Outrage Beyond Mediabook Review capelight

Outrage Beyond – Filmkritik & Review zum Mediabook

Die Schlingen eines Krahns ziehen ganz langsam etwas aus dem Wasser. Es kommt Stück für Stück eine dunkelblaue Limousine zum Vorschein. Ihre Chromleisten glänzen in der Sonne und das Wasser läuft langsam aus dem Inneren. Schwach kann man Leichen auf den vorderen Sitzen erahnen. Man hört im Hintergrund die Stimmen zweier Polizisten, die uns darüber aufklären, was in den letzten fünf Jahren in der Unterwelt von Tokyo geschehen ist. Während das Flusswasser aus dem Auto-Innenraum hinausfließt, kehren auch langsam die Erinnerung an die Geschehnisse in OUTRAGE zurück, an den verräterischen Mord des Vorsitzenden, die Gefangennahme Ôtomos und den Mord an fast all seinen Clanbrüdern. Wir sind zurück in der Welt der Intrigen, der Heucheleien, der Entschuldigungen, der Schimpfworte und der abgeschnittenen Finger. Willkommen in Takeshi Kitanos Welt der Yakuza: OUTRAGE BEYOND.

Ôtomo (Beat Takeshi) // © capelight pictures

Handlung „Outrage Beyond“

Der Sanno-Klan hat in den letzten Jahren enorm an Einfluss gewonnen. Nicht nur im Aktienhandel treiben seine Mitglieder mithilfe von Hedgefonds ihr Unwesen, sondern bedrohen Minister und Lobbyisten, um an große staatliche Aufträge zu kommen. Das Polizeipräsidium von Tokyo nimmt dies nicht mehr länger hin und beauftragt Detective Kataoka (Fumiyo Koshinata), die mächtige Mafia in ihre Schranken zu weisen. Er versucht es zu Beginn mit der Beeinflussung von ein paar unzufriedenen Mitgliedern des Clans, die zusammen mit den Yakuza aus Osaka einen Umsturz herbeiführen sollen. Dies gelingt nicht und deswegen muss Ôtomo (Beat Takeshi) von den Toten zurückkehren. Dieser war nämlich nur zum Schein für im Gefängnis ermordet erklärt worden und zusammen mit Kimura (Hideo Nakano), dem er das Gesicht mit einem Cutter entstellt hatte, sollen sie den neuen Kaichu vom Tron stürzen.


© capelight pictures

Zurück mit neuen Ansätzen

Eigentlich sollte OUTRAGE BEYOND schon wesentlich früher in die Produktion gehen, aber das große Erdbeben in Japan 2011 zwang die Filmcrew zu einer einjährigen Pause. Kitano hatte seine Vorsätze aus dem ersten Teil über Bord geworfen und ließ die Yakuza im 21. Jahrhundert ankommen. Jetzt verdienen sie viel Geld durch Aktienhandel, in dem sie einflussreiche Personen aus den jeweiligen Firmen erpressen und somit den Aktienkurs beeinflussen. In der Politik und dem Lobbyismus ist der Sanno-Clan ebenfalls angekommen. OUTRAGE BEYOND langweilt aber nicht mit wirtschaftlichen und politischen Neuigkeiten, sondern mit den Intrigen schmiedenden Yakuza. Jeder versucht sich ein großes Stück vom Kuchen abzuschneiden, aber das gelingt nur auf den Rücken der anderen, zur Not auch mit Gewalt. Alles ganz nach dem Motto, nach oben buckeln und nach unten treten.

Frauen sind nur Dekoration in dieser Männerdomäne // © capelight pictures

Die Figuren Ôtomo und Kimura wollen nicht wirklich in die Welt der Anzugträger passen, die sich nun sogar mit Stecknadeln am Revers zum Clan zugehörig zeugen und nach außen wie Politiker wirken. Der Wechsel im Aufgabenfeld der Yakuza wird auch durch den neuen Kaichu Kato (Tomokazu Miura) verdeutlicht. Er fördert nur die jungen Gefolgsleute und missachtet die Tradition der Nachfolge der Älteren. Das geht den alten Yakuza natürlich gehörig gegen den Strich. Als das Leistungsprinzip von der zweiten Hand des Kaichu, dem Verräter Ishihara (Ryo Kase) einführt wird, wollen alle Mitglieder zu den alten Gebräuchen und Riten zurück. Ein Machtwechsel ist unumgänglich.


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Gutes und Böses in jeder Ecke

OUTRAGE BEYOND ist nicht nur wegen der Frischzellenkur der Yakuza spannender als sein Vorgänger OUTRAGE, sondern auch weil ein größerer Fokus auf die Arbeit der Polizei – in Form des Detective-Teams Kataoka und Shigeta (Yutaka Matsushige) – gelegt wird. Vor allem der pöbelnde und ständig meckernde Riese Shigeta als Assistent in seiner Beamten-Jacke bekommt durch seine ehrliche Art viele Sympathiepunkte. Es bleibt zu hoffen, dass er in OUTRAGE CODA noch eine gewichtige Rolle spielen wird.

Outrage Beyond Fumiyo Kohinata (Detectiv Kataoka) Yutaka Matsushige (Detective Shigeta)
Fumiyo Kohinata (Detectiv Kataoka) und Yutaka Matsushige (Detective Shigeta) // © capelight pictures

Wenn man OUTRAGE BEYOND als zweiten Teil einer Trilogie betrachtet, geht es erstaunlich vielen Figuren zum Ende des Films an die Kehle. Sonst dient ja meist der zweite Teil nur als Aufbau für das große Trilogie-Finale, aber das hat Kitano ganz großartig hinbekommen. OUTRAGE BEYOND funktioniert auch ausgezeichnet als Einzelfilm.

Das Mediabook

Cover des Mediabooks von capelight pictures

An der Aufmachung des Mediabooks von capelight hat sich zum Teil davor nicht viel geändert. Um genau zu sein nur das Cover und der Bonus-Film. Ganz treu nach dem Motto: „Never change a running system“ Der Extra-Film, dieses Mal auf Blu-ray, ist ACHILLES UND DIE SCHILDKRÖTE ebenfalls mit Takeshi Kitano auf dem Regiestuhl und seinem Schauspiel-Ego Beat Takeshi in der Hauptrolle. Der Film handelt von Machisu, der viel Talent beim Malen beweist, aber von Schicksalsschlägen in der Familie aus der Bahn geworfen wird. Im echten Leben ist Kitano auch Maler und viele seiner Bilder fanden ihren Weg in die Szenenhintergründe seiner Filme. ACHILLES UND DIE SCHILDKRÖTE gibt es in Deutschland ausschließlich in dieser bereits schwer erhältliche 3-Disc Limited Collector’s Edition und verfügt nur über japanischen Ton mit deutschen Untertiteln.

Outrage Beyond Hideo Nakano (Kimura)
Die Rückkehr in OUTRAGE BEYOND Hideo Nakano als Kimura // © capelight pictures

Fazit

Die Fortsetzung kommt frischer und lebendiger als sein Vorgänger daher. Die Yakuza haben ihre Jogginganzüge abgelegt und werden durch eine stimmige neue Filmmusik mit E-Gitarren und Bluestönen in unsere Gegenwart versetzt. OUTRAGE BEYOND ist ein in sich geschlossener und stimmiger Film, der jeder Menge Dramatik in den letzten Szenen zu bieten hat. Man bekommt Hunger auf das Finale der OUTRAGE-Trilogie: OUTRAGE CODA.

Regisseur Takeshi Kitano beim Dreh von OUTRAGE BEYOND // © capelight pictures

Das Beitragsbild wurde im SAKE KONTOR, Berlins Adresse Nr. 1, wenn um Sake geht, aufgenommen. Abgebildet ist eine Flasche SHINSEN KANAZAWA KOBO ISHIKAWA MON -> hier geht es zum Online-Shop des SAKE KONTORS

Titel, Cast und Crew

Outrage Beyond (2012)
OT: Autoreiji: Biyondo

Poster

Outrage japanisches Kinoposter


Release

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oder bei OFDb kaufen

Regisseur

Takeshi Kitano

Trailer

Besetzung

Beat Takeshi (Ôtomo)
Kippei Shîna (Mizuno)
Ryo Kase (Ishihara)
Hideo Nakano (Kimura)
Shigeru Koyama (Fuse)
Fumiyo Kohinata (Detectiv Kataoka)
Yutaka Matsushige (Detective Shigeta)
Tomokazu Miura (Kato)
Ken Mitsuishi (Gomi)
Tatsuo Nadaka (Shiroyama)

Drehbuch

Takeshi Kitano

Kamera

Katsumi Yanagijima

Musik

Keiichi Suzuki

Schnitt

Yoshinori Ohta
Takeshi Kitano

Filmlänge

112 Minuten

FSK

ab 16 Jahren
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20

Chefredakteur

Kann bei ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT mitsprechen / Liebt das Kino, aber nicht die Gäste / Hat seinen moralischen Kompass von Jean-Luc Picard erhalten / Soundtracks auf Vinyl-Sammler / Stellt sich gern die Regale mit Filmen voll und rahmt nur noch seine Filmposter

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