Nummer 5 gibt nicht auf (1988) – Filmkritik

Im Fernseh- und VHS-Zeitalter der 1990er-Jahre habe ich mir so manchen Film falsch im Kopf abgespeichert. NUMMER 5 GIBT NICHT AUF ist so ein Kandidat. Ich dachte immer, es wäre der erste Teil, weil ich es wahrscheinlich nie geschafft habe, pünktlich den Anfang mitzubekommen. Deswegen hatte ich mich schon gefreut, endlich den „zweiten Teil“ zu sehen. Aber schnell merkte ich, dass es sich hier um mein eingebildetes Original handelt. Nummer 5 schließt man mit seinen knuffigen Glubschaugen sofort in sein Herz. Aber in diesem Film wird er zusammengeschlagen und macht im Finale den Rache-Elektro-Punk. Auch die Städter in dieser Familienkomödie, die nur denken sie werden von einem ferngesteuerten Roboter veralbert, machen sich gemeinerweise über ihn lustig. Dabei ist es doch ganz offensichtlich, dass Johnny 5 lebt, wie es übrigens auch der Titel des ersten Teils sagt: NUMMER 5 LEBT! (1986). Doch in der Großstadt wird seine sensible, naive Roboterseele schnell ausgebeutet, aber NUMMER 5 GIBT NICHT AUF.

© TriStar Pictures

Handlung

Ben Jahveri (Fisher Stevens) hat seinen Job bei Nova Robotics verlassen und versucht es in New York. Er lebt in seinem LKW und verkauft kleine Roboterversionen von Nummer 5 am Straßenrand. Als ihm einer seiner kleinen Gesellen ins nächste Einkaufszentrum entflieht, landet er vor den Füßen der Spielzeug-Einkäuferin Sandy Banatoni (Cynthia Gibb). Sie ist begeistert von dem kleinen Fahrzeug. In nur 30 Tagen soll Ben 1.000 von diesen Robotern herstellen und ausliefern. Er bekommt nicht nur Unterstützung vom Straßengauner Fred (Michael McKaen), sondern auch von Johnny 5, der aus Montana in einer Frachtkiste per Spedition eintrifft. Johnny lässt sich bei seiner Arbeit jedoch zu gern vom Großstadtleben ablenken. Es bedeutet für ihn: Input, Input, Input. Eine Bande Ganoven hat es zudem noch auf die Fabrikhalle abgesehen, in der die kleinen Johnny-5-Modelle gebaut werden. Denn von dort lässt sich ein Tunnel zum gegenüberliegenden Tresor graben, um die größte Diamantensammlung der Welt zu stehlen.

© TriStar Pictures

The American Dream

Die Figur von Ben steht für den Traum vom großen und schnellen Erfolg. Nur in den USA kann man von einem Tag auf den anderen reich werden, man muss nur eine gute Idee haben. Mit seinen Spielzeugrobotern erfindet er nicht gerade das Rad neu, aber der erste Großauftrag kann sich sehen lassen. Die günstigen Arbeiter von der Straße rennen schon beim ersten Problem davon und so muss Johnny 5 als Sinnbild der maschinellen Fließband-Produktion herhalten. Trickbetrüger Fred liegt während der Produktion auf der faulen Haut und Ben versucht seine Liebe gegenüber Sandy in Worte zu fassen. Da können wir Johnny 5 verstehen, wenn er von der Akkordarbeit eine Pause braucht und die Stadt erkunden will. Seine Begeisterung, als er den übergroßen Buchladen sieht, kann heute wohl kaum noch einer nachvollziehen. Hier gibt es jedoch einen der schönsten Hinweise, wie sich Johnny 5 mit seiner eigenen Existenz in Frage stellt, in dem er die Bücher „Pinocchio“ und „Frankenstein“ in seiner kleinen roten Werkzeug-Zauberkiste verschwinden lässt.

© TriStar Pictures

„Ich bin nicht Sklavomatik, ich lebe!“

Die Handlung ist durchaus einfach gestrickt. Auch der innere Konflikt mit seiner Existenz hätte spannender ausfallen können. So wirkt vor allem der Mittelteil ein bisschen wie der Sprung von einem Sketch zum nächsten, aber Johnny 5 sieht man einfach zu gern. Die technischen Effektkönige hinter der Steuerung des Roboters (allen voran Philip Bartko) erschaffen mit einfühlsamem Spiel in Johnnys Gesicht durch bewegliche Wimpern und Kameraaugen ganz großes Gefühlskino. Pixars WALL-E (2008) wurde davon sicher auch beeinflusst. Hinzu kommt die deutsche Synchronstimme von Wolfgang Ziffer, der eine gelungene Mischung aus kindlicher Neugier und Energiebündel herbeispricht.

© TriStar Pictures

Wortspielereien auf der Seite von Immigrant Ben sorgen neben unserem metallenen Freund für zahlreiche Schmunzler, wie der „Mäusecode“, der per Taschenrechner und 60s-Songs den Weg aus dem frostigen Gefängnis leitet. Wem das New York im Film ein wenig zu freundlich vorkommen mag, wundert sich zu Recht, denn es wurde im kanadischen Toronto gedreht. Schwer zu sagen, ob JOHNNY 5 GIBT NICHT AUF seine Zielgruppe im 21. Jahrhundert noch begeistert. Aber wenn sich die Eltern, die vielleicht mit Johnny 5 vor dem Fernseher aufgewachsen sind, sich mit dazusetzen, steht einem gelungenen Sonntagnachmittags-Film nichts im Weg.

© TriStar Pictures

NUMMER 5 GIBT NICHT AUF in HD

Das Cover der aktuellen Blu-ray

Pünktlich zum Weihnachtsfest 2020 erscheint NUMMER 5 GIBT NICHT AUF in HD auf Blu-ray. Sony hat zusammen mit Nameless hierzulande eine gelungene Veröffentlichung auf den Markt gebracht. Neben ein paar limitierten Mediabook-Editionen mit sehr coolen Retro-Covern, gibt es eine günstigere Amaray-Version auf Blu-ray. Das Bild zeigt gute Kontrast- und Farbbalancen und der Ton kommt in DTS-HD 2.0 Stereo aus den Boxen. Als Extras gibt es ein Making of und Kinotrailer.

© TriStar Pictures

Fazit

Auch wenn die Hauptdarsteller des Originalfilms nicht mehr dabei sind und auch mit Regisseur Kenneth Johnson ein eher unbedarfter Regisseur am Werk ist, macht NUMMER 5 GIBT NICHT AUF immer noch Spaß. Ein kleines Nostalgie-Bonbon nicht nur für A.I.-Fans.

© Christoph Müller

Titel, Cast und CrewNummer 5 gibt nicht auf (1988)
OT: Short Circuit 2
Poster
RegisseurKenneth Johnson
Releaseseit dem 17.12.2020 neu auf Blu-ray und DVD und 4 Mediabook-Varianten

Ihr wollt den Film bei Amazon kaufen?
Dann geht über unseren Treibstoff-Link:
Trailer
BesetzungFisher Stevens (Ben Jahrvi)
Michael McKean (Fred Ritter)
Cynthia Gibb (Sandy Banatoni)
Nummer 5 deutsche Stimme (Wolfgang Ziffer)
Jack Weston (Oscar Baldwin)
Dee McCafferty (Saunders)
David Hemblen (Jones)
DrehbuchBrent Maddock
Steve S. Wilson
KameraJohn McPherson
FilmmusikJohn Ottman
SchnittConrad Buff IV
Filmlänge106 Minuten
FSKab 6 Jahren

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.