Polaroid (2019) – Filmkritik

Eigentlich war ich der Meinung, dass durch das vermehrte Aufkommen solch genialer als auch innovativer Horror-Filme wie THE VOID, A GHOST STORY, OUR EVIL (MAL NOSSO), HEREDITARY oder auch MANDY die Gefahr endlich gebannt sei. Jedoch mit dem vorliegenden POLAROID wurde ich erneut eines Besseren belehrt. Die gesichtslose Masse von gut aussehenden, supercoolen und megaerfolgreichen Teenagern in diesem Genre nimmt einfach kein Ende. Wieder schaffen sie es, innerhalb kürzester Zeit, dem wirklich bemühten und um Verständnis ringenden Zuschauer auf die Nerven zu gehen. So lange und ausdauernd, dass man sich nichts sehnlicher wünscht, als dass sie schnellstens über die Klinge des Mörders springen und zum Teufel fahren würden, damit das ganze Trauerspiel ein Ende findet. So viel zum ersten Eindruck des neusten Horrorfilms POLAROID, den Capelight für das Heimkino veröffentlicht und bei dem der bis dato unbekannte Norweger Lars Klevberg Regie führen durfte.

© Capelight Pictures

 Inhalt

Bird Fitcher (Kathryn Prescott) jobbt neben der Highschool in einem Antiquitätenladen. Eines Tages bekommt sie von Tyler (Davi Santos), der ebenfalls dort arbeitet und in die schüchterne Außenseiterin verknallt ist, eine Sofortbildkamera geschenkt. Da Bird selber viel und gerne fotografiert, erkennt sie sofort, dass es sich um ein wertvolles Sammlerstück handelt. Um zu testen, ob die Kamera funktioniert, muss Tyler herhalten, keine gute Idee wie sich später herausstellt. Ab diesem Moment hat Bird die Kamera immer dabei und schon nach kurzer Zeit gibt es den ersten mysteriösen Todesfall: Es hat ihren Kollegen Tyler erwischt. Erst als Bird auf einer Party mehrere ihrer Mitschüler fotografiert, erkennt sie den Zusammenhang zwischen der Kamera und den unheimlichen Morden. Für alle beginnt nun ein Wettlauf gegen die Zeit, denn die Polaroid verlangt nach immer mehr Blut.

© Capelight Pictures

Die nächste Zombie-Flut

Wie schon weiter oben geschrieben, ist das erneut einer jener Filme, in denen nur hübsch anzusehende Teenager vor der Kamera stehen. Jeder ist jung, attraktiv und erfolgreich. Jeder weiß alles und kann alles, einfach super so ein junges Leben. Alle sehen irgendwie gleich aus und jeder hampelt mit einem nichtssagenden Gesichtsausdruck vor der Kamera herum. Die jungen Darsteller weisen keine Ausstrahlung und keinerlei Charaktervarianz auf. So sieht die namenlose und anonyme Masse der Zukunft aus, das sind die neuen, die echten Zombies unserer Zeit.

© Capelight Pictures

Die Story hält keinerlei Überraschungen bereit, denn ab Minute eins ist klar, um was es hier geht. Bis jetzt frage ich mich, wo Blair Butler – der Mann, der für das Drehbuch verantwortlich ist – diese Idee eigentlich her hat. In POLAROID haben wir die typischen Stereotypen und -themen der letzten Filmjahre versammelt: Es gibt die Außenseiterin und ihre heimliche große Liebe. Bei ihr dürfen die schwierigen Familienverhältnisse und der Widerwille auf coole Partys ihrer überschaubaren Freunde zu gehen nicht fehlen.

© Capelight Pictures

Natürlich glaubt auch niemand unserer Heldin, was sie entdeckt hat. Erst recht nicht die Erwachsenen. Die Story verhandelt alle bekannten Muster ohne jedwede Möglichkeit einer überraschenden Wendung. Der einzige Hingucker in POLAROID wäre höchstens das asthmatische Monster (Eine Verwandtschaft mit Darth Vader ist nicht überliefert), dessen Leinwand-Präsenz ganz gut in Szene gesetzt wurde. Aber die Menschen in diesem Film konnte Regisseur Lars Klevberg nicht wiederbeleben. Alle taumeln unmotiviert von einer Szene zur nächsten und spulen bekannte Standardmuster gelangweilt herunter.

© Capelight Pictures

Fazit

Dann doch lieber gleich die guten Originale wie RING (RINGU, 1998), SHUTTER (2005) oder auch THE CALL (CHAKUSHIN ARI, 2003) anschauen. Mag gut möglich sein, dass der Film für ein unerfahrenes Publikum ein paar Überraschungen, ja sogar Grusel bereit hält. Dem schon etwas geübten und erfahrenen Horrorfilm-Seher der letzten Jahre, wird hier nichts vom Sofa schrecken. Es ist nicht damit zu rechnen, dass der Film als Klassiker in die Geschichte eingehen wird, geschweige denn, in ein paar Wochen oder Monaten noch irgendwie, irgendwo oder irgendwann erwähnt wird. Wenn der ein oder andere bei der Sichtung des Films einschlafen sollte: Es sei ihm verziehen.

Die Blu-ray

Blu-ray-Cover von © Capelight Pictures

Bild und Ton auf der Blu-ray sind sehr gut, der Kontrast und die Farbpalette ausgewogen. Bis auf ein paar Trailer gibt es keinerlei Extras auf der Disc. Wer auf platten Teenie-Grusel steht, dem sei dieses neuste Werk ans Herz gelegt, alle anderen seien hiermit gewarnt. Klappe zu, Affe tot.

Titel, Cast und CrewPolaroid (2019)
Poster
Releaseab dem 17.05.2019 auf Blu-ray und DVD
Bei Amazon bestellen:
RegisseurLars Klevberg
Trailer
BesetzungKathryn Prescott (Bird Fitcher)
Tyler Young (Connor Bell)
Samantha Logan (Kasey)
Keenan Tracey (Devin)
Priscilla Quintana (Mina)
DrehbuchBlair Butler
KameraPal Ulvik Rokseth
MusikPhilip Giffin
SchnittPeter Gvozdas
Filmlänge88 Minuten
FSKab 16 Jahren

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.