Long Weekend (1978) Kritik und Review Mediabook

Long Weekend (1978) – Filmkritk & Review zum Mediabook

„Mensch trifft auf Mutter Natur“

Long Weekend (1978) Kritik und Review Mediabook
Mediabook von Turbine Cover B

LONG WEEKEND galt lange Zeit als Geheimtipp und war nur sehr schwer zu bekommen, wenn dann auch nur unvollständig. Zu meiner Schande muss ich gestehen, ich kannte den Streifen vorher auch nicht. Jetzt hat der Film seine verdiente und vor allem auch ungeschnittene, deutsche Veröffentlichung aus dem Hause Turbine erfahren. Einordnen lässt sich der Film dagegen weiterhin nur sehr schwer. Es handelt sich nicht direkt um einen Tier-Horror-Thriller im gewohnten Stil und ist eher eine Mischung aus Drama- und Psychothriller. Die paar marginalen Teilen des Tier-Horror sind jedoch vertreten, wobei der Schrecken äußerst subtil gehalten wird. Das ganz große Highlight von LONG WEEKEND ist jedoch die Atmosphäre. In Verbindung mit den Geräuschen der Natur und der sparsamen Musikuntermalung, wird eine unterschwellige Bedrohung erzeugt, die im Verlauf des Filmes immer erdrückender wird.

Long Weekend (1978) Kritik und Review Mediabook
© Turbine Media Group

Inhalt

Das zerstrittene Pärchen Peter (John Hargreaves) und Marcia (Briony Behets) fahren über das Wochenende an die Küste Australiens zum Camping. Die Spannung nimmt weiter zu, auch weil Marcia Camping und die Natur hasst und viel lieber mit Freunden das Wochenende in einem teuren Luxus-Hotel verbracht hätte. Wohingegen Peter die Zeit mit Jagen, Surfen und Alkohol totschlagen will und sich damit scheinbar bestens amüsiert. Mehr will ich an dieser Stelle gar nicht verraten.

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Der Mensch ist sein größter Feind

Der Film kann durchaus mit mehreren Lösungsansätzen punkten. Von Anfang an sehen wir ein überaus zerstrittenes Paar. Es geht vor allem um eine Abtreibung, die Marcia nach einem Seitensprung gemacht hatte und Peter erst danach informierte. Die beiden hoffen, durch den Kurzurlaub ihre Probleme endgültig zu beseitigen. Auf der anderen Seite sehen wir arrogante Stadtbewohner, die in die Natur fahren, ohne jede Rücksicht Tiere und Pflanzen töten und ihren Müll gedankenlos um sich werfen. Gerade angekommen, bekämpfen sie die Natur sofort mit Insektenspray und ballern wild in der Gegend herum. Ein weiterer Spannungsansatz wird durch diverse Nachrichtenfetzen aus dem Radio befeuert, in denen unter anderem von Tieren, die aufgrund eines neuen Pestizids Menschen angreifen, berichtet wird. Atombombentests und Sichtungen von UFOs sind ebenfalls in den Nachrichten zu hören. Nach und nach entfaltet die Natur ihre Tücken und man könnte durchaus meinen, sie würde sich gegen diese ungerechten Gewaltakte der Menschen zur Wehr setzen. Auf der anderen Seite können wir die Probleme der beiden Akteure mit der freien Natur auch ihrer schwierigen Beziehung zuschreiben, dem Alkohol und den daraus resultierenden Aggressionen gegen sich selbst. Gekonnt macht Regisseur Eggleston diese unbehandelten Traumata immer zum Thema, welche schlussendlich nur in lautstarken Konflikten enden, um sich dann in einsamer, blinder Wut gegen die unbeteiligte Natur zu entladen.

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Fazit

LONG WEEKEND ist definitiv nichts für Leute, die Action brauchen und ist schon gar keine Popcorn-Unterhaltung. Der Film geht langsam und sehr behutsam vor, er legt großen Wert auf die Charakterisierung seiner handelnden Personen und deren tiefgreifende Probleme. Er vergisst aber auch nicht, die wunderschöne Natur bildlich einzufangen. Der echte Horror geht hier nur vom Menschen aus. Die Beziehung wird als Hölle dargestellt und die darin gefangenen Personen als wilde Tiere, die nichts anderes kennen als sich gegenseitig zu zerfleischen. Der Film ist für mich ein Mahnmal dafür, dass der unvollkommene Mensch niemals in der Lage sein wird mit Mutter Natur in Harmonie zu Leben. Sind die Reaktionen der Tiere und Pflanzen nur Folgen der Bosheit des Menschen? Oder treten die Ereignisse in Kraft, weil die Akteure nach und nach den Kopf verlieren und sich die Spirale der Gewalt immer enger zieht?

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Eggleston lässt die Antwort auf diese Frage bewusst offen. Beide Schauspieler, John Hargreaves und Briony Behets, schaffen es zum größten Teil ihre Charaktere glaubhaft und absolut unsympathisch herüberzubringen. Mit keinem von ihnen möchte man wirklich befreundet sein. Der einzige sympathische Akteur in der Story ist die gefolterte Natur, die schon nach wenigen Minuten mein Mitgefühl bekommen hatte. Und auch heute, gut 40 Jahre später, benehmen wir uns Menschen keinen Deut besser gegenüber dem Planeten auf dem wir leben. Im Gegenteil, es ist noch viel schlimmer geworden. LONG WEEKEND bleibt wie ein Kaugummi an der Schuhsohle noch lange nach Filmende im Kopf haften und fordert vehement Aufmerksamkeit. Geheimtipp!

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Das Mediabook von Turbine

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Die Restaurierung und das aufpolierte HD-Bild sind vorzüglich gelungen, aber auch der Ton, der zwar nur in DTS-HD Master 2.0 Mono vorliegt, kann glänzen. Sowohl in Deutsch wie auch in Englisch wurden die Untertitel ergänzt. Als Extras wurde ein Audiokommentar mit dem Produzenten Richard Brennan, eine Galerie mit Audio-Interview mit John Hargreaves, Trailer und den Original Video-Credits hinzugefügt. Außerdem gibt es noch ein 16-Seitiges Booklet, geschrieben von Tobias Hohmann, über den australischen Genre-Film und die Entstehung von LONG WEEKEND.

 

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Ohne Kaffee geht hier gar nix / Liebt den Phantastischen Film in Wort und Bild / Vor allem alles was vor 2000 entstanden ist / Lieber ein neues Regal mit Filmen als einen Schrank mit Klamotten

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