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Parallele Mütter (2021) – Kurzkritik

Parallel: In gleicher, ähnlicher Weise neben etwas anderem. Parallel ist die Situation von Fotografin Janis (Penélope Cruz) und Ana (Milena Smit). Die beiden Frauen bekommen, mehr oder weniger gewollt, ein Kind. Bei der wohlhabenden Janis ist es ein feministisches Statement, das Kind alleine großzuziehen. Bei Ana ist die Ursache dafür wesentlich düsterer. Aus dem Teilen eines Krankenzimmers entspinnt sich eine Freund- und später Liebschaft, die von einem unbequemen Geheimnis überschattet wird.

© Arthaus/Studiocanal

Pedro Almodóvar gehört zu den wenigen männlichen Regisseuren, den man authentisch als Feminist bezeichnen kann. PARALLELE MÜTTER eröffnet bereits mit der gekonnten Subversion eines eigentlich bekannten Filmbildes: Die FotografIN lichtet das MÄNNLICHE Model ab. Meistens ist es andersherum. So wie auch Janis ihrer Affäre gegenüber selbstverständlich den Wunsch äußert, dass gemeinsame Kind allein großzuziehen. Die Männer sind hier sowieso nur schöne Dekoration, alle wichtigen Rollen des Filmes werden ausnahmslos von weiblich gelesenen Personen verkörpert. Noch auffallender ist das im Nebenhandlungsstrang des Filmes, der sich um Spaniens blutige Bürgerkriegsvergangenheit dreht und immer wieder betont, wie es die Frauen waren, die ihre Männer pflegten, die Kinder versorgten und unterrichteten. Gegen das Vergessen dieser Epoche kämpft Janis an und gibt auch Ana einen Crashkurs in Vergangenheitskunde. Die private und die politische Rolle der Frau waren bei Almodóvar schon immer stark miteinander verknüpft, aber wohl nie so extrem wie hier. Da steht Janis als Verkörperung eines alten, funktionierenden Wirtschaftssystems, die selbstverständlich in einem Luxusappartement lebt, gegenüber von Ana, die zu der ersten Generation gehört, die ihre Eltern wirtschaftlich nicht mehr übertreffen wird. Das aufgeräumte Stadtleben gegen das staubige, weite Landleben. Die Gegenwart als Produkt der Vergangenheit.

© Arthaus/Studiocanal

Es sind vor allem optisch zwei sehr entzückende Stunden, die man mit PARALLELE MÜTTER im Kino vollbringen kann. Die Kamera von José Luis Alcaine und gerade das Szenenbild von Antxón Gómez erschaffen so manche Einstellung, die, wie die Kids so hip sagen, mietfrei im Kopf wohnen bleibt. Darüber hinaus bekommt man, was man bei Almodóvar immer bekommen hat: Eine bei näherem Hinsehen sehr abgründige Geschichte, die wunderbar einfach-goutierbar verpackt ist. Zwei weibliche Hauptdarstellerinnen, die mühelos den Film alleine tragen. Und eine im Kino selten anzutreffende Selbstverständlichkeit. Die Tatsache des Alleinerziehens ist für Almodovar nie ein Novum oder ein Konfliktpunkt, auch nicht Themen wie Diversität oder gleichgeschlechtliche Liebe. All dies bildet er ab, mit seinem unvergleichlichen Auge für Stil und Figurenschiebung.

© Arthaus/Studiocanal

PARALLELE MÜTTER fehlt vielleicht etwas dieses euphorisierende Comeback Gefühl von LEID UND HERRLICHKEIT, wer sich aber dieser Tage im Kino abseits von Fledermausmännern oder schätze-jagenden Videospielhelden auf verdammt hohem Niveau unterhalten lassen möchte, der/die kommt an dem neuen Werk des Spaniers eigentlich nicht vorbei.

© Fynn

Titel, Cast und CrewParallele Mütter (2021)
OT: Madres paralelas
Poster
RegiePedro Almodóvar
ReleaseKinostart: 10.03.2022
Trailer
BesetzungPenélope Cruz (Janis)
Milena Smit (Ana)
Israel Elejalde (Arturo)
Aitana Sánchez-Gijón (Teresa)
Rossy de Palma (Elena)
Julieta Serrano (Brígida)
DrehbuchPedro Almodóvar
FilmmusikAlberto Iglesias
KameraJosé Luis Alcaine
SchnittTeresa Font
Filmlänge123 Minuten
FSKAb 0 Jahren

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