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Massive Talent (2022) – Filmkritik

„Being Nicolas Cage“

Kann es zu viel Nicolas Cage geben? Nein, denn die Grenze des Ertragbaren ist schon längst überschritten. Nicolas Cage ist wie Mikroplastik, erschreckend überall. Jedes Jahr dreht er eine Handvoll Filme, die einen schlecht, die anderen weniger gut. Ab und zu, welche mir Genre-Kultpotential (MANDY, 2018). Jetzt war es an der Zeit, in eine seiner größten Rollen zu schlüpfen: sich selbst. Klingt erstmal bescheuert, aber wenn man so darüber nachdenkt, fragt man sich: Wer ist dieser Typ eigentlich? Welche Träume und Ängste verbergen sich hinter den goldenen Gürtelschnallen, engen Hosen und Cowboystiefeln. MASSIVE TALENT verrät die ganz Wahrheit nicht wirklich, denn es bleibt Fiktion, die aber sehr nah an dem dran ist, was man glaubt von Nick Cage zu wissen: exzentrisch, notorisch pleite und stets auf der Suche nach einer guten Rolle. Es soll hier aber um keine Psychoanalysen von Schauspielstars im Stile von BEING JOHN MALKOVICH (1999) gehen, denn der Film, der im Original den schönen Namen THE UNBEARABLE WEIGHT OF MASSIVE TALENT trägt, bleibt dem Genre seines selbsternannten Helden treu: der günstige Actionfilm mit einer dicken Portion Selbstironie.

Massive Talent (2022)

© LEONINE Studios

Handlung

Die Karriere steckt schon seit Jahren fest. Nicolas „Nick“ Cage (Nicolas Cage) treibt von einem Filmprojekt zu nächsten, immer in der Hoffnung das nächste wird ein Comeback. Dabei war er nie wirklich weg. Seine Teenagertochter schämt sich immer mehr für ihren Vater und Exfrau Olivia (Sharon Horgan) ist ihm gerade noch so eine freundschaftliche Stütze. Da ruft sein Agent Richard Fink (Neil Patrick Harris) an und hat zwar kein Drehbuch für seinen Klienten, aber eine Geburtstagsparty. Für eine Million Dollar soll er auf die Feier des Millionärs Javi Gutierrez (Pedro Pascal) nach Mallorca fliegen. Die Rechnung für sein Dauerhotelzimmer kann er ohnehin nicht mehr bezahlen, deswegen beißt Nick in den „sauren Apfel“ und nimmt Privatjet, Luxus-Anwesen und ausreichend guten Alkohol genervt entgegen. Doch sein Gastgeber Javi entpuppt sich als waschechter Nicolas-Cage-Fanboy und die CIA scheint auch ein Auge auf Javi geworfen zu haben. Der amerikanische Geheimdienst könnte Cage als Spion engagieren? Zwei Jobs mit einer Klappe schlagen und dazu noch etwas schauspielern? Ein Fall für Nicolas Cage.

© LEONINE Studios

Filmbuff

Der Einstieg macht vor allem für Filmnerds und Fans des Actionstars enormen Spaß. Ein paar Ellenbogenhiebe hier und da auf die durchwachsene Filmografie von Cage und der berühmte Freak-Out darf auch nicht fehlen. Man erlebt den ersten direkt auf dem Parkplatz bei einem Vorsprechen zum nächsten Film. Ab und zu redet Cage auch mit seinem alten Ich. Mit junger CGI-Grimasse, WILD-AT HEART-T-Shirt und Lederjacke spricht er immer wieder schizophren zu sich selbst. Macht sicherlich jeder der schon 40 Jahre im Geschäft ist und über 100 Filmrollen vorzuweisen hat. Aber es gibt auch unerwartete Momente wie das filmhistorische Wissen von Cage, der in seinem spanischen Gastgeber einen gleichgesinnten Filmfreund findet. Beide wollen zusammen ein Drehbuch schreiben, Drogen und Enthusiasmus helfen dabei. Zumal kommt der Rohentwurf dem Drehbuch zu MASSIVE TALENT erstaunlich nahe. Also meta ist das Ganze auch.

Massive Talent (2022)

© LEONINE Studios

Das klingt arg zusammengestümpert, ist aber überraschenderweise wie aus einem Guss. Das liegt am genügsamen digitalen Bild und der nicht sonderlich komplexen Regieführung. Von der inszenatorischen Warte ist MASSIVE TALENT eine weiße Leinwand, auf der die Darsteller glänzen können. Aber es ist nicht nur Cage, der sympathisch daherkommt, sondern vor allem Pedro Pascal (THE MENDALORIAN TV-Serie) der in seinem Gesicht den Zwiespalt aus Superfan und erzwungener Coolness vereint. Die Chemie zwischen beiden blüht förmlich auf und den ein oder anderen Bromance-Moment nimmt man mit einem Schmunzeln gern entgegen.

Nicolas Cage und Pedro Pascal beim Dreh // © LEONINE Studios

Die beiden sind so cool, dass der Rest – vor allem die CIA-Agenten – geradezu schrecklich ungelenk in diesem Spaß wirkt. Aber auch das kann man dem Film nicht übelnehmen, denn es bleibt eine überschaubare Produktion mit den üblichen Stuntdoubles, Retorten-Actionszenen und Verfolgungsjagten. Ein paar Momente bleiben dann doch noch in den Erinnerungen haften, wie der paranoide LSD-Trip über eine Steinmauer und der Schuhtausch. Der Wechsel des Schuhwerks ist für den erfahrenen Cage-ianer eine Szene zuvor zu erahnen, denn man kennt den Style seines Idols. Stolz und kopfnickend wird man sich mit einem breiten Grinsen umschauen und darauf deuten: „Das habe ich kommen sehen.“

Massive Talent (2022)

© LEONINE Studios

Fazit

Für Nicolas-Cage-Fans ist MASSIVE TALENT Geburtstags- und Weihnachtsgeschenk zugleich. Der Film wird sicherlich ohne Zweifel zum häufigen Genuss in der Fansammlung landen. Aber – und das ist die eigentliche Überraschung – das Werk von Tom Gormican ist trotz aller Insiderwitze auch für alle anderen kurzweilig und mit Schirmchen-Cocktail genießbar. Vielleicht in der heutigen Dauer-Krisen-Stimmung die perfekte Flucht aus der Realität. Und das in die Arme von Nicolas Cage? Wer hätte gedacht, dass man so etwas einmal machen möchte?

© Christoph Müller

Titel, Cast und CrewMassive Talent (2022)
OT: The Unbearable Weight of Massive Talent
Poster
RegieTom Gormican
ReleaseKinostart: 16.06.2022
ab 30.09.2022 als Ultra-HD Blu-ray, Blu-ray und DVD erhältlich.

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Trailer
BesetzungNicolas Cage (Nick Cage / Nicky)
Pedro Pascal (Javi Gutierrez)
Tiffany Haddish (Vivan)
Sharon Horgan (Olivia)
Paco León (Lucas Gutierrez)
Neil Patrick Harris (Richard Fink)
Lily Mo Sheen (Addy Cage)
Alessandra Mastronardi (Gabriela)
Jacob Scipio (Carlos)
Katrin Vankova (Maria)
Demi Moore (Movie Actress Olivia)
Anna MacDonald (Movie Actress Addy)
DrehbuchTom Gormican
Kevin Etten
KameraNigel Bluck
FilmmusikMark Isham
SchnittMelissa Bretherton
Filmlänge107 Minuten
FSKAb 16 Jahren

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