Peppermint – Angel of Vengeance | Filmkritik

Rachefeldzug durch L. A.

Rache ist eines der ältesten Motive, die man sich denken kann. Damit ein erlebtes Unrecht wieder ausgeglichen scheint, sehen viele Figuren nur den Weg der Rache. Meist legen sie diesen nicht ohne Gewalt und Blut zurück. Somit ist die Grundlage vieler Geschichten, Sagen und natürlich auch Filme gelegt. Für den Leser, Zuschauer oder Hörer ist dieses Motiv oft sehr einfach nachzuvollziehen und somit auch nicht verwerflich. Erst kürzlich haben wir über den urbanen Racheakt DEATH WISH geschrieben. Letztes Jahr konnte man den zweiten Teil des Rachefests JOHN WICK 2 beiwohnen. Irgendwo dazwischen möchte PEPPERMINT – ANGEL OF VENGEANCE sein. Dabei setzt Regisseur Pierre Morel (96 HOURS, FROM PARIS WITH LOVE) mit Jennifer Garner (ALIAS, ELECTRA) auf eine starke weibliche Hauptrolle. Obwohl man generell nicht viel auf die großen Bewertungsportale des Internets hören sollte, zeigt sich ein gewisser Trend für den am 29.11.2018 startenden Film. Warum man hier kein gut inszeniertes Rachefest mit weiblicher Darstellerin à la KILL BILL erwarten sollte, lest ihr am besten selbst.

Inhalt

Für die kleine Familie North läuft das Leben gut, aber nicht unbedingt perfekt. Die Autowerkstatt von Vater Chris (Jeff Hephner) läuft nicht besonders und auch Riley North (Jennifer Garner) ist nicht glücklich in ihrem Job. Dieser nimmt ihr zu viel Zeit weg, die sie viel lieber mit ihrer kleinen Tochter Carly (Cailey Fleming) verbringen würde. Nachdem niemand zu Carlys Geburstagsparty auftaucht, beschließt die Familie kurzerhand auf den Jahrmarkt zu gehen, um trotzdem noch einen schönen Abend zu verbringen. Das Familienglück nimmt ein abruptes Ende, als Vater und Tochter vor den Augen Riley Norths aus einem fahrenden Auto erschossen werden. Das örtliche Drogenkartell vermutet, dass Chris in einen geplanten Raub verwickelt war und setzt an ihm ein Exempel. Wärend Vater und Tochter den kaltblütigen Anschlag nicht überleben, erlebt Riley den Horror jeder Mutter: Sie muss ihre Familie zu Grabe tragen. Wäre dies nicht schon unerträglich genug, muss die gebrochene Frau zusätzlich mit ansehen wie die Täter mangels Beweise freigelassen werden. Nach der Urteilsverkündung verschwindet Riley plötzlich von der Bildfläche. Fünf Jahre später werden drei bekannte Bandenmitglieder kopfüber aufgehangen von der Polizei gefunden. Schnell steht fest, es sind die freigesprochenen Attentäter. Nachdem auch Verteidiger und Richter des Prozesses angegriffen werden, fandet die Polizei nun nach Riley North. Diese fängt aber mit ihrem blutigen Rachefeldzug gegen Korruption und Drogenkartell erst richtig an.

 

Peppermint – Angel of Vengeance © UNIVERSUM FILM

Es fehlt an allen Ecken und Kanten

Vieles läuft nicht so richtig rund bei PEPPERMINT – ANGEL OF VENGEANCE. Ganz besonders fällt das Fehlen von Sympathiefiguren auf. Weder Jennifer Garner noch einem der Polizisten will man nachts auf der Straße begegnen. Alle sind gefühlslos und menschenfremd. Wenn in einem Rachefilm das Opfer unsympathischer wirkt als der unglaublich böse Drogenboss (Juan Pablo Raba), dann läuft etwas schief. Dabei ist die Geschichte ausreichend simpel und benötigt nicht viel, um den Zuschauern auf die Seite der Mutter zu ziehen. So richtig schafft es PEPPERMINT aber nicht. Vielmehr entsteht in zwei Szenen eine große Distanz zur Hauptfigur. Hier greift Riley nicht gegen Drogendealer und Gangster zur Waffe, sondern gegen Hausfrau und Mutter. Natürlich ist diese auch keine Heilige, aber die Handlungen von Riley lassen auch die letzte Solidarität verschwinden. Das macht dann besonders die Szenen anstrengend, in denen der Film uns durch Erinnerungsflashbacks vorkaut, warum Riley sich durch L. A. ballert. Schwierig ist auch der Wandel der Hausfrau zur Mördermaschine. Im Gegensatz zum thematisch sehr ähnlichen DEATH WISH, ist die Verwandlung der Hauptfigur sehr unglaubwürdig. Nicht, weil es Jennifer Garner nicht überzeugend darstellt, diese hat sich für die Rolle nämlich einen durchaus muskulösen Körper antrainiert, sondern vielmehr weil es ihr an Entwicklung und Scheitern fehlt. PEPPERMINT gibt den Zuschauer nur ein kurzes FBI-Briefing, in dem erzählt wird, wie aus der mütterlichen Hausfrau eine Art Navy Seal geworden ist: Geübt im Nahkampf und Umgang mit großen Schusswaffen, Meisterin der Tarnung und taktischer Angriffe. Wofür Soldaten ein ganzes Leben trainieren, braucht Riley nur fünf Jahre, Off-Screen-Time. Zu allem Überfluss, will die Action dann auch nicht richtig funken. Explizit und brutal, wie in anderen Rachezügen, wird hier nicht gemordet. Die meiste Zeit gibt es einen voreiligen Schnitt und der Tod erfolgt hinter der Kamera. Auch Waffen und Explosionen wirken kaum knallig und echt, es fehlt das Gewicht der einzelnen Action-Elemente.


© UNIVERSUM FILM

Es muss nicht immer logisch sein

Damit nicht genug, hat PEPPERMINT so viele Logiklücken, dass selbst für eine Actionunterhaltung die Glaubwürdigkeit dahin ist. Dass die Heldin in gewisser Weise unsterblich ist, damit kann man leben, wenn sie nicht in der nächsten Szene als verletzlich und körperlich am Ende dargestellt wird. In einem Moment ist Riley noch ein Mischwesen aus John Rambo und John Wick, schießt sich mit geklauter Militärausrüstung durch ein geheimes Geldwäscher-Lager und im nächsten Moment liegt sie kraftlos, den Tränen nahe auf dem Boden. Nur durch den Geist ihrer Tochter wird sie dann auch noch ins Leben zurück geholt. Über all dem schwebt zusätzlich die Inkompetenz und Korruption der amerikanischen Justiz und des Polizei-Apparats. Wie bereits in DEATH WISH wird Selbstjustiz glorifiziert wie schon lang nicht mehr, da kommt selbst der alte Polizeiveteran (John Ortiz) und gibt Riley eine Dankesrede, doch PEPPERMINT fehlt es an jeglicher Kritik. Wirklich Freude haben nur zwei Charaktere gemacht, von denen einer undankbar in einem Nebensatz für tot erklärt wird: Der Kartellanwalt Henderson (Michael Mosley) ist wunderbar unberechenbar und hassenswert, hat aber viel zu wenig Screentime und Juan Pable Raba überzeugt als Drogenboss Diego Garcia. Er ist eine der wenigen Figuren, die Spaß machen und verständlich handeln. Leider zwingt ihn das Drehbuch am Ende zum erwarteten Bösewichtfehler, was seine Leistung in den Minuten davor etwas schmälert.

Peppermint – Angel of Vengeance © UNIVERSUM FILM

Fazit

Selten finde ich kaum positive Worte für einen Film, aber bei PEPPERMINT – ANGEL OF VENGENCE fällt es besonders schwer, gute Aspekte aufzuzeigen. Die Action ist mittelmäßig und das Drehbuch hanebüchen, hinzu kommt die fehlende Kritik an der Selbstjustiz. Ich würde den Film wirklich niemandem antun wollen.  In der Sneak-Vorstellung, in der ich den Film sehen konnte, gab es zugegebenermaßen durchaus positive Stimmen zum Film. Scheint als würde PEPPERMINT, mit allen Fehlern und Macken, trotzdem sein Publikum finden.

Titel, Cast und Crew

(2018)Peppermint Angel of Vengeance
OT: Peppermint

Poster

Film Poster

Kinostart/
Veröffentlichung

29.11.2018

Regisseur

Pierre Morel

Trailer

Besetzung

Jennifer Garner (Riley NOrth)
John Gallagher Jr. (Detective Stan Carmichael)
John Ortiz (Detective Moises Beltran)
Juan Pablo Raba (Diego Garcia)
Annie Ilonzeh (FBI Agent Lisa Inman)
Jeffer Hephner (Chris North)
Cailey Fleming (Carly North)
Michael Mosley (Henderson)

Drehbuch

Chad St. John

Kamera

David Lanzenberg

Musik

Simon Franglen

Schnitt

Frédéric Thoraval

Filmlänge

101 Minuten

FSK

ab 16 Jahren
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20

Fragt sich, ob DIE NACKTE KANONE noch eine Chance auf einen Oscar hat / kann Käsekuchen nicht widerstehen / sollte ohne Korrekturlesen nichtmal ‘ne SMS schreiben.

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