Prospect (2018)

Prospect (2018) – Filmkritik

Was fehlt der zigsten STAR-TREK-Serie und dem x-ten STAR-WARS-Klon der letzten Jahre? Ein Herz. Das zeichnet einen großen Film aus, egal mit welchem Produktionsbudget gesegnet. Ihre Seele haben die großen Science-Fiction-Franchises schon vor langer Zeit an der Kinokasse verkauft. Es sind nur noch belanglos heruntergespielte Themen, vordergründig mit den jeweiligen Universen ihrer Gründer verknüpft und gespielt von langweiligen, nichtssagenden Charakteren. Solch herausragende Werke wie MOON (2009) oder EX MACHINA (2014) blieben Mangelware in den letzten Jahren und wurden nur am Rande von einem kleinen Kreis von Filmfreunden entdeckt und begeistert gefeiert. Mit PROSPECT haben wir nun einen neuen Star am Indie-Film-Himmel.

Prospect (2018)
© Capelight Pictures

Inhalt

Damon (Jay Duplass) und seine Tochter Cee (Sophie Thatcher) haben einen Vertrag ersteigert, der ihnen die Schürfrechte auf einem abgelegenen Planeten sichert. Durch den Gewinn mit den dortigen Bodenschätzen wollen sie ihrem Nomadenleben endlich ein Ende bereiten und hoffen dadurch auch ihre Rückreise zur Erde finanzieren zu können. Doch erstens kommt es anders und zweitens als sie denken. Beim Anflug auf den kleinen grünen Planeten kommt es zu einer Fehlfunktion des Landungsbootes, was einen Rückflug unmöglich macht. Kurz darauf entdecken sie auch noch zwei Fremde, Ezra (Pedro Pascal) und den schweigsamen Number 2 (Luke Pitzrick), in den toxischen Wäldern dieses seltsamen Planeten. Nach einem kurzen Wortwechsel wird schnell klar, dass die Fremden den Neuankömmlingen nicht gerade freundschaftliche Gefühle entgegenbringen. Nach dem darauffolgenden Schusswechsel wird für die junge Cee die Hoffnung, den Planeten zu verlassen, geradezu aussichtslos.

Prospect (2018)
© Capelight Pictures

Der alte Sowjet-Look

Dass die beiden Regisseure des Films, Christopher Caldwell und Zeek Earl, niemand auf der Liste hat, liegt wohl daran, dass sie vor PROSPECT keinerlei Erfahrung im Filmbusiness gemacht haben. Lediglich Werbeclips und ein paar kleinere Kurzfilme stehen in ihrer übersichtlichen Filmografie. Umso erstaunlicher ist es, dass sie diesen unglaublich intensiven Science-Fiction-Streifen mit einem minimalen Budget umsetzen konnten. Thematisch kann man das Ganze zwischen JACK LONDONS WOLFSBLUT (ZANNA BIANCA, 1973) und ENEMY MINE – GELIEBTER FEIND (ENEMY MINE, 1985) verorten.

Prospect (2018)
© Capelight Pictures

Der Look des Films erinnert sofort an die alten Science-Fiction-Klassiker aus der damaligen UDSSR, der Sowjetunion von 1922 bis 1991. Diese kleinen, dreckigen, aber überzeugenden Filme wie z. B. STALKER (1979) oder SOLARIS (SOLYARIS, 1972), in beiden führte Andrei Tarkovsky Regie, haben ein ganz besonderes Aussehen, was sich auch PROSPECT zu Eigen macht. Alles erscheint verbraucht und abgenutzt, einfach vergammelt, so als wäre es schon viele Jahre in Nutzung. Im Gegensatz dazu, zeigt sich der Science-Fiction-Film aus den USA seit jeher immer gerne sauber und aufgeräumt.

Prospect (2018)
© Capelight Pictures

Ein tödlicher Zauberwald im All

PROSPECT ist ein ruhiger Vertreter seines Genres. Wer hier wilde Action im Weltraum erwartet, ist definitiv falsch. Aber ruhig bedeutet nicht gleich langweilig, ganz im Gegenteil. Von der ersten Minute an ist die Story extrem aufregend und der Spannungsbogen steigert sich bis zur letzten Szene. Es gibt atemberaubende Aufnahmen von Kameramann und Regisseur Zeek Earl, in dem kleinen Raumschiff wie auch dem fantastischen Wald, in dem auch ein Großteil der Story spielt. Jeder Anzug der Protagonisten ist ein Einzelstück und echte Handarbeit. CGI-Effekte kommen nur sehr wenige zum Einsatz, stattdessen wurden selbst entworfene und im Eigenbau umgesetzte Modelle bevorzugt. Ein Beispiel: Im unglaublichen Märchenwald von PROSPECT, der übrigens nahe Washington existiert und gut fünf Stunden von Seattle entfernt ist, befindet sich immer eine Art feiner Staub in der Luft. Dieser unwirkliche Atmosphäre ist nicht digital hinzugefügt worden, wie man jetzt glauben mag. Caldwell und Earl haben mehrere Tage in einem Keller Staub gefilmt und getestet bis die richtige Zusammensetzung Einzug in den Film fand. Echte Handarbeit mit Herzblut eben.

Prospect (2018)
© Capelight Pictures

Auch der Cast des Filmes ist hervorragend ausgewählt. Der Bekannteste unter ihnen dürfte Pedro Pascal sein (KINGSMAN: THE GOLDEN CIRCLE, NARCOS, GAME OF THRONES, THE EQUALIZER 2), der seine Figur Ezra einfach genial spielt. Angelegt zwischen Gut und Böse oder der Gier nach Profit und dem Verlangen endlich den Planeten zu verlassen, spielt Pascal mit diesen Eigenschaften seines Charakters. Zu keiner Zeit wird so richtig klar, auf welcher Seite Ezra wirklich steht. Aber auch die unbekannten Jay Duplass und vor allem auch die junge Sophie Thatcher bestechen durch ihre überragende Performance vor der Kamera. Vor allem der psychische Kampf zwischen Pascal und Thatcher im Verlauf des Films ist grandios. Die Figuren sind zwar alle relativ flach gezeichnet, die Darsteller jedoch bringen eine Tiefe in ihr Spiel mit ein, dass es eine wahre Freude ist, sie bei ihrem ungleichen Kampf zu beobachten. Man hat auch jederzeit das Gefühl, dass hinter jedem der Charaktere aus PROSPECT eine interessante Geschichte verborgen ist, die ihn noch lebendiger und echter macht.

Prospect (2018)
© Capelight Pictures

Fazit

PROSPECT ist DAS Highlight der letzten Jahre im Science-Fiction-Genre und steckt alle megateuren Franchise-Produktionen mit links in die Tasche. Es bleibt zu hoffen, dass PROSPECT nicht das letzte Werk der beiden Regisseure Caldwell und Earl bleibt und dass beide noch mehr in diesem Format herausbringen. Ebenso bleibt zu wünschen, dass wir noch mehr aus diesem faszinierenden Universum und dessen Bewohnern in einem weiteren Film erfahren werden.

Prospect (2018)
© Capelight Pictures

Das Mediabook

Prospect (2018)
Das Mediabook von Capelight

Capelight Pictures muss ich ebenfalls ein großes Lob aussprechen. Nicht nur, dass es eine DVD und eine Blu-ray gibt, sie bringen auch gleich ein Mediabook auf den Markt. Aber das ist nicht das Besondere, sondern der Inhalt: Das Mediabook ist eine limitierte 3-Disc-Edition mit einer DVD, einer Blu-ray und einer 4K-Version des Films. Hinzu komme ein 24-seitiges Booklet. Ich würde mir wünschen, dass sich andere Firmen das zum Vorbild nehmen und in Zukunft ebenso verfahren. Außerdem ist das Mediabook sehr schick entworfen, nicht etwa mit dem 08/15-Standard-Hochglanz-Karton wie ihn mittlerweile 99 % aller Mediabooks haben. Nein, PROSPECT hat einen leicht aufgerauten, in matten Farben gehaltenen Karton gewählt, der sehr gut in der Hand liegt. Weitere Extras sind zudem ein Audiokommentar der Regisseure, Behind the Scenes, Szenenanalyse-Clips, Inside Prospect Featurettes, Entfallene Szenen und einige Kinotrailer.

Nicht vergessen: Der geniale Soundtrack von Daniel L.K. Caldwell wurde ebenfalls veröffentlicht, was heutzutage gerade bei Indie-Filmen sehr selten vorkommt. Momentan aber nur als MP3-Album und nicht auf Audio-CD oder Vinyl.

Titel, Cast und CrewProspect (2018)
Poster
Releaseab dem 26.07.2019 im Mediabook (4K-UHD+Blu-ray+DVD)
Bei Amazon bestellen:
RegisseurChristopher Caldwell
Zeek Earl
Trailer
BesetzungSophie Thatcher (Cee)
Jay Duplass (Damon)
Pedro Pascal (Ezra)
Luke Pitzrick (Number 2)
Arthur Deranleau (Fahr)
DrehbuchChristopher Caldwell
Zeek Earl
KameraZeek Earl
MusikDaniel L.K. Caldwell
SchnittPaul Frank
Filmlänge100 Minuten
FSKab 12 Jahren

 

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