Lord of Illusions Review Mediabook

Lord of Illusions – Filmkritik & Review zum Mediabook

„Scheiße und Gelee“

Könnt ihr euch noch an einen Samstagabend vor der Glotze in jungen Jahren erinnern? Die Eltern waren ausgeflogen und eine große Palette an unbekannten Filmen im Fernsehprogramm stand zur Auswahl. Wenn man dann beim letzten Film, der meist um Mitternacht angefangen hatte, angelangt ist, hat sich der Magen von dem ganzen Süßkram in ein unruhiges Wesen verwandelt und die starren Augen haben vor Trockenheit zu kribbeln begonnen. In so einem körperlichen Zustand hat LORD OF ILLUSIONS wohl in manche Jugend eingeschlagen. Ich bin mir sicher, dass er es bei mit getan hätte, aber bei meiner Programmwahl kam er leider nicht vor, was ich jetzt dank capelight ungeschnitten und auf Blu-ray nachholen durfte. Also holen wir die Schokolade aus dem Schrank und beamen direkt aus den 90er Jahren handgemachten Grusel-Ekel von Clive Barker auf den Fernseher.

Lord of Illusions Review Mediabook
© capelight pictures

Inhalt

Man wird direkt in die Geschichte einer okkulten Sekte in der Mojave-Wüste geworfen. Philip Swan (Kevin J. O‘Connor) versucht seinen wahnsinnigen Zaubermeister umzubringen, weil dieser die junge Dorothea gekidnappt hat. Entertainmentsüchtige Zauberer wie Copperfield und Konsorten haben hier nichts zu vermelden, denn es handelt sich hierbei um sogenannte Illusionisten. Sie wandeln mit ihren dämonengleichen Fähigkeiten zwischen Himmel und Hölle. Meister Nix (Daniel von Bargen) verliert das Magier-Duell gegen Swan, wird mehrfach erschossen und mit bannender Eisenmaske in der Wüste verscharrt. Ein gutes Jahrzehnt später kreuzen sich die Wege des Privatdetektivs mit Exorzismus-Skills Harry D’Amour (Scott Bakula) und der hübschen Mrs. Swann (Famke Janssen). Warum ausgerechnet diese Beiden die Rückkehr des Monsters Nix verhindern sollen, wird euch die Geschichte voller Satanismus, knitterfreier 90er Jahre-Klamotten und ekliger handgemachter Splatter-Effekte verraten.

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© capelight pictures

Mitte der 90er

Der erste Akt lässt schon eine Brise 90er-Jahre-Atmosphäre aufwehen. Famke Janssen (X-MEN), die langbeinige Holländerin, hat in LORD OF ILLUSIONS klares BH-Verbot erteilt bekommen und macht unserer Hauptfigur Harry D’Amour schöne Augen. Der gutherzige Detektiv, welcher knapp bei Kasse ist, immer den richtigen Riecher hat und natürlich der baldigen Witwe schnell verfallen ist, wird von Scott Bakula (STAR TREK: ENTERPRISE, AMERICAN BEAUTY) verkörpert. Er hat nicht nur immer ein paar lockere Sprüche auf den Lippen, sondern scheint der Einzige zu sein, der die Reinkarnation des Bösen aufhalten kann. Die oben gesetzte Überschrift soll nicht etwa die Qualität des Films beschreiben, sondern ist tatsächlich ein Zitat aus dem Film. Wenn der Bösewicht Nix seine schmierigen Finger in den Kopf seiner Opfer bohrt, ja, das tut er dank großartiger Maskenbildner wirklich, erkennen die Gelöcherten das „Wahre“ in anderen Menschen, welches aus Zitat „… Scheiße und Gelee …“ besteht. Daraus sind zum Glück nicht die Effekte entstanden, denn diese machen den Film, neben der schönen 90er Jahre-Stimmung mit der typisch üppigen Requisite, für welche Regisseur Clive Barker bekannt ist, so beeindruckend. Hier explodieren nicht langweilig irgendwelche Gummiköpfe, sondern wird Haut abgeschält, in Wunden gepult und blubbernde Hautblasen zerquetscht. Auch wenn die Story nicht wirklich aktiv Spannung zu erzeugen weiß, die Effekte versprechen auf jeden Fall Unterhaltungswert. Was ebenfalls ein bisschen schade ist, ist dass die Magiergemeinde nicht weiter ausgebaut wurde. Die verrückten Typen im Magic Castle hätte man gern häufiger gesehen.

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© capelight pictures

Filmexkurs und Director’s Cut

Was LORD OF ILLUSIONS in diesem Mediabook so besonders macht, ist dass es sich um die Langfassung handelt. Der Film kam stark geschnitten in die Kinos, was wieder der wirtschaftlichen Vorstellungen des Studios zu verdanken ist, so dass der Film kein Kassenhit wurde. Über die Jahre sammelte er dennoch seine Fans, was auch dem Umstand zu „verdanken“ ist, dass es die letzte Regiearbeit von Clive Barker, der sich mit HELLRAISER einen Zenit des Modernen Horrors geschaffen hatte, war. Danach konzentrierte sich Barker auf seine Autorenlaufbahn und produzierte nur noch gelegentlich Filme. Sogar ein Kinderbuch hat der Horrormeister bereits geschrieben. Sicherlich kann man dem Umstand der schlechten Besucherzahlen von LORD OF ILLUSIONS das Ende seiner Filmkarriere zuschreiben, vielleicht sah er sich in dem Beruf als Schriftsteller einfach weniger Kompromisse bei seinen Geschichten machen.
Ein weiterer interessanter Aspekt ist die Genremischung diese Films aus Horror und Film Noir. Genaueres erfahrt ihr im Booklet des Mediabooks, welches von Daniel Wagner einen tollen Text erhalten hat.

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Clive Barker bei den Dreharbeiten // © capelight pictures

Mediabook

Lord of Illusions Review Mediabook
Mediabook Cover © capelight pictures

Diese Veröffentlichung ist in der derzeitigen Welle von Mediabooks ein Schmuckstück für die Filmsammlung geworden. Nicht nur, dass capelight mit dem Cover und den Silberglanzeffekten auf der Verpackung wieder ihre Magie der Produktion zur Geltung gebracht haben, sondern auch wegen der vielen Extras.

  • Director’s Cut mit Audiokommentar von Clive Barker
  • Director’s Cut nur mit der Filmmusik von Simon Boswell
  • Entfallene Szenen (3 min)
  • Making of (61 min)
  • Hinter den Kulissen (17 min)
  • Interview mit Martin Mercer, der für die Storyboards verantwortlich war (12 min)

Allem voran, das Bild in HD ist großartig und der Ton in 5.1. wieder lupenrein produziert worden.

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© capelight pictures

Fazit

LORD OF ILLUSIONS trieft nur so von 90er-Jahre-Stimmung zur späten Stunde. Viele Filmfans werden an diesem Film ihre Freude haben, sei es wegen der handgemachten Effekte, der umfassenden Requisiten oder dem Genre-Mix aus Horror und Film Noir. Capelight kann man wieder einmal eine 1 mit Sternchen für dieses schicke Release geben.

Titel

Lord of Illusions (1995)

Regisseur

Clive Barker

Poster

Release

Mediabook und DVD von capelight
bei Amazon kaufen (Affiliate-Link)

Trailer

Schauspieler

Scott Bakula (Harry D'Amour)
Famke Janssen (Dorothea Swann)
Kevin J. O'Connor (Philip Swann)
Daniel von Bargen (Nix)
Barry Del Sherman (Butterfield)
Joel Swetow (Valentin)

Drehbuch

Clive Barker

Kamera

Rohn Schmidt

Musik

Simon Boswell

Schnitt

Alan Baumgarten

Technische Daten

Blu-ray
Bildformat: 1,85:1 (HD 1080p)
Tonformat: Deutsch & Englisch (DTS-HD Master Audio 5.1.) und Deutsch Stereo
Untertitel: Deutsch & Englisch

Filmlänge

109 min (Kinofassung)
123 min (Director's Cut)

Altersfreigabe

Ab 16 Jahren freigegeben
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Chefredakteur

Kann bei ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT mitsprechen / Liebt das Kino, aber nicht die Gäste / Hat seinen moralischen Kompass von Jean-Luc Picard erhalten / Soundtracks auf Vinyl-Sammler / Stellt sich gern die Regale mit Filmen voll und rahmt nur noch seine Filmposter

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