Lupin III. – Der Schatz des Harimao (1995) | Filmkritik

Das Anime-TV-Special Nummer Sieben LUPIN III. – DER SCHATZ DES HARIMAO stellt alle Regler auf Abenteuer – ganz im Sinne von Indiana Jones und Lara Croft. Schätze werden in exotischen Gegenden versteckt und durch gefährliche Fallen über Jahrhunderte geschützt. Das muss doch zu Lupin passen und außerdem sind Archäologen zum kleinen Teil ja auch Diebe. Sie stürzen sich todesmutig in dunkle Grabkammern voller Schmuck und Juwelen, alles nur im Auftrag der Geschichte versteht sich. Meisterdieb Lupins Interesse ist von der gewinnbringenden Sorte, selbst seinen unfreiwilligen britischen Partnern geht es nicht um die historischen Funde, sondern nur um Moneten. Haben wir schon erwähnt, dass ihnen auch noch High-Tech-Nazis auf den Fersen sind? Klingt alles nach ein bisschen viel für 90 Minuten, oder? Ist es auch, aber dazu gleich mehr nach einem kleinen Handlungseinstieg.

© Monkey Punch • TMS

Handlung

Alaska, ein Museum mitten in der Nacht: Präzise, rote Laserstrahlen schützen eine wertvolle asiatische Bärenstatue. Kein Problem für den Meisterdieb, aber ohne Alarm geht es dann doch nicht. Auf dem Snowboard und mit Hilfe von Fluchtfahrer Jigen wie auch Meisterschneider Goemon, kann Lupin dutzenden Polizeiwagen im tiefsten Schneegestöber entkommen. Warum er sich nur mit einer alten Statue abgibt? Die Legende besagt, dass mit zwei weiteren Figuren (Affe und Adler) alle drei zum sagenumwobenen Schatz des Plünderers Harimao führen. Der hat während des Zweiten Weltkriegs die britische Kolonialmacht Großbritannien geschröpft, Unmengen an Gold und Juwelen angehäuft und irgendwo versteckt.

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Sir Archer, die leibhaftige Vorlage für James Bond und nun im Ruhestand, kennt sogar den Standort des Schatzes. Nach einer Explosion im Eurotunnel, muss der alleinige Versicherungsgeber Sir Archer einige Milliarden Pfund zahlen. Selbst sein Vermögen reicht dafür nicht aus. Er ist gezwungen ebenfalls auf die Suche nach dem Schatz zu gehen. Seine langbeinige, schöne Enkelin Diana, die Lupin den Kopf verdreht, ist auch mit von der Partie. Inspektor Zenegata darf natürlich in diesem Katz-und-Maus-Spiel nicht fehlen. Das viel größere Problem bei den Verfolgern ist jedoch ein Haufen Nazis, die sogenannten Himmler-Brüder (Neo Himmler) mit ihrer Führerin von Diett (Herr Mafroditte / Hermann von Diett).

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Zu viele Ideen

Man merkt schon der Geschichte an, dass die Autoren einiges erzählen möchten. Ob das jetzt alles sinnig zusammenpasst, ist eine andere Geschichte. Vor allem die Referenzen JAMES BOND, INDIANA JONES und TOMB RAIDER sind nicht zu leugnen und erklären, warum hier alles so passiert wie es passiert. Indiana Jones war leidenschaftlicher, praktizierender Archäologe, dessen Erzfeinde meist die Nazis waren. Die Schatzgräberin Lara Croft ist in der Figur der Enkelin Diana zu entdecken, die hier mit ihrem Großvater zusammenarbeitet. Sir Archer als Reinkarnation des ehemaligen britischen Spionageagenten wird gleich zu Beginn erklärt. Dieser filmische Zitate-Mischmasch wird noch mit dem Eurotunnel, der 1994 fertiggestellt wurde, in die damalige Gegenwart gepresst. Der Nazi-Himmler-Bande, allen voran Handlanger Goering, der direkt aus dem Schurken-Repertoire von John McClane entsprungen ist, verpasst man das neuste Kriegsspielzeug. Es wirkt schon merkwürdig, SS-Mäntel auf einem Jetski durch die Grachten von Amsterdam flattern zu sehen, aber zu Lupins-Welt passt es und in diesem ganzen Abenteuerfilm-Medley fällt es ohnehin nicht mehr auf.

LUPIN III. – DER SCHATZ DES HARIMAO (1995)

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Schwache Umsetzung

Auch wenn man mit LUPIN III. – DER SCHATZ DES HARIMAO viel wollte, vor allem die mehrstufige Schatzsuche mit den drei unterschiedlichen Figuren ist geradezu prädestiniert für einen Weltenbummel, fühlt sich alles insgesamt ein bisschen lieblos an. Auch wenn Lupins nie enden wollende Anmachen gegenüber Diana immer wieder die Sache auflockern, ist die Suche nach Harimaos Schatz eher von der gemütlichen Sorte und wenig von der action- bzw. ideenreichen wie es sich für das Franchise gehört. Die Eurotunnel-Versicherungsmotivation für Sir Archer hätte ruhig ausfallen können und seine Freundschaft zu Harimao gern umfangreicher.

LUPIN III. – DER SCHATZ DES HARIMAO (1995)

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Die überzeichneten Neo-Nazis kann man als Karikatur gern abtun, aber bei deren Boss gelingt es nicht. Die Netflix-Dokumentation DISCLOSURE (2020) hat für das Thema Transgender in Filmen zu gut sensibilisiert. Die Latte für Political Correctness lag Mitte der 1990er wesentlich niedriger. Da wollen wir versuchen es nicht zu ernst zu nehmen, aber dennoch, ein fader Nachgeschmack bleibt. Zudem wird für den Bösewicht keinerlei Motivation erklärt, warum er oder sie in dieser Schatzsuche mitmischt. Vielleicht müssen die ganzen Waffen auch von irgendetwas bezahlt werden. Das große Finale ist leider auch nicht das, was es verspricht. Es fehlen die humorvollen Actioneinlagen und ein U-Boot aus purem Gold ist selbst für Lupin-Verhältnisse ein Alptraum der physikalischen Gesetzmäßigkeiten.

LUPIN III. – DER SCHATZ DES HARIMAO (1995)

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Fazit

Die Ziele für dieses archäologische Schatzgräber-Abenteuer sind hoch angesetzt und ein paar filmreferenzielle Hausaufgaben hat man auch gemacht. Leider scheitert LUPIN III. – DER SCHATZ DES HARIMAO an seiner Mammutaufgabe und am Ende bleibt das Gefühl übrig, zu viel gewollt, aber nichts zu 100 Prozent erzählt zu haben. Dennoch, ein kurzweiliges Vergnügen, was in diesem TV-Special vor allem Inspektor Zenegatas allgegenwärtiger Liebe für Nudelsuppen zu verdanken ist.

© Christoph Müller

Titel, Cast und CrewLupin the 3rd - Der Schatz des Harimao (1995)
OT: Rupan sansei: Harimao no zaiho wo oe!!
Poster
RegisseurOsamu Dezaki
Releaseseit dem 18.02.2021 in der 4er Blu-ray- und DVD-Box.

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DrehbuchMonkey Punch
Shôji Yonemura
FilmmusikYuji Ohno
KameraHajime Hasegawa
SchnittMasatoshi Tsurubuchi
Filmlänge90 Minuten
FSKab 12 Jahren

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