Lock Up (1989) – Filmkritik

„Überleben ist alles“

Was gibt es nicht alles für wunderbare und spannende Gefängnisausbruchs-Filme. Ganz vorn natürlich DIE VERURTEILTEN und THE GREEN MILE. Aber auch Klassiker wie GESPRENGTE KETTEN und DER UNBEUGSAME können immer noch ihre Zuschauer begeistern. In THE ROCK ging es dank Michael Bay zu 100 Prozent dem Unterhaltungswert nach. Was immer wieder erstaunt, dass die Filme uns die Insassen mit viel Mühe sympathisch erscheinen lassen wollen. Manche sitzen zu Unrecht im Knast, bei anderen wird sich die Persönlichkeit verändern und einige haben es verdient nie wieder in der Gesellschaft frei leben zu dürfen. Warum bei diesen Filmen, der hier besprochene LOCK UP nicht dabei ist und die Hauptfigur nur sechs Monate absitzt, es sich aber wie 50 Jahre anfühlen, dem wollen wir auf den Grund gehen.

© Studiocanal

Handlung

So sieht nicht das Leben eines Sträflings aus. Frank Leone (Sylvester Stallone) sitzt in der Werkstatt und schwelgt in Erinnerungen an seinen Ziehvater. Dann kommt ihn seine Freundin Melissa (Darlanne Fluegel) abholen und sie machen einen verliebten Spaziergang durch die winterliche Nachmittagsluft. Doch der Abend naht und für Frank heißt es: zurück in den Bau. In sechs Monaten kommt er frei und weil er nur wegen kleinerer Delikte einsitzt, hat er immer wieder Ausgang.

Doch eines nachts wird er äußerst brutal in einen Hochsicherheitstrakt überführt. Wie sich herausstellt hat der dortige Gefängnisdirektor (Donald Sutherland) noch eine Rechnung mit Frank offen. In seinem Reich will Direktor Drumgoole die letzten Straftage von Frank zur Hölle auf Erden machen.

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Die Optik macht’s

Auch wenn diese Produktion nur ein paar Monate von den 1990er-Jahren entfernt ist, ist LOCK UP schön dreckig im Achtziger-Stil. Die winterliche Umgebung prallt auf die hohen Mauern und zeigt einen überfüllten Knast mit schwitzenden Insassen und dampfenden Heizungsventilen. Auch wenn immer wieder Klischees erfüllt werden – in der Einzelhaft vertreibt man sich am liebsten die Zeit mit Liegestützen – kann man dem Actionthriller ein extrem hohes Echtheitsgefühl zusprechen.

Das liegt vor allem daran, dass viele Szenen wirklich in einem Gefängnis, inklusive Insassen als Statisten, gedreht wurden. Das East State Prison in New Jersey passte perfekt: hohe Ziegelstein-Mauern, ein kleiner Hof, auf dem sich die Männer drängen und das markante riesige Kuppeldach. Das East State Prison gab es bereits in Filmen wie AMERICAN HISTORY X und OCEAN’S ELEVEN zu sehen. Es hat aber auch ein paar tödliche Aufstände in den Geschichtsbüchern der Justiz auf dem Gewissen. Regisseur John Flynn und Kameramann Donald E. Thorin (DER EINZELGÄNGER, BAD BOYS) finden immer wieder Bilder, die einem selbst als Zuschauer die Freiheit rauben und die Laufzeit geradezu in die Länge dehnen, aber alles im Sinne der Stimmung und nicht der Langeweile. Da können sich fünf Wochen Einzelhaft, wie ein ganzes Leben anfühlen.

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Sly-Style

LOCK UP ist eindeutig für Sylvester Stallone geschrieben. Zwei Jahre vor diesem Filmprojekt floppte der Armdrück-Actionfilm OVER THE TOP (1987) an der Kinokasse und auch LOCK UP hat dieses Schicksal geteilt. In Deutschland lief der Film mit über einer Million Kinozuschauer im internationalen Vergleich am besten. In den 1980er-Jahren war Stallone für Actionfans in der Bundesrepublik einfach ein Leinwandheld. Ein paar Jahre nach LOCK UP waren Filme, in denen er mitspielte, kaum erfolgreich. Nur große Action-Produktionen wie CLIFFHANGER (1993) oder DEMOLITION MAN (1993) lockten die Menschen an die Kinokasse. Erst COP LAND (1997) machte Kritiker, wie auch Produzenten sichtlich zufrieden.

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Aber zurück zu LOCK UP: Stallones coole Art, immer bei jedermann beliebt zu sein, kommt ihm auch für diese Rolle gelegen. Stück für Stück holt er sich die Freundschaften seiner Mithäftlinge und baut ungewollt eine kleine Knast-Clique um sich herum auf. Natürlich kommen die Zuschauer immer wieder in den Genuss von Slys Muskelpaketen, aber ein paar Liegestütze sind eindeutig zu wenig, um so fit zu bleiben. Die fünf Wochen Einzelhaft im dramatischen Mittelteil zehren an den Nerven des Zuschauers, wirken aber dann doch etwas unrealistisch. Wer hält denn bitte ohne große gesundheitliche Schäden solang mit minimaler Nahrung und stündlichen Alarmsignalen aus? Auch das Duell mit Insassen-Oberhäuptling Chink Weber (Sonny Landham) wird dramaturgisch gut aufgebaut, verpufft aber im Schlammgerangel auf dem Hof.

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Großer Bösewicht ist Gefängnisdirektor Drumgoole und wird wunderbar fies von Donald Sutherland (WENN DIE GONDELN TRAUER TRAGEN) gespielt. Sein Gnadenersuch im Showdown ist dann doch zu weich und jämmerlich. Es ist sicherlich nicht Stallones Glanzleistung, aber in Anbetracht, dass das Drehbuch mit dem Wissen um seine Hauptrolle, auf ihn maßangefertigt wurde, kann er dennoch neben Sutherland und Co. bestehen. Stallone selbst, sagte zu LOCK UP einmal:

„Not a film that was produced and performed with enough maturity to really make a significant impact on the audience or my career.”

Die Coolness in Person ist Captain Meissner, der von John Amos verkörpert wird. Zu Beginn als eiskalt und steinhart in die Geschichte eingeführt, trägt er nicht nur seine außergewöhnliche Brillenkollektion zur Schau. Zum Ende stellt er sich als fairer Gefängniswärter heraus.

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Die Blu-ray und 4K-UHD

Steelbook Lock UP
Steelbook (UHD+Blu-ray)

Auch wenn der Film nicht jeden Zuschauer begeistern wird, ist es dennoch Studiocanal hoch anzurechnen, Stallone-Fans und 80er-Jahre-Filmsammler ein schönes Stück für die Sammlung bereitzustellen. Das Bild wurde zur vorherigen Blu-ray noch einmal verbessert und auch die 4K-Version kann sich mit tollen Schärfen und zum Jahrzehnt passenden Kontrastwerten sehen lassen. Das limitierte Steelbook verfügt über Blu-ray sowie UHD und glänzt mit starkem Unterarm-Cover. Leider gilt das nicht fürs Bonusmaterial, welches mit ca. 25 Minuten mager ausfällt. Acht Menüpunkte machen vielleicht etwas her, jedoch nicht, wenn zum Beispiel das „Interview mit Donald Sutherland“ gerade einmal 21 Sekunden andauert. Die Interviews hätte man ruhig zusammenschneiden können.

Fazit

Auch wenn LOCK UP mit den oben erwähnten Gefängnisfilmen nicht mithalten kann, muss man dem Streifen Kultstatus zugestehen. Vor allem der echte Drehort und die sadistischen Wärter lassen einen doch mitfiebern. Hinter FIRST BLOOD, NACHTFALKEN, und DIE CITY-COBRA ein souveräner vierter Platz der besten schauspielerischen Leistung Stallones in den 1980er-Jahren.

© Christoph Müller

Titel, Cast und CrewLock Up (1989)
Poster
ReleaseKinostart: 11.01.1990 (Deutschland)
Ab dem 19.09.2019 auf UHD (Steelbook), Blu-ray und DVD

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RegisseurJohn Flynn
Trailer
BesetzungSylvester Stallone (Frank Leone)
Donald Sutherland (Warden Drumgoole)
John Amos (Captain Meissner)
Sonny Landham (Chink Weber)
Tom Sizemore (Dallas)
Frank McRae (Eclipse)
Darlanne Fluegel (Melissa)
William Allen Young (Braden)
Larry Romano (First Base)
DrehbuchRichard Smith
Jeb Stuart
Henry Rosenbaum
KameraDonald E. Thorin
MusikBill Conti
SchnittDon Brochu
Robert A. Ferretti
Michael N. Knue
Barry B. Leirer
Filmlänge109 Minuten
FSKab 18 Jahren

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