Mary und die Blume der Hexen Review

Mary und die Blume der Hexen – Filmkritik

„Ghibli Light“

Wenn man über diesen Animationsfilm schreibt, ist nicht zu übersehen, dass er förmlich nach Studio Ghibli (CHIHIROS REISE INS ZAUBERLAND, PRINZESSIN MONOKE) aussieht, riecht und sich ein bisschen danach anfühlt. Das verantwortliche Studio von MARY UND DIE BLUME DER HEXEN heißt Studio Ponoc und ist im Prinzip eine Auskopplung des bekannten japanischen Produktionshaus Ghibli um die Großmeister Hayao Miyazaki, Isao Takahata und Toshio Suzuki. Studio Ponoc wurde von Yoshiaki Nishimura, dem ehemaligen Hauptfilmproduzenten Ghiblis gegründet. Die Zukunft des Studios Ghibli ist etwas unsicher, deswegen haben sich viele Mitarbeiter ein Herz gefasst und ein eigenes Studio gegründet: Studio Ponoc. Im Jahr 2017 lief ihr erster Spielfilm erfolgreich in den japanischen Kinos, welcher am 4. Dezember 2018 in Deutschland endlich auf Blu-ray und DVD erscheint: MARY UND DIE BLUME DER HEXEN (im japanischen Original: Meari to Majo no Hana)

Mary und die Blume der Hexen Review
© Universal Pictures

Inhalt

Die Geschichte basiert auf dem Kinderbuch DER VERHEXTE BESEN von der britischen Schriftstellerin Mary Stewart aus dem Jahr 1971. Der Beginn ist Anime-typisch: Die kleine Mary zieht in eine ländliche Region zu ihrer Großtante Charlotte. Marys Eltern kommen in ein paar Wochen nach, sie muss aber früher anreisen, um pünktlich in ihrer neuen Schule zu starten. Mary, die zwei feuerrote Wuschel-Zöpfe trägt, beginnt schnell sich sich auf dem Land zu langweilen. Der grummelige Gärtner des großen, hübschen – auch Anime-typisch – europäischen Landsitzes, kann mit der tollpatschigen Mary nichts anfangen, deswegen streift sie durch die umliegenden Wälder. Zwei Katzen locken sie in eine verbotene Region, wo sie die äußerst seltene blaue Blume „Nachtflug“ findet. Als sie aus Versehen eine Knospe zerbricht und die Flüssigkeit darin auf einen Besen schmiert, den sie in der Nähe der Blume gefunden hat, erweckt dieser zum Leben und fliegt Mary in eine Welt voller Magie und Geheimnisse. Das Abenteuer beginnt.

Mary und die Blume der Hexen Review
© Universal Pictures

Alles beim Alten?

Es werden förmlich alle Zutaten für einen Ghibli-Film serviert, was zum großen Teil an dem Regisseur Hiromasa Yonebayashi (ARRIETY, ERINNERUNGEN AN MARNIE), der vom Ghibli Studio zu Studio Ponoc wechselte, liegt. Es gibt prächtige Farben, die etwas gruselige Alte in Form der Schulleiterin Madam Mumblechook, viel leckeres Essen und die lebendige Natur mit ihren interessante Tierchen bilden den Rahmen der Handlung. Wenn die Magie einsetzt, fließen alle Farben aus MARY UND DIE BLUME DER HEXEN und umhüllen den Zuschauer, so dass man förmlich auf ihrem Besenstiel durch die Wolken mitreitet. Leider gibt es auch eine Anime-Krankheit, die vor allem durch die Figur Mary eine fast schon exzessive Ausartung erfährt: Das Wiederholen eines Satzes als Frage. Ein Satz als Frage wiederholt? Ja genauso und das Ganze leider permanent. Außerdem ruft Mary andauernd nach anderen Figuren im Film, was einem in den spannenden Momenten mit ihren brillanten Bildern geradezu auf die Nerven geht. Aber, das Gute dabei, man vergisst die Namen der Katzen (Tib und Gib) und von Peter so schnell nie wieder.

Mary und die Blume der Hexen Review
© Universal Pictures

Im Anime MARY UND DIE BLUME DER HEXEN finden sich auch viele Parallelen zur Welt des Films, der Literatur und der von Videospielen. Bösewicht Doktor Dee sieht nicht nur ein bisschen wie MEGA MANs Dauergegner Dr. Wily aus, sondern verfügt auch über dessen seltsame Fortbewegungsmittel. Und auch die Hexen-Universität Endor, reimt sich nicht nur zufällig auf das Hause Gryffindor aus der Welt von Harry Potter. Diese Schule für Magie wird spektakulär und interessant in die Geschichte einführt, verliert aber danach völlig an Bedeutung und auch die Schüler darin bleiben gesichtslos. Für Madam Mumblechook und Doctor Dee hätte eine Festung oder ein Geheimlabor gereicht, denn eine Lehreinrichtung bringt für die Geschichte keinerlei Mehrwert. Außerdem fehlt auch ein bisschen die gewohnt kurvenreiche Geschichte eines Animes, die sich bekannten Drehbuchkonventionen gerne verwehrt.

Mary und die Blume der Hexen Review
© Universal Pictures

Fazit

Trotz alledem ist MARY UND DIE BLUME DER HEXEN ein fantastisches Zeichentrickerlebnis für jeden, der Märchen liebt und eine Schwäche für Animes hat. Über die Aussage zum Filmende, ob man Magie im Leben braucht, kann man sich auf hohem Niveau streiten. Die moralisch richtigen Aspekte wie Familie, Freundschaft und Respekt gegenüber der Natur, kommen vollends zur Geltung. Nach dem Kinobesuch bleibt der Wunsch nach mehr Ghibli-Magie und –Zauberei zurück, aber dennoch sollte man diesen Anime, auch wenn kein kleiner Totoro auf dem Label steht, nicht ignorieren. Gern mehr aus den Hause Ponoc.

Titel, Cast und Crew

Mary und die Blume der Hexen (2017)
OT: Meari to majo no hana

Poster

Mary und die Blume der Hexen Kinoposter

Release

13.09.2018 Kinostart
Blu-ray-Release ist der 04.12.2018
auf Amazon bestellen (Affiliate-Link)

Regisseur

Hiromasa Yonebayashi

Trailer

deutsche Sprecher

Laura Jenni (Mary Smith)
Angelika Bender (Banks)
Marion Hartmann (Charlotte)
Kai Taschner (Doctor Dee)
Claus-Peter Damitz (Flanagan)
Elisabeth Günther (Madam Mumbleshook)
Tim Schwarzmaier (Peter)
Erich Ludwig (Zebedee)

Drehbuch

Riko Sakaguchi
Hiromasa Yonebayashi

Romanvorlage

Nach dem Roman "Der verhexte Besen" (The Little Broomstick) von Mary Stewart

Kamera

Toru Fukushi

Musik

Takatsugu Muramatsu

Schnitt

Toshihiko Kojima

Filmlänge

103 Minuten

FSK

ab 6 Jahren
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20

Chefredakteur

Kann bei ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT mitsprechen / Liebt das Kino, aber nicht die Gäste / Hat seinen moralischen Kompass von Jean-Luc Picard erhalten / Soundtracks auf Vinyl-Sammler / Stellt sich gern die Regale mit Filmen voll und rahmt nur noch seine Filmposter

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