Rambo: Last Blood (2019) – Filmkritik

„Keep out: Privat Property“

Sylvester Stallone scheint seiner 1980er-Filmpersönlichkeiten einfach nicht müde zu werden. In CREED gab er als Trainer Rocky sein Boxwissen an den jungen Apollo weiter und vor gut zehn Jahren ließ er JOHN RAMBO unterhaltsam durch den Dschungel von Burma ballern. Warum Rambo 2019 noch einmal aus dem Ruhestand geholt wird, weiß nur Stallone allein, aber seine Anhängerschaft ist nach wie vor ungebrochen, was sich bei der 4K-Wiederauflage seiner RAMBO-Filmreihe in den guten Verkaufszahlen wiederspiegelte. Oder spielt der Wunsch von manch Kinogängern eine Rolle, endlich wieder „richtige“ Härte auf der Leinwand zu sehen und eine kompromisslose Geschichte erzählt zu bekommen? RAMBO: LAST BLOOD erfüllt diese beiden Kriterien auf jeden Fall, wäre da nur noch die Frage, ob das Gesamtpaket stimmt.

© Universum Film

Handlung

In LAST BLOOD wurde John Rambo das gegeben, was er noch nie hatte: Ein Zuhause mit Pferde-Ranch mitten in Arizona, umringt von weitem Grasland und von Menschen keine Spur. Hier soll es dem traumatisiertem Kriegsveteran gut gehen. Die letzten Jahre verbrachte er hier zufrieden mit Haushälterin Maria (Adriana Barraza) und seiner Nichte Gabrielle (Yvette Monreal). Na ja, sagen wir mal er lebt seiner Psyche nach entsprechend: Mit ausreichend Psychopharmaka, haust er in seiner Tunnelsystem-Wohnung unter dem Farmgelände. Ein bisschen schräges Traumata-Bewältigungsprogramm, aber so ist John Rambo eben. Doch nun heißt es Abschied von seiner Ziehtochter Gabrielle nehmen, die aufs College gehen will, aber vorher noch einmal ihren „richtigen“ Vater in Mexiko kennen lernen möchte. Da hat Rambo noch ein Wort mitzureden. Wie das jetzt in ein blutiges Gemetzel mündet, soll jeder Interessierte selbst herausfinden. Jetzt aber erst ein paar Hinweise, ob es sich denn lohnt auf Rambos Grund und Boden vorzudringen.

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Aufbau

Man merkt der vorherigen Handlungsbeschreibung den recht schwachen Filmstart an. Die Actionkinofans müssen sich erst einmal an diesen geerdeten Rambo gewöhnen, der sogar souverän die Vaterrolle mimt. Da stimmen das schräge Tunnelbuddeln, seine Messerschmiede untertage und die psychischen Kriegs-Flashbacks wieder besser zu dem Muskelmann mit Stirnband, den man kennengelernt hat. Humor wegen seltsamen Verhaltens wird kaum aufgebaut und auch bis zum Ende haftet LAST BLOOD eine recht düstere Grundstimmung an. So muss man doch einige Zeit im „Der Teenager verlässt das Nest“ Szenario verweilen, bis die Action beginnt. Aber bald springt Rambo in seinen Truck und brettert zur mexikanischen Grenze. Hier wird für viele der Film erst beginnen.

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Kartell vs. Rambo

Die mexikanischen Kartelle haben sich in der Filmlandschaft schon einen gestandenen und grausamen Namen gemacht. SICARIO war die letzte erschreckende Präsenz des mittelamerikanischen Verbrechersyndikats. RAMBO: LAST BLOOD erzählt hier nichts Neues, aber der Frauenhandel wird grausam, herzlos und abgründig dargestellt. Das Brüderpaar Martinez (Sergio Peris-Mencheta und Óscar Jaenada) bildet einen komplexen Gegner in seiner persönlichen Verschiedenheit und auch Rambo sieht sich einem übermächtigem Gegner gegenüber. Dann gibt es natürlich noch zwei nette Mexikaner als Helferlein, die leider nur als Türöffner zum nächsten Akt dienen, aber nicht als Fremdkörper wahrgenommen werden. Freundliche Mexikaner soll es ja auch geben, was uns zur politischen Brisanz des Themas bringt.

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Political Correctness

Wenn man dieser Schlachtplatte, die nur wegen schneller Schnitte und vieler dunkler Szenen einer gekürzten Version durch die Zensur von der Schippe gesprungen ist, muss man sich fragen, was uns LAST BLOOD eigentlich erzählen will. Zu Zeiten des ersten Teils FIRST BLOOD (1982) ist das Vietnamkriegs-Trauma der USA gerade überstanden und Rambo ist als streunender Ex-Soldat ein gefundenes Fressen für die Reagan-Ära. Aber was sagt uns LAST BLOOD über die aktuelle Beziehung der Vereinigten Staaten zu Mexiko? Wenn man seinen Grips beim Abspann anstrengt und versucht eine Aussage zu finden, rennt man immer wieder in eine logische Sackgasse. Mexikaner, die es vor Jahren über die Grenze in die USA geschafft haben und sich das Bürgertum einverleibt haben – durch Maria und Gabrielle symbolisiert – werden von ihren gewalttätigen und gnadenlosen Verwandten heimgesucht? Und nur eine Kampfmaschine kann der Ausweg sein?

Wo auch die analysierenden Gedanken hinfallen, am Ende sieht man diese riesige schwarze Mauer, welche gerade an der Landesgrenze aus dem Boden gestampft wird. „Die Welt im Süden ist schlecht, lasst uns eine Mauer bauen.“ Aber RAMBO: LAST BLOOD zeigt auch kein Schlaraffenland in den Vereinigten Staaten. Es ist trocken und staubig. Auf amerikanische Grundrechte wird kaum eingegangen, abgesehen von der Verteidigung des eigenen Grundstücks mit Waffengewalt. Das beweist: RAMBO: LAST BLOOD lässt sich nicht in irgendeinen Deutungs-Filmwissenschafts-Hokuspokus einsperren. LAST BLOOD will Actionkino sein und John Rambo ist ein Outlaw zu Pferde, ein Soldat als Wild-West-Revolvermann. Man wird das Gefühl nie los, dass die Kreativen hinter dem Film DIE BORDER-TRILOGIE von Cormac McCarthy gelesen haben.

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Blutige Rache

Vor allem an die harten Actionstreifen aus den 1980-Jahren will der Film anknüpfen, aber leider gelingt dies nur bedingt. Als blutleer kann man ihn kaum bezeichnen und das Finale ist so flott geschnitten, dass man mit dem Leichen zählen kaum hinterherkommt. Es stört jedoch der schlampige oder „günstige“ Einsatz von CGI-Hilfsmitteln. Kunstblut gibt es immer noch literweise, aber wenn es um scharfe Messer in Gesichtern geht, sind die einfachen Animationen offensichtlich. Sind wir ehrlich: Nichts schlägt einen in Handarbeit hergestellten Gummikopf, der in einer Blutfontäne gesprengt wird. Jeder Rambo-Fan, der nach zehn Jahren wieder ins Kino gegangen ist, wird an diesen Stellen genervt mit den Augen rollen. Zum Schluss gibt es eine umfangreiche Explosion, die einfach nur nach billigem, virtuellem Effekt aussieht. Da hätten Detonationen im Off und ein Schnitt zum fertigen Kriegsschauplatz sicherlich mehr erreicht. Aber auch bei einfachen Szenen, wie Innenaufnahmen in Autos, wird so unverhohlen mit der 2005er-CGI-Tapete gearbeitet, dass auch die insgesamt sehr gute Schauspielriege nicht davon ablenken kann. Man muss nur bei den vielen Drehorten – Arizona ist nämlich in Bulgarien und Mexiko in Spanien – mutmaßen, dass viel im Studio nachgedreht wurde, um ein schlankes Produktions-Budget für diesen risikofreudigen Kandidaten an der Kinokasse rauszuschlagen. Trotz viel Gemecker auf die digitalen Effekte, Sylvester Stallone spielt mit über 70 Jahren auf dem muskulösem Rücken seinen John Rambo aussagekräftig. Ein Actionfilm-Held, der nicht nur wegen seines Bizeps auf vielen Postern in Jugendzimmern zu sehen war.

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Fazit

Für RAMBO: LAST BLOOD bleibt eine ausschließliche Empfehlung für treue Rambo- und nostalgische Actionfilm-Enthusiasten übrig. Denn mehr bekommt man in diesem kurzweiligen 101-Minüter nicht geboten. Der Film regt nicht zum Nachdenken an, aber das will man ja auch gar nicht, wenn man John-Rambo-Land betritt.

© Christoph Müller

Titel, Cast und CrewRambo: Last Blood (2019)
Poster
ReleaseKinostart: 19.09.2019
Ab dem 14.02.2020 auf UHD, Blu-ray und DVD

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RegisseurAdrian Grunberg
Trailer
BesetzungSylvester Stallone (Rambo)
Paz Vega (Carmen Delgado)
Yvette Monreal (Gabrielle)
Óscar Jaenada (Victor Martinez)
Sergio Peris-Mencheta (Hugo Martínez)
Adriana Barraza (Maria Beltran)
Louis Mandylor (Sheriff)
DrehbuchMatthew Cirulnick
Sylvester Stallone
KameraBrendan Galvin
MusikBrian Tyler
SchnittCarsten Kurpanek
Todd E. Miller
Filmlänge101 Minuten
FSKab 18 Jahren

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