Operation Overlord – Filmkritik

„Origineller Genrefilm oder Ausverkauf mit großem Namen?“

Zombie-Nazis sind ja in der Horrorwelt nicht gerade eine neue Erfindung. Mittlerweile hat sich das Thema auch ganz schön abgenutzt und obwohl Filme wie DEAD SNOW gewiss unterhalten, bleibt die Thematik im Trash-Segment. Da überrascht es, dass der aktuell begehrteste Regisseur Hollywoods sich mit OPERATION OVERLORD in eben diese Gefilde begibt. J.J. Abrams (STAR WARS: DAS ERWACHEN DER MACHT, STAR TREK, SUPER 8) beschert dem Genrefilm OPERATION OVERLORD durch seine Beteiligung nicht nur einen kleinen Aufmerksamkeitshype, sondern vor allem deutlich mehr Budget als für diese Art von Projekt üblich wären. Ob Regisseur Julius Avery (SON OF A GUN, YARDBIRD) mit OPERATION OVERLORD gute Arbeit abgeliefert hat oder ob hier einfach mit dem großen Namen „Abrams“ Trash verkauft werden soll, kann man ab dem 08.11.2018 im Kino für sich selbst entscheiden.

© Paramount Pictures

Inhalt

Der D-Day steht bevor. Damit die Großoffensive aber gelingen kann, müssen vorher in einer Nacht und Nebelaktion strategisch wichtige Sendeeinrichtungen zerstört werden. Die Mission ist alles andere als einfach und die jungen Soldaten werden bereits beim Anflug durch Flakfeuer in die Mangel genommen. Nur eine kleine Gruppe schafft es tatsächlich in die Nähe einer der Sendeeinrichtungen am Rande eines französischen Dorfs. Schnell merken die G.I., dass in dem kleinen Ort nicht alles mit rechten Dingen zu geht. Nicht nur ist der Sendekomplex überdurchschnittlich gut bewacht, es werden auch Dorfbewohner in die Einrichtung verschleppt. Was dort mit ihnen passiert weiß niemand.


© Paramount Pictures

Bombastischer Start

Bereits der Einstieg in OPERATION OVERLORD ist im Gegensatz zu anderen Filmen seiner Art atmosphärisch und packend. Die angespannte Stimmung der Soldaten und der plötzliche Beschuss des Flugzeugs, in den ersten paar Minuten des Films, signalisieren: Hier geht es ernst zur Sache. Schon jetzt bemerkt man den Unterschied zu herkömmlichen Trash-Streifen. Keine blöden Metawitze oder den üblichen ironischen Beiton. Julius Avery feuert in den ersten 5 Minuten mehr Action und Adrenalin raus als so mancher Horrorstreifen in 60 Minuten. Nach dieser fulminanten Einstiegssequenz kommt es zu einer Verschnaufpause. Während sich die überlebenden Soldaten finden, nimmt das Pacing rabiat ab und es werden die Charaktere vorgestellt. Hier und auch in den kommenden Minuten verliert OPERATION OVERLORD deutlich an Spannung und Atmosphäre. Die Ernsthaftigkeit der ersten Minuten wird schon allein dadurch zerstört, dass die Soldaten sich lautstark unterhalten während sie durch Feindgebiet spazieren. Auch die Ankunft im Dorf lässt einen darüber rätseln, wie den jungen Männern bisher das Überleben geglückt ist. Überlegt und logisch verhalten sie sich nicht. Hinzu kommt, dass das Ganze auch nicht spannend oder unterhaltsam ist. Den jungen und eher unbekannten Cast aus Jovan Adepo, Wyatt Russel, Mathilde Olliver trifft hierbei keine Schuld, vielmehr liegt es am durchschnittlichen Drehbuch, dem abseits der Action schnell die Luft entweicht. Man erwischt sich schnell bei dem Gedanken: Wann geht’s hier denn bitte zur Sache? Die nächste spannende Sequenz lässt auf sich warten. Erst als die ersten Schritte in die Bunkeranlage gemacht sind, wird OPERATION OVERLORD wieder spannend. Mit wachsender beklemmender Atmosphäre werden auch immer mehr von den schaurig schönen Effekten und Masken präsentiert.

Operation Overlord Szenenbild 6 © Paramount Pictures

Masken machen Monster

Besonders an der Ausstattung der zur Schau gestellten Monster und Experimente merkt man die finanzielle Unterstützung, die allein ein Produzent wie Abrams mit sich bringt. Die Make-up-Experten und auch die Set-Designer konnten sich bei OPERATION OVERLORD mal richtig austoben und das kommt vor allem dem Film und seiner Stimmung zugute. Schleimige, eiterartige Säcke, rausgerissene Hautfetzen und sonstige bizarre Dinge lassen den Zuschauer schaudern. Die ganze Szenerie wird dann noch von einem stimmigen und unangenehmen Score von Jed Kurzel untermalt. Da vergisst man gern die ein oder andere Logiklücke und die etwas belanglosen Charaktere. Schade, da sich besonders in der ersten Hälfte viel Zeit für genau diese Dinge genommen wird. Es bleibt für die spannenden und sehenswerten Momente nicht mehr viel von den insgesamt 109 Minuten. So sehr man dann auf die Monster wartet, desto schneller sind dann auch die Endcredits am Durchlaufen. Ein kleiner Hunger nach mehr stellt sich ein und wird dann nicht gestillt.

Fazit

OPERATION OVERLORD stellt sich mit ein paar kleinen Fehlern und einem eher drögen Mittelteil weit vorn im Actionhorror auf. Inhaltlich darf man hier wie bei Genrekollegen, aber eher wenig erwarten. Nazis sind böse und wahnsinnig, weil sie halt böse und wahnsinnig sind und auch sonst gibt es storytechnisch keine Überraschungen. Unterhalten wird mit Action und Effekten. Ohne den großen Namen Abrams und der damit einhergehenden Finanzspritze würde OPERATION OVERLORD aber nicht die Aufmerksamkeit erfahren, die er gerade hat.

Titel, Cast und Crew

(2018) Operation Overlord
OT: Overlord

Poster

Film Poster

Kinostart/
Veröffentlichung

08.11.2018

Regisseur

Julius Avery

Trailer

Besetzung

Jovan Adepo (Boyce)
Wyatt Russel (Ford)
Mathilde Olliver (Chloe)
Pilou Asbaek (Wafner)
John Magaro (Tibbet)
Iain De Caestecker (Chase)
Jacob Anderson (Dawson)

Drehbuch

Billy Ray
Mark L. Smith

Story

Billy Ray

Kamera

Laurie Rose
Fabian Wagner

Musik

Jed Kurzel

Schnitt

Matt Evans

Filmlänge

109 Minuten

FSK

ab 16 Jahren
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20

Fragt sich, ob DIE NACKTE KANONE noch eine Chance auf einen Oscar hat / kann Käsekuchen nicht widerstehen / sollte ohne Korrekturlesen nichtmal ‘ne SMS schreiben.

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