Missions – Staffel 2 | Serienkritik

Gerade in der heutigen Zeit scheint es, dass für die meisten Rezipienten ein Science-Fiction-Film das zu sein hat, was uns bekannte Space-Operas mit ihren 08/15-Geschichten und Effekt-Orgien pausenlos vorgaukeln. Endlose Gefechte im Weltraum, knallharte Kämpfe mit gigantischen Raumschiffen an exotischen Orten, dazu Unmengen fremdartiger Monster und Nonstop Action. Wenn man es genau betrachtet, wurde der Science-Fiction-Film von Hollywood zur Kriegsfilm-Komödie in einer (un)möglichen Zukunft degradiert. Schon lange haben die Aliens die roten Kommunisten abgelöst und sind das neue Feindbild, um dann in millionenschweren Blockbustern von heroischen Helden vernichtet zu werden. Doch gerade die Science-Fiction ist so viel mehr als der kleine, traurige, patriotische Quark und seiner sich immer wiederholenden Geschichten. Ein Blick zurück in die Vergangenheit des Genres verdeutlicht das eindrucksvoll. Die französische TV-Serie MISSIONS gehört zweifellos zu den anspruchsvolleren Werken, die sich an dieser aussterbenden Art orientiert. Bei jeder erneuten Sichtung überrascht es umso mehr, dass ausgerechnet Frankreich, das nicht gerade für seine Science-Fiction-Filme bekannt ist, solch eine Ausnahmeserie auf die heimischen Fernseher bannt.

© Pandastorm Pictures

Handlung MISSIONS Staffel 2

Fünf Jahre sind seit der ersten Mars-Mission vergangen, als den Überlebenden auf der Erde eine seltsame Vision der totgeglaubten Jeanne (Hélène Viviès) erreicht. Sie lebt an einem unbekannten Ort, mitten in blühender Natur und voller Leben, harmonisch mit einer Gruppe von unbekannten Menschen zusammen. Umgehend versammelt der Milliardär Meyer (Mathias Mlekuz) die alte Crew für eine erneute Expedition zum roten Planeten. Doch Meyer verfolgt noch ein weiteres Vorhaben, das er vor der Crew verbirgt. Und auch der Planet Mars ist mit den Menschen noch lange nicht fertig, ebenso wie das Wesen, das aussieht wie der russische Kosmonaut Vladimir Komarov (Arben Bajraktaraj).

MISSIONS – Staffel 2

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Fragen über Fragen

Die letzten Überlebenden der ersten Mars-Expeditionen haben sich in das amerikanische Raumschiff gerettet und müssen mit einem Fluchtstart den roten Planeten verlassen. Zurück bleibt die Psychiaterin Jeanne Renoir. Das war das Ende von Staffel 1 und es serviert dem Zuschauer einen lupenreinen Cliffhanger. Der Kontrast vom Ende der ersten Season hin zum Beginn von MISSIONS Staffel 2 könnte nicht größer sein. Kein roter Planet, keine staubige Wüste, sondern eine üppige, grüne Landschaft mit Leben, so wie wir es kennen. Daher dürften die ersten Folgen etwas seltsam anmuten und die Verwirrung vergrößern. Was ist mit Jeanne in den fünf Jahren passiert? Wie konnte sie überleben? Und wo ist sie nun? Gerade diese Fragen beschäftigen den Zuschauer, der die erste Staffel kennt.

MISSIONS – Staffel 2

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Die zweiten zehn Epiosden setzen andere Schwerpunkte: Nicht der uns bekannte Mars steht im Vordergrund, sondern die einzelnen Mitglieder der Crew sind im Fokus der Handlung. Weit verstreut über die Erde müssen sie sich erst über das klarwerden, was dort oben auf dem roten Planeten passierte, ehe sie für eine erneute Rückkehr bereit sind. In der Zwischenzeit ist Jeanne an einem unbekannten Ort und eine Verbindung zur ersten Staffel lässt sich nur schwer herstellen. Doch Geduld ist angesagt, denn nach und nach nähern sich die einzelnen Handlungsfäden aneinander und finden schlussendlich in einem überraschenden Finale zusammen.

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Dass die Story von MISSIONS anders ist als alle bekannten Mars-Filme zuvor, wird schon hier mehr als deutlich. Doch das sich der Plot zu einem kosmischen Ereignis entfaltet, einer unglaublichen Geschichte von außergewöhnlicher Tragweite, in der nicht nur der Mars, sondern auch die Erde verwickelt ist, hätte ganz sicher niemand erwartet. Vergessen sind all die konservativen Geschichten um den toten Planeten Mars und seine angeblichen kleinen grünen Bewohner. Vergessen sind all die kindischen Versuche, unseren Nachbarplaneten zu besiedeln. All das haben die Drehbuchautoren Amit Cohen, Henri Debeurme und Julien Lacombe hinter sich gelassen und stattdessen die ganz großen Geschütze ausgepackt. Hier stellen sich Fragen, die die Menschen seit jeher bewegen: Wer sind wir wirklich und woher kommen wir?

MISSIONS – Staffel 2

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Der Stil, wie auch die einzelnen Sets sind erneut überragend in Szene gesetzt, ebenso wie die so wichtigen Effekte. Wie schon in den ersten Folgen kommt auch hier nie der Eindruck auf, das Budget wäre nicht ausreichend gewesen. MISSIONS Staffel 2 beeindruckt mit einem unglaublichen Look, der jedem beliebigen Hollywoodblockbuster die Stirn bietet. Auch wenn der Score an einigen Stellen an Ridley Scotts Klassiker BLADE RUNNER (1982) und seinem Nachfolger BLADE RUNNER 2049 (2017) erinnert, sind die Kompositionen des Franzosen Etienne Forget berauschend. Sie untermalen die visionäre Story in all ihrer Facetten und bereichern die Serie ungemein.

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Blu-ray Staffel 2

Der Cast in MISSIONS Staffel 2 dürfte für die meisten Zuschauer unbekannt sein. Einen internationalen Ruf hat lediglich der französisch-albanische Darsteller Arben Bajraktaraj, den wir schon in 96 HOURS (TAKEN, 2008) oder HARRY POTTER UND DER ORDEN DES PHÖNIX (HARRY POTTER AND THE ORDER OF THE PHOENIX, 2007) bewundern durften. Die restlichen Schauspieler sind bisher lediglich in Frankreich bei unterschiedlichen Serien aktiv gewesen. Das beeinträchtigt jedoch in keiner Weise das virtuose Spiel der Mimen, die mit der ganzen Bandbreite ihres Könnens überzeugen. Ebenfalls passen die beiden neuen Gesichter Barbara Probst und Ralph Amoussou perfekt zur bekannten Crew. Mit dieser zum wiederholten Male hervorragenden Leistung aller Darsteller dürften sie sich gewiss für größere Schauspielaufgaben eindrucksvoll bewiesen haben.

MISSIONS – Staffel 2

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Fazit

Wieder einmal fasziniert und überrascht die kleine französische Produktion, angeführt vom erfolgreichen Dreigestirn Regisseur Julien Lacombe sowie den Drehbuchautoren Henri Debeurme und Ami Cohen. Im Stil eines großen Blockbusters, verpackt in einer gewaltigen Geschichte, die entfernt an die unsterblichen Klassiker des Genres erinnert: Allen voran Stanley Kubricks 2001: ODYSSEE IM WELTRAUM (2001: A SPACE ODYSSEY, 1968) wie auch der schon erwähnte BLADE RUNNER. Das Ende deutet auf eine weitere Staffel hin, was sehr zu begrüßen wäre, denn es sind noch so einige Frage nicht beantwortet.

© Stefan F.

Titel, Cast und CrewMissions (2017 - )
Poster

Release
Staffel 1 ab dem 25.01.2019 auf Blu-ray und DVD erhältlich
Staffel 2 ab dem 04.12.2020 auf Blu-ray und DVD erhältlich

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RegisseurJulien Lacombe
TrailerStaffel 1:


Staffel 2:
DarstellerHélène Viviès (Jeanne Renoir)
Clément Aubert (Simon Gramat)
Barbara Probst (Alice)
Ralph Amoussou (Samuel Becker)
Mathias Mlekuz (William Meyer)
Jean-Toussaint Bernard (Yann Bellocq)
Giorgia Sinicorni (Alessandra Najac)
Adrianna Gradziel (Eva Müller)
Ben Homewood (Alan Brody)
Vincent Londez (Ivan Goldstein)
Arben Bajraktaraj (Vladimir Komarov)
Mathias Mlekuz (William Meyer)
Natasha Andrews (Gemma Williams)
Stany Coppet (Tiamat)
DrehbuchAmi Cohen
Henri Debeurme
Julien Lacombe
MusikEtienne Forget
KameraMaxime Cointe
Martin Levent
SchnittDimitri Amar
Richard Riffaud
Anne-Laure Viaud
Cécile Cassagnes
Delphine Genest
FilmlängeStaffel 1 mit 10 Folgen: 260 Minuten
Staffel 2 mit 10 Folgen: 218 Minuten
FSKStaffel 1: ab 16 Jahren
Staffel 2: ab 12 Jahren

Ein Gedanke zu „Missions – Staffel 2 | Serienkritik“

  1. Michael Friedrich

    Ich liebe die Serie! Das Verhalten von Alice hat mich in den letzten Folgen der zweiten Staffel allerdings ziemlich irritiert. 🤯🤨🧐

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