Psycho-Pass: Sinners of the System (2019) – Filmkritik

Eine kleine, aber exquisite Filmreihe erwartet uns zwischen PSYCHO-PASS: THE MOVIE und Staffel 3 der Animeserie: die Trilogie PSYCHO-PASS: SINNERS OF THE SYSTEM. In drei 60-minütigen Filmen werden abgeschlossene Geschichte aus dieser japanischen Zukunftsvision im 22. Jahrhundert erzählt. Als Fan des Franchises kommt man hier nicht vorbei. Nicht etwa, weil sich storyrelevante Dinge ereignen, sondern weil besonderes Augenmerk auf liebgewonnene Figuren gelegt wird. Außerdem sind die drei Filme spannend erzählt, hochklassig inszeniert und sie erweitern noch einmal zusätzlich die Welt mit dem Psycho-Pass auf vielerlei Ebenen.

Case.1 Schuld und Sühne (Crime and Punishment)

Psycho-Pass: Sinners of the System
© PSYCHO-PASS Committee

Winter 2117, Izumi Yasaka flüchtet in einem Auto nach Tokyo. Sie ist aus der Sanctuary-Einrichtung für latente Verbrecher in den Bergen geflohen. Izumi kann sich aber wegen einer hohen Medikamentendosis kaum artikulieren. Das Amt für öffentliche Sicherheit soll die Entflohene wieder zurückbringen und gleich die Gelegenheit nutzen, um zu erfahren, was dort vonstattengeht. Inspektorin Mika Shimotsuki übernimmt den Transport, zusammen mit Vollstrecker Nobuchika Ginoza und Yayoi Kunizuka. Sanctuary ist eine Art riesiger Bergbaubetrieb, in dem latente Verbrecher in Schutzanzügen untertage arbeiten. Der Instinkt der Ermittler geht gleich auf Warnstufe, denn hier scheint mehr vor sich zugehen als latenten Verbrechern eine Rückkehr in die Gesellschaft zu ermöglichen.

© PSYCHO-PASS Committee

Inspektorin Mika Shimotsuki führt hier die Einheit an, während Akane Tsunemori im Hauptquartier zurückbleibt. Viel Sympathie verstrahlt Shimotsuki nicht, auch scheint sie in dieser Geschichte wieder einmal überaus schlechte Laune zu haben und sehr reizbar zu sein. Man kann sich jedoch am ehemaligen Inspektor und nun Vollstrecker Nobuchika Ginoza erfreuen. Er hat nach der ersten Staffel nicht nur die Brille abgelegt, sondern ist auch wesentlich entspannter geworden. Sein Kampf gegen den Aufseher der Einrichtung Rodion – wie die Hauptfigur im titelgebenden Roman von Dostojewski – ist das Highlight von CASE.1.

© PSYCHO-PASS Committee

Gefangener oder Arbeiter?

Der Titel des Literaturklassikers SCHULD UND SÜHNE von Fjodor Dostojewski ist nicht ohne Grund gewählt. In diesem PSYCHO-PASS-Film geht es um die Frage, ob „leichte“ Verbrecher – oder in diesem Fall, latente/potenzielle Verbrecher – von der Gesellschaft für Arbeit genutzt werden dürfen. In Dostojewskis Roman hat die Hauptfigur die Überzeugung, dass „außergewöhnliche Menschen das Recht und die moralische Pflicht haben, gewöhnliche Menschen zu ihren eigenen, höheren Zwecken zu gebrauchen“ (Quelle: Wikipedia). Gleiches unternimmt hier die Sanctuary-Anstalt, sie nutzt Menschen mit keinerlei Rechten für eine gefährliche Arbeit untertage.

„Selbst wenn man böse ist, bekommt man als kompetenter Arbeiter einen Job“

Aber PSYCHO-PASS geht noch einen Schritt weiter und gibt zusätzlich einen Denkanstoß auf die Gesellschaft. Zum Finale zeigt sich ein kollektives Gruppendenken bei den Insassen, quasi ein Schwarmdenken. Es wird auch gezeigt, dass sich durch solch eine Gleichschaltung in moralischen Fragen der eigene Psycho-Pass senkt, egal wie falsch die Handlung der Gruppe ist. In der Gemeinschaft ist somit eine schlechte Tat für das persönliche Gewissen weniger falsch. Nur weil viele Menschen etwas Falsches tun, ist es nicht weniger falsch.

Rodion // © PSYCHO-PASS Committee

Das Sybil System scheint noch so einige Schwachpunkte bis zur gesellschaftlichen Idealvorstellung zu haben. Das Ende unterstreicht aber noch einmal den Allmachtstatus von Sybil und diese dystopische Zukunftsversion.

Fazit

Ein in der Tat cooles Szenario in einer fast sibirischen Bergbauwelt mit bekannten Charakteren. Ein guter Auftakt der Trilogie, der sogar zum demokratischen Nachdenken anregt und literarische Klassiker bewirbt.

Case.2 First Guardian

Psycho-Pass: Sinners of the System
© PSYCHO-PASS Committee

Oktober 2116, das Ministerium für internationale Beziehung entsendet Frederica Hanashiro zum Amt für öffentliche Sicherheit nach den Vorfällen in SEAU. Dies ist aber nur ein Vorwand, denn sie möchte den Vollstrecker Teppei Sugo abwerben. In diesem Zuge wird seine Geschichte erzählt.

Okinawa 2112, Teppei Sugo ist einer der besten Drohnenpiloten Japans, was ihm auch den titelgebenden Spitznamen gibt. Er beschützt seine Einheit auf dem Boden durch Luftunterstützung. Die Truppe erhält ihren ersten Kriegseinsatz in einer groß angelegten geheimen Operation des Militärs. Die Mission misslingt und ein Großteil der Einheiten verliert ihr Leben. Ein paar Wochen sind vergangen, als ein Anschlag auf die Führungsebene genau dieser Operation mit einer bewaffneten Drohne ausgeübt wird. Teppei ist einer der ersten Verdächtigen, in dem der ehemalige Supercop und jetzt Vollstrecker Tomomi Masaoka zusammen mit Inspektorin Risa Aoyanagi ermittelt.

Teppei Sugo und Tomomi Masaoka // © PSYCHO-PASS Committee

Veteranen

In FIRST GUARDIAN werden anhand der Geschichte, wie Teppei Sugo zu einem Vollstrecker wurde, ein paar komplexe Zusammenhänge in der Nutzung des Psycho-Pass beschrieben. Soldaten scheinen in dieser Welt noch ausgeklammert zu sein, doch vor allem sie müssten eine starke Beeinflussung ihrer Psyche aufweisen. Auch wenn bei der Landesverteidigung viel auf KI, Drohnen und Roboter gesetzt wird, müssen einige Aufgaben immer noch von Menschen übernommen werden. Hier ist die erste Mission der Einheit um den FIRST GUARDIAN auch gleich ein Fehlschlag mit Todesopfern. Die Hinterbliebenen hadern mit der Situation oder zerbrechen daran. Was ein bisschen schade ist, dass man den psychologischen Konflikt als Drohnenpilot nicht weiter ausbaut, wie zum Beispiel im Dokumentarfilm NATIONAL BIRD (2016), der auf der Berlinale zu sehen war. Hier erhält die Kriminalgeschichte den Vorrang und nicht das Töten auf Knopfdruck. Die Suche nach dem Attentäter mit einer schwerbewaffneten Drohne steht im Fokus. Was den Sympathieträger und ehemaligen Polizisten Tomomi Masaoka auf den Plan ruft, dessen Abschied wir in Staffel 1 verschmerzen mussten. Auch hier nehmen sich die Autoren genug Zeit für diesen gefallen Polizisten mit dem richtigen Instinkt.

Nobuchika Ginoza telefoniert mit Risa Aoyanagi // © PSYCHO-PASS Committee

In FIRST GUARDIAN entwickelt sich ein spannendes Geflecht aus Zusammenhängen, was Fans an PSYCHO-PASS so lieben. Leben per Knopfdruck zu nehmen, ist immer noch Mord. Soldaten, die im Krieg gefallen sind, deren Körper aber nicht gefunden wurde oder nicht überführt werden können, gelten als M.I.A., Missing in Action. Für die Hinterbliebenen ist dies ein schweres Urteil, denn sie bleiben mit der Hoffnung allein zurück, ob er oder sie doch noch am Leben ist. So wird hier ein Sparring-Roboter zum Geist eines zurückgelassenen Soldaten in Ausübung seiner Pflichten. Aber auch die Vertuschung eines schmutzigen Krieges findet seinen Platz in dieser umfangreichen Militärfolge.

Tomomi Masaoka // © PSYCHO-PASS Committee

Fazit

Eine starke, komplexe Geschichte trifft auf Figuren mit Persönlichkeit. The FIRST GUARDIAN verlässt die innenpolitische Bühne und wirft einen düsteren blick auf die Welt des Militärs im 22. Jahrhundert. Aber auch die Action und Schusswechsel beeindrucken mit einem exquisiten Sound.

Case.3 The Realm Beyond

Psycho-Pass: Sinners of the System
© PSYCHO-PASS Committee

Das Trilogie-Finale wird seinem Anspruch gerecht:

Im November 2117 geht es nach South Asia und dem verbannten Shinya Kogami, der sich von einem Söldnerjob zum nächsten durschlägt. Immer mit dem Anspruch für die unterdrückten Menschen zu kämpfen und möglichst niemanden dabei zu töten. Er trifft in einer Bar auf den Anführer Guillermo Garcia, der die versprengten Truppen der UN nach dem Zusammenbruch des Westens anführt. Er gibt offen zu dem Geld hinterherzulaufen, aber auch dem Frieden und so führen die Wege nach Tibet. Dort gibt es Kämpfe zwischen vielen Parteien, bei denen die Zivilbevölkerung die Leittragenden sind. Shinya nimmt ein junges Mädchen namens Tenzing Wangchuck in seine Obhut auf. Ihre Eltern wurden bei einem Guerillaangriff getötet. Er will sie in Selbstverteidigung ausbilden, aber Tenzing sucht eher die Rache. Beide werden noch ungewollt in den internationalen Friedensgesprächen ihre Rolle finden.

Tenzing Wangchuck // © PSYCHO-PASS Committee

Verloren im Himalaya

Die Grundgeschichte ist nicht unbekannt und erinnert an die berühmte Okami-Filmreihe in der ein herrenloser Samurai (Ronin) mit einem Findelkind durch das mittelalterliche Japan zieht. Wir sind jedoch in einem Zukunftsszenario, das detailreich mit Leben gefüllt ist. Die schönen Täler Tibets werden durch riesige Fabriken unterbrochen, deren Zweck unbekannt ist. Man könnte denken dieses Land sei aus der Zeit gefallen, aber die Ungetüme bezeugen eine neue Weltordnung. Die Truppen der UN, welche zu einem disziplinierter Söldnertrupp geworden sind, zeigt wie gut sich dieses Szenario in den vorangegangenen Spielfilm einpflegt. Die UN tarnen sich hier als „professionelle Konfliktvermittler“, aber vielleicht sind sie es kritisch betrachtet auch heute schon. Die Spuren einer Kriminalgeschichte lassen sich jedoch auch nicht hier verbregen und so muss es noch Charaktere geben, die eine doppeltes Spiel spielen, aber auch die traurige Erkenntnis, dass manche Mittel doch das Ergebnis rechtfertigen.

© PSYCHO-PASS Committee

Das Finale auf einem Zug, der über die steilen Hänge der Hochgebirge rauscht, lässt noch einmal große Actionfilmgefühle aufkommen und auch unsere blonde Schöne Frederica Hanashiro darf zeigen, was in ihr steckt. Ihr haben wir es auch zu verdanken, dass Shinya seinen Weg zurück nach Japan findet. Dürfen wir gespannt sein, wie es ihm in seiner neuen Anstellung ergehen wird.

Trivia: Die junge Tenzing liest ein zurückgelassenes Buch ihres Vaters: BEYOND THE PALE OF VENGEANCE von Hiroshi Kikuchi. Im Original heißt das Buch Onshū no Kanata ni (恩讐の彼方に) was auch der japanische Name dieses Kurzfilms darstellt.

© PSYCHO-PASS Committee

Fazit

In THE REALM BEYOND wird alles aufgefahren: Eine Vater-Kind-Beziehung, zweigesichtige Bösewichte, eine langbeinige geheimnisvolle Blondine und jede Menge Action mit moralischem Anstrich. Leider kommt auch hier der „Westen“ wieder nicht gut weg, aber immerhin ist Shinya Kogami endlich wieder aus seiner Verbannung entlassen.

Gesamtfazit PSYCHO-PASS: SINNERS OF THE SYSTEM

Psycho-Pass: Sinners of the System
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Dieses Triptychon von drei Stunden wird jeden PSYCHO-PASS-Fan zufrieden machen. Alle Erwartungen werden erfüllt, von spektakulären Kämpfen über neue fremde Schauplätze bis hin zu liebgewonnenen und verloren geglaubten Nebencharakteren zeigt PSYCHO-PASS: SINNERS OF THE SYSTEM wie vielfältig dieses Szenario sein kann. Nicht verpassen!

© Christoph Müller

TitelPsycho-Pass (2012-2019)
CreatorTow Ubukata
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PSYCHO PASS: SINNERS OF THE SYSTEM
Trailer




DrehbuchJared Hedges
Gen Urobuchi
Makoto Fukami
Art DirectorYusuke Takeda
MusikYûgo Kanno
SchnittYoshinori Murakami
UmfangStaffel 1: 22 Folgen mit je ca. 23 Minuten
Staffel 2: 11 Folgen mit je ca. 23 Minuten
Psycho-Pass: The Movie 113 min
Staffel 3: 8 Folgen mit je ca. 23 Minuten
AltersfreigabeAb 16 Jahren freigegeben

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