Kingdom (Kingudamu)

Kingdom (2019) – Filmkritik

„Verschenktes Potential“

Wer eine Schwäche für Mangas und abgedrehte Action aus Fernost hat, ist hier schon einmal richtig. Allen anderen muss man tatsächlich empfehlen, die Filmauswahl auf etwas anderes zu lenken. Gut, so liebe Fans des asiatischen Kinos, jetzt sind wir unter uns. Die Erwartungen an KINGDOM sind nicht sonderlich hoch: Eine emotionale Geschichte voller Wendungen und absurder Charaktere kann uns gern präsentiert werden. Auf prominente Schauspieler und logischen Storyaufbau können wir verzichten, auch die Gesetze der Naturwissenschaft interessieren uns recht wenig. Hauptsache, die Klingen fliegen und werden stets im Zeichen des Guten und der Liebe eingesetzt. KINGDOM will genau mit diesem Ansatz seine Zuschauer glücklich machen, vor allem mit dem endlosen erfolgreichen Manga mitsamt Animeserie namens KINGUDAMU im Rücken, auf dem diese Verfilmung basiert. Leider gelingt es nur bedingt und man beginnt nach der ersten Filmhälfte die Überschrift dieser Zeilen im Kopf kreisen zu sehen. Aber zuerst ins China im Jahre 255 v. Chr.

Kingdom (Kingudamu)
© Capelight Pictures

Handlung

China hat sich nach der aufgesplitterten Zhou-Dynastie in sieben Königreiche aufgeteilt. Im Reich Qin spielt unserer Geschichte und beginnt mit den beiden Sklavenkindern Xin (Kento Yamazaki) und Piao (Ryô Yoshizawa), die auf einer Farm, für etwas zu Essen und Stroh über dem Kopf, hart arbeiten müssen. Sie freunden sich an, trainieren den Schwertkampf zusammen und schwören einander, die größten Generäle Chinas zu werden. Soldat zu werden, ist nämlich die einzige Möglichkeit sein Leben als Slave zu beenden. Eines Tages beobachten Chang Wen Jun (Masahiro Takashima) die beiden Stockkämpfer. Er kauft Piao dem Farmer ab, damit er im Palast des Kaisers arbeiten soll.

© Capelight Pictures

Ein paar Jahre später stürzt Piao schwer verwundet in die Scheune von Xin und stirbt in dessen Armen. Xin schwört den Mord an seinem Freund zu rächen und ihm zu Ehren der stärkste General Chinas zu werden. Jedoch nimmt im Kaiserpalast eine Intrige gerade Formen an und der rechtmäßige Thronfolger Yin Zheng (Ryô Yoshizawa) muss fliehen. Yin gleicht in seinem Aussehen dem verstorbenen Piao bis aufs Haar. Ist das ein Zufall oder Schicksal?

Das Universum

KINGDOM ist aus der Geschichte des Mangas, welcher seit 2006 veröffentlicht wird, entstanden. Der Comic zählt zu den „Seinen Mangas“, welche sich mit ihrer Handlung konkret an Jungs richtet. So ist auch die Hauptfigur ein Junge im Teenageralter, der Großes vorhat und dazu noch im Kampf sehr talentiert ist. Ihm fehlt jedoch das Benehmen sich in diesen adligen Kreisen zu bewegen. Wie sollte er es auch besser wissen? Xin war sein Leben lang Sklave und harte Arbeit war seine Schule. Wenn man als Zuschauer nicht zu der wohlhabenden Oberschicht gehört, ist man also direkt auf seiner Seite.

© Capelight Pictures

In KINGDOM ist von Anfang an das Gefühl da, in eine starke und gut durchdachte Fantasiewelt einzutauchen, was vor allem die virtuellen Effekte wie auch die Kamerabilder ästhetisch einfangen. Das mittelalterliche Fernost-Kriegssetting macht auch ungeheuren Eindruck. Szenenbild, Requisite und Kostüme sorgen dafür, dass KINGDOM aufwändig produziert aussieht. Große Schlachten bleiben leider etwas auf der Strecke, aber man hat gut daran getan, die Kämpfe nicht größer als mit 50 Personen darzustellen. Das gibt Übersicht und verhindert unscharfe, virtuelle Kämpfer im Hintergrund.

Kingdom (Kingudamu)
© Capelight Pictures

„Ich will eine Welt, die mich begeistert!“

Mit diesen Worten von Wang Qi (Takao Osawa) trifft der General den Wunsch des Zuschauers genau auf den Kopf. Man bekommt diese Welt aber nicht. Es ist immer das Gefühl da, in der Warteschleife zu hängen. Es gibt zwar spektakuläre und gut choreographierte Zweikämpfe, aber dann geht es immer wieder zu langwierigen Dialogen über, die nicht gerade von sympathischen Charakteren gesprochen werden. Es beginnt mit der Hauptfigur: Bei dem frechen Benehmen von Xin hätte man doch auch ein paar Witze einbringen können, wie er die Etikette verletzt oder einfach keine Ahnung davon hat, wovon er spricht. Es verkommt jedoch bei ihm zu Prahlerei und Wunschdenken. Xin will vielleicht der Stärkste werden, aber KINGDOM ist eben nur der Anfang und sonst bleibt von seiner Persönlichkeit, außer der verlorenen Freundschaft, nichts übrig.

Kingdom (Kingudamu)
© Capelight Pictures

Leider sind auch die zwei einzigen weiblichen Rollen ungenutzt. He Liao Diao (Kanna Hashimoto) sieht vielleicht in ihrem Eulenkostüm ganz süß aus, aber als Frau wird sie nicht wahrgenommen. Eher wie der Knappe des Ritters und selbst in der deutschen Synchronisation verkommt ihre Person zu einem Jungen. Die stärkste Figur ist die Anführerin des Bergvolks Yang Duan He (Masami Hashimoto). Nicht nur ihr Amazonenkostüm und ihre Doppelschwert-Kampfkunst imponieren, sondern auch ihr Text, der nur auf das Wesentliche beschränkt ist. Es wird nicht lang diskutiert und ihre Krieger gehorchen ihr bis zum letzten Blutstropfen. Sie ist auch augenscheinlich kämpferisch die Stärkste von allen und man fragt sich ernsthaft, warum sie keinerlei Einfluss auf die finale Schlacht nimmt. Lediglich Statisten fallen ihren fliegenden Klingen zum Opfer.

Kingdom (Kingudamu)
Yang Duan He (Masami Hashimoto) // © Capelight Pictures

In den Gefilden der Fantasie, wo Gesetze der Physik nur eine Illusion für Schwächlinge ist, will sich KINGDOM auch gar nicht hineinwagen. Es werden zwar enorme Waffen – unter anderem ein riesiger Stein, der auf einen Stock gebunden ist – geschwungen, aber auch die Stärken der Figuren werden in ihren Grenzen kaum erforscht. Dabei gibt es so viele Animes, die das mittlerweile perfektioniert haben: Es taucht ein starker Gegner auf, vielleicht mit einer besonderen Fähigkeit und nun gilt es durch Training oder Improvisation, diesen zu besiegen. Aber hier wollten sich die Drehbuchschreiber nicht auf ein dramatisches Kräftemessen einlassen, wie im Kampf eines aus dem Film 300 entsprungenen Inzuchtmonsters am besten zu sehen ist. Rückblenden werden auch nur unnütz zur Zeitdehnung eingesetzt, anstatt in diesen vielleicht zu zeigen, was Figuren in der Vergangenheit erhalten oder erlernt haben, um das jetzige Duell zu bestehen.

Kingdom (Kingudamu)
© Capelight Pictures

Fazit

Die Motivation des jungen Kaisers Ying Zheng scheint auch auf die Filmproduktion übergegriffen zu haben. Er will die Königreiche unter seiner Führung einen und eine Nation bilden, egal welche Besonderheiten die einzelnen Regionen innehaben. Gleiches gilt auch für KINGDOM. Zu sehr versucht man es allen recht zu machen: Den Mangalesern, Animefans und den Filmzuschauern. Mehr Profil und individuelle Konturen hätten kein so durchschnittliches Vergnügen bereitet, wie es nun passiert ist. Für Asiafilmfans ein netter Pausenhalter, für alle anderen eine undefinierte Retortenware. Schade, dabei fing die Geschichte gerade erst an.

© Christoph Müller

Titel, Cast und CrewKingdom (2019)
OT: Kingudamu
Poster
Releaseab dem 24.01.2020 auf Blu-ray (Steelbook) und DVD
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RegisseurShinsuke Sato
Trailer
BesetzungKento Yamazaki (Li Xin)
Ryô Yoshizawa (Yin Zheng / Piao)
Masami Nagasawa (Yang Duan He)
Kanna Hashimoto (He Liao Diao)
Kanata Hongô (Cheng Jiao)
Shinnosuke Mitsushima (Bi)
Masahiro Takashima (Chang Wen Jun)
Jun Kaname (Teng)
Takao Ohsawa (Wang Qi)
DrehbuchTsutomu Kuroiwa
Shinsuke Sato
Comicvorlagebassiert auf dem Manga KINGUDAMU von Yasuhisa Hara
KameraTaro Kawazu
FilmmusikYutaka Yamada
SchnittTsuyoshi Imai
Filmlänge134 Minuten
FSKab 16 Jahren

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