBOARDS OUTSIDE EBBING, MISSOURI, THE BABYSITTER).

Ready or Not – Die Familie Le Domas // © FOX SEARCHLIGHT PICTURES

Inhalt

Für Grace (Samara Weaving) war das Leben bisher nicht immer einfach. Von einer zur nächsten Pflegefamilie geschoben, verbringt sie den Großteil ihres Lebens allein und unglücklich. Doch dann tritt Alex Le Domas (Mark O’Brien) in ihr Leben und die Einsamkeit hat plötzlich ein Ende. Nicht nur, dass der junge Mann ein perfekter Freund ist, er ist auch Mitglied einer der ältesten und wohlhabendsten Familie im Land. Die Le Domas haben ihr Vermögen mit dem Verkauf von Gesellschaftsspielen aller Art gemacht und leben in einer eigenen, abgeschotteten Welt des Luxus. Passend dazu, gibt es seit jeher eine nie gebrochenen Familientradition in der Hochzeitsnacht: Das neue Familienmitglied muss aus einer Kartenbox eine Spielkarte ziehen. Je nach Motiv der Karte muss es nun ein Spiel gegen die Familie bestreiten. Was Grace bis dahin jedoch nicht weiß, die Familie verbirgt ein dunkles Geheimnis. Was als schönster Tag im neuen Leben von Grace beginnt, entwickelt sich blitzschnell zur Hölle auf Erden.

Ready or Not – Mark O’Brien & Samara Weaving // © FOX SEARCHLIGHT PICTURES

Schwergängiger Start

READY OR NOT macht kein großes Geheimnis um seine Prämisse. Was den Zuschauer demnächst erwartet, wird mit einer Rückblende direkt zum Filmstart angedeutet. Innerhalb des Anwesens der Le Domas werden die beiden Brüder Alex (Mark O’Brien) und Daniel (Adam Brody) schon in jungen Jahren Zeuge ihrer grausamen Familientradition. Nach der kurzen Einführung braucht es einige Zeit bis sich das Geschehen richtig entfaltet. Die erste Hälfte des Films beschäftigt sich mit den Domas, mit ihrer Geschichte und ihren skurrilen Mitgliedern. Viel Interessantes wird dabei nicht erzählt, die Figuren sind allesamt sehr eindimensional und überzeichnet. Trotzdem kann sich die Besetzung der Le Domas sehen lassen: Henry Czerny (MISSION IMPOSSIBLE), Mark O’Brien (ARRIVAL), Andie MacDowell (TÄGLICH GRÜßT DAS MURMELTIER) und Adam Brody (O. C. California, SHAZAM) bilden einen soliden Cast aus bekannten Gesichtern.


© FOX SEARCHLIGHT PICTURES

Wenn die Uhr zwölf schlägt

Wie es in solch einer großen Sippe üblich ist, erfährt man auch hier schnell, dass der Familiensegen der Le Domas nicht sonderlich gerade hängt. Nur eines hassen sie mehr als sich selbst und das sind Leute außerhalb der Familie. Die allgemeine Stimmung ist trotz des wunderbaren Anlasses der Hochzeit angespannt. Sowohl Zuschauer als auch die familiären Gäste wissen, was in den nächsten Abendstunden passieren wird. Dabei zeigt sich schon jetzt, dass sich READY OR NOT nicht sonderlich ernst nimmt. Immer wieder scheint in den Gesprächen durch, dass auch die Le Domas nicht glücklich damit sind, was um Mitternacht beginnt. Trotzdem versammeln sich alle zur Stunde Null im großen Saal des Hauses, wo Grace in das Geheimnis eingeweiht wird. Ab jetzt nimmt der Film Fahrt auf, das Spiel hat begonnen.

Richtig rasant oder sogar spektakulär wird READY OR NOT dennoch nicht. Alle lassen sich außerordentlich viel Zeit bei der Jagd. Das nagt natürlich an der Glaubwürdigkeit und somit an der Spannung. Der Film wäre aber ohne diese Dehnung bereits nach 30 Minuten vorbei. Die Geschichte driftet auch immer wieder etwas ab. Teufelsanbetungen und mystische Kräfte müssen als Erklärung für den Wahnsinn im Hause Le Domas herhalten und das wirkt zu aufgesetzt und unnötig. Dafür punktet ab sofort der Film mit jeder Menge schwarzem Humor. Streckenweise wirkt die gesamte Situation wie eine Parodie auf das Horrorgenre selbst. Es entsteht eine verrückte Mischung aus Brutalität, Komik und Spannung und als Zuschauer fällt es richtig schwer einzuschätzen, was als nächstes passieren wird.

Ready or Not – Samara Weaving © FOX SEARCHLIGHT PICTURES

Sympatieträgerin: Samara Weaving

Ab jetzt glänzt auch Schauspielerin Samara Weaving als Grace. Während die Figur im weißen Hochzeitskleid als personifizierte Unschuld durch die Gänge des Anwesens gejagt wird, fiebert man als Zuschauer fortlaufend mit. Man kauft der jungen Schauspielerin die anfängliche Verwirrung, den darauffolgenden Schock und die aufkommende Wut über ihre Situation immer ab. Weaving ist damit die große Sympathieträgerin des Films.

Von der Familie Le Domas hebt sich, bis auf Adam Brody als Daniel Le Domas, hingegen niemand richtig hervor. Durch das in seiner Kindheit erfahrene Trauma ist der junge Mann mittlerweile ein desinteressierter Alkoholiker. Gelangweilt beobachtet er die Machenschaften seiner Verwandten und trägt durch seinen Zynismus zum humorvollen Ton des Films bei. Der Rest der Familie stellt sich hingegen permanent ungeschickt an und trotz unfairem Heimvorteil, gelingt es ihnen nicht Grace zu erwischen. Das führt auch dazu, dass sich der Film im letzten Drittel merklich zieht. Immer wieder wird Grace gefasst, um sich dann doch noch zu befreien. Ermüdend erreicht die Geschichte ihr abruptes und zum Teil unbefriedigendes Ende.

Ready or Not – Adam Brody & Henry Czerny // © FOX SEARCHLIGHT PICTURES

Hervorragendes Set-Designs

Horrorfilme haben bekanntlich oft mit ihrem Budget zu haushalten. Mit 6 Millionen US-Dollar hat READY OR NOT einen soliden Geld-Pool, aus dem die Kreativen schöpfen konnten. Viel davon ist vermutlich in die Ausstattung der Settings geflossen, denn während Slasher-Effekte nur selten zum Einsatz kommen, besticht das Herrenhaus durch einen hohen Detailgrad. Gedreht wurde an verschiedenen Orten in Kanada. Mit einer der größten nordamerikanischen Burgen Casa Loma, in der Nähe von Toronto, hat das Filmteam ein besonderes Highlight gefunden. Die Burg füllt mit zahlreichen Ornamenten und einer üppigen Ausstattung das Le-Domas-Anwesen mit Geschichte und Leben. Doch nicht nur die Location besticht durch Details. Auch die einzelnen Brettspiele im Haus sind immer wieder kleine Blickfänge. Ein positiver Nebeneffekt des Drehorts ist ebenfalls der immense Platz. Kameramann Brett Jutkiewicz wurde somit genügend Freiraum geboten, um einige interessante und vor allem dynamische Kamerafahrten zu produzieren.

Ready or Not – Samara Weaving // © FOX SEARCHLIGHT PICTURES

Fazit

Wer Lust auf leichten Horror mit Humor und wenig Tiefgang hat, ist mit READY OR NOT gut beraten. Unterhaltsam fügen sich die simple Idee, der solide Cast und das schöne Setting zu einem runden Filmabend zusammen. Ein entspannter und willkommener Einstieg in die kommende Grusel-Saison.

© Eric

Titel, Cast und CrewReady or Not (2019) – Auf die Plätze, fertig, tot
PosterFilm Poster
ReleaseKinostart: 26.09.2019
RegisseurMatt Bettinelli-Olpin &
Tyler Gillett
Trailer
BesetzungSamara Waving (Grace)
Adam Brody (Daniel Le Domas)
Mark O'Brien (Alex le Domas)
Henry Czerny (Tony Le Domas)
Andie MacDowell (Becky Le Domas)
Melanie Scrofano (Emilie)
DrehbuchGuy Busick &
Ryan Murphy
KameraTerel Gibson
MusikBrian Tyler
SchnittBrett Jutkiewicz
Filmlänge135 Minuten
FSKab 16 Jahren

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