Sir Lionel Frost (links) und Adelina Fortnight (rechts) reisen bis ans Ende der Welt, um Mister Links (Mitte) Verwandte zu finden.

Mister Link (2018) – Filmkritik

MISTER LINK – EIN FELLIGES ABENTEUER

Stop-Motion-Filme sind in der Kinolandschaft eine seltene, aber dafür immer wunderbare Erfahrung. Das liegt vor allem in der Natur der Sache. Neben den üblichen Strapazen, die ein Film mit sich bringt, ist schon alleine der Dreh eines Stop-Motion-Films ein immenser Aufwand. Jede Figur, jede Bewegung und jedes Detail wird Bild für Bild in akribischer Kleinstarbeit konstruiert. Vielleicht gerade deswegen sind Filme wie ISLE OF DOGS, DER FANTASTISCHE MR. FOX oder KUBO: DER TAPFERE SAMURAI so einzigartig. Letzterer wurde wie nun auch MISTER LINK in den LAIKA-Studios produziert. Das kleine Studio hat sich mit technischem Know-how und kreativen Ideen bereits einen großen Namen in der Industrie erarbeitet und möchte diese auch mit dem neusten Projekt wieder unter Beweis stellen. MISTER LINK erscheint am 30.05.2019 in den deutschen Kinos und ist mit neuester Tricktechnik, charmanten Charakteren und einer wunderbaren Geschichte ein Kinoerlebnis für die ganze Familie.

Mister Link lebte lange Zeit versteckt und ist endlich bereit, gefunden zu werden.
© 2019 eOne Germany

Inhalt

Der exzentrische Gentleman und Abenteurer Sir Lionel Frost hat nur einen Wunsch: Endlich auch als ein Mitglied des Abenteurer Clubs aufgenommen zu werden. Hierfür reist er furchtlos an die entlegensten Orte der Welt, um sich den Eintritt in besagten Club zu verdienen. Leider bisher ohne großen Erfolg. Hoffnung entfacht ein mysteriöser Brief, der eines Tages seinen Weg zu Sir Frost findet. Der Autor des Briefes, wie auch Sir Frost, ist von der Existenz der sagenumwobenen Kreatur Big Foot überzeugt. Darüber hinaus behauptet der Autor einen handfesten Beweis für dessen Existenz zu besitzen. Ohne zu zögern reist Sir Frost in den Norden der USA, um hier die Erfüllung seines Traums zu finden.

Kleiner Film, großer Aufwand

Wenn man in der kleinen Stadt Hillsbaro mitten in Oregon (USA) ankommt, vermutet man hier sicherlich nicht eines der aufstrebendsten Animationsstudios der Branche zu vorzufinden. Auf dem Gelände der LAIKA-Studios verstecken sich hinter unauffälligen Lagerhallen unzählige Sets und Produktionsorte für Trick- und Animationsfilme. Für den neusten Film MISTER LINK hat das dortige Team ganze 110 Sets aus 65 verschiedenen Locations der Welt zum Leben erweckt. Wie anstrengend und nervenaufreibend die Arbeit für das Team um Regisseur Chris Butler gewesen sein muss, lässt sich erahnen, wenn man sich das Wochenziel für die Produktion vor Augen hält. Laut eigener Aussage sind 4,3 Sekunden Film pro Woche von insgesamt 94 Minuten Laufzeit ein realistisches Ziel. Mit dem Ergebnis dieser Tortur können Butler und das LAIKA-Team jedoch sehr zufrieden sein.


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Jules Verne lässt grüßen

In MISTER LINK erwartet den Zuschauer eine bunte und lebendige Welt. Inspiriert von Ausgaben des National Geographic Magazins der 50er und 60er Jahre, erweckt Butler die viktorianische Ära wieder. Mit einer Mischung aus echten Knetfiguren und CGI-gestützten Animationen, verströmt die Welt des Mister Link einen ganz besonderen Charme. Hier warten noch Abenteuer und Mysterien darauf entdeckt zu werden. Auch wenn der Detailgrad nicht an einen ISLE OF DOGS heranreicht, findet man viele interessante und schöne Feinheiten in den einzelnen Sets. Damit erweckt Chris Butler im Wesentlichen den Charakter alter Jules-Verne-Geschichten wie DIE REISE UM DIE WELT IN 80 TAGEN oder DIE REISE ZUM MITTELPUNKT DER ERDE erneut zum Leben. Diesen Eindruck verstärken die verschiedenen Haupt- und Nebenfiguren zusätzlich. Besonders Sir Lionel Frost ähnelt über weite Strecken seinem Kollegen Mister Fog aus DIE REISE UM DIE WELT. Selbst in der größten Not lässt sich dieser englische Gentleman nicht aus der Ruhe bringen.

Abenteurer Sir Lionel Frost zieht in die Welt auf der Suche nach Ruhm und Ehre.
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Unglücklich ist in der deutschen Fassung leider die Wahl des Synchronsprechers: Christoph Maria Herbst (STROMBERG, DER WIXXER) übernimmt die Rolle des Sir Frost. Obwohl er sich viel Mühe gibt, nimmt man ihm den englischen Aristokraten einfach nicht ab. Besonders wenn im englischen Original die Stimme von Hugh Jackman (LOGAN, THE GREATEST SHOWMAN) deutlich mehr Klang verströmt. Viel besser ist hingegen die Besetzung des Mister Link durch Bastian Pastewka (PASTEWKA, DER WIXXER). Leicht naiv, aber dennoch sympathisch spricht dieser den Begleiter von Frost und bringt damit außerordentlich viel Lebensfreude und kindliche Neugier in die Geschichte der beiden Reisenden. Ebenfalls überzeugend spricht Collien Ulmen-Fernandes (DIE NACHT DER LEBENDEN LOSER) in der Rolle von Adelina Fortnight. Die temperamentvolle und schlagfertige Dame bietet besonders dem steifen Sir Frost einen guten Konterpart.

Mut zur Toleranz

Die Reise der drei Weggefährten bildet den roten Faden für eine rasante, aber dennoch überschaubare Geschichte. Gespickt mit seichtem Humor und gelegentlichen ruhigen, emotionalen Momenten, wird aus MISTER LINK ein kurzweiliger unterhaltsamer Familienspaß. Wichtige Themen wie Zugehörigkeit, Freundschaft und Wertschätzung werden mit dem nötigen Ernst behandelt, sowie klar und direkt angesprochen, ohne dabei zu belehrend zu wirken. Dabei verliert der Film aber nicht seinen humorvollen Grundton. Somit zeigen LAIKA deutlich mehr Mut als andere größere Animationsstudios. Ein gutes Beispiel hierfür ist, dass sich “Mister” Link auf eigenen Wunsch in der Mitte des Films den Namen Susan gibt. Innerhalb der Geschichte wird dies auch anschaulich begründet.

Sir Lionel Frost ist mehr als erstaunt über Mister Links ungewöhnliche Physiognomie.
© 2019 eOne Germany

Dabei wird dies ganz selbstverständlich von den Zuschauern und auch den Figuren aufgenommen und nicht, wie es manch anderer Konzern unter Umständen gemacht hätte, für einen unnötigen Gag missbraucht. Das runde Gesamtkonzept der Geschichte wird leider durch einen unnötigen Bösewicht gestört. Dieser soll den Figuren die dramaturgische Motivation geben, wirkt aber nur aufgesetzt. Dabei bietet die Geschichte selbst schon genügend Tiefe und Inhalt.

Fazit

Die LAIKA-Studios und Regisseur Chris Butler beweisen mit MISTER LINK abermals ein Gespür für ideenreiche Fantasiewelten. Mit seinem ganz eigenen Look und liebenswerten Charakteren ist dieses kleine Abenteuer ein Spaß für die ganze Familie. Abseits der großen Produktionen gönnt man LAIKA den bestmöglichen Erfolg, damit wir uns auch weiterhin an solchen wertvollen Geschichten erfreuen können.

Titel, Cast und Crew Mister Link - Ein fellig verrücktes Abenteuer (2018)
OT: Missing Link
PosterFilm Poster
Releaseab dem 30.05.2019 im Kino
RegisseurChris Butler
Trailer
BesetzungHugh Jackman (Sir Lionel Frost)
David Walliams (Mr. Lemuel Lint)
Stephen Fry (Lord Piggoton-Dunceby)
Zach Galifianakis (Mr Link / Susan)
Zoe Saldana (Adelina Fortnight)
DrehbuchChris Butler
MusikCarter Burwell
Filmlänge94 Minuten
FSKab 6 Jahren

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