Richard Linklater war letztes Jahr nach A SCANNER DARKLY und FAST FOOD NATION (beide 2006) zum dritten Mal in Cannes dabei, nun kommt sein neuer Film bei uns in die Kinos. Mit seinem neuen Projekt gewann er sicher gleich bei der Sichtung die Herzen der Franzosen für sich: eine fiktionale Nacherzählung der Entstehung von Godards Erstling, und das Ganze heißt auch noch NOUVELLE VAGUE. Guillame Marbeck ignoriert als Jean-Luc Godard kettenrauchend einfach alle Hindernisse, bis er endlich, wie seine Kritikerkollegen von der Gazette du cinéma selber einen Film drehen kann. À BOUT DE SOUFFLE (AUSSER ATEM, 1960) sprengte dann gleich mal die damaligen Kinokonventionen und wurde mit Jean-Paul Belmondo und Jean Seberg (dargestellt von Aubry Dulin und Zoey Deutch) auch noch ein Überraschungserfolg beim Publikum.

NOUVELLE VAGUE merkt man die jugendliche Energie von damals leider nicht an. Godard ist hier eine Figur wie bei Aki Kaurismäki, ein Held, der mit unbewegter Miene und Sentenzen von sich gebend gegen Windmühlen kämpft. Die anderen Figuren verzweifeln vielleicht manchmal an ihm, bleiben aber genauso stoisch. Jean Seberg erscheint hier ganz anders als in der gleichnamigen Biographie mit Kristen Stewart von 2019 schlagfertig, aber auch ein wenig oberflächlich.

Das alles hat natürlich seinen Witz, das Ganze ist unterhaltsam anzuschauen. Linklater hat im alten Bildformat und auf schwarz/weiß gedreht. Die Franzosen im Film (also fast alle Personen) sprechen sogar Französisch, eine Seltenheit bei US-Produktionen. Aber trotzdem fühlt es sich ein bisschen wie ein Schulprojekt an, wie eine Fleißarbeit. Warum wird bei hundert Figuren der Name eingeblendet? Der Film gräbt nicht in die Tiefe und wird gerade Godard damit nicht gerecht. Danach hat man aber immerhin Lust, sich AUSSER ATEM wieder anzuschauen (aktuell von einigen Kinos wieder ins Programm genommen) und am besten gleich noch mehr von der echten Nouvelle Vague.
Synecdoche New York, Los amantes del Círculo Polar, Melancholia, La mala educación, Underground, Grand Budapest Hotel – noch Fragen?


